Update:
Alle Jahre wieder wird dieser in der Vorweihnachtszeit 2009 von mir verfasste Beitrag aktuell.
Grund für mich, ihn nochmals ganz oben auf die Seite zu stellen, war eine Diskussion zwischen dem ehemaligen DDR-Minister für Abrüstung und Verteidigung, Rainer Eppelmann, dem ARD-Vorsitzenden Prof. Peter Voß sowie den anwesenden JournalistInnen zum Thema “Aufarbeitung der SED-Diktatur”, derer ich am Freitag in Berlin Zeuge wurde.
Ein junger Jounalist, etwa Mitte bis Ende 20, meldete sich mit einem Vorwurf an die Adresse Eppelmanns – der übrigens Vorsitzender der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der DDR-Vergangenheit und einer der vehementesten Kritiker der Diktatur ist – zu Wort: Rainer Eppelmann wirke als Frontreiter für die Aufarbeitung der SED-Diktatur unglaubwürdig, weil er weiterhin rege Kontakte zu “SED-Politikern” wie Gregor Gysi und anderen pflege und diese damit als Politiker neben sich respektiere. Damit würde ein “falsches Signal gesetzt”. Stattdessen hätten diese Leute als Verbrecher einer Strafe zugeführt werden müssen. Des Weiteren trage diese Akzeptanz gegenüber “SED-Politikern” dazu bei, ein “romantisches, nostalgisches Bild von der DDR” aufzubauen als einem Land, in dem ja “alles gar nicht so schlimm” war.
Der junge Mann, der dem Dialekt nach zu urteilen offensichtlich den alten Bundesländern entstammte, auf jeden Fall aber jung genug war, die Verhältnisse in der DDR nicht mehr bewusst miterlebt zu haben, bezog sich dabei auf das Thematisieren systembedingter Vorteile gerade in der Sozialpolitik der DDR, was man unmöglich dulden dürfe, um ein “realistisches Bild” von der Diktatur insbesondere bei der nachwachsenden Generation zu erzeugen.
Nach diesem Vortrag war nicht nur ich einigermaßen sprachlos, sondern auch Rainer Eppelmann rang sichtlich um die passende Antwort. Rainer Eppelmann ist wohlgemerkt nach meinem Erleben weit davon entfernt, irgendeine Art von Schönrederei hinsichtlich der SED-Diktatur zu betreiben. Nach Ansicht des jungen Kollegen begeht er den “Fehler”, zwischen Parteimitgliedschaft und Täterschaft zu differenzieren. Ein Gregor Gysi meinetwegen mag ein überzeugter Kommunist und Parteimitglied gewesen sein, er gehörte jedoch zu jenen innerhalb der Partei, die gegen Ende der 80er-Jahre Reformen und Modernisierung forderten, weil er erkannt hatte, dass es so nicht weitergehen konnte. Gregor Gysi hat auch nie einen Schießbefehl erteilt oder gar einen Menschen gefoltert bzw. seine Inhaftierung initiiert. Und Gregor Gysi hielt im Gegensatz zu vielen Parteigängern damals den Sozialismus nicht für unvereinbar mit der demokratischen Idee.
Mir hat sich ein Satz von Rainer Eppelmann an jenem Abend eingebrannt, er sagte: “Wir dürfen niemals vergessen.” Recht hat er. Wir dürfen nicht vergessen. Allerdings dürfen wir hier nicht zweierlei Maßstäbe ansetzen: Nicht-Vergessen kann nur bedeuten, dass es auch möglich sein muss, diejenigen Dinge zu thematisieren, die den Menschen nicht zusetzten, sondern ihnen einen sicheren sozialen Status verschafften: eine gute Schulbildung, sinnvolle Rundumbetreuung für Kinder und Jugendliche nach der Schule unabhängig vom Geldbeutel der Eltern, sichere finanzielle Verhältnisse. Dass all jenen Institutionen (wie Bildung, Sozialwesen usw.) auch sehr negative Aspekte innewohnten (Jugendwerkhöfe, Ausgrenzung der Christen, Manipulation innerhalb der Jugendorganisationen usw.) ist ebenso wichtig und wird nicht dadurch relativiert, dass man die positiven Dinge ebenfalls erinnert.
“Nicht vergessen” darf nicht heißen, nur das Negative zu erinnern und das als positiv Erlebte zu verdrängen und sich dafür zu schämen. Das hat für meine Begriffe auch nichts mit “Romantik” oder “Nostalgie” zu tun, sondern es ist ein Teil des eigenen Lebens, der zur Formung eines bestimmten Gesellschafts- und Staatsbildes beigetragen hat: In mir lebt diese Zeit heute in Form einer starken Gemeinwohlorientierung und in der Ablehnung kaptialistischer Auswüchse gerade der Finanz- und Wirtschaftswelt weiter.
Dazu gehört z. B. die Erfahrung von Weihnachten in der DDR: Für mich die schönsten, weil unbeschwertesten Weihnachten, die ich in meinem Leben erlebt habe. An die ersten Nachwende-Weihnachten 1989 und 1990 habe ich beispielsweise gar keine Erinnerung mehr (an die davor hingegen sehr wohl), jene ab 1991 sind mir aufgrund der desaströsen finanziellen Situation, in die unsere Familie damals geraten war und der damit verbundenen ständigen Sorgen, Ängste und Frustrationen in schmerzlicher Erinnerung geblieben.
Für meine Eltern muss Weihnachten 1991 der reinste Horror gewesen sein. Mein Vater, der bis zur Wende bei der Erdgastrasse gearbeitet hatte, war nach dem Konkurs von BMK Chemie Halle seit Mitte 1990 arbeitslos, durch naive Nach-Wende-Anschaffungen hatten sich meine Eltern zudem hoffnungslos verschuldet – trotzdem hatten sie natürlich zwei Töchter im Teenageralter, für die die Wende einen schier unglaublichen Druck gebracht hatte, mit dem Neusten, Schönsten und Teuersten, das es nun überall zu kaufen gab und das in der Schule allgegenwärtig war, mitzuhalten, um sich nicht dem Geläster der Mitschüler auszusetzen. Das Wort “Zonenklamotten” wurde zum ultimativen Dartpfeil, die DDR-Vergangenheit zum Makel, den es so gut es ging mit Westklamotten zu verdecken galt.
Es war jene Zeit, die ich immer gern als die Zeit der Versandhauskataloge bezeichne. Es wurde bestellt, bestellt, bestellt, obwohl man eigentlich ständig klamm war – und dann ewig in Raten abgestottert.
Mein Tagebucheintrag vom 21.12.1991 (damals war ich etwa 13 Jahre alt) liest sich demzufolge so:
Liebes Tagebuch, in 3 Tagen ist Heilig Abend. Ich freue mich schon riesig darauf. Das weiß ich schon, das ich es kriege:
1 Latzjeanshose, 1 Minniemaussweatshirt gestreift, 1 Rosa gestreiftes Sweatshirt, 1 schwarzes Sweatshirt mit Graffithispüherei, 1 schwarzen Nietengürtel, 5 paar Strumfphosen, 6 paar Socken, Ich kriege aber wahrscheinlich noch etwas, was es ist weis ich noch nicht. Nächste Informationen nach Weihnachten!
Die Sachen hatte meine Mutter bereits Wochen zuvor (aus Angst, dass die begehrten Artikel beizeiten ausverkauft sein könnten) bei Otto, Quelle und/oder Neckermann bestellt gehabt – mit der Weihnachtsüberraschung, von der die Ost-Feste immer gelebt hatten, war es da logischerweise nicht weit her. Natürlich musste vorher probiert werden, weil unter Umständen nach Weihnachten die Rückgabefrist bereits abgelaufen war.
Früher hatte man das Größenproblem im privaten Umfeld mit Tauschgeschäften gelöst: Was nicht passte wurde entweder passend gemacht, man wuchs hinein oder man reichte es an irgendein Nachbarskind weiter, und fürs eigene ergatterte man irgendwas anderes Hübsches von Freunden und Verwandten.
Der Tagebucheintrag vom 28.12.1991 offenbarte dann:
Ich habe viele Weihnachtsgeschenke bekommen, insgesamt 26 was. Und zwar sind das: 1 Paar Skischuhe, 1 Paar Bindungen dazu, 5 Paar Strumpfhosen, 2 Paar Feinstrumpfhosen, 2 Paar Zweiteilerunterwäsche, 3 Sweatshirts (die im vorigen Eintrag benannten welchen, d. Verf.), 1 Nietengürtel, 1 Samtsweatshirt, 2 Paar Socken, 4 Bücher, 1 Kalender, 1 Wollpullover und Süßigkeiten. Ich freue mich über das alles sehr, nur über den Wollpullover nicht. er ist grau, ud hat vorne 1 Schwarzen, dann einen rosanen und wieder einen schwarzen breiten Streifen drauf u. oben einen schwarzen Kragen wie beim Poloshirt, naja, typisch meine Oma. Das war’s erstmal!
Alles was mir dazu heute einfällt: traurig, ja armselig. Kein Wort vom festlich gedeckten Tisch, vom Plätzchenbacken, vom leckeren Essen, das meine Mutter gezaubert hatte, vom Weihnachtsspaziergang, vom abendlichen Musizieren. Stattdessen: haben, haben, haben, noch nen Pullover und noch eine Hose – und über den Pulli von Oma, über den man sich vermutlich noch zwei Jahre zuvor riesig gefreut hätte, wurde abgelästert. Mein ganzes Denken, mein ganzes Ich hatten sich innerhalb von nur zwei Jahren völlig verändert.
Weihnachten lebte fortan nur noch vom Konsum, von der Zahl der Geschenke – und als der Tiefpunkt der finanziellen Talfahrt bei uns erreicht war (das war so Mitte der 90er), mutierte Weihnachten zur Zeit der enttäuschten Wünsche und des Frustes, der Konflikte zwischen Eltern und Kindern, die nie gelernt hatten, was es bedeutete, wenn kein Geld mehr da war, um etwas zu kaufen. Ein köstliches Essen, ein Abend in trauter Familie – das alles hatte massiv an Bedeutung verloren.
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So jedenfalls wird es heute gern ziemlich pauschal dargestellt, z. B. gestern in der ARD. Weihnachten sei in der DDR ja eine “ziemlich knifflige Angelegenheit” gewesen und zwar, weil die DDR-Führung die Kirchen und den christlichen Glauben nicht gerade schätzte und ein Großteil der DDR-Bürger das Fest daher nicht in christlicher Tradition begingen, so Kirchenvertreter in der ARD.
So weit ja so richtig.
Aber – warum macht allein der Umstand, dass Weihnachten in der DDR weitgehend entchristlicht wurde und (zumindest offiziell) als Jahresend-Familien-Fest galt, zu einer “kniffligen Angelegenheit”?
Auch Stimmen, die behaupten, in der DDR hätte es an Weihnachten “nichts” gegeben, weil es ja immer “nichts” gab, werden um diese Jahreszeit mit schöner Regelmäßigkeit lauter.
Hm, aber gab es wirklich “nichts”, und war Weihnachten in der DDR wirklich so “knifflig” und trostlos?
Eine kleine Rückschau:
Weihnachten war für mich und meine Familie immer ein Fest der Besinnlichkeit, der Familie, des Beisammenseins und der kleinen Überraschungen und Gaben, die man sich gegenseitig bescherte. Und im Prinzip halten wir das bis heute so. Auch bei uns in der DDR war Heiligabend offiziell Arbeitstag, der 1. und 2. Weihnachtstag hingegegen gesetzlicher Feiertag. In der Vorweihnachtszeit gab es Betriebsweihnachtsfeiern, die besonders im Betrieb meiner Mutter immer richtig schön waren: Jedes Jahr gab es dort Märchenaufführungen der Betriebstheatergruppe für Mitarbeiter und deren Kinder, dazu Kaffee, Punsch und Gebäck.
Vor dem Heiligen Abend hatte meine Mutter die Stube immer blitzblank gewienert, der Vater hatte einen riesigen Weihnachtsbaum besorgt und aufgestellt, und am Vorabend des Heiligen Abends wurde der von der ganzen Familie traditionsgemäß angeputzt, mit bunten Lichtern, uralten Kugeln aus Familienbesitz und reichlich Lametta. Also eigentlich so, wie man das heute auch noch macht. “Knifflig” war es nie, einen Weihnachtsbaum oder Baumschmuck zu bekommen, höchstens das Aufsetzen der Weihnachtsbaumspitze auf den 2 Meter hohen Baum war manchmal eine etwas knifflige Angelegenheit.
An Heiligabend gab es traditionell mittags eine Geflügelsuppe und abends Kartoffelsalat und Würstchen oder Buletten – auch das ist heute noch so bei meinen Eltern. Beim Metzger unseres Vertrauens (damals: Seifert, Görlitzer/Ecke Sebnitzer Straße) bereits bestellt, brauchte man Würstchen und Gehacktes am Vortag lediglich noch abzuholen, und am nächsten Abend stand alles, dank Muttis Kochkünsten, lecker auf dem festlich mit dem besten Porzellan gedeckten Wohnzimmertisch. Mit dem Weihnachtsbraten für die Festtage verhielt sich das ganz ähnlich. Gab es mal keine Gans, dann eben Pute, Kaninchen oder Rouladen mit Rotkohl und Klößen, wobei Letztere in jeder Kaufhalle erhältlich waren. Klar musste man lange vorbestellen und so eine Gans konnte schon mal tief im 2-stelligen Mark-Betrag enden, aber “knifflig”? Höchstens für Mutti, die alles zubereiten musste und am 23. bis Mitternacht in der Küche stand
Und selbst wenn es zum rein kommerziellen Teil – der Bescherung – überging, konnten zumindest wir uns nicht über irgendeinen Mangel beschweren. Mal gab es eine Ski-Ausrüstung, dann einen Puppenwagen, Kleidung ein Puppenbett, Bücher, jede Menge Süßigkeiten – und natürlich die obligatorischen Dinge von “drüben” aus den Westpaketen: ein Monchichi, Kinderschokolade, Stabilo-Neon-Liner, Mickey-Mouse-Hefte, Parfümerie-Artikel und Kaffee für die Eltern usw.
Fazit:
Weihnachten in der DDR war für gewöhnlich eine schöne, besinnliche Angelegenheit, die weder trostlos noch “knifflig” war, sondern einfach nur – und gerade für die Kinder – herrlich festlich und etwas ganz Besonderes, genau, wie es das für die Menschen in der BRD damals auch gewesen sein wird. Und es wurde höchstwahrscheinlich auch ganz genau so gefeiert wie in der BRD, ob nun christlich oder weltlich, nur vielleicht etwas weniger luxuriös.
Auch, lieber Herr Ulbrich, wenn der Strom mal flackerte oder wie im Jahrhundertwinter 78/79 mal ganz ausfiel und Weihnachten bei Kerzenschein verbracht wurde – meine Eltern fanden es romantisch, nicht etwa trostlos.
Ich kenne zudem keine einzige Person aus jener Zeit, die Weihnachten technokratisch als “Jahresabschlussfest” angesehen und begangen hätte, wie es im ARD-Beitrag dargestellt wurde. Für alle war es – wie auch heute – eine Zeit der Besinnung, der Familie und der Freude. Schon in der Vorweihnachtszeit wurde das Besondere der Zeit zelebriert: Plätzchenbacken, Gedichte schreiben, Weihnachtslieder wurden einstudiert, mit dem Chor auf Weihnachtskonzerten aufgetreten.
Was besonders schön war: Nach der Bescherung klingelte man meist bei den Nachbarn oder anderen Hausbewohnern, wir Kinder stürmten zu den befreundeten Nachbarskindern, und man tauschte sich über Geschenke, Dekorationen und Traditionen aus. Heute wird wohl in den meisten Fällen im stillen Eckchen die neue Playstation ausprobiert, oder die Familie versammelt sich andächtig vor dem neuen XXL-Plasma-Bildschirm. Diese Entwicklung ist meines Erachtens nach nicht mehr nur “knifflig”, sondern bedenklich.
Heutzutage verkommt Weihnachten – trotz freier Kirchen und Meinungsfreiheit – immer mehr zur reinen Kommerzschlacht. Wer hingegen Weihnachten in der DDR in christlicher Tradition feiern wollte, der konnte das auch, wie zahlreiche christliche Nachbarn in der Neustadt jedes Jahr unter Beweis stellten, denn alle Kirchen waren Gläubigen und Nichtgläubigen auch damals an Weihnachten offen.
Alles in allem war es damals sicherlich nicht “kniffliger”, ein gelungenes Weihnachtsfest samt Braten, Geschenken und festlicher Atmosphäre zu organisieren als heute für eine Hartz-IV-Familie oder Niedriglohnbeschäftigte. Schlimmer: heute müssen Menschen aufgrund ihrer Armut wieder ernüchtert an all dem Glanz und der Gloria der Weihnachtsmärkte und Konsumtempel vorbeigehen, und Kinder drücken sich traurig die Nasen an Schaufenstern platt, weil sie all die schönen Dinge zwar sehen, sie sich aber eben nicht leisten können.
Das gabs früher so nicht. Da gabs eben allgemein nicht viel, aber das, was es gab, das konnten sich die meisten Menschen wenigstens einmal im Jahr leisten.
Insgesamt wird man das Gefühl nicht los, als würde es besonders im Interesse der Kirchen liegen, alles über Gebühr schwarz zu malen, was mit der DDR zu tun hat. Zu einem gewissen Teil sicherlich verständlich, hält man sich vor Augen, unter welchem Druck die Kirche in der DDR stand. Aber so?
Es ist ja auch nicht so, dass nur das “ungläubige DDR-Regime” Weihnachten entchristlichte und zu einem weltlichen, bürgerlichen Fest umstrickte – es gibt auch so einige weihnachtliche Traditionen, die heute u.a. in jedem Christenhause an Weihnachten Anwendung finden, die aber so gar nichts mit der christlichen Überlieferung zu tun haben: Den Weihnachtsbaum zum Beispiel – eine alte heidnisch-nordische Tradition zum Wintersonnenwend-Fest, die erst im Mittelalter so langsam im christlichen Europa Einzug fand und heute weitverbreitet zum “Christbaum” verchristlich worden ist. Und auch das ganze Weihnachtsfest, wie wir es heute im Dezember feiern, war ursprünglich keine christliche Angelegenheit, sondern datiert vielmehr auf das nordische Wintersonnenwend-Fest um den 25. Dezember herum zurück.
Die ersten Festlichkeiten zu Ehren Christi Geburt fanden vielmehr ab Mitte des 1. Jahrtausends nach Chr. um den 6. Januar statt, an Heilige Drei Könige, wie es die Orthodoxen Christen auch heute noch halten.
Also, liebe Kirchen-Vetreter: bitte lasst die Kirche doch im Dorf in Sachen DDR-Kritik. Sei sie in vielen Bereichen selbstverständlich auch noch so berechtigt – und ich will mich hier ganz sicher nicht zu Lobesarien auf die untergegagene Diktatur aufschwingen -, aber auf Weihnachten in der DDR muss doch nun wahrlich nicht herumgehackt werden. Es zieht nur abermals schöne bisweilen auch urkomische Erinnerungen in den Schmutz.





Sehr schön beschrieben! Mal sehen, was es zum kommenden Feste wiederum für Auswürfe gibt. Wenn es nur um diese wheinachtlichen Traditionen ging könnte man mal kurz darüber lachen und gut. Aber leider ziehen sich solche Besserwisserreien durch den ganzen damaligen DDR-Alltag. Und dann dies meistens noch von diesen überqualfizierten Zeitgeistern, denen ein echter Vergleich nicht gegeben ist.
Dies kann und wird uns nochmal tüchtig auf die Füße fallen.
Jim
Ich finde es einfach nur sehr sehr traurig. Besonders, wenn es im Osten Aufgewachsene sind, die im Nachhinein alles schwarzmalen. Haben die denn vergessen, wie schön Weihnachten früher in Familie war? Man muss doch differenzieren, auch wenn einem irgendwann Unrecht im pseudo-sozialistischen Staat widerfahren ist.
Für mich persönlich hatte Weihnachten seinen Reiz mit der Wende verloren – die verkniffenen Gesichter meiner arbeitslos gewordenen Eltern, die nun, nach der lang ersehnten Wende, ihren Kindern kaum etwas von all den schönen Dingen auf den Gabentisch legen konnten, die es nun überall zu kaufen gab; der Otto-Katalog-Bestell-Wettstreit im Vorfeld und der Frust, wenn das Zeug nicht passte; die trostlose Betonwüste draußen vor der Tür. Grauenhaft. Da war’s früher um Ellen schöner.
Moin moin zusammen,
ich finde diesen Diskurs offiziell wie in gemeinsamer Runde immer wieder liebenswert! Als alter Ossi erzähle ich immer mit Vorliebe die Geschichte, wie Mama und Papa von den Bäumen hangelten und den bösen Raubsauriern zum Trotz die dicksten Steine von den tiefhängenden Ästen erhangelten. Die daraus gezauberte Steinsuppe im weihnachtlich grünen Nadelmantel schmeckte hervorragend und regte die Verdauung an. So war es dann in unserer Baum- (MV) oder wie in südlichen Gefilden Felsenhöhle immer mollig warm zur Winterzeit. Wir Kinder spielten in unseren dicken Jutesäcken auf den großen Ästen der damals noch geschlossenen Waldlandschaft und brauchten uns vor den Flugsauriern nicht ängstigen, die bei den Witterungsbedingungen nicht Jagd nach uns kleinen Ossies machten.
Heute sind die Wälder verschwunden oder zerteilt durch Strassen und Großmärkte, so das die Elterntiere nicht mehr an die leckersten Findlinge (mit Moosbesatz und Asseltieren) kommen. Die Nadelbäume sind durch Smog und weitere Umweltgifte auch nicht mehr das was sie mal waren. Ergo … früher war alles BESSER !!!
Hm,nette Geschichte, bloß: Was soll sie uns sagen? Aus deinem letzten Satz höre ich so etwas wie die Unterstellung, die Autorin wäre der Ansicht, dass früher zu DDR-Zeiten “alles besser” gewesen sei, was schon recht merkwürdig wäre, denn nirgendwo im Artikel steht irgendetwas davon.