Archive

Alfred Nobel und die Landminen.

Ich frage mich dieser Tage, was Alfred Nobel eigentlich so von Landminen gehalten haben mag.

antipersonenmine-312120

Ihr wisst schon, diese fiesen kleinen Dinger, die gerne in besonders brutal geführten kriegerischen Auseinandersetzungen benutzt werden, um dem Gegner auf besonders hinterhältige Art und Weise Schaden zuzufügen. Sie werden in harmlos ausschauenden Feldern, an Straßen und Wegen rings um zivile Infrastruktur herum vergraben und warten dort auf ihre arglosen Opfer, den Feind – oft noch Jahre nachdem der eigentliche Konflikt beendet wurde.

Dieser “Feind” sieht dann nur allzu oft so aus oder auch so, da Antipersonenminen als am weitesten verbreitete Art der Landminen noch nicht zwischen Soldat und Zivilist zu unterscheiden gelernt haben.
Der Zweck dieser Minen besteht zumeist nichtmals in der Beschädigung von militärischem Gerät und somit der Verteidigung, sondern sie gelten allein der gezielten Verletzung (nicht Tötung) von Personen.

Nun ist es mir nicht gelungen, eine Aussage Alfred Nobels speziell zu Land- bzw. Antipersonenminen zu finden. Doch die sich zum Ende seines Lebens zunehmend wandelnde Haltung des Dynamit-Erfinders zu Krieg und Waffen, die letzten Endes zur Auslobung des Friedensnobelpreises führte, lässt zumindest im Ansatz erkennen, dass der Grauen Eminenz beides ein Gräuel gewesen sein muss. Nicht umsonst heißt es in den Statuten zur Verleihung des Friedensnobelpreises, dieser möge demjenigen vorbehalten sein, der

am meisten oder besten für die Verbrüderung der Völker und für die Abschaffung oder Verminderung der stehenden Heere sowie die Bildung und Verbreitung von Friedenskongressen gewirkt hat.

Man schreibt diesen Sinneswandel heute auch gern dem (wenn auch kurzen, aber um so prägenderen) Einfluss der Friedensaktivistin Bertha von Suttner zu.

Nun aber zum eigentlichen Anlass dieses Artikels. Warum der ganze Sermon über Nobel und die Landminen? Nun, erinnern wir uns an die diesjährige Verleihung des Friedensnobelpreises an keinen Geringeren als US-Präsident Barack Obama, damals seit 8 Monaten im Amt.
Der Preis bedeute eine große Verantwortung für Obama, so bügelte die Presse weltweit die heftige Kritik an der quasi vorauseilenden Ehrung des jungen Präsidenten glatt.

Eine Verantwortung, die Obama nicht wirklich zu übernehmen gewillt ist, wie es scheint. Denn 11/2 Monate nach der Verleihung des Friedensnobelpreises glänzt der US-Präsident zunächst durch seine Weigerung, die Konvention von Ottawa aus dem Jahr 1996 zu unterzeichnen, die den Gebrauch von Landminen international ächtet. Eine Konvention, deren Zustandekommen seinerzeit übrigens vorrangig dem unermüdlichen Einsatz der verstorbenen englischen Prinzessin Diana Spencer gegen Landminen zu verdanken war, und die einen Meilenstein in der moralischen Bewertung dieser grausamen Art der Kriegsführung bedeutete.

Die USA sind damit das einzige NATO-Mitglied, das der Konvention noch nicht beigetreten ist; begründet wird dies offiziell recht vage mit Sicherheitsinteressen. Andere Staaten, die eine Anerkennung bislang verweigern, sind u.a. China, Israel, Russland, Indien, Pakistan und der Iran, 156 Staaten haben die Konvention bislang unterschrieben und enthalten sich somit der Produktion, Lagerung und Verwendung solcher Minen.

Die neuerliche Weigerung der USA im Vorfeld der nächste Woche stattfindenden Konferenz der Ottawa-Unterzeichnerstaaten in Cartagena kommt für viele Experten und Menschenrechtler gerade vor dem Hintergrund der Ehrung Obamas mit dem Friedensnobelpreis überraschend. Der eventuell bei diesem für mich nach wie vor nicht nachvollziehbaren Akt Pate stehende Plan, die USA mit dieser Ehrung zu mehr internationaler Kompromissbereitschaft zwingen zu wollen, scheint jedenfalls nicht aufzugehen.

[...]