Archive

Waldschlößchenbrücke nimmt langsam Form an.

Kaum ein Bauwerk hat wohl in den letzten 100 Jahren in Deutschland ähnliche Kontroversen ausgelöst. 2005 per Bürgerentscheid von einer Mehrheit der Dresdner gewollt und dennoch von vielen verachtet: die Dresdner Waldschlößchenbrücke.
Vor einigen Tagen habe ich der Brückenbaustelle am Käthe-Kollwitz-Ufer einen Besuch abgestattet. Unser kleines Monstrum nimmt so langsam Form an, sogar an den Bögen wird bereits gearbeitet. Auf über 100 Metern Länge liegt der Brückenkörper, der einmal die Fahrbahn tragen wird, schon halbfertig parat und wartet darauf, endlich über den Fluss gespannt zu werden.

Waldschlösschenbrücke Baustelle

Von der UNESCO 2009 als “den Landschaftsraum zerstörend” abqualifiziert, gilt sie seither als das Corpus Delicti, das Dresden den Weltkulturerbe-Titel kostete.

Allein, es fällt schwer, den ganzen Aufruhr zu verstehen. Des Öfteren habe ich mich schon gefragt, wo all jene eigentlich am 27.02.2005 waren, die im Zuge des Streits um den Welterbetitel plötzlich gegen die Brücke Sturm liefen. An jenem Tage waren alle Dresdner aufgefordert, demokratisch darüber zu entscheiden, ob sie an vorgeschlagener Stelle eine neue Elbquerung wollen oder nicht. Mehr als 2/3 aller Teilnehmenden votierten seinerzeit für die Brücke, nur 32% dagegen.
Auch damals war allen bekannt, die willens waren, sich zu informieren, wo die Brücke stehen soll, wie sie in etwa aussehen wird und dass sie punktuell Elbwiesen und Elbe überspannen wird. Und jedem, auch jenen, die keine Brücke wollten, stand am 27.02.2005 das demokratische Bürgerrecht zu, für oder gegen den Bau der Brücke zu votieren.

Ich habe daher in den letzten Jahren zwar nachvollziehen können, dass die Gegner des Brückenbaus ihrem Unmut Luft machten und gegen den Bau protestierten. Was für mich nicht nachvollziehbar ist, ist allerdings, dass im Nachhinein vielfältig versucht wurde, die rechtliche Legitimation des Brückenbaus auf Basis des Bürgerentscheides in Zweifel zu ziehen, bisweilen von einer “Diktatur des Durchschnitts” zu sprechen und sogar die demokratischen Entscheidungsfindungs-Prozedere insgesamt infrage zu stellen.

DSC00018

Tatsache ist mithin, dass der Widerstand gegen die Brücke ab just dem Moment anschwoll, als das UNESCO Welterbe-Komitee beschloss, dass das Bauvorhaben mit dem erst 2004 verliehenen Welterbetitel unvereinbar sei.
Das warf und wirft bei vielen die Frage auf: Warum verlieh man Dresden dann 2004 den Titel überhaupt? Die Baupläne für die Waldschlößchenbrücke existieren seit den 90er-Jahren und waren somit auch der UNESCO bekannt. Angesichts der Begründung der UNESCO zur Aberkennung des Titels können Details in der Planung, wie etwa Form und Breite der Brücke, kaum eine Rolle gespielt haben, denn die UNESCO bemängelte seinerzeit ein “Zerschneiden des Elbtals” – diese Wirkung hätte allerdings wohl jede Brücke jeglicher Form und Größe an dieser und auch an jeder anderen Stelle zwischen Blauem Wunder und Albertbrücke gehabt, Gerüchte über eingereichte Pläne mit falsch eingezeichnetem Standort hin oder her.
Es bleibt also die Frage, weshalb die UNESCO den Welterbetitel überhaupt verlieh, obwohl die Brückenpläne längst bekannt waren.

Ganz unverständlich ist dann schließlich, dass eine internationale Organisation von Weltrang wie die UNESCO, die sich den Schutz von Natur- und Kulturräumen auf die Fahnen geschrieben hat, offen die Zerstörung unterirdischer Lebenräume wie etwa das Erdreich zugunsten unverbauter oberirdischer Panorama-Perspektiven propagiert.
Der Welterbetitel ging verloren, weil die UNESCO – ebenso wie viele der organisierten Brückengegner wie etwa die Grüne Liga – den Bau eines Tunnels forderte, die Stadt dem aber nicht Folge leistete und stattdessen die Brücke weiterbaute.
Ein Tunnel, so die Brückengegner, würde den schönen Blick von den Elbhängen ins Elbtal und auf die Innenstadt-Kulisse unverbaut lassen, die Brücke hingegen genau diesen zerstören und das Elbtal “zerschneiden”. Darüber, dass ein Tunnelbau massive Eingriffe in das Erdreich und damit verbunden erhebliche Gefahren für diesen Lebensraum mit sich gebracht hätte, schwiegen sowohl die Brückengegner als auch die UNESCO.
Regenwurm & Co. haben anscheinend gegenüber dem gutverkäuflichen Romantikblick auf die barocke Altstadtkulisse keine große Lobby.

Dass auch die Welterbe-Debatte ab ca. 2006 nur wenig Einfluss auf die grundsätzliche mehrheitliche Befürwortung der Brücke in Dresden hatte, zeigte eine Umfrage kurz vor der Entscheidung der UNESCO im Juni 2009. Dieser zufolge sahen knapp 60% der Dresdner den Welterbetitel nicht als “unentbehrlich” an.

Wie dem auch sei, der Titel ist nun futsch, die Brücke wird gebaut und wächst und gedeiht. Vielleicht wird sie den Blick auf die Altstadt teilweise verstellen, vielleicht wird sie auch erhöhtes Verkehrsaufkommen in Gegenden bedeuten, die bisher in friedlicher Ruhe lagen. Doch ohne Zweifel wird sie auch Entlastung und kürzere Wege bedeuten, sie schont das Erdreich und seine Bewohner, sie verbindet die Menschen auf beiden Seiten des Flusses und markiert einen zeitgenössischen Beitrag zur Stadtarchitektur. Für mich ist die Brücke in jedem Fall ein Gewinn, sowohl aus architektonischer als auch umwelttechnischer Sicht (kürzere Wege = weniger Schadstoffausstoß).

Meine Stimme hat sie jedenfalls.

27 comments to Waldschlößchenbrücke nimmt langsam Form an.

  • auch auf die Gefahr hin, dass das schon mal gesagt wurde (aber wahrscheinlich noch nicht von allen), möchte die Gleichung (kürzere Wege = weniger Schadstoffausstoß) um folgende Gleichung ergänzen: (mehr Wege = mehr Verkehr)

    Das Stichwort heißt induzierter Verkehr.

  • Grundsätzlich mag ich die Versuche, den Brückenbau zu stoppen, indem der Bürgerentscheid in Zweifel gezogen wird auch nicht. Wäre der Bürgerentscheid damals anders ausgefallen hätten eben die Brückenbeführworter versucht, dessen Legitimation anzuzweifeln. Hin wie her.

    Was dem Bürgerentscheid von damals allerdings einen leicht faden Beigeschmack gibt, ist, dass sich viele Leute im Nachhinein falsch informiert fühlten. Für die meisten Leute gab es nicht die Frage nach Brücke, Tunnel oder anderer Alternative, sondern einzig nach “keine Brücke = Stau” oder “Brücke = flüssiger Verkehr in der ganzen Stadt”. Hier hatten halt die Brückenbeführworter im Vorfeld die stärkere Lobby. CDU, FDP, ADAC erreichen einfach mal sehr viele Leute und können auch mit gewissen finanzellen Mitteln aufwarten.

    Klar könnte man jetzt anführen, dass es jedem freistand, sich selbst zu informieren. Aber seien wir mal realistisch – wir leben in einer Mediendemokratie. Meinunen werden nicht mehr in Diskussionen geformt (auch nicht am Stammtisch), sondern von dem abgeleitet, was die Medien uns vorkaun. Was für eine Wirkung eine einseitige Kommunikation (das Wort Desinformation liegt mir auf der Zunge) auf “demokratische” Entscheidungen haben kann haben das Abstimmungsergebnis und die späteren Reaktionen meiner Meinung nach deutlich gezeigt.

    Tja nu isses wie es is…ich werde die Brücke nie mögen, aber was man nicht (mehr) ändern kann, muss man wohl akzeptieren.

  • Jane

    Hallo Martin, hallo Torsten!

    Zu der “mehr-Wege-mehr-Verkehr”-These vielleicht Folgendes:
    Warum sollte es plötzlich mehr Verkehr im quantitativen Sinne geben? Wer bislang vom Südosten in den Dresdner Norden wollte, der fuhr bisher nicht um die Stadt herum, sondern doch zumeist durch die Innenstadt. Es wird also mit der neuen Brücke lediglich eine Umverteilung des Verkehrsaufkommens und somit eine Entlastung der innenstädtischen Brücken geben, meiner Ansicht nach. Wo sollte der zusätzliche Verkehr herkommen?
    Vielleicht lassen dann sogar mehr Leute das Auto stehen, wenn es eine bessere, da direktere Verbindung zum anderen Elbufer per Rad oder zu Fuß gibt?

    Zu Martin:

    Ich bin mir da sogar ziemlich sicher, dass die Legitimationszweifel genauso gekommen wären, wäre der Bürgerentscheid anders herum ausgefallen, die Menschen sind da halt so. Ich finde das als lupenreine Demokratin aber nicht gerade ideal.

    Was das sich-schlecht-informiert-Fühlen betrifft: Ich persönlich habe das nicht so gesehen damals. Die Informationen, die mich zum Befürworten der Brücke bewogen, waren
    1. die Tatsache, dass diese Brücke bereits seit Jahrhunderten geplant wurde, die Stadtarchitektur an jener Stelle sogar bereits darauf ausgerichtet war, die Brücke aber bis dato nicht gebaut wurde;
    2. dass ich in der Tat der Ansicht bin, dass die Brücke notwendig ist und Entlastung schaffen wird – zumal die Sperrung des Blauen Wunders für den Verkehr nur eine Frage der Zeit sein wird, und
    3. dass Dresden im Falle der Sperrung des Blauen Wunders die einzige Großstadt in Deutschland wäre, die auf 12 Km Flusslauf nicht eine befahrbare Querung im innerstädtischen Bereich aufwiese.

    Ich sollte dazu sagen, dass ich prinzipiell ein vehementer Verfechter von Umweltschutz, Fußgänger- und Radfahrerrechten und eher gegen die Dominanz der Blechlawine bin. Ich finde aber eben, dass die WSB auch Fußgängern und Radfahrern buchstäblich neue Wege eröffnen wird, was bei einer Tunnellösung beispielsweise nicht der Fall gewesen wäre.
    Ich kenne eine junge Mutti, deren gerade geborenes Kind irgendwann wie sein 6-jähriger Bruder von Blasewitz über die Elbe nach Loschwitz in die Schule fahren wird. Wenn das Blaue Wunder irgendwann für den Verkehr dicht gemacht wird, wie kommt der Kleine dann hinüber?

    Stichwort Mediendemokratie: Genau das ist ja der Punkt. Die geistige Trägheit der Leute nervt bisweilen gewaltig. Es bräuchte mehr solcher Entscheide, damit die Leute endlich wieder geschult würden in Sachen Selbstinformation, Eigeninitiative und Demokratiekultur.

    Ich glaube ja, dass die Rezeption der Brücke in der Bevölkerung dem zeitlichen Wandel unterliegen wird. Wenn man sich vor Augen führt, wie stark seiner Zeit die Proteste beim Bau des Blauen Wunders waren und welch ein Wahrzeichen das Bauwerk heute für Dresden darstellt, dann macht das doch Hoffnung, dass auch die neue Brücke irgendwann fest zur Dresdner Identität gehören wird.

  • Hi Jane,

    kurz nochmal zur mehr-Straßen-mehr-Verkehr-These, die auf Fachdeutsch “induzierter Verkehr” heißt. Der “mehr Verkehr” kommt daher, dass es attraktiver wird das Auto zu nutzen, je mehr Möglichkeiten es gibt, mit dem Auto irgendwo hinzukommen.
    Dein Argument trifft natürlich auch zu, d.h. dass der Bau einer Straße auch verkehrsentlastende Funktionen haben kann.

    Wenn ich mich allerdings recht erinnere hat das Bundesumweltamt rausgefunden, dass sich viele Verkehrsvorhaben, von denen man sich Verkehrssenkung erhoffte, verkehrssteigernd auswirken:

    http://www.umweltdaten.de/publikationen/fpdf-l/2967.pdf S.46ff

    Anyway, ich bin mittlerweile ja auch dabei, mir die WSB schön zu reden. If you can’t be with the one you love – love the one your with ;) (“Schon alleine die vielen schönen Arbeitsplätze, die da geschaffen wurden”)

  • Jane

    Torsten,

    Ich sehe deinen Zynismus angesichts der Tatsache, dass die Aufträge zu einem großen Teil ins Ausland gingen? ;)

    Aber wie immer hat eben auch verkehrstechnisch die WSB-Medaille 2 Seiten – wie ich oben schon schrieb, bietet die Brücke umgekehrt auch Anreize, das Auto bewusst öfter mal stehen zu lassen, wenn es möglich ist, Arbeitsplätze, Schulen oder Bekannte auf der gegenüberliegenden Elbseite auch zu Fuß, per Bus oder mit dem Fahrrad zu erreichen. Für meine Begriffe kann die These des “induzierten Verkehrs” also gerade eher auf die Entwicklung des Fußgänger- und Fahrradverkehrs angewendet werden, denn mit dem Auto fahren all jene ja jetzt ohnehin schon notgedrungen, die vielleicht viel lieber zu Fuß gehen würden, aber nicht können, da die Wege zu weit sind.
    Außerdem: Kann denn wirklich angesichts der voraussichtlich innerhalb der nächsten 15 Jahre eintretenden Sperrung des Blauen Wunders für den Verkehr von “mehr Wegen” gesprochen werden?

  • Ach dass da Arbeitsplätze für Ausländer geschaffen wurden, wußte ich nicht und finde ich auch nicht schlimm, ich wüßte nicht warum jemand mit deutschem Ausweis einen Arbeitsplatz mehr verdient hat als jemand mit polnischem. Nee, mein Zynismus bezog sich eher auf die Instrumentalisierung der Schaffung von (Erwerbs- und Nichterwerbs) Arbeitsplätzen zur Rechtfertigung allen möglichen Unsinns. z.B. Braunkohle, Brückenbau …

    Vielleicht ist es unsinnig jetzt über die künftigen Folgen der WSB zu spekulieren. Wir warten einfach mal ein paar Jahre ab, und gucken dann was passiert ist. Nur wird dann fast keiner mehr Wissen, warum die Brücke eigentlich gebaut wurde und ob die damit verbundenen Versprechen eigentlich erfüllt wurden.

  • Jane

    Ah – so kann man das natürlich auch betrachten, naja, die Kritik an der Auftragsvergabe nach draußen ist halt momentan ein gern genutztes Mittel, das Projekt insgesamt weiter in der Kritik zu halten.

    Vielleicht ist es ja unsere Aufgabe, im Bewusstsein zu halten, warum die Brücke gebaut wurde bzw. wie die Umstände seinerzeit aussahen. Da ist sicherlich viel zu kritisieren, nichts läge mir ferner, als einem CDU- und FDP-geführten Unterfangen vollkommene Mängelfreiheit und Korrektness zu unterstellen :D
    Irgendwann, da bin ich mir sicher, wird das alles mal Kult sein.

  • steffen

    der logik ,der hier am meisten gäusserten meinungen bezüglich verkehrsberuhigung-& beschleunigung etc. zu folgen,hiesse,noch mehr brücken,breitere und neue strassen zu bauen.grösster quatsch: viele werden jetzt zu fuss gehen oder das fahrrad benutzen um auf die andere seite zu gelangen- eben nur die, die wirklich in unmittelbarster nähe der brücke wohnen.wer schon immer zu faul, zu bequem oder sich zu “fein” war,öffentliche verkehrsmittel,fahrrad oder seine füsse zu benutzen,um von a nach b zu kommen,wird es auch bleiben.mannheim/ludwigshafen,z.b.,verfügt gerade mal über 2 brücken über den rhein,bei rund 600000 einwohnern und einer vielzahl an grossen industrien(berufspendler),als das verschlafene dresden.

    • Jane

      Willkommen im Weidegrund, Steffen, und danke fuer deinen Beitrag.
      Zunaechst mal kleine Korrektur: Mannheim verfuegt ueber 300.000 Einwohner, Ludwigshafen ueber 160.000.
      Und auch bilden beide Staedte eher eine runde, gedrungende Siedlungsform ab, keine derart schmale, langezogene wie Dresden, das sich regelrecht an der Elbe entlangwindet. Und viel interessanter sind in Bezug auf Mannheim wohl die vielen Neckar-Bruecken, derer es mindestens 4 gibt.
      Und es ist doch auch immer eine Frage der innerstaedtischen Verkehrssituation sowie der Ansiedelung der Infrastruktur. In Dresden ist es einfach aufgrund der relativ ungleichen Verteilung von ueberwiegender Wohnbebauung im Sueden und Osten und verstaerkter industrieller Nutzung im Norden und Westen einfach mal so, dass ein verstaerkter Suedost-Nordwest-Verkehr von einer Flussseite auf die andere gegeben ist.

      Und wo ist das Problem, wenn die, die bislang Auto gefahren sind, weiter Auto fahren? Es wird natuerlich auch die geben, die dann lieber mit dem Rad fahren – die Neustadt und auch Striesen sind vergleichsweise junge und auch umweltbewusste Stadtteile, in denen sich viele Leute fuer das Welterbe engagierten. Denen kann man ja wohl zutrauen, auch gerne mal zu Fuss zu gehen, sonst wuerde ihr Engagement fuer die Umwelt im Falle der Bruecke ja nicht sonderlich glaubwuerdig rueberkommen ;-)

      • steffen

        ach,jane,du weichst aus.gut,mannheim & ludwigshafen haben zusammen 474000 einwohner, ohne agglomeration.und die neckarbrücken mitzählen-durch dresden fliessen auch noch`n paar flüsschen, die wohl auch nur mit brücken zu queren sind…da es, wie du ja selbst schreibst,einen starken SO-NW-verkehrsstrom gibt(exakter jedoch S-NW),wäre doch nichts naheliegender(im wortsinn), als die A17/A4 zu nutzen.denn die verläuft in genau diese richtung.im übrigen wurde sie auch,wenn nicht v.a., dafür gebaut.ich habe die strecke des öfteren nutzen müssen,um nach bad gottleuba zu fahren-nur kam ich mir auf dieser AB oft recht einsam und verloren vor.Wie gesagt, die AB WäRE ein idealer zubringer von S nach N! noch was:wer MUSS NOTGEDRUNGEN(lass dir mal das letzte wort auf der zunge zergehen)mit dem auto fahren? dresden verfügt über ein sehr gutes nahverkehrsnetz.es sind wirklich nur die wenigsten,denen keine andere wahl bleibt. und die anderen würden ja gern,aber…ich nehme für alle innerstädtischen wege das fahrrad-trotz der katastrophalen oder meist völlig fehlenden radwege.ein bruchteil des geldes,welches die wsb verschlingt,und das problem der radwege wäre gelöst(vielleicht nicht nur das).Aber wo kein (politischer) wille,gibt es eben auch keine/n (rad)weg/e. gute nacht,jane(völlig ironiefrei!).es gäbe noch viel zu erzählen,aber morgen klingelt wieder der wecker dreiviertel sechs…bis später,vielleicht.

        • Jane

          Moin Steffen,
          1. Ich glaube kaum, dass etwa die Weisseritz in Dresden mit dem Neckar in Mannheim zu vergleichen ist. Das sind in Mannheim schon richtige grosse Bruecken, z.b. die Autobahnbruecke.

          2. Was nuetzen mir A17 und A4, wenn ich in Zschieren oder Grosszschachwitz oder Blasewitz wohne und nach Buehlau oder nach Klotzsche will? Das waere der doppelte, wenn nicht gar der dreifache Weg um die ganze Stadt herum und damit auch die doppelte Umweltbelastung.
          Und die A17 wurde meines Wissens nach vor allem zur Anbindung in Richtung Tschechien gebaut (siehe EU-Osterweiterung).

          3. Ich bin alles andere als ein Auto-fan, ich habe nicht mal eins (lass dir das mal auf der Zunge zergehen :grin: ) Aber wenn du die Wahl zwischen einem 1-Stunden-Trip um die ganze Stadt herum und einer schnellen 30-Minuten-Fahrt ueber die Waldschloesschenbruecke mit Bus und Bahn haettest, was wuerdest du wohl waehlen? Bei mir waere die Antwort ziemlich klar. Und was ist mit Leuten, die gar kein Auto haben (wie ich)? Was nutzt denen die Autobahn?

          • Stephan

            Der Zug fährt auch nur 30 Minuten von Zschachwitz nach Klotzsche. :mrgreen:

            Okay…da steht man leider nur am Bahnhof, aber immerhin.

            • Jane

              Nu, und am Bahnhof muss man dann vor allem schon schauen, wie man fix zum Bus kommt, um schliesslich ans Ziel zu gelangen, der wartet naemlich nicht, wenn die Bahn mal Verspaetung hat :mrgreen:

          • steffen

            nabend,jane
            also die diskussion könnten wir jetzt noch bis uns unendliche weiterführen und trotzdem wird das brückchen gebaut und hundert jahre oder länger ihren platz nicht räumen-aber das kann uns ja dann auch egal sein,oder?! und meine und deine meinung dazu würde sich ohnehin nicht ändern,da ich mich -und du dich -mit dem thema wsb wohl schon ausgiebigst auseinandergesetzt hast. was volksentscheide angeht, sollten wir unsere blicke gen südwesten,in die beschauliche schweiz lenken, wo ich seit zweieinhalb jahren arbeite und überwiegend lebe(ende des jahres ist jedoch schluss),d.h., ich weiss,wie so etwas auszusehen hat, und ich weiss auch,dass man beim wsb-bürgerentscheid NICHT von einem demokratischen,transparenten sprechen kann. genau da liegt der hase im pfeffer.aber deutschland und WAHRE demokratie,das geht wohl nie zusammen und wird ein frommer wunsch bleiben.
            bonne nuit,madame!

            • Jane

              steffen:und ich weiss auch,dass man beim wsb-bürgerentscheid NICHT von einem demokratischen,transparenten sprechen kann. genau da liegt der hase im pfeffer.

              Das wuerde mich dann doch mal interessieren, was am wsb-Buergerentscheid jetzt nicht demokratisch gewesen sein soll oder aber intransparent. Habe ich als aktiver Teilnehmer an dieser Abstimmung nicht so empfunden, und als einigermassen sattelfest in Sachen Demokratie wuerde ich schon meinen, dass ein Abstimmungsverfahren wie seinerzeit dem Volk die freie Wahl laesst, ueber ja oder nein eines Projektes zu entscheiden – das ist fuer mich in der Tat Demokratie. Und auch in der Schweiz laeuft das meines Wissens in etwa aehnlich.

              • Stephan

                Stand in der Abstimmungsbroschüre etwas über Folgekosten? Stand dort etwas über wählbare Alternativen?

                Gut, die Frage nach Alternativen stellt sich in einer Ja-/Nein-Frage nicht wirklich.

                Is nun egal. Die Brücke wird gebaut. Die junge Generation muss das Bauwerk bis an ihr Lebensende wahrscheinlich finanzieren. Ich glaube jedenfalls kaum, dass so ein Mahnmal der Demokratie wieder abgerissen wird. Wäre ja zu schön, wenn der Egoismus der Menschheit gegenüber der Natur nicht siegen würde.

                • Jane

                  Stephan: Stand in der Abstimmungsbroschüre etwas über Folgekosten? Stand dort etwas über wählbare Alternativen?

                  Wieso in der Abstimmungsbroschüre? Steht etwa auf dem Bundestagswahlzettel auch noch mal das Programm der einzelnen Parteien?
                  Sich über das Projekt genauestens zu informieren, ist etwas, das man in aller Regel vor einer Abstimmung tut. Und dass die Brücke ein nicht ganz billiges Unterfangen würde, dürfte allen bekannt gewesen sein, die sich im Vorfeld informiert haben.
                  Und dann: Alternativen? Für meine Begriffe gab es nun mal keine Alternativen. Ein Tunnel wäre erstens noch teurer, zweitens umweltschädlicher und drittens weniger nutzerfreundlich gewesen. Das einzige, was die Brücke beschädigt, ist der schöne Blick auf die Altstadt. Das halte ich gegenüber einem gravierenden Eingriff in das Erdreich unterhalb des Flussbettes für das “kleinere Übel”.
                  Die Frage nach der Notwendigkeit einer Elbquerung muss sich zudem jeder selbst beantworten.

                  • admin

                    Es gab keine offizielle Kostenschätzung zum Tunnel vor der Abstimmung. Von daher kann man dieses Argument nicht benutzen.

                    Meines Wissens nach, gibt es auch keine Aussage, die den Tunnelbau wegen Umweltproblemen nicht erlaubt. Ich glaube, du bist da einer Propaganda auf den Leim gegangen.

                    Auf welche Nutzer sprichst du an? Die 700-Meter-Spaziergänger? Oder die nicht-vom-Elbradweg-Radler?

                    • Jane

                      admin: Es gab keine offizielle Kostenschätzung zum Tunnel vor der Abstimmung. Von daher kann man dieses Argument nicht benutzen.

                      Für mich stellt hingegen das Tunnel-Argument als solches kein wirkliches Argument dar, da ich einen Tunnel schon immer für wenig sinnvoll aus Nutzen- wie auch aus Umweltgründen gehalten habe. Auch, wenn der Tunnel etwas billiger geworden wäre, hätte ich nicht für einen solchen gestimmt und das ging vielen anderen bestimmt ähnlich.

                      Es liegt meines Erachtens nach auf der Hand, dass ein Tunnel einen weitaus gravierenderen Eingriff in die Natur (Erdreich) darstellt, als eine Brücke, die überirdisch verläuft. Da kann man wohl kaum von Propaganda sprechen.
                      Ich finde, mit den Zufahrtstunneln wurde da bereits genug Schaden angerichtet.

                      Und was die Nutzer betrifft: Vielleicht sollte man ja wirklich dem “Rat” eines SZ-Lesers folgen, der neulich folgendes vorschlug:
                      Den Brücken-Gegnern sollte man einen Chip implantieren, und für jedes Mal, dass ein Brückengegner die Brücke quert (egal, ob zu Fuß, mit dem Auto, dem Bus oder dem Rad), müsste automatisch ein Bußgeld von 10 Euro fällig werden.
                      Die Bausumme wäre in nullkommanichts wieder rein :mrgreen:

                      Das vielleicht als kleine ironische Anekdote zum Thema Nutzung. Ich bin mir ziemlich sicher, dass die Brücke sehr gut frequentiert und genutzt werden wird, gerade auch von Fußgängern und Radfahrern.

                    • Stephan

                      Jane:
                      Für mich stellt hingegen das Tunnel-Argument als solches kein wirkliches Argument dar, da ich einen Tunnel schon immer für wenig sinnvoll aus Nutzen- wie auch aus Umweltgründen gehalten habe. ..

                      Was spielt dein persönliches Interesse hier für eine Rolle? Sollte nicht die objektiv beste Lösung gewinnen? Bist du eine Fachfrau für Stadtentwicklung, Raumwirkung und Querungsbau (egal ob Hoch- oder Tiefbau)? Andere (Berg-)Menschen hätten vielleicht anders entschieden. Unsere geistige Haltung ist Teil des Problems.

                      So eine Brücke verbraucht Raum, ein Tunnel nicht. Die Bauphase spielt im Gegensatz zur Nutzungsphase keine Rolle. Eisenbahntunnel die 100+ Jahre alt sind, stehen dafür Beispiel. Raumökonomisch wäre ein Volltunnel sogar besser gewesen. Was wäre, wenn jeder neu verbaute Kubikmeter Raum, plötzlich 1000 € Strafzahlung hervorrufen würde?

                      Dass beim Tunnelbau Erde bewegt wird, ist klar. Aber auch bei den Brückenbauten wird Erde bewegt. Die sensible obere Schicht wird bei beiden Verfahren gleich stark zerstört.

                    • Jane

                      Die Bürger hatten damals sehr wohl die freie Wahl, sich für oder gegen die Brücke zu entscheiden, auch die Alternative eines Tunnels wurde damals schon besprochen. Wer also einen Tunnel wollte, der stimmte gegen die Brücke bzw. ging gar nicht zur Wahl.
                      Für solch eine Entscheidung spielt übrigens erfahrungsgemäß die Kostenfrage weit weniger eine Rolle, als Umwelt- und verkehrstechnische Aspekte sowie die Frage der Nutzungsmöglichkeiten.
                      Und wie wir heute wissen, wäre die Tunnellösung noch weit aus teurer geworden – glaubst du also wirklich, vor diesem Wissen hätten sich seinerzeit mehr Leute für einen Tunnel entschieden? Die Tunnelbefürworter sprossen erst wie Pilze aus dem Boden, als es ans Welterbe ging.

                      Und dann:

                      So eine Brücke braucht Raum, ein Tunnel nicht

                      Wie soll ich denn das verstehen? Warum braucht ein Tunnel keinen Raum? Vielleicht keinen Luftraum, aber doch wohl Raum im Erdreich. Findest du diese Argumentation nicht ein wenig, na sagen wir mal mit zweierlei Maß messend?

                    • Stephan

                      Jane: Die Bürger hatten damals sehr wohl die freie Wahl, sich für oder gegen die Brücke zu entscheiden, auch die Alternative eines Tunnels wurde damals schon besprochen. Wer also einen Tunnel wollte, der stimmte gegen die Brücke bzw. ging gar nicht zur Wahl.

                      Ich hatte den Eindruck: Brücke oder nix.

                      Ansonsten hätte die Frage gelautet: Brücke oder neue andere Frage zur Querung.

                      Für solch eine Entscheidung spielt übrigens erfahrungsgemäß die Kostenfrage weit weniger eine Rolle, als Umwelt- und verkehrstechnische Aspekte sowie die Frage der Nutzungsmöglichkeiten.
                      Und wie wir heute wissen, wäre die Tunnellösung noch weit aus teurer geworden – glaubst du also wirklich, vor diesem Wissen hätten sich seinerzeit mehr Leute für einen Tunnel entschieden?

                      Der Tunnel hat vorher keine ernsthafte Rolle zugesprochen bekommen. Das darf man nicht vergessen. Die Gründe waren rein finanziell und eben nicht Umwelt- oder verkehrstechnisch hinterlegt. “Geld nur für diese Brücke” – so ein sinngemäßes Zitat.

                      Siehe folgende Antwort.

                      Die Tunnelbefürworter sprossen erst wie Pilze aus dem Boden, als es ans Welterbe ging.

                      Vielen war der Wert unserer Kulturlandschaft nicht bewusst. Ich hätte die Einmaligkeit unserer Elbaue nicht ausdrücken gekonnt. Gefühlt haben das viele Leute, nämlich die Brückengegner. Der Bewustwerdungsprozess ist quasi in der Brückenkrise gestartet. Übrigens geht es mir so, dass ich gern die Schönheit zu hause erkenne, wenn sie anderswo fehlt. Metapher: Wer immer vom Meißner Erbstück speist, merkt erst wie teuer das Porzellan ist, wenn er die Tasse hat fallen lassen. Nur Tassen kann man nachkaufen, Landschaft nicht.

                      Und ja, ich bin mir sicher, dass die Leute sich für eine teurere Lösung entschieden hätten, wenn sie dafür Werte/Qualitäten erhalten könnten. Nur muss man das klar und deutlich kommunizieren. Und weil nicht jeder von uns Kulturwissenschaftler ist, muss man den Leuten das vor einer Entscheidung klarmachen. Ist erstmal ein Qualitätsbewustsein vorhanden, kann man immernoch in alle Richtungen entscheiden.

                      Und dann:
                      Wie soll ich denn das verstehen? Warum braucht ein Tunnel keinen Raum? Vielleicht keinen Luftraum, aber doch wohl Raum im Erdreich. Findest du diese Argumentation nicht ein wenig, na sagen wir mal mit zweierlei Maß messend?

                      Nein. Was unter Tage liegt, dringt in unsere (meiner?) Wahrnehmung nicht vor. Aus den Augen, aus dem Sinn. Und in dieser speziellen Bausituation, würde der Tunnel hinterher gefühlt keinen Raum beanspruchen. Ähnlich dem Parkhaus am Altmarkt, würde die Bewirtschaftung des Raumes keinen neuen Raum verbrauchen. Zumindest keinen neuen Raum, den wir wahrnehmen, wenn wir im Elbbogen unterwegs sind.

                      Zumindest ist das meine Wahrnehmung als Nicht-Bergmann, Nicht-Geologe, Nicht-Alpenbewohner.

                    • Jane

                      Sorry, aber da muss ich passen: Die Einstellung “Solange Probleme und Verkehr aus meinem Blickfeld sind, ist alles gut” ist eben nicht meine, sie ist mir vielmehr einigermaßen unverständlich.
                      Der Tunnel hätte dem Steuerzahler bis in alle Ewigkeit enorme Kosten verursacht (permanente Beleuchtung, Belüftung, Wartung usw.), er hätte das Erdreich über das Notwendige hinaus beschädigt, von den Risiken für den Wasserlauf, von denen Studien sprachen, ganz zu schweigen – und als Nicht-Autofahrer hätte ich ihn dafür noch nicht einmal nutzen können. Das steht in keinem Verhältnis.

                      Im Gegensatz zu dir sehe ich zudem die Brücke nicht als Wertminderung der Kulturlandschaft, sondern als architektonische Bereicherung, ähnlich den anderen Dresdner Brücken.
                      Auch ist es Ansichtssache, ob man einen unverbauten Blick auf die Elbwiesen wertmäßig einem ungestörten Flusslauf und einem unzerstörten Erdreich überordnen muss oder eben nicht, da könnte man vermutlich noch ewig diskutieren, genauso darüber, ob sich ein Nicht-Autofahrer (oder diejenigen, die das Auto vielleicht gern öfter mal stehenlassen wöllten) tatsächlich für eine Elbquerung und die damit verbundenen Kosten entschieden hätte, die er weder zu Fuß, noch mit den ÖPNV noch mit dem Rad hätte nutzen können.

                      Und schon gar nicht, so finde ich zumindest, kann man den Wert einer Kulturlandschaft in von Dritten vergebenen Titeln bemessen. Die Elbwiesen wird es auch mit der Brücke nach wie vor geben, und die gute alte Elbe wird zumindest nicht von einem Verkehrszug untergraben, dessen Wartung dann immer superkompliziert und aufwendig unter Tage stattfinden müsste und wo sich Problemstellen und Risiken entsprechend leicht dem menschlichen Auge entziehen können.

                    • Stephan

                      Jane: Sorry, aber da muss ich passen: Die Einstellung “Solange Probleme und Verkehr aus meinem Blickfeld sind, ist alles gut” ist eben nicht meine, sie ist mir vielmehr einigermaßen unverständlich.

                      Ich habe vom Bauwerk geschrieben. Verkehr kann ja nicht unter der Erde verbleiben, er kommt immer wieder ans Tageslicht.

                      Der Tunnel hätte dem Steuerzahler bis in alle Ewigkeit enorme Kosten verursacht (permanente Beleuchtung, Belüftung, Wartung usw.), er hätte das Erdreich über das Notwendige hinaus beschädigt, von den Risiken für den Wasserlauf, von denen Studien sprachen, ganz zu schweigen – und als Nicht-Autofahrer hätte ich ihn dafür noch nicht einmal nutzen können. Das steht in keinem Verhältnis.Im Gegensatz zu dir sehe ich zudem die Brücke nicht als Wertminderung der Kulturlandschaft, sondern als architektonische Bereicherung, ähnlich den anderen Dresdner Brücken.

                      Eine Brücke scheint bei dir nichts zu kosten. Auch schön. Schon mal davon gehört, dass Brücken im Alter immer teurer werden? Albert-*hust*brücke*hust hust*

                      Ich habe keine Studie gefunden, die ein unlösbares hydraulisches Problem ansprach. Wenn man richtig baut, klappt das auch. Im Gegenteil, ich habe sogar eine der kritischen Studien gelesen: Fazit: Tunnel ist machbar.

                      Auch ein richtig geplanter Tunnel kann für Fussvolk okay sein. Alternativ gibt es die Idee einer “unsichtbaren” Fussgängerbrücke. Ist ja sicher bekannt. Ist eine Willensfrage.

                      Und zum Glück sind Geschmäcker verschieden. Ich fände es jedenfalls toll, wenn es weiterhin Zonen gibt, die von menschlicher Bebauung freigehalten werden. Ansonsten kann man ja alles kunstvoll zubetonieren. Ist ja schliesslich Kunst. Kunst für die Welt. Eine Kunstdiktatur bitte für den Weidegrund! (Vorsicht Zynismus)

                      Irgendwann muss eben auch mal gut sein. Dann hört man auf mit Bauen/Zerstören/Graben.

                      Auch ist es Ansichtssache, ob man einen unverbauten Blick auf die Elbwiesen wertmäßig einem ungestörten Flusslauf und einem unzerstörten Erdreich überordnen muss oder eben nicht, da könnte man vermutlich noch ewig diskutieren, genauso darüber, ob sich ein Nicht-Autofahrer (oder diejenigen, die das Auto vielleicht gern öfter mal stehenlassen wöllten) tatsächlich für eine Elbquerung und die damit verbundenen Kosten entschieden hätte, die er weder zu Fuß, noch mit den ÖPNV noch mit dem Rad hätte nutzen können.Und schon gar nicht, so finde ich zumindest, kann man den Wert einer Kulturlandschaft in von Dritten vergebenen Titeln bemessen. Die Elbwiesen wird es auch mit der Brücke nach wie vor geben, und die gute alte Elbe wird zumindest nicht von einem Verkehrszug untergraben, dessen Wartung dann immer superkompliziert und aufwendig unter Tage stattfinden müsste und wo sich Problemstellen und Risiken entsprechend leicht dem menschlichen Auge entziehen können.

                      Der Blick auf die Elbwiesen ist es nicht allein. Du vergisst zwei weitere Blicke. Den in die Stadt, den auf den Hang. Scheinbar bedeuten dir beide Blicke noch viel weniger.

                      Du kennst dich mit Tunnel aus. Hervorragend. Ich kenne mich weder mit Tunneln noch mit Brücken aus. Aber ich weiß, dass beide in ihrer Unterhaltung aufwendig sind. Was komplizierter ist, müsste ein Fachmann erklären. Und wichtig: ÖPNV war in den Tunneln immer vorgesehen. Sogar als Straßenbahn! Über die Brücke kannst du am Ende genausogut mit dem Bus drüber fahren, wie durch einen Tunnel. Sollte dir als ÖPNV-Nutzer egal sein. Im Mittel gleichen sich Brücken- und Tunnelphobie eh aus. :lol:

                      Genug des Argumentengeschiebes. Hat keinen Sinn, solang man die Debatte nicht mal vernünftig führt. Werkzeuge gibt es im WWW: http://debategraph.org/

                      Aber jetzt zum Titel. Der Titel ist ein Hinweis auf den Wert/die Qualität. Der ist Wert ist auch ohne Titel da, war es schon lange. Die Menschen konnten die Werte schon lange erkennen und erhalten. Haben sie auch gemacht. Und letztlich ist es egal, ob dritte dieses Wert benennen oder nicht. Hauptsache unser Wert bleibt erhalten.

                      Ich weiß nicht, warum du auf Dritte schimpfst? Die Unesco hat nur eine Plakette auf etwas geklebt, was wir Dresdner erhaltet und behütet hatten. Es ist unsere Landschaft, nicht die der Unesco. Und genau unsere Landschaft verbauen wir selber und nicht die Unesco. Die Unesco klebt nur Sticker drauf oder entfernt ihn wieder.

                      Und wenn dir als Kulturmensch egal ist, ob weltweit Kulturdenkmäler zerstört werden, dann kann dir die Unesco doch völlig egal sein. Das ist doch nur die Aussenperspektive. Du bist aber Dresdner, du hast die unmittelbare Innenperspektive. Als Provinzler interessiert die Unesco doch nicht.

                      Was hier zählt ist deine Haltung zur Landschaft. Und da kann ich einfach nicht verstehen, wie jemand diesen Wert nicht erhalten will. Vielleicht erkennt der Provinzler den Wert einfach nicht. Vielleicht muss man erst die Welt sehen, um zu begreifen. Ich weiß es nicht. Ich will hier mein Wertgefühl nicht aufdrängen, aber der Elbbogen war etwas besonderes. Ob mit oder ohne Titel ist mir egal.

                      Trotzdem noch mal zum Titel des Dritten: Es ist interessant, wenn man selber andere Welterbestätten besucht. Dann ist man dort mit Aussenperspektive unterwegs. Ob man es gut fände, wenn die dortige Bevölkerung einfach mal alles kurz und klein haut, was man selber als schön findet?

                      Die ganze Sache ist und bleibt eine Sache des Herzens, des Gefühls. Und deshalb hätte die Lösung demokratisch gefunden werden sollen, die FÜR ALLE den wenigsten Herzschmerz verursacht. Das wäre eine wahrhaft demokratische Sache gewesen. Ein Kompromiss muss für alle da sein, ansonsten kann man sich gut hinter (Meinungs-/Geld-)Diktaturen verstecken.

                    • Jane

                      Herrjeh, solche Diskussionen sind immer ziemlich schwierig, weil beim Gegenüber oft gern mehr hineininterpretiert wird, als eigentlich zulässig ;-)

                      Ich glaube, dass beide Sichtweisen ZULÄSSIG sind. Ich respektiere die Ansicht, dass die Optik des Elbtals möglichst nicht leiden sollte (egal, in welche Richtung nun geblickt wird). Genauso wichtig finde ich aber den Aspekt des Naturschutzes, gerade was den Flusslauf der Elbe und das Erdreich betrifft.
                      Es klingt immer nicht gerade freundlich, wenn einem unterstellt wird, einem würde der unverbaute Blick im Elbtal nichts bedeuten, nur weil man der Ansicht ist, dass der Blick durch die Brücke nicht unbedingt leidet, sondern sogar bereichert würde.
                      Es mutet auch nicht sonderlich sachlich an, wenn du mir unterstellst, eine Brücke würde “bei mir nichts kosten”, obwohl ich lediglich schrieb, dass die Wartung und Instandhaltung des Tunnels aufgrund der permanent anlaufenden Kosten erheblich teurer wäre, als die Wartung einer Brücke, die ja zumindest keine Belüftung bräuchte und tagsüber auch keine Beleuchtung.
                      Höre ich da ein wenig Unmut über schwer zu widerlegende, schlagende Argumente? :cool:

                      Und nochmal: Ich bin nicht der Ansicht, dass die Brücke ein Kulturdenkmal zerstört. Der Vorwurf, mir wäre “das egal” schlägt hier also völlig ins Leere und bringt uns in dieser Diskussion höchstens immer mehr in die Nähe zum unsachlichen Streit. Nicht sehr erstrebenswert, wie ich finde.

  • Stephan

    Ich will halt nur mit aller Kraft den Tunnelkompromiss verteidigen. Das ist ne Autoquerung mit Elbblick für Nichtautofahrer. Und da bleibe ich nachdrücklich.

    Das mit den Betriebskosten müsste man mal auf 100 Jahre lang rechnen. Nur das kann ich nicht.

    • Jane

      Es ist doch aber offensichtlich, dass ein Tunnel, der 24 Stunden am Tag belüftet und beleuchtet werden muss (Achtung Stromkosten!) und sämtliche anderen Wartungsarbeiten an Fahrbahn und Bausubstanz, die bei einer Brücke auch anfallen würden, auch noch aufwerfen würde, im Betrieb sehr viel teurer kommen würde, als eine Brücke.
      Echt jetzt mal, da muss man doch wirklich nur 1 und 1 zusammenzählen und ehrlich mit sich selber sein.

      Und wie queren die Nichtautofahrer bitte an der Stelle die Elbe ohne begehbare Querung? Ist es wirklich so schwer, auch einmal an diejenigen zu denken, denen die Brücke tatsächlich Erleichterung schaffen würde? Tatsache ist doch, dass wenn ich in der Neustadt wohne und in Blasewitz oder Tolkewitz arbeite, ich einen Mordsumweg über die Johannstadt oder Loschwitz machen muss, um heute ohne Auto von A nach B zu gelangen. Das ist kein Zustand.

Leave a Reply

 

 

 

You can use these HTML tags

<a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>

Comment Spam Protection by WP-SpamFree