Am Rande des am 11. November verkündeten Urteils gegen den Mörder der Ägypterin Marwa el-Sherbini und ihres ungeborenen Kindes, Alex Wiens, fand – von der Öffentlichkeit weitgehend unbeachtet – eine Kundgebung gegen Ausländerfeindlichkeit und Diskriminierung statt, die hauptsächlich von Muslimen und Freunden der Ermordeten organisiert und durchgeführt worden war.
Etwa 100 Menschen hatten sich dazu vor dem Gerichtsgebäude versammelt, ihre Forderung: “Stoppt die Hetze gegen Muslime!”.
Eine Bekannte, die eher zufällig vor Ort war, berichtete mir, dass die Kundgebung sehr friedlich verlief, dass es keine antiwestlichen bzw. islamistischen Parolen gab, sondern engagiert das Gespräch mit Passanten und Einheimischen gesucht wurde. Leider stieß die Veranstaltung auf wenig Interesse seitens der Bevölkerung, nur wenige Einheimische nahmen Kontakt auf oder mischten sich unter die Demonstranten.
Meine Bekannte meinte, dass das Gespräch mit den Muslimen an jenem Tag einige sehr eingespielte Vorurteile aufzubrechen vermochte und dass sie die Offenheit und Freundlichkeit der Menschen ihr gegenüber überrascht hat.
Vielen Dresdnern dürfte es ähnlich wie ihr oder mir gehen: Über die muslimischen Mitbürger erfährt man hauptsächlich aus der Zeitung, dem Fernsehen, den Gesprächen am Stammtisch. Persönlichen Kontakt haben nur sehr wenige.
Presse und Medien haben im Zuge von 9/11 und des “Global War on Terror” vorrangig ein feindseliges, unangepasstes, bedrohliches Bild des Islam und seiner Anhänger gezeichnet, es hallt wider in den Gedanken und Einstellungen der Menschen und prägt ihren Umgang mit Menschen muslimischen Glaubens – oftmals, ohne dass man es merkt oder es gar will.
Vorurteile, die einem mehr oder weniger subtil durch die Medienberichterstattung und vor allem die allem und jedem Raum gebenden Untiefen des Internet eingetrichtert werden, verfestigen sich oft unbemerkt und werden nur ungern eingestanden.
So ist es nach innerer Überzeugung vieler quasi “die Natur des jungen Moslem”, sich in eine nicht-muslimische Frau nicht verlieben zu können, sondern sie lediglich “flachlegen” zu wollen, sobald er sich ihr in romantisierender Art und Weise nähert, während man im Gespräch mit offen feindselig eingestellten Mitbürgern gleichzeitig Toleranz einfordert und gegen Diskriminierung argumentiert.
Passt nicht ganz? Doch doch, es gibt nur allzu oft einen Unterschied zwischen dem, was man tut und dem, was man denkt.
Eine wirkliche multikulturelle Gesellschaft ohne Ausgrenzung könnte nur dann funktionieren, wenn die Menschen sich selbst intensiv mit ihren eigenen Vorurteilen auseinandersetzen und Kontakt und Dialog suchen würden – und das gilt sowohl für Deutsche als auch für Migranten, die durch einzelne schlechte Erfahrungen mit der deutschen Mehrheitsgesellschaft ihrerseits pauschale Vorurteile gegen “die Deutschen” entwickeln.
Kundgebungen wie jene vor dem Gericht kann man meines Erachtens nach nicht genug würdigen, denn sie stellen einerseits einen alarmierenden Appell an die Gesellschaft, andererseits aber auch eine zur Annäherung, zum gegenseitigen Kennenlernen einladende ausgestreckte Hand dar.
Was mich persönlich sehr erstaunt und irgendwie erstmal auch etwas geschockt hat, ist der Plan meiner Bekannten, nach Abschluss des Verfahrens den Täter Alex Wiens im Gefängnis besuchen zu wollen. Sicherlich eine sehr ungewöhnliche Art und Weise, mit dem Fall umzugehen. Ich finde es einerseits sehr mutig, andererseits kann ich aber auch ein gewisses Befremden nicht leugnen. Wie sieht meine kleine aber feine Leserschaft diesen Entschluss?





ich will wissen welche gefängnis er ist bitte
Und wieso, wenn ich fragen darf?