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Gala, Gossip, Grenzwerte.

Selten habe ich Klamotten erleichterter in die Ecke gefeuert, als nach dem Opernball letzten Freitag. Wieso? Nun, sagen wir mal, das gute Stück roch nicht mehr so ganz angenehm. Um ehrlich zu sein, roch es schlimmer als es ein Abend in der Raucherkneipe hätte hinbekommen können. Nein, ich hab auf dem Opernball nicht zu wild getanzt, in Champagner gebadet oder eine Kollision mit der Häppchen-Dame hingelegt. Völlig falsche Richtung, oder besser: falsche Etage, ja falsches Gebäude. Ich habe unter Deck mit den anderen “Zeitungssklaven” gerudert. Liebe Redakteure, nicht falsch verstehen, ihr wart großartig! Die Wortwahl bezieht sich vielmehr auf die Arbeitsbedingungen: bis zu 20 Personen gleichzeitig in einem 15-qm-Raum ohne Fenster, mit ebenso vielen Rechnern wie Menschen, bei geschätzten 40 Grad Hitze und vermutlich exorbitanten Elektrosmog-Werten.

Derartige Grenzerfahrungen verlangen nach umso größerem Respekt vor dem Berufsstand des Journalisten: Bewundernswert, wie die Damen und Herren Redakteure über Stunden in kneifenden Smokings samt Fliege sowie hautengen Abendkleidern und High Heels in dem brütenden Verlies von einem Raum ausharren konnten, um anschließend dann noch gut gelaunt dem bunten Ball-Treiben zu frönen.
Für mich als Opernball-Newbie war das zunächst mal eine ziemliche Strapaze, aber auch ein hautnah-Erlebnis in Sachen journalistischer Arbeit, man konnte die Arbeit in jener Nacht förmlich riechen. Zitate prominenter Opernballbesucher und der letzte Schrei in Sachen Ballmode umspülten mich, in warme Wogen stickiger Luft gehüllt; der Kollege, der direkt vor mir saß, twitterte stundenlang wie aufgezogen den neuesten Ball-Gossip ins World Wide Web; zu meiner Linken und Rechten türmte sich das Equipment der Fotografen, und Redakteurin G. verdeckte mit ihrem weitausladenden grünen Ballkleid ständig die Sicht auf den Live-Monitor…

Meine erste Reaktion daheim: Nie wieder! Das mit dem Journalisten-Beruf vergessen wir am besten gleich wieder, als Sekretärin warst du doch auch ganz gut…
Und heute? See u next year :twisted:

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