Vor einigen Tagen hatte ich einen Beitrag zu dem Artikel des schwedischen Autors Donald Boström in der Tageszeitung Aftonbladet verfasst, in dem er den Verdacht äußert, palästinensischen Jugendlichen könnten während der 1. Intifada nach Beschuss durch israelisches Militär Organe entnommen worden sein.
Seither habe ich mich den auffindbaren Quellen zur Thematik gewidmet. Hier eine Zusammenfassung der bisherigen Kenntnisstände.
In seinem Artikel vom 17.08.09 hatte Boström behauptet, unter anderen die Eltern des 1992 getöteten Bilal Ghanem hätten ihm persönlich in einem Interview erzählt, ihrem Sohn wären Organe entnommen worden, bevor man ihn zurückgebracht hätte. Boström war seinerzeit persönlich zugegen gewesen, als Ghanem von israelischen Soldaten gezielt getötet worden war. Israelische Militärs hatten nach Aussage Boströms als auch der anwesenden Dorfbewohner den Getroffenen fortgebracht, der Bruder Bilals konstatierte später, er war der Ansicht, dass sein Bruder noch lebte, als er abtransportiert wurde. 5 Tage später erhielten die Ghanems den Leichnam ihres Sohnes zurück – mit einer Autopsienarbe, die von der Leiste bis zum Kinn reichte, ohne Zähne und mit der Order der Militärs, den Leichnam noch in der selben Nacht beizusetzen.
In der Jerusalem Post erschein eine Woche nach Boströms Beitrag ein Artikel, der die Familie Ghanem mit den Worten zitierte, sie hätten dem Journalisten nie gesagt, dass sie Organdiebstahl vermuteten und dass sie Boström nur einmal gesehen hätten, als er ein Foto von der Leiche machte.
Verwirrend, denn seither hat sich die Familie in mehreren Statements in einer Art zu Wort gemeldet, die eher die Thesen des Donald Boström zu stützen scheinen. Denn vor 3 Tagen meldet u.a. China View, dass die Familie Ghanem jetzt sogar behauptet, der Körper ihres Sohnes sei ihnen ohne Organe zurückgegeben worden, und nun offizielle Ermittlungen zur Klärung der Vorkommnisse fordere. Auch Al Jazeera wartet mit neuen Äußerungen der Familie Ghanem zu dem Vorfall auf. Demnach geben die Ghanems an, dass der Bauchraum des jungen Bilal den Eindruck erweckt hatte, “leer” zu sein.
Der Palestine Telegraph meldete nun gestern, dass eine Untersuchungskommission zur restlosen Aufklärung der Vorwürfe unter Mitwirkung u.a. des Außenministers sowie des Gesundheits- und Innenministers der palästinensischen Autonomiebehörde ihre Arbeit aufgenommen habe. Auch sei nach Angaben des Bruders von Bilal Ghanem eine schwedische Delegation nach Palästina gereist, um die betreffenden Familien erneut zu befragen. Diese hätten laut Auskunft des Palestine Telegraph ihre Vorwürfe erneut bestätigt.
Es ist mit der Bildung einer Kommission zur Aufklärung der Vorwürfe auf jeden Fall ein Schritt in die richtige Richtung unternommen worden. Schon deshalb hat der Artikel Boströms für meine Begriffe seinen Zweck erfüllt.
Noch ist also weiterhin unklar, ob die erhobenen Vorwürfe stimmen und falls nicht, was dann mit den Opfern geschah.
Der ausführliche, mit Quellenmaterial gestützte Bericht von Counterpunchs Alison Weir über Fälle von Organdiebstahl innerhalb Israels in der Vergangenheit gibt eher Anlass zur Sorge. Die Verdachtsmomente bezüglich eines möglichen organisiserten Handels mit Organen getöteter Palästinenser sind demnach keinesfalls plötzlich einer antiisraelischen oder gar antisemitischen Laune Boströms entsprungen, sondern bereits seit Anfang der 90er-Jahre immer wieder von palästinensischen Ärzten und israelischen Menschenrechtlern thematisiert worden. Boström hat ihnen nun lediglich weltweite Aufmerksamkeit verschafft.
Israel würde meines Erachtens nach ein Zeichen setzen, wenn es anböte, sich an den Untersuchungen zu beteiligen. Dies wäre ein erstes klares Indiz dafür, dass zumindest die Regierung in Bezug auf den Fall nichts zu verbergen hat und gewillt ist, die Vorwürfe und Sorgen der betroffenen Familien ernst zu nehmen und sie möglichst auszuräumen.
To be continued.





Was ist denn jetzt wirklich neu? Die Familie des Opfers äußert einen Verdacht, ohne ihn beweisen zu können. Dieser Verdacht passt perfekt in die anti-israelische Propaganda. Es ist doch logisch, dass er nun erst recht verbreitet wird.
Dass solche Gerüchte bereits seit Jahren gestreut werden, ist auch nichts neues.
PS: Es gibt auch das Gerücht, dass Israel angeblich Kaugummis mit einem Aphrodisiakum verteilt, um die Palästinenser zu »unzüchtigem« Verhalten anzuregen. Es werden auch immer wieder die Blutgerüchte »thematisiert«: die Juden backen nach diesen Gerüchte Hostien aus dem Blut ermordeter Kinder. Durch häufige Wiederholung werden die Gerüchte aber nicht wahr …
Neu ist, dass die Familie sich anscheinend mal so mal so äußert. Neu ist auch, dass eine Untersuchungskommission gebildet wird. Neu ist des Weiteren die Info, dass es ähnliche Vorwürfe bereits seit 20 Jahren gab, die aber nie weiterverfolgt wurden. Diese Infos sind in der Tat ziemlich neu, denn sie mussten mühevoll anlässlich des aktuellen Falles und der Entrüstung, die er ausgelöst hat, aus den verstaubten Archiven der wenigen Tageszeitungen gekramt werden, die darüber überhaupt berichtet hatten. Und ich nehme dir ehrlichgesagt nicht ab, dass sie für dich “nichts neues” sind.
Es werden Vorwürfe erhoben, was hat das bitte mit Propaganda zu tun?
Ich werde das Gefühl nicht los, dass du regelrecht Angst davor hast, dass eine Untersuchung Resultate bringen KÖNNTE, die schmerzlich mit deinem Israel-Verständnis vom verfolgten, sich permanent verteidigenden Opfer kollidieren könnten. Warum??
Falls diese Vorwürfe wahr sein sollten, würdest du etwa wollen, dass die Verantwortlichen ungestraft bleiben? Dass dieses Land so weitermacht? Das SCHADET Israel, Stefan! Es ist daher RICHTIG, dem Verdacht nachzugehen und ihn nach Möglichkeit auszuräumen oder aber Konsequenzen zu ziehen.
Und selbst wenn du es vorziehst, dich nicht kritisch mit dem Staat Israel auseinanderzusetzen, warum auch immer, dann akzeptiere doch bitte, dass andere das tun.
Zum Thema “Blutgerüchte” fällt mir der israelische Wissenschaftler Ariel Toaff ein, der 35 Jahre lang an diesen Gerüchten geforscht hat. Er hat ein Buch darüber geschrieben, das vielen nicht gefallen hat, weil er Beweise fand, die belegten, dass es solche Blutopfer um die Zeit der Kreuzzüge gegeben hat. Nach jahrelangem Terror hat der Mann aufgegeben und eine “revidierte”, entschärfte Fassung herausgebracht. Leute, die in ihrem Leben nie archäologisch und historisch geforscht haben, haben es geschafft, einen Mann zu diskreditieren, der immerhin die Hälfte seines Lebens damit zugebracht hatte. So geht man in Israel mit Leuten um, die Dinge veröffentlichen, die der Staatsräson nicht dienlich sind, obwohl es zu jener rauen Zeit vergleichbares Verhalten von Rache und Opferkult mit Sicherheit an vielen Orten dieser Welt gegeben hat. So verfuhr man auch mit Mordechai Vanunu oder mit dem Systemkritiker und Führer der israelischen Bewegung für eine gerechte Demokratie, Azmi Bishara. Viel Spaß beim Googeln.
Und haltlose Gerüchte sind immer noch etwas anderes, als konkrete Vorwürfe, die von Angehörigen und Ärzten unabhängig voneinander immer wieder erhoben wurden, also von Leuten, die direkten Umgang mit den Opfern hatten.
Ariel Toaff fand seine »Beweise« in Folter-Akten der Inquisition. Die Aussagen sind unter der Folter zustandegekommen und damit für den Beleg einer solchen Tat völlig wertlos. Im übrigen liegt es auf der Hand, das in Inquisitions-Akten sehr viel Unwahrheit stehen muss: Beschuldigte gaben unter der Folter auch Dinge zu, die aus wissenschaftlicher Sicht völlig unmöglich sind. So sprechen sehr schwere Indizien dafür, dass Ariel Toaff mit seinen Anschuldigungen Unrecht hat.
Du hast das Buch gelesen oder kannst mir die (seriöse, möglichst wissenschaftliche) Quelle nennen, die diese Behauptung stütz, sodass es dazu berechtigen könnte, das gesamte Werk Toaffs derart in Zweifel zu ziehen?
Ich bin gespannt. Ich kann dir nur eins sagen, Toaffs Werk könnte weiter nicht entfernt sein von antisemitischen Hetztiraden. Er verwendet in seinem Buch “Pasque di sangue” u.a. über 1000 Jahre alte Originalquellen – und eben nicht nur jene der Inquisitionsakten. Und seltsamerweise kam ein weiterer israelischer Forscher – Israel Shahak – wenige Jahre zuvor zu nahezu identischen Ergebnissen, das hat auch Toaff betont.
Und es gilt generell: Mit welcher Begründung will man solche Taten während des Mittelalters ohne Beweisgrundlage ausschließen? Dem Judentum als solchem würden derartige Dinge keinesfalls schaden, da in Ausübung solcher Taten die jüdischen Lehren ja offensichtlich umgangen bzw. unmittelbar verletzt worden wären.
Jane, machen wirs kurz: Araber lügen, weil es ihre Natur ist. Ganz besonders, wenn es gegen Isael geht (und es geht immer gegen Israel). Daher ist es uninteressant, was sie zu Protokoll geben. Wahrheit wird es niemals sein.
Wer die sinnlosen antisemitischen Stereotypen glaubt, ist wirklich ein sehr dummes Stück Brot. Daher verzichte ich auch auf Anstand und Etikette, dieser Kommentar wird eh nicht freigeschaltet.
Es ist mir ein Vergnügen, dich als leuchtendes Beispiel für die bodenlose Menschenverachtung, die sowohl im Kern der zionistischen Bewegung des 19. und frühen 20. Jahrhunderts als auch der heutigen israelischen Außenpolitik innewohnt(e), zu präsentieren.
Schaden kannst du damit ausschließlich dir selbst. Wer sowas in aller Öffentlichkeit von sich gibt, der kommt der von dir verwendeten Bezeichnung “dummes Stück Brot” wahrscheinlich näher, als ihm lieb sein dürfte.
Allein, eine inhaltliche Antwort ist derartige rassistische Hetze ganz sicher nicht wert. Es wird der letzte Kommentar bleiben, den du hier veröffentlicht hast. Dies soll ein seriöser Blog sein. Hier ist kein Platz für Leute, die mit einer Einstellung durchs Leben gehen der Marke: ‘Hey, wieso Bücher lesen, wieso jahrelang Studien zu einem Thema betreiben, wieso Zeit und Einfühlungsvermögen in Fremde investieren, wenn man sich doch die Welt einfach so malen kann, wie sie einem passt’. Aber eines wird sich dabei niemals vermeiden lassen: nämlich dass Colorit und Aussage dieses (Welt-) Bildes abgrundtief nach Ignoranz und Einfachheit riechen und somit meilenweit für jeden halbwegs intelligtenen Menschen als das erkennbar ist, was es ist: Das Bild eines armen, simpel gestrickten Menschen ohne wirkliches Interesse, ohne wirkliches Anliegen.
Übrigens: Dieser kleine Rassist hier entpuppt sich als Fan von Lilas Blog (“Letters from Rungholt”). Na wenn das kein Zufall ist… allemal aber katastrophale Werbung für Lila und alle anderen auf seiner Blogroll, es sei denn, die halten Araber auch für Lügner von Geburt an.
Oh – und wie sich nunmehr herausgestellt hat, verdanke ich derartige rassistische Spam-Kommentare deiner offensichtlichen Rufmordkampagne in Lilas Blog, Stefan. Danke, wirklich. Zu viel der Ehre.
Ich habe NIEMALS irgendwo geschrieben, dass ich diese Vorwürfe für “wahr halte”, diese Behauptung ist ein Produkt deiner Fantasie und ich finde es ehrlichgesagt unmöglich, dass du mit solchen Unterstellungen irgendwo und dann auch noch in einer Art und Weise hausieren gehst, die mich als Verteidigerin “antisemitischer Machwerke” hinstellt, obgleich ich hier mehrfach das Gegenteil schrieb und mich wohl ziemlich klar ausgedrückt habe.
Meine Worte waren, dass ich solch einen Vorfall aufgrund von ermöglichenden Umständen und entsprechenden Vorfällen in der Vergangenheit “nicht für ausgeschlossen” halte und dass ich die Vorwürfe ernst nehme und es für notwendig halte, dass ihnen nachgegangen wird. Ich glaube, das ist noch ein kleiner Unterschied, den du anscheinend nicht wahrnehmen WOLLTEST. Umstände und Vorfälle, die du handstreichartig mit der Kategorisierung “Propaganda” und “irrelevant” vom Tisch wischst, während deiner Sichtweise genehme Zeitungsartikel natürlich glaubwürdig sind und schon quasi automatisch “neutralisierend” wirken. Demnach sind Behauptungen in Zeitungsartikel dann “wahr”, wenn sie deinem Standpunkt zuarbeiten, sie sind hingegen kritiklos als “falsch” oder gar “Hetze” einzuordnen, wenn sie dem Standpunkt zuwiderlaufen. Da stellt sich die Frage, inwiefern du selbst eigentlich noch als unvoreingenommen-neutraler Beobachter glaubwürdig bist.
Und das, was du hier an teilweise einfach nur noch verletzender Rabulistik abgelassen hast, auch noch als “ausführlich argumentiert” darzustellen, setzt dem Ganzen die Krone auf.
Dein Problem ist, dass dir deine offensichtliche Vorbelastetheit in dieser Angelegenheit einen sachlichen Blick auf die Situation verstellt. Das verhindert, dass du erkennen könntest, dass Boström im Artikel nie behauptet hat, dass das alles so gewesen ist, sondern er hat die Aussagen von Menschen zu diesem Thema in den Focus der Öffentlichkeit gerückt, IHNEN eine Stimme gegeben. Dass er das dann mit “er habe keine Ahnung, ob die Vorwürfe auch stimmen” kommentiert, entspricht genau dem. Und schon deshalb kann von einem “antisemitischen Machwerk” überhaupt keine Rede sein, denn dazu fehlt schlicht und ergreifend der antijüdische Vorsatz. Dem Autor ging es nicht um “die Juden”, sondern um die Verdachtsmomente und Vorwürfe der Angehörigen der Opfer – und die haben allemal ihre Berechtigung. Und ein vereinzelter Artikel in einer israelischen Tageszeitung, der, ohne Zitierquellen zu nennen, einfach mal das Gegenteil behauptet, ändert daran vorerst erst einmal gar nichts.
Welch eine unredliche Kampagne. Ich hoffe, mit der hier im Forum lesbaren, durch dein Vorgehen ausgelösten Replik bist du zufrieden.
(1) Der oben dargestellte Kommentar von »Flash« ist rassistisch.
(2) Ich habe nichts damit zu tun, dass der Kommentar hier erschienen ist. Ich stehe in keinem Zusammenhang mit dem Kommentator »Flash«.
(3) In keinem Kommentar bei Lila vor dem 11. September habe ich Bezug auf dieses Blog oder auf Deinen Namen genommen. Danach habe ich lediglich auf Aspekte Deiner Kommentare dort reagiert. Insofern geht der Vorwurf »Rufmordkampagne« völlig ins Leere.
(4) Am Morgen des 06.09.2009 habe ich nur Deinen ersten Artikel und nicht das Update gekannt. Das Update ist in einem anderen Ton formuliert. Der erste Artikel beginnt bis heute mit der Wendung »allem Anschein nach« und mit der Behauptung, dass die obersten Behörden Israels Kenntnis vom »Mord für Organhandel« hätten. Für letztere Behauptung sehe ich bis heute keine Quelle.
(5) Meine »Vorbelastetheit« besteht darin, dass ich aus meiner Sicht nur glaubwürdig gegen NPD und ähnliche Kräfte sein kann, wenn ich abstrusen Anschuldigungen gegen Israel und gegen Juden entschieden entgegentrete. Sie kommen für mich jeder anderen Art des Rassismus gleich. Mit jeder berechtigten Kritik am Staat Israel kann ich umgehen, nicht aber mit solchen Kampagnen. Berechtigte Kritik an einer Maßnahme Israels werde ich auch in dieser Woche formulieren, dazu später.
(6) Du magst für Dich selbst prüfen, ob Du zum Staat Israel eine neutrale und nicht vorbelastete Position einnimmst. Deine bisherigen Artikel, Kommentare und Diskussionsbeiträge zu diesem Thema haben bei mir einen anderen Eindruck hinterlassen (z.B. in der Debatte zum Existenzrecht Israels). Gegen eine dezidiert parteiische Haltung ist nichts einzuwenden, aber sie wird immer Widerspruch hervorrufen.
Stefan, es geht nicht darum, ob du meinen Namen oder mein Blog genannt hast, sondern darum, dass ich über einen augenscheinlichen Rassisten, der in meinem Blog kommentiert hat, auf Lilas Blog stoße und dort sehen muss, dass du mich in die antisemitische Ecke stellst, nur, weil ich deinen Standpunkt nicht übernehme, der da lautet, dass derartige Vorwürfe, so sie gegen Israel geäußert werden, ohnehin nicht wahr sein KÖNNEN und daher auch gar nicht erst der kritischen Überprüfung bedürfen. Entschuldige, aber als angehende Wissenschaftlerin stehe ich mit solchen ideologischen Argumentationsmustern auf Kriegsfuß. Für mich sind alle Länder gleich, alle Religionen, alle Völker. Verdachtsmomente werden nicht dadurch entkräftet, dass man sie rückhaltlos der Lüge bezichtigt. Bei dir nimmt der Staat Israel (und das bestätigts du ja in deinem obigen Kommentar nochmal) da offensichtlich eine Art Sonderstellung ein. Was, wenn ein solcher Verdacht an eine Adresse in Deutschland gerichtet wäre? Wärest du dann auch der Ansicht, dass ein solcher Vorwurf nur antideutsche Propaganda sein könnte und nicht wenigstens überprüft gehörte?
Ganz davon abgesehen, dass ich es einfach nur furchtbar finde, wie radikal und arrogant die Leute in Lilas Blog mit dieser Geschichte umgehen – man schaue sich bloß mal die letzten Antworten auf meine beiden Kommentare an, da wird aggressiv rumgemotzt, beleidigt, die Aussagen verdreht und ins Lächerliche gezogen, dass ich mich schämen würde, auf einen solchen Blog zu verweisen (Zitat Lila: “Pallywood-Märchen”!) -, hatte ich bereits in meinen Kommentaren zum ersten Beitrag, der nichts als eine kurze Randnotiz zu dem betreffenden Aftonbladet-Artikel sein sollte, den ich damit zur (sachlichen!) Diskussion stellen wollte, geschrieben, dass ich überhaupt keine Meinung dahingehend habe, ob die im Artikel erhobenen Vorwürfe wahr sind oder nicht, weil mir dahingehend schlicht die nötigen Kenntnisse fehlen – und die fehlen logischerweise auch dir, Lila, Yael und allen anderen Menschen auf diesem Globus, mit Ausnahme der Betroffenen.
Diese Kommentare waren dir auf jeden Fall bekannt, aber in deinem Zorn hast du sie offensichtlich ignoriert, als du dich dazu entschlossen hattest, dir in einem Blog voller offensichtlich Gleichgesinnter Luft zu machen.
Ganz ehrlich: Ich hätte bei einem intelligenten Menschen deines Alters und deines Bildungsstandes sowas einfach nicht erwartet. Eigentlich müsstest du klug und weitsichtig genug sein, zu erkennen, dass es sehr wohl Indizien gibt, die es eben nicht ausgeschlossen scheinen lassen, dass derartiges vorgefallen sein könnte. Du verschließt davor die Augen, weil du darauf fixiert bist, erst überhaupt gar keinen Ansatzpunkt für eventuell tatsächlich antisemitisch motivierte Kritik an Israel aufkommen zu lassen. Dass du damit vermutlich sowohl den Angehörigen der Opfer, die mit ihren Sorgen, Ängsten und ihrem Verlust bislang völlig alleine dastanden, als auch dem Autor, der ihnen lediglich Gehör verschaffen wollte, höchstwahrscheinlich verdammt Unrecht tust, scheint dich nicht wirklich zu berühren. Dass du damit im allerschlimmsten Fall sogar ein Verbrechen decken könntest, ebenso.
Antifaschismus ist eine feine Sache, Stefan. Aber es fängt an, dieser noblen Gesinnung zuwider zu laufen, wenn man anderen Menschen Unrecht tut, damit der Gesinnungsfeind keinen Grund zum Frohlocken hat.
All die abenteuerlichen Begründungen, warum “das alles gar nicht möglich” sein kann, von “Toten kann man keine Organe mehr entfernen” bis “Die Familie hat bestritten, dem Journalisten gegenüber jemals den Verdacht des Organraubs erhoben zu haben”, sind doch nichts als Augenwischerei in einem Fall, in dem über so gut wie gar keine durchgesickerte Information Konsens hinsichtlich ihrer Richtigkeit herrscht. Und das habe ich immer wieder betont. Wahrheitsfindung ist meine Motivation, nicht das “unüberprüfte Übernehmen von Behauptungen”.
Ich würde mich persönlich im Nahostkonflikt nicht als neutral bezeichnen, ich habe meine Meinung. Aber ich lasse sie im Gegensatz zu dir außen vor, wenn es darum geht, punktuell Probleme zu diskutieren, die mit dem Nahostkonflikt nur am Rande zu tun haben. Auch gründet sich meine Meinung auf keine Ideologie (z.B. ANtizionismus oder aber ein bis zum Gehtnichtmehr zum bedingungslosen Proisraelismus verformter Antifaschismus), sondern sie orientiert sich an der Geschichte des Nahen Ostens, an der aktuellen Politik, sowie an Grundsätzen der Ethik, der Menschlichkeit und der Gleichheit.
(1) Die Vorwürfe zum Thema »Mord für Organhandel« sind so absurd, dass ich aus Vernunftgründen auch dagegen argumentieren würde, wenn sie gegen jeden anderen zivilisierten Staat gerichtet wären.
(2) Jeder demokratische Staat ist auf diese Weise angreifbar. Man könnte beispielsweise aus dem deutschen Blutspenden-Skandal sehr eindrucksvolle Theorien basteln und es gäbe prima »Indizien« dafür. In Wahrheit sieht man daran nur, dass der Mensch bisher noch nie eine Medizin frei von Korruption und anderen Schattenseiten schaffen konnte.
(3) Die Vorwürfe zum »Mord für Organhandel« und auch die Ritualmord-Legenden gewinnen ein besonderes Gewicht, wenn sie gegen Israel und die Juden gerichtet sind. Dieses besondere Gewicht ergibt sich aus dem latent schwelenden Rassismus (und speziell: Antisemitismus) in Deutschland. Neonazis differenzieren nicht, sondern sie greifen solche Vorwürfe als Wahrheit auf. Das ist ein Grund mehr, entschieden dagegen vorzugehen.
(4) Ich betreibe keinen bedingungslosen Pro-Irgendwas-Ismus. Warum nicht? Weil eine bedingungslose Ideologie immer Elemente des Totalitarismus enthalten würde. Ich bin demgemäß auch nicht bedingungslos für Israel und wenn es an der Zeit ist, werde ich auch bestimmte Punkte an Israel kritisieren. Aber dann auf der Basis verlässlicher Informationen.
(5) Ich werde hier nicht auf Unterstellungen »ad personam« reagieren oder über persönliche Befindlichkeiten diskutieren.
Ich verspüre mittlerweile wenig Lust, mich zu dieser Angelegenheit weiter auf diese Art auseinanderzusetzen. Es ist unübersehbar, dass du – ohne die Fakten wirklich zu kennen (wie gesagt, die KANN momentan kaum jemand wirklich kennen) – dir deine feste Meinung zum Thema bereits gebildet hast und gar nicht gewillt bist, eine gewisse argumentative Distanz bzw. Neutralität dazu einzunehmen. Nein, das ist keine “Unterstellung ad personam”, sondern schlicht ein Schluss, den ich aus der bisherigen Auseinandersetzung ziehe, die eher einem Privatkrieg glich, als einer sachlichen, von echtem Erkenntnisinteresse geprägten Debatte. Das ist schade, aber nicht zu ändern. Gleichwohl begegnen einem solch verhärtete Fronten entweder auf der einen oder der anderen Seite ziemlich häufig im Diskurs.
In meinem Blog wirst du jedenfalls auch zukünftig mit der Thematisierung von Dingen solcher Art rechnen müssen (egal, ob jetzt auf Israel oder sonst irgendeinen Staat bezogen), eben WEIL sie so absolut unglaublich und gar monströs scheinen, dass man meinen möchte, so was könne es gar nicht geben. Genau das macht das Thema schließlich kontrovers und mithin diskutierbar – allerdings nur, wenn man daran überhaupt interessiert ist und nicht stattdessen schon das Äußern eines Verdachtes als solches als anti-irgendwas und potenziell bösartig ansieht, weil Denkschablonen irgendeiner Art einem das vorschreiben.
Nach deiner Auffassung dürften auf keinen bloßen Verdacht hin mehr Ermittlungen stattfinden, sondern es müsste zunächst einmal ein Gremium zusammentreten, das subjektiv darüber entscheidet, ob der Verdacht aufs erste Hören “annehmbar” scheint, bevor überhaupt dem Ganzen einmal nachgegangen wird, und so lange würde der Verdacht als “infame Lüge” eingestuft werden. Und selbstverständlich müsste es eine Mediensperre geben, bis handfeste Beweise vorgelegt werden können…
Definitiv nicht geben wird es hier eine Sonderbehandlung all dessen, was in irgendeiner Art und Weise mit dem Staat Israel zu tun hat. Aus welchem Grund denn auch? Ausgerechnet einem Staat besondere Sensibilität im Umgang mit seiner Politik zuteil werden zu lassen, der sich in (zu) vielen Bereichen eben als tatsächlich wenig rechtsstaatlich und zivilisiert zeigt, verstieße gegen sämtliche Grundsätze der Fairness sowie humanitärer Gerechtigkeit.
Deine Haltung pro-Israel würde ich in der Tat als relativ bedingungslos ansehen. Es scheint, als bewegtest du dich streng innerhalb eines vorgegebenen Argumentationsleitfadens, der bestimmten Schlagworten und Wendungen feste antisemitische “Bedeutungen” zuordnet: “Organhandelvorwurf – ah! Ritualmordvorwurf! Kann also nur ein klassisches antisemitisches Stereotyp sein.”
Dass es in hochzionistischen Kreisen solche “Lexika” und “Diskussionsleitfäden pro Israel” zur Diskreditierung sachlicher und kritischer Auseinandersetzungen mit Themen, die irgendwie Israel berühren, tatsächlich gibt, ist kein Geheimnis. Allerdings habe ich dafür – ebenso wenig wie für die antisemitisch motivierten solchen – recht wenig Verständnis. Nur so lassen sich nämlich die Opferperspektive sowie jene an Klärung der Vorwürfe interessierten Perspektiven ausblenden bzw. in die Ecke der “Verteidiger antisemitischer Machwerke” stellen.
[...] in Sachen Urteilsbildung ohne die Fakten zu kennen. Ich hatte seinerzeit auf art und wIEse den Fall aufgegriffen und versprochen, an dem Thema [...]