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Entgegen allen Befürchtungen und dem gebetsmühlenartigen Drohszenario der organisierten sowie der latenten Brückengegnerschaft sind die Tourismuszahlen für Dresden im Jahr eins der Aberkennung des UNESCO-Weltkulturerbe-Titels nicht gesunken, sondern – im Gegenteil – erstmals seit 2006 und trotz Wirtschaftskrise wieder gestiegen, im Oktober etwa um knapp 8% im Vergleich zum Vorjahresmonat. Aber auch auf das gesamte Jahr 2009 bezogen, sind die Touristenzahlen für Dresden und auch andere Teile Sachsens wieder gestiegen. Eine entsprechende Meldung findet sich auch in der Sächsischen Zeitung von heute.
Und diese Entwicklung spiegelt meines Erachtens nach hauptsächlich eines wider: nämlich die gesunde Unbedarftheit und den unvorbelasteten Blick Auswärtiger, die nicht den ideologischen Schlagabtausch sehen, der die Bewohner dieser schönen Stadt spaltet, sondern einfach nur die schöne Stadt als solche, die trotz vorübergehenden Baulärms und Chaos’ um die Brückenbaustelle herum doch insgesamt nicht weniger schön und sehenswert geworden ist.

Ich habe eine solche Entwicklung erhofft und insgeheim auch ziemlich selbstbewusst kommen sehen. Leute kommen nicht wegen eines Titels, sondern sie kommen wegen der Sehenswürdigkeiten, des kulturellen Angebots und besonderen Erholungsmöglichkeiten. All das ist und war schon immer im “Florenz des Nordens” in besonderem Maße gegeben, auch vor der Verleihung eines Welterbetitels schon, und das wird auch mit einer weiteren Brücke und nach Aberkennung des Titels so bleiben. Die neuesten Zahlen sprechen dahingehend ja erstmals eine deutliche Sprache, die auch die Brückengegner, die bislang gerne auch mit touristischen Argumenten diskutierten, anerkennen müssen.
Machte sich besonders im 1. Halbjahr 2009 noch die Wirtschaftskrise in Form leicht sinkender Übernachtungen für Dresden bemerkbar, kann gerade das 2. Halbjahr, also jene Zeit nach Aberkennung des Titels, als Erfolgsgarant gewertet werden.
Unterm Strich stellt man fest, dass das Tourismus-Argument letztendlich nicht mehr als ein “hohler Vogel” war, ein Pseudo-Argument, das zunächst gut Wirkung zeigt, weil es scheinbar am Geldbeutel und an der Existenz vieler Menschen rührt und Ängste schürt, die sich wiederum gut für die eigenen Überzeugungen einspannen lassen.
Erstaunlich, wie gerade Grüne, Ökos und Linke in eine Politik der Panikmache verfallen, die man sonst eigentlich von Falken und Haien kennt.
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Als freenet-Kunde traf mich – wie vermutlich auch viele andere freenetter – zu Beginn des Monats eine Nachricht wie aus heiterem Himmel:
freenet geht in der 1&1 Internet AG auf, und ich war somit ab
1. Dezember nicht mehr freenet-, sondern 1&1-Kunde. Zack. Einfach so, ohne dass ich vorab informiert und um meine Zustimmung zu Anbieterwechsel und Datenweitergabe gebeten worden wäre.
Dazu muss erwähnt werden, dass ich vor einigen Jahren schon einmal 1&1-Kunde war – und nach nicht einmal einem Jahr entnervt vorzeitig gekündigt hatte, weil unsinnige Sondergebühren erhoben worden waren und der Kundenservice schon chronisch nicht erreichbar oder aber nicht sonderlich hilfreich war.
Nie wieder, so hatte ich mir damals geschworen, würde ich zu diesem Anbieter wechseln.
Denkste, Puppe! 1&1 hat sich sozusagen durch die Hintertür reingeschlichen und pocht jetzt auf Vertragserfüllung.
Der Hammer dabei ist ja: 1&1 pocht also auf Vertragserfüllung, andersrum hingegen kann überhaupt keine Rede mehr von den gewohnten Service-Qualitäten von freenet sein, die mir dort vertraglich zugesichert waren.
Der Kundenservice bei 1&1 ist schon seit Tagen nicht erreichbar, ich hing schon x-mal bis zu 20 Minuten in Warteschleifen, die automatische Anrufannahme schafft es nicht einmal, die über Telefon-Tastatur eingegebene Kundennummer korrekt zu erfassen – und das alles, um einen simplen Tarifwechsel in Auftrag zu geben.
Bei 1&1 hat sich also trotz des neuerdings aufgrund der notorisch hohen Kundenunzufriedenheit eingeführten Postens eines “Leiters Kundenzufriedenheit” nichts an den unmöglichen Service-Bedingungen geändert.
Für mich schlichtweg ein Skandal, dass Leute, die mit einem Unternehmen ihrer freien Wahl einen Versorgungsvertrag abgeschlossen haben, gezwungen werden sollen, Servicestrukturen eines Konkurrenzanbieters zu akzeptieren (Rechtsnachfolge hin oder her), die unter alle Würde sind und die sie aus freien Stücken niemals gewählt hätten, zumal 1&1 diesbezüglich ja bereits ein mehr als desolater Ruf vorauseilte. Von freier Anbieterwahl kann da eigentlich keine Rede mehr sein.
Toll habt’s das hingekriegt, liebe freenet-Leute.
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David Schnell, geboren in Bergisch-Gladbach, ist Ende 30 und lebt und arbeitet heute in Leipzig.
Viel mehr ist über die Person Schnell auf die Schnelle nicht zu erfahren, was angenehm ist – und etwas, was er mit vielen anderen Vetretern der Neuen Leizpiger Schule gemein hat.
Wie einst Neo Rauch, lernte Schnell bei Professor Arno Rink an der Leiziger Hochschule für Grafik und Buchkunst, und wie Rauch gehört Schnell heute zu den prägenden Protagonisten der Neuen Leizpiger Schule, wenn auch sicherlich einer anderen, jüngeren Generation zuzuordnen.
Schnells Stil ist wohl einer der geometrischsten, grafischsten seiner Strömung, Raum und Perspektive räumt er einen hohen Stellenwert ein. Nicht zuletzt das unterscheidet seine Werke bisweilen erheblich beispielsweise vom romantischen, bildhaften Malstil eines Neo Rauch. Menschen und alles, was sie für gewöhnlich umgibt, wird man in David Schnells Bildern so gut wie nie finden. Sein Metier ist das Banale – Holz, Stein, Bäume, Wände. Was auf den ersten Blick wie eine Aneinanderreihung geometrischer Formen wirkt, eröffnet auf den zweiten Blick meist eine völlig andere Perspektive: Eine Landschaft wird erkennbar, ein Wald, Himmel – ein Bild im Bild. Keinem Zweiten gelingt das momentan so wie Schnell, Schnells Bilder arbeiten mit dem Betrachter.
Doch dann sind da wieder die leuchtenden Farben, das Spiel mit Licht und Schatten, Hell und Dunkel – und eben das gediegen-Zweideutige, das allen “Leipzigern” irgendwo gemein ist.
Manufacturer NIKON CORPORATION Title David Schnell-Bretter (2005) [...]
Der Vatikan soll den homosexuellen Star-Coiffeur Udo Walz von einer zunächst zugesagten Audienz bei Papst Benedikt XVI. wieder ausgeladen haben. Anlass sei nach Angaben Walz’, der “zuverlässige Quellen” zitierte, der Umstand, dass Walz in einer sogenannten eingetragenen Lebenspartnerschaft mit einem Mann lebt.
Eine ganze Woche lang soll demnach im Vatikan über der hochpikanten Angelegenheit gebrütet worden sein, bis man sich dazu entschloss, doch besser davon abzusehen, Walz zu empfangen.
Hier wäre nun eine, wenn nicht DIE Gelegenheit für die katholische Kirche gewesen, sich einmal als vorwärtsgewandte Institution zu präsentieren, die sich langsam aber sicher vom staubigen Mief der vergangenen tausend Jahre verabschiedet hat und den modernen Menschen von heute einen mit so neudmodischen Errungenschaften wie Gleichberechtigung und Freitheit der persönlichen Lebensgestaltung zu vereinbarenden Lebensentwurf zu bieten in der Lage ist.
Dafür ist die Zeit im Vatikan anscheinendn noch nicht reif – und man ist geneigt, zu fragen, wie das jemals der Fall sein soll in einem Stadtstaat, der beinahe ausschließlich von Männern über 60 gesteuert wird.
Für so viel Intoleranz, Weltfremdheit und Rückwärtsgewandtheit gibts alle zehn Daumen runter
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As a species, we’re 3-year-olds, if that. There’s simply no talking sense to us – not that there’s anyone out there attempting to do it. We’re selfish, impulsively ruled by our emotions, and above all extremely irrational. While some might disagree, the fact of the matter is that the world would not be in the state that it is were that not the case. For were reason applicable to our state of being then 99% of the problems that we ignore on a daily basis wouldn’t be ignored, let alone exist. [...]
We spend our time exalting rebellious achievements of the past while firm prisoners of the belief that change is too difficult to achieve. It is not, but in saying that our perceptions of life after the fact must be radically altered first. Change is inevitable, the only thing that ultimately matters is how we allow it to occur.
Thanks Matt.
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Update:
Alle Jahre wieder wird dieser in der Vorweihnachtszeit 2009 von mir verfasste Beitrag aktuell.
Grund für mich, ihn nochmals ganz oben auf die Seite zu stellen, war eine Diskussion zwischen dem ehemaligen DDR-Minister für Abrüstung und Verteidigung, Rainer Eppelmann, dem ARD-Vorsitzenden Prof. Peter Voß sowie den anwesenden JournalistInnen zum Thema “Aufarbeitung der SED-Diktatur”, derer ich am Freitag in Berlin Zeuge wurde.
Ein junger Jounalist, etwa Mitte bis Ende 20, meldete sich mit einem Vorwurf an die Adresse Eppelmanns – der übrigens Vorsitzender der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der DDR-Vergangenheit und einer der vehementesten Kritiker der Diktatur ist – zu Wort: Rainer Eppelmann wirke als Frontreiter für die Aufarbeitung der SED-Diktatur unglaubwürdig, weil er weiterhin rege Kontakte zu “SED-Politikern” wie Gregor Gysi und anderen pflege und diese damit als Politiker neben sich respektiere. Damit würde ein “falsches Signal gesetzt”. Stattdessen hätten diese Leute als Verbrecher einer Strafe zugeführt werden müssen. Des Weiteren trage diese Akzeptanz gegenüber “SED-Politikern” dazu bei, ein “romantisches, nostalgisches Bild von der DDR” aufzubauen als einem Land, in dem ja “alles gar nicht so schlimm” war.
Der junge Mann, der dem Dialekt nach zu urteilen offensichtlich den alten Bundesländern entstammte, auf jeden Fall aber jung genug war, die Verhältnisse in der DDR nicht mehr bewusst miterlebt zu haben, bezog sich dabei auf das Thematisieren systembedingter Vorteile gerade in der Sozialpolitik der DDR, was man unmöglich dulden dürfe, um ein “realistisches Bild” von der Diktatur insbesondere bei der nachwachsenden Generation zu erzeugen.
Nach diesem Vortrag war nicht nur ich einigermaßen sprachlos, sondern auch Rainer Eppelmann rang sichtlich um die passende Antwort. Rainer Eppelmann ist wohlgemerkt nach meinem Erleben weit davon entfernt, irgendeine Art von Schönrederei hinsichtlich der SED-Diktatur zu betreiben. Nach Ansicht des jungen Kollegen begeht er den “Fehler”, zwischen Parteimitgliedschaft und Täterschaft zu differenzieren. Ein Gregor Gysi meinetwegen mag ein überzeugter Kommunist und Parteimitglied gewesen sein, er gehörte jedoch zu jenen innerhalb der Partei, die gegen Ende der 80er-Jahre Reformen und Modernisierung forderten, weil er erkannt hatte, dass es so nicht weitergehen konnte. Gregor Gysi hat auch nie einen Schießbefehl erteilt oder gar einen Menschen gefoltert bzw. seine Inhaftierung initiiert. Und Gregor Gysi hielt im Gegensatz zu vielen Parteigängern damals den Sozialismus nicht für unvereinbar mit der demokratischen Idee.
Mir hat sich ein Satz von Rainer Eppelmann an jenem Abend eingebrannt, er sagte: “Wir dürfen niemals vergessen.” Recht hat er. Wir dürfen nicht vergessen. Allerdings dürfen wir hier nicht zweierlei Maßstäbe ansetzen: Nicht-Vergessen kann nur bedeuten, dass es auch möglich sein muss, diejenigen Dinge zu thematisieren, die den Menschen nicht zusetzten, sondern ihnen einen sicheren sozialen Status verschafften: eine gute Schulbildung, sinnvolle Rundumbetreuung für Kinder und Jugendliche nach der Schule unabhängig vom Geldbeutel der Eltern, sichere finanzielle Verhältnisse. Dass all jenen Institutionen (wie Bildung, Sozialwesen usw.) auch sehr negative Aspekte innewohnten (Jugendwerkhöfe, Ausgrenzung der Christen, Manipulation innerhalb der Jugendorganisationen usw.) ist ebenso wichtig und wird nicht dadurch relativiert, dass man die positiven Dinge ebenfalls erinnert.
“Nicht vergessen” darf nicht heißen, nur das Negative zu erinnern und das als positiv Erlebte zu verdrängen und sich dafür zu schämen. Das hat für meine Begriffe auch nichts mit “Romantik” oder “Nostalgie” zu tun, sondern es ist ein Teil des eigenen Lebens, der zur Formung eines bestimmten Gesellschafts- und Staatsbildes beigetragen hat: In mir lebt diese Zeit heute in Form einer starken Gemeinwohlorientierung und in der Ablehnung kaptialistischer Auswüchse gerade der Finanz- und Wirtschaftswelt weiter.
Dazu gehört z. B. die Erfahrung von Weihnachten in der DDR: Für mich die schönsten, weil unbeschwertesten Weihnachten, die ich in meinem Leben erlebt habe. An die ersten Nachwende-Weihnachten 1989 und 1990 habe ich beispielsweise gar keine Erinnerung mehr (an die davor hingegen sehr wohl), jene ab 1991 sind mir aufgrund der desaströsen finanziellen Situation, in die unsere Familie damals geraten war und der damit verbundenen ständigen Sorgen, Ängste und Frustrationen in schmerzlicher Erinnerung geblieben.
Für meine Eltern muss Weihnachten 1991 der reinste Horror gewesen sein. Mein Vater, der bis zur Wende bei der Erdgastrasse gearbeitet hatte, war nach dem Konkurs von BMK Chemie Halle seit Mitte 1990 arbeitslos, durch naive Nach-Wende-Anschaffungen hatten sich meine Eltern zudem hoffnungslos verschuldet – trotzdem hatten sie natürlich zwei Töchter im Teenageralter, für die die Wende einen schier unglaublichen Druck gebracht hatte, mit dem Neusten, Schönsten und Teuersten, das es nun überall zu kaufen gab und das in der Schule allgegenwärtig war, mitzuhalten, um sich nicht dem Geläster der Mitschüler auszusetzen. Das Wort “Zonenklamotten” wurde zum ultimativen Dartpfeil, die DDR-Vergangenheit zum Makel, den es so gut es ging mit Westklamotten zu verdecken galt.
Es war jene Zeit, die ich immer gern als die Zeit der Versandhauskataloge bezeichne. Es wurde bestellt, bestellt, bestellt, obwohl man eigentlich ständig klamm war – und dann ewig in Raten abgestottert.
Mein Tagebucheintrag vom 21.12.1991 (damals war ich etwa 13 Jahre alt) liest sich demzufolge so:
Liebes Tagebuch, in 3 Tagen ist Heilig Abend. Ich freue mich schon riesig darauf. Das weiß ich schon, das ich es kriege:
1 Latzjeanshose, 1 Minniemaussweatshirt gestreift, 1 Rosa gestreiftes Sweatshirt, 1 schwarzes Sweatshirt mit Graffithispüherei, 1 schwarzen Nietengürtel, 5 paar Strumfphosen, 6 paar Socken, Ich kriege aber wahrscheinlich noch etwas, was es ist weis ich noch nicht. Nächste Informationen nach Weihnachten!
Die Sachen hatte meine Mutter bereits Wochen zuvor (aus Angst, dass die begehrten Artikel beizeiten ausverkauft sein könnten) bei Otto, Quelle und/oder Neckermann bestellt gehabt – mit der Weihnachtsüberraschung, von der die Ost-Feste immer gelebt hatten, war es da logischerweise nicht weit her. Natürlich musste vorher probiert werden, weil unter Umständen nach Weihnachten die Rückgabefrist bereits abgelaufen war.
Früher hatte man das Größenproblem im privaten Umfeld mit Tauschgeschäften gelöst: Was nicht passte wurde entweder passend gemacht, man wuchs hinein oder man reichte es an irgendein Nachbarskind weiter, und fürs eigene ergatterte man irgendwas anderes Hübsches von Freunden und Verwandten.
Der Tagebucheintrag vom 28.12.1991 offenbarte dann:
Ich habe viele Weihnachtsgeschenke bekommen, insgesamt 26 was. Und zwar sind das: 1 Paar Skischuhe, 1 Paar Bindungen dazu, 5 Paar Strumpfhosen, 2 Paar Feinstrumpfhosen, 2 Paar Zweiteilerunterwäsche, 3 Sweatshirts (die im vorigen Eintrag benannten welchen, d. Verf.), 1 Nietengürtel, 1 Samtsweatshirt, 2 Paar Socken, 4 Bücher, 1 Kalender, 1 Wollpullover und Süßigkeiten. Ich freue mich über das alles sehr, nur über den Wollpullover nicht. er ist grau, ud hat vorne 1 Schwarzen, dann einen rosanen und wieder einen schwarzen breiten Streifen drauf u. oben einen schwarzen Kragen wie beim Poloshirt, naja, typisch meine Oma. Das war’s erstmal!
Alles was mir dazu heute einfällt: traurig, ja armselig. Kein Wort vom festlich gedeckten Tisch, vom Plätzchenbacken, vom leckeren Essen, das meine Mutter gezaubert hatte, vom Weihnachtsspaziergang, vom abendlichen Musizieren. Stattdessen: haben, haben, haben, noch nen Pullover und noch eine Hose – und über den Pulli von Oma, über den man sich vermutlich noch zwei Jahre zuvor riesig gefreut hätte, wurde abgelästert. Mein ganzes Denken, mein ganzes Ich hatten sich innerhalb von nur zwei Jahren völlig verändert.
Weihnachten lebte fortan nur noch vom Konsum, von der Zahl der Geschenke – und als der Tiefpunkt der finanziellen Talfahrt bei uns erreicht war (das war so Mitte der 90er), mutierte Weihnachten zur Zeit der enttäuschten Wünsche und des Frustes, der Konflikte zwischen Eltern und Kindern, die nie gelernt hatten, was es bedeutete, wenn kein Geld mehr da war, um etwas zu kaufen. Ein köstliches Essen, ein Abend in trauter Familie – das alles hatte massiv an Bedeutung verloren.
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So jedenfalls wird es heute gern ziemlich pauschal dargestellt, z. B. gestern in der ARD. Weihnachten sei in der DDR ja eine “ziemlich knifflige Angelegenheit” gewesen und zwar, weil die DDR-Führung die Kirchen und den christlichen Glauben nicht gerade schätzte und ein Großteil der DDR-Bürger das Fest daher nicht in christlicher Tradition begingen, so Kirchenvertreter in der ARD.
So weit ja so richtig.
Aber – warum macht allein der Umstand, dass Weihnachten in der DDR weitgehend entchristlicht wurde und (zumindest offiziell) als Jahresend-Familien-Fest galt, zu einer “kniffligen Angelegenheit”?
Auch Stimmen, die behaupten, in der DDR hätte es an Weihnachten “nichts” gegeben, weil es ja immer “nichts” gab, werden um diese Jahreszeit mit schöner Regelmäßigkeit lauter.
Hm, aber gab es wirklich “nichts”, und war Weihnachten in der DDR wirklich so “knifflig” und trostlos?
Eine kleine Rückschau:
Weihnachten war für mich und meine Familie immer ein Fest der Besinnlichkeit, der Familie, des Beisammenseins und der kleinen Überraschungen und Gaben, die man sich gegenseitig bescherte. Und im Prinzip halten wir das bis heute so. Auch bei uns in der DDR war Heiligabend offiziell Arbeitstag, der 1. und 2. Weihnachtstag hingegegen gesetzlicher Feiertag. In der Vorweihnachtszeit gab es Betriebsweihnachtsfeiern, die besonders im Betrieb meiner Mutter immer richtig schön waren: Jedes Jahr gab es dort Märchenaufführungen der Betriebstheatergruppe für Mitarbeiter und deren Kinder, dazu Kaffee, Punsch und Gebäck.
Vor dem Heiligen Abend hatte meine Mutter die Stube immer blitzblank gewienert, der Vater hatte einen riesigen Weihnachtsbaum besorgt und aufgestellt, und am Vorabend des Heiligen Abends wurde der von der ganzen Familie traditionsgemäß angeputzt, mit bunten Lichtern, uralten Kugeln aus Familienbesitz und reichlich Lametta. Also eigentlich so, wie man das heute auch noch macht. “Knifflig” war es nie, einen Weihnachtsbaum oder Baumschmuck zu bekommen, höchstens das Aufsetzen der Weihnachtsbaumspitze auf den 2 Meter hohen Baum war manchmal eine etwas knifflige Angelegenheit.
An Heiligabend gab es traditionell mittags eine Geflügelsuppe und abends Kartoffelsalat und Würstchen oder Buletten – auch das ist heute noch so bei meinen Eltern. Beim Metzger unseres Vertrauens (damals: Seifert, Görlitzer/Ecke Sebnitzer Straße) bereits bestellt, brauchte man Würstchen und Gehacktes am Vortag lediglich noch abzuholen, und am nächsten Abend stand alles, dank Muttis Kochkünsten, lecker auf dem festlich mit dem besten Porzellan gedeckten Wohnzimmertisch. Mit dem Weihnachtsbraten für die Festtage verhielt sich das ganz ähnlich. Gab es mal keine Gans, dann eben Pute, Kaninchen oder Rouladen mit Rotkohl und Klößen, wobei Letztere in jeder Kaufhalle erhältlich waren. Klar musste man lange vorbestellen und so eine Gans konnte schon mal tief im 2-stelligen Mark-Betrag enden, aber “knifflig”? Höchstens für Mutti, die alles zubereiten musste und am 23. bis Mitternacht in der Küche stand
Und selbst wenn es zum rein kommerziellen Teil – der Bescherung – überging, konnten zumindest wir uns nicht über irgendeinen Mangel beschweren. Mal gab es eine Ski-Ausrüstung, dann einen Puppenwagen, Kleidung ein Puppenbett, Bücher, jede Menge Süßigkeiten – und natürlich die obligatorischen Dinge von “drüben” aus den Westpaketen: ein Monchichi, Kinderschokolade, Stabilo-Neon-Liner, Mickey-Mouse-Hefte, Parfümerie-Artikel und Kaffee für die Eltern usw.
Fazit:
Weihnachten in der DDR war für gewöhnlich eine schöne, besinnliche Angelegenheit, die weder trostlos noch “knifflig” war, sondern einfach nur – und gerade für die Kinder – herrlich festlich und etwas ganz Besonderes, genau, wie es das für die Menschen in der BRD damals auch gewesen sein wird. Und es wurde höchstwahrscheinlich auch ganz genau so gefeiert wie in der BRD, ob nun christlich oder weltlich, nur vielleicht etwas weniger luxuriös.
Auch, lieber Herr Ulbrich, wenn der Strom mal flackerte oder wie im Jahrhundertwinter 78/79 mal ganz ausfiel und Weihnachten bei Kerzenschein verbracht wurde – meine Eltern fanden es romantisch, nicht etwa trostlos.
Ich kenne zudem keine einzige Person aus jener Zeit, die Weihnachten technokratisch als “Jahresabschlussfest” angesehen und begangen hätte, wie es im ARD-Beitrag dargestellt wurde. Für alle war es – wie auch heute – eine Zeit der Besinnung, der Familie und der Freude. Schon in der Vorweihnachtszeit wurde das Besondere der Zeit zelebriert: Plätzchenbacken, Gedichte schreiben, Weihnachtslieder wurden einstudiert, mit dem Chor auf Weihnachtskonzerten aufgetreten.
Was besonders schön war: Nach der Bescherung klingelte man meist bei den Nachbarn oder anderen Hausbewohnern, wir Kinder stürmten zu den befreundeten Nachbarskindern, und man tauschte sich über Geschenke, Dekorationen und Traditionen aus. Heute wird wohl in den meisten Fällen im stillen Eckchen die neue Playstation ausprobiert, oder die Familie versammelt sich andächtig vor dem neuen XXL-Plasma-Bildschirm. Diese Entwicklung ist meines Erachtens nach nicht mehr nur “knifflig”, sondern bedenklich.
Heutzutage verkommt Weihnachten – trotz freier Kirchen und Meinungsfreiheit – immer mehr zur reinen Kommerzschlacht. Wer hingegen Weihnachten in der DDR in christlicher Tradition feiern wollte, der konnte das auch, wie zahlreiche christliche Nachbarn in der Neustadt jedes Jahr unter Beweis stellten, denn alle Kirchen waren Gläubigen und Nichtgläubigen auch damals an Weihnachten offen.
Alles in allem war es damals sicherlich nicht “kniffliger”, ein gelungenes Weihnachtsfest samt Braten, Geschenken und festlicher Atmosphäre zu organisieren als heute für eine Hartz-IV-Familie oder Niedriglohnbeschäftigte. Schlimmer: heute müssen Menschen aufgrund ihrer Armut wieder ernüchtert an all dem Glanz und der Gloria der Weihnachtsmärkte und Konsumtempel vorbeigehen, und Kinder drücken sich traurig die Nasen an Schaufenstern platt, weil sie all die schönen Dinge zwar sehen, sie sich aber eben nicht leisten können.
Das gabs früher so nicht. Da gabs eben allgemein nicht viel, aber das, was es gab, das konnten sich die meisten Menschen wenigstens einmal im Jahr leisten.
Insgesamt wird man das Gefühl nicht los, als würde es besonders im Interesse der Kirchen liegen, alles über Gebühr schwarz zu malen, was mit der DDR zu tun hat. Zu einem gewissen Teil sicherlich verständlich, hält man sich vor Augen, unter welchem Druck die Kirche in der DDR stand. Aber so?
Es ist ja auch nicht so, dass nur das “ungläubige DDR-Regime” Weihnachten entchristlichte und zu einem weltlichen, bürgerlichen Fest umstrickte – es gibt auch so einige weihnachtliche Traditionen, die heute u.a. in jedem Christenhause an Weihnachten Anwendung finden, die aber so gar nichts mit der christlichen Überlieferung zu tun haben: Den Weihnachtsbaum zum Beispiel – eine alte heidnisch-nordische Tradition zum Wintersonnenwend-Fest, die erst im Mittelalter so langsam im christlichen Europa Einzug fand und heute weitverbreitet zum “Christbaum” verchristlich worden ist. Und auch das ganze Weihnachtsfest, wie wir es heute im Dezember feiern, war ursprünglich keine christliche Angelegenheit, sondern datiert vielmehr auf das nordische Wintersonnenwend-Fest um den 25. Dezember herum zurück.
Die ersten Festlichkeiten zu Ehren Christi Geburt fanden vielmehr ab Mitte des 1. Jahrtausends nach Chr. um den 6. Januar statt, an Heilige Drei Könige, wie es die Orthodoxen Christen auch heute noch halten.
Also, liebe Kirchen-Vetreter: bitte lasst die Kirche doch im Dorf in Sachen DDR-Kritik. Sei sie in vielen Bereichen selbstverständlich auch noch so berechtigt – und ich will mich hier ganz sicher nicht zu Lobesarien auf die untergegagene Diktatur aufschwingen -, aber auf Weihnachten in der DDR muss doch nun wahrlich nicht herumgehackt werden. Es zieht nur abermals schöne bisweilen auch urkomische Erinnerungen in den Schmutz.
[...]
Und so habe ich für mich gleich Mehreres beschlossen.
1. eine neue Frisur (jaaa, typisch Mädchen…)
2. endlich mal meine Freundin in London besuchen (und dafür meine Flugangst anpacken)
Drittens ist etwas längerfristig angelegt und würde die Verwirklichung eines Lebenstraumes bedeuten.
Um das näher zu erklären, muss ich etwas weiter ausholen.

Mein Vater hat zu DDR-Zeiten jahrelang in der damaligen Sowjetunion an der Erdgastrasse gearbeitet und war deshalb für mich als Vater über eine lange Phase meiner Kindheit nicht wirklich präsent, da er nur für wenige Wochen im Jahr nach Hause kam.
Zunächst war er in der Ukraine stationiert, später am Fuße des Ural an der Grenze zu Sibirien.
Wenn er heimkam, zeigte er uns wackelige Schwarz-Weiß-Fotoaufnahmen vom Arbeitercamp, von den umliegenden Dörfern, von feucht-fröhlichen Feiern mit den gastfreundlichen Einheimischen, sehr freundliche Menschen, sehr bescheiden. Und er erzählte von den rauen Wintern, den glühend heißen Sommern (in Südsibirien kann es im Winter bis zu -40 Grad kalt und im Sommer bis über 30 Grad heiß werden), vom harten Alltag in den Trassen-Camps und dem noch härteren Leben in den abgeschiedenen Bergdörfern des Ural und der Karpaten.

Wir Kinder hörten immer voll Spannung und Begeisterung zu, für mich war es immer, als ob mein Vater den überwiegenden Teil des Jahres ein Leben wie aus einem russischen Märchenbuch führte – mit tiefen, dunklen, verschneiten Wäldern, mit Wölfen, Luchsen und windschiefen Katen mit altmodischen Kachelöfen darin. Ich malte mir mein ganz eigenes Bild von diesem wilden, weiten Land – ein Bild in Schwarz-Weiß.
Und so habe ich nun für mich beschlossen, dieses Bild in Bälde farbig und real werden zu lassen, indem ich jene Region bereisen werde – per Zug, 1. Klasse in der TransSib (Transsibirische Eisenbahn).
Zunächst aber solls in die Ukraine gehen, die Karpaten, vielleicht sogar bis ans Schwarze Meer. Anschließend dann nach Moskau und von dort mit der TransSib über Sibirien bis nach China.
Unter anderem werde ich dann in genau jener Stadt am Fuße des Ural Halt machen, in der mein Vater vor gut 20 Jahren oft einkaufen ging – in Perm. Es wird durch Burjatien nördlich der Mongolei und Jakutien gehen.
Sobald das Geld für dieses größte Abenteuer meines Lebens verdient, die richtige Reisebegleitung gefunden ist, wird organisiert, durchgeplant und Tickets besorgt werden.
Bei diesem Projekt ist es mir besonders wichtig, einen Einblick in die Kulturen der verschiedenen Völker zu erhalten, die wir hier im Westen für gewöhnlich unter dem ignoranten Sammelbegriff “Russland bzw. die Russen” zusammenfassen: die Mari, die Burjaten, die Jakuten, die Ukrainer, die Chakassen, die Tuwiner, die Russen, die Tataren, die Baschkiren und andere.
Und wenn ich diese unglaubliche Reise tatsächlich realisiert und durchlebt habe, dann werde ich ein Buch darüber schreiben.
Ich kann die einsam-schöne Wildheit der Birken-Ebenen und Bergwälder schon förmlich vor mir sehen…
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Erst vor wenigen Wochen hatte Israels Präsident Benjamin Netanjahu auf anhaltenden Druck der Internationalen Gemeinschaft und insbesondere US-Präsident Barack Obamas eine 10-monatige Bannfrist für den Bau neuer Siedlungen im von Israel seit 42 Jahren völkerrechtswidrig besetzten Westjordanland und in Ost-Jerusalem angekündigt.
Ein Ende des Siedlungsbaus und der damit einhergehenden illegalen Landnahme ist wesentliche Bedingung der Palästinenser wie auch zahlreicher Menschenrechtsorganisationen für die Wiederaufnahme von Friedensgesprächen mit dem Ziel einer 2-Staaten-Lösung.
Doch nun steht auch dieser Schritt des israelischen Premierministers in die richtige Richtung auf Messers Schneide. Zehntausende Israelis hatten in den letzten Tagen insbesondere in Jerusalem gegen den angekündigten temporären Siedlungsstopp demonstriert und demonstrativ Grundsteine für neue Siedlungen im Westjordanland gelegt. Denen gegenüber standen lediglich wenige Hundert, die ein generelles Ende des Siedlungsbaus forderten.
Fundamentalistische Siedler attackierten zudem eine Moschee in Yasuf (Nord-Westbank) und verbrannten arabische Bücher.
Die Proteste nahmen ein derartiges Ausmaß an, dass sich Außenminister Avigdor Lieberman mittlerweile genötigt sah, zu beschwichtigen und Menachem-Begin-Sohn Benny Begin kündigte gar die Fertigstellung bereits begonnener Siedlungsprojekte gegen den Bann des Premierministers an.
Hier zeigen sie sich wieder, die strukturellen Schwächen des israelischen Staatswesens und Selbstverständnisses – biblisch hergeleitete Identitäten prallen auf politische, gesellschaftliche und demografische Realitäten und stürzen die Knesset ein ums andere Mal ins Chaos.
Mehr als 500.000 israelische Siedler leben in der Westbank sowie in und um Ost-Jerusalem auf palästinensischem Land. Das sind gut 10% der jüdischen Bevölkerung Israels. Ihre nationalreligiös bis orthodox geprägten Interessen werden auf Entscheidungsebene durch Parteien wie das Vereinigte Thora-Judentum, Schas oder Jisrael Beitenu, der Partei des rechtsextremen Außenministers Avigdor Lieberman, vertreten. Und auch der Likud, die Partei Benjamin Netanjahus, vertritt hauptsächlich die Interessen der Religiösen und der Falken (politische Hardliner).
Doch auch der nicht-fundamentalistische Teil der israelischen Bevölkerung hat bei den diesjährigen Wahlen zur Knesset dem linken und weitgehend rechtsstaatlich orientierten politischen Lager die Zustimmung verwehrt und stattdessen mehrheitlich mitgeholfen, eine rechts-religiöse Koalition zu bilden, deren Protagonisten durchweg einen moderaten Palästina-Kurs ablehnen und den Siedlungsbau als gottgegebenes Recht begreifen, die biblischen Ausmaße des einstigen Israel wiederherzustellen, zumindest aber aus strategischen Gründen bejahen.
Palästinensische Friedensaktivisten in der Westbank, die gegen die Willkürherrschaft Israels im besetzten Gebiet friedlich Widerstand leisten, werden in überfallartigen Militärmanövern aus ihrem Bett heraus verhaftet.
Fasst man all diese Informationen zusammen, muss man sich fragen, wie es mit Israel, wie es aktuell politisch und gesellschaftlich aufgestellt ist, jemals zu einem stabilen Frieden kommen soll. Wenn selbst der Wille fehlt, ein grundlegendes Recht der Palästinenser auf Existenz und Freiheit anzuerkennen, vom Siedlungsbau Abstand zu nehmen und stattdessen ein friedliches Nebeneinander anzustreben, wie soll dann eine 2-Staaten-Lösung möglich werden?
Der eigentliche Unsicherheitsfaktor ist die Instabilität des israelischen politischen Systems – ein System, das sich seine eigenen Feinde und Gegner ins Boot holen muss, um überhaupt handlungsfähig zu werden. Dieser Satz spielt auf den Umstand an, dass die politische Parteienlandschaft in Israel derart zerklüftet und in sich zerstritten ist, dass eine stabile Regierungskoalition ohne Beteiligung von Orthodoxen und Nationalreligiösen, die zumeist sowohl eine 2-Staaten-Lösung als auch eine rechtliche Gleichstellung der arabischen Minderheit in Israel rundweg ablehnen, gar nicht mehr möglich ist.
Eine Regierung aber, an der in zunehmenden Maße Elemente beteiligt sind, deren politischer Kurs weg von Demokratie und Friedenspolitik und hin zu jüdischer Exklusivität und biblischem Staatsbegriff geht, ist auf Dauer nicht beschlussfähig.
Ohne generelle Erneuerung von innen wird das israelische Boot stetig in Richtung Fundamentalismus abtreiben, da wird irgendwann die Vorstellung von Atomwaffen in den Händen eines solch unberechenbaren Staates zur zahnwehauslösenden Angelegenheit
[...]
Für Neustadt-Veteranen und -Liebhaber ist die diesjährige Vorweihnachtszeit bislang ein wahres Schlaraffenland der Emotionen, Erinnerungen und Bilder. Eigentlich läutete ja bereits Andreas Hüttners Hommage an 20 Jahre Neustadt nach der Wende unter dem Namen “Von Hunden und Menschen”, die Anfang November im Projekttheater Premiere hatte, den nostalgischen Neustadt-Reigen ein und rührte das Publikum mit selbstironischer, kritischer und humoresquer Aufmachung bisweilen zu Tränen und Hustenanfällen (vor Lachen!), aber auch des Häufigeren zu Deja-vu-Momenten und bittersüßer Nachdenklichkeit.
Am 1. Dezember dann ging die Scheune anlässlich des Kurzfilmabends “Bonjour Tristesse” mit 7 Kurzfilmen über die Neustadt vor der Wende förmlich zu Boden unter dem Andrang Anschauungswütiger, sodass nun sogar anscheinend ein Wiederholungstermin für Januar geplant ist.
Doch damit ist längst nicht Schluss. Seit Kurzem hat Fotograf und Neustädter Urgewächs Günter Starke einen Kalender für das Jahr 2010 herausgebracht, der ausschließlich Schwarz-Weiß-Aufnahmen von Neustadt-Szenarien aus der Zeit von 1979 bis 1989 zeigt.
“Starkes Viertel” lautet der Titel, und Starke bietet wahrhaftig tiefe Einblicke in den nicht immer rosigen Alltag seines Viertels – meines Viertels, und in vielen Fällen sicherlich auch eures. Neustädter Unikate wie Zigarren-Barth oder die Geschwister Ludwig vom Eisen-Feustel fehlen genauso wenig wie Aufnahmen längst verschwundener Geschäfte und des Verfalls von Häusern und Höfen.
Persönlich am meisten verbunden fühlte ich mich mit diesem Foto:
Ganz einfach deshalb, weil ich eines dieser Kinder hätte sein können – die Teppich- und Wäschestangen als Klettergerüst, heruntergekommene Hinterhöfe als Abenteuerspielplatz, so war es damals tatsächlich.
Das Bild von der alten “Frau Sch.” schließlich erinnert mich an die Wohnung meiner eigenen Großmutter seinerzeit in der Sebnitzer Str. 11, direkt unterm Dach. Ihre Wohnzimmerwände schauten noch ein klein wenig schwärzlicher aus, aber die Dachschrägen, aus denen schon die Dämmung quoll, waren auch dort ein allgegenwärtiges Bild.
Damals war das Normalzustand für Neustadtbewohner. Heute denkt man: Eine Schande, dass solch liebe, gebrechliche alte Leutchen derart hatten hausen müssen.
Es ist faszinierend, zu erleben, wie Starkes Fotos aus einer längst vergangenen Zeit einem halb Vergessenes wieder ins Gedächtnis rufen. Sie tun das besonders, weil sie die Dinge ungeschönt und unbearbeitet zeigen, wie sie waren. Für jeden Neustadt-Veteranen und auch für historisch interessierte Neustädter des Heute und Jetzt ist dieser Kalender quasi ein Muss.
Für 14,80 € ist er im Fotoatelier Günter Starkes in der Louisenstraße 6 sowie im ausgewählten Buchhandel (z.B. Thalia Rothenburger-/Ecke Bautzner Str.) erhältlich.
Alle Fotos copyright Günter Starke, entnommen aus: “Starkes Viertel”.
Manufacturer CASIO COMPUTER CO.,LTD. Exposure Program Normal Program Title Zigarren-Barth - Louisen-/ Ecke Martin-Luther-Straße Manufacturer CASIO COMPUTER CO.,LTD. Exposure Program Normal Program Title "Teppichstangenbande" Manufacturer CASIO COMPUTER CO.,LTD. Exposure Program Normal Program Title Dachwohnung von Frau Sch. [...]

… oder im Falle dieses heute morgen aufgenommenen Bildes sogar schon zwei. Bei mir gibt’s nur Advent-Wochenenden, und die fangen eben samstags an 
Mal was anderes als die üblichen Tannenkränze, hab ich mir so gedacht…
Und weil Advent ja bekanntermaßen die Zeit für allerlei Weihnachtsbäckerei ist, hier ein uraltes Plätzchenrezept meiner Großmutter selig:
Butterherzen
Man nehme:
200 g Zucker
1 Päckchen Vanillezucker
1 Pr. Salz
200 g weiche Butter
11/2 Eier (den Rest aufheben zum Bestreichen der Plätzchen)
500 g Mehl
2 TL Pottasche (wahlweise auch Backpulver)
geriebene Schale von 1 Zitrone
2-3 EL Weinbrand und/oder Rum
So wird’s gemacht:
1. Zucker, Salz, Butter, Eier und Zitronenschale schaumig rühren.
2. Mehl und Pottasche unterrühren.
3. Weinbrand/Rum untermischen und mit der Hand zu einem homogenen Teig verkneten.
4. 6-8 Stunden im Kühlschrank ruhen lassen (wegen der Aromen)
5. Teig 3 mm dick ausrollen und Formen ausstechen.
6. Plätzchenrohlinge auf ein mit Backpapier ausgelegtes Blech geben und mit verquirltem Ei bestreichen – wahlweise können jetzt auch schon Rosinen oder Orangeat/Zitronat draufgelegt werden (leicht andrücken).
7. Plätzchen bei ca. 175 Grad 10-15 Minuten goldgelb backen und nach Wunsch glasieren und belegen.
Tipp: Schöne Glasuren stellt man selbst aus etwa 150 g Puderzucker, je nach Geschmack etwas Kakao-Pulver sowie etwas Wasser bzw. Zitronensaft her, bis die gewünschte Konsistenz erreicht ist.
Allen Blogger-Kollegen und Lesern einen leckeren Advent!
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