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Eine gute, gleich aus mehreren Perspektiven hochinteressante Frage. Gestellt hat sie die Landeszentrale für Politische Bildung Sachsen, die derzeit unter dem Motto “Kein schöner Land in dieser Zeit, als hier das unsre weit und breit…” zum großen Schreibwettbewerb für alle mehr oder weniger erfahrenen Schriftsteller, oder jene, die es gern werden wollen, trommelt.
Auf maximal 3 DIN-A4-Seiten können interessierte Schreiber sich in Philosophierereien darüber ergehen, was ihnen diese ersten beiden Zeilen des berühmten Volksliedes Anton Wilhelm Zuccalmaglios vor dem Hintergrund der deutschen Geschichte bedeuten:
- Was macht unser Land einzigartig, liebens- und schützenswert?
- Und was können und müssen wir tun, weil wir unser Land lieben?
Die beeindruckendsten Einsendungen werden prämiert (Studienreisen, Bücher), aus ihnen soll später ein Buch entstehen. Wichtig: Die Arbeiten müssen unveröffentlicht sein, die Nutzungsrechte werden mit der Einsendung dem Veranstalter übertragen.
Ich persönlich finde an der ganzen Geschichte wohlgemerkt nicht den Konkurrenzgedanken oder gar die ausgelobten Prämien so interessant, sondern eher das Thema, zumal es wiederum einem Werk der Lieddichtkunst entlehnt wurde. Schon die von der Landeszentrale vorgeschlagene Deutung der Grundaussage des Liedes in Gestalt von:
Es bringt zum Ausdruck, dass Menschen ihre Heimat lieben – ganz gleich, in welchem Land sie zu Hause sind.
bietet eine Menge Anlass zur Diskussion, wie ich finde.
Und auch so tun sich eine ganze Reihe Fragen auf: Welches Land ist eigentlich gemeint? Sachsen? Deutschland? Die DDR? Muss man sein Land lieben bzw. liebt man es automatisch nicht, wenn man es nicht für einzigartig, liebens- und unter allen Umständen schützenswert hält? In welchem paradigmatischen Zusammenhang ist hier die Bezeichnung “Land” gemeint? Meint es die Deutsche Nation als Teil des Staatengefüges? Die Deutsche Gesellschaft? Die Menschen? Die Natur? Oder alles zusammen?
Wer sich also beteiligen möchte, kann dies noch bis zum 16. April 2010 per Post oder email tun, die Adressen findet ihr unter obigem Link.
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Heute vor genau 65 Jahren, am 27.01.1945, endete im polnischen Auschwitz-Birkenau eines der schwärzesten, traurigsten Kapitel der neueren Menschheitsgeschichte.
Als die 322. Infanteriedivision der 60. Armee der 1. Ukrainischen Front unter dem Oberbefehl von Generaloberst Pawel Alexejewitsch Kurotschkin an besagtem Datum durch das Tor mit dem zynischen Schriftzug “Arbeit macht frei!” zog, fand sie ein weitgehend geräumtes Lager, aber in unzähligen teils unzumutbaren Verstecken insgesamt auch noch über 7500 Überlebende des Grauens vor. Hunderte von Leichen, die in der Hast nicht mehr verscharrt hatten werden können, sowie Millionen Kleidungs-, Gepäck- und Schmuckstücke legten Zeugnis über das ganze Ausmaß des Schreckens ab.
Tausende Menschen waren eiligst zusammengetrieben und aus dem Lager “evakuiert” worden – was nichts anderes bedeutete, als dass die Mehrzahl dieser Menschen auf den Todesmärschen durch den harten polnischen Winter ins Nirgendwo umkam.
Das Lager steht bis heute symbolisch für das beispiellose, sinnlose Morden aus faschistoider, rassistischer Überzeugung unter dem Nationalsozialismus, insgesamt mehr als 1,5 Millionen Menschen lebten und starben dort unter unmenschlichsten Bedingungen – ein ganzes Feld voller Gräber ohne Namen.
Heute, 65 Jahre danach, ist Auschwitz-Birkenau Museum, Mahnmal und UNESCO-Welterbe, und selbst im tiefsten Winter, der den Ort noch unwirtlicher und feindseliger erscheinen lässt, stapfen Menschen durch zentimeterhohen Schnee über das Gelände, zünden Kerzen an und schweigen betroffen.

Aber Auschwitz steht auch für etwas, dessen Menschen grundsätzlich fähig sind: Durchorganisierte Grausamkeit zur Durchsetzung politischer und zumeist auch ideologisch motivierter Ziele. Es ist nicht die Grausamkeit, die Auschwitz zu einer einzigartigen Erscheinung machte, sondern vielmehr die schier beispiellose industrielle Durchführung eines sorgsam ausgeheckten Planes.
Ausschließlich vom Kriterium der Grausamkeit ausgehend, das causal für die zielgerichtete Ermordung von Menschen ist, steht man vor der Erkenntnis, dass es nicht aufgehört hat, dass nichts aus Auschwitz gelernt wurde, so wie die Protagonisten von Auschwitz aus den Gräueln der vorangegangenen Kriege und Konflikte nicht zu lernen vermochten bzw. nichts lernen wollten. Und so steht man angesichts einer neuen Ära der Kriege, der organisierten und geschürten Konflikte, der Völker- und Massenmorde überall in der Welt mit gesenktem Haupt und voller Scham an den Ruhestätten der Opfer, die anscheinend umsonst gelitten haben.
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In der SZ vom Samstag habe ich heute beim Abrutschen von den Stellenanzeigen die “Treffpunkt”-Sparte gestreift, und dabei stach mir eine Annonce mit Wortlaut wie folgt ins Auge:
Kostenlos für Damen: Solvente Herren suchen gepflegte Damen für eine längere, entspannte Zweitbeziehung. Agentur xxx, Tel.: xxx
In den dämmrigen Winkeln des freien Marktes findet eben beinahe jede Geschäftsidee ihre Nische – selbst der organisierte Ehebruch bzw. die organisierte Polygamie. Wie viele der Erstfrauen wohl von den Zweit- (oder gar Dritt-)frauen ihrer Männer wissen?
Hier werden Geschäfte gemacht mit Eheproblemen, unerfüllten Bedürfnissen und teils auch mit der persönlichen Not mancher Frauen. Wesentlicher Motor dieses Geschäftes ist die Bereitschaft, seine Partnerin zu belügen, um einem falschen Männlichkeitsideal hinterherzueifern, das besagt: sexuelle Befriedigung auf möglichst vielseitige Art und Weise, mit möglichst vielen unterschiedlichen Frauen sei der Schlüssel zum ultimativen Mannsein.
Dabei, so mochte man eigentlich glauben, ist es doch gerade die Zivilisation, also die Unterordnung von Urtrieben und Instinkten unter gesellschaftliche Normen und Werte, die uns vom Tier unterscheidet.
Und doch verwundern solche Erscheinungen nicht wirklich in einer hochsexualisierten Welt, in der von jeder Litfasssäule Erotik lockt, von jedem Werbeplakat, in der Margarine-Werbung, in Serien, die zur besten Sendezeit darüber philosophieren, wie man die Libido steigern kann, und im Internet sowieso.
Eigentlich erlebt man jeden Tag einen einzigen riesigen Sex-Overflow, der dazu führt, dass das alles schon gar nichts Besonderes mehr ist, man(n) die nackten Brüste einer Frau auf einem Werbeplakat schon nur noch beiläufig wahrnimmt, und es folglich immer schwieriger wird, dahingehend noch “den Kick” zu empfinden. Andererseits wird den Menschen durch Zuschreibungen wie “die schönste (Neben-) Sache der Welt” suggeriert, dass ein möglichst vielseitiges Sexualleben unverzichtbar sei und ganz weit oben auf der Liste der erstrebenswerten Lebensinhalte stehe – noch vor einer von Vertrauen und Verlässlichkeit geprägten Partnerschaft. Diesen Widerstreit zwischen natürlich begrenztem Angebot und künstlich übersteigerter Nachfrage machen sich dann zweifelhafte Geschäftemacher zunutze – sehr zum Leidwesen vieler Ehen, wie anzunehmen ist.
[...]
Schaut man sich dieser Tage die Parlamentsdebatten des Deutschen Bundestages an, so schwankt man als sozialstaatlich und solidarisch orientierter Bürger zumeist irgendwo zwischen Belustigung, Befremden und Zornesröte.
Wenn Kanzlerin Merkel (CDU) und Außenminister Westerwelle (FDP) die Rekordneuverschuldung von über 80 Milliarden Euro bei gleichzeitig geplanten Steuergeschenken für Bessergestellte und unsinnigen Steuersenkungen für ausgewählte Branchen verteidigen, erzeugt das doch – inzwischen sogar parteiübergreifend – einigen Unmut.
Was hat die seit nunmehr 4 Monaten im Amt befindliche schwarz-gelbe Koalition aus CDU, CSU und FDP bislang geleistet? Sie hat das Kindergeld für all jene Kinder dieses Landes erhöht, deren Eltern das Glück haben, nicht auf ergänzende Hilfe zum Lebensunterhalt oder Arbeitslosengeld II angewiesen zu sein. Jene Kinder, die nicht mit Eltern gesegnet sind, die ausreichend verdienen, gingen hingegen leer aus.
Des Weiteren wurden die Steuergrundfreibeträge leicht angehoben, unterhalb derer keine Einkommensteuer geleistet werden muss. Beide Veränderungen sind im Prinzip sicherlich sinnvolle Maßnahmen, kommen sie doch zumindest einem Teil der Menschen in diesem Land (Kindern und Geringverdienern) zugute.
Die Problematik der schwarz-gelben Steuersenkungspolitik, die im heimischen Dunstkreis als “Einlösung der Wahlversprechen” verstanden und so auch promotet wird, wird erst erkennbar, wenn man den Zustand der Staatskassen sowie den Grad der Neuverschuldung ebenso berücksichtigt, wie die diversen teils unsinnigen weiteren Steuergeschenke der Regierung. Erst dieser weitere Wirkungszusammenhang zeigt die ganze Aufgesetztheit und Dilettanz der aktuellen Steuerpolitik.
So plant die schwarz-gelbe Koalition eine Senkung des bisherigen Spitzensteuersatzes für hohe Einkommen jenseits der 250.000-Euro-Grenze von derzeit 45% auf 35%, was ein Rekordtief bedeuten würde. Zum Vergleich: Noch bis zum Jahr 1998 betrug der Spitzensteuersatz in Deutschland 53%. Banker und Manager dürfte es freuen, die Steuereinnahmen werden dadurch signifikant sinken.
Des Weiteren muss in Deutschland nach wie vor der Steuerzahler für die Rettung diverser Banken und Großunternehmen während der Wirtschaftskrise aufkommen. In anderen Ländern – etwa seit Neuestem den USA – werden die Banken hingegen zur Kasse gebeten, die geleisteten Unterstützungen auf Heller und Pfennig zurückzuerstatten. Ackermann & Co wird’s freuen, denn Merkel & Co. denken nicht einmal daran, die Banken etwa in Form einer Finanzkrisenabgabe zur Kasse zu bitten – abermals Staatseinnahmen, die man am Wegesrande liegen lässt.
Und dann wäre da noch diese unsägliche, bisweilen vollkommen hanebüchene Senkung des Mehrwertsteuersatzes im Hotel- und Gastronomiegewerbe von 19 auf 7%. Kein Mensch – nicht einmal die Politiker selber – steigt da wirklich durch, weshalb z.B. ein Hotelgast auf einen ausgeliehenen Hardcore-Porno 19%, auf einen Soft-Porno hingegen nur 7% Steuer zahlt, oder warum auf lebende Esel etwa der volle Mwst-Satz fällig ist, auf geschlachtete hingegen der ermäßigte. FDP-Chef Guido Westerwelle hatte lange dafür gekämpft, konnte diese unsinnige Steuerreform letztlich durchsetzen – und wurde vom Mövenpick-Inhaber Baron von Finck im Gegenzug mit einer wahrhaft fürstlich zu nennenden Geldspende in Millionenhöhe an die FDP entlohnt.

So sieht wohl Lobbyarbeit von Feinsten aus, möchte man meinen. Da ist auch verständlich, dass in Oppositionskreisen Stimmen laut werden, die fragen, ob die Damen und Herren von Schwarz-Gelb eigentlich noch Politik fürs Volk machen oder doch nur mehr Politik für ihre Klientel. Tatsache ist, dass sowohl FDP als auch die Union und sogar SPD und Grüne jährlich Unsummen ans Spenden von jenen Branchen kassieren, die dann politisch begünstigt werden – Banken und Versicherungen zum Beispiel. So bekommt etwa die CDU halbjährlich von der Deutschen Bank 200.000 Euro gespendet, da kann man Chef Ackermann auch schon mal im Kanzleramt Geburtstag feiern lassen.
Börsenumsatzsteuer? Erhöhung der Körperschaftssteuer? Reichensteuer? Pustekuchen, stattdessen Erleichterungen für große Erbschaften, Senkung der Sozialbeiträge für Arbeitgeber von Künstlern, Entlastungen für doppelt verdienende Ehepaare in Steuerklasse 5, Aufhebung der Zinsschranke für Unternehmen (auch hier gehen Steuereinnahmen verloren). Nichts von Ersterem plant Schwarz-Gelb, um die enormen Vergünstigungen vor allem für Besserverdienende und Unternehmen zu finanzieren.
Wie aber *soll* es finanziert werden? Damit hält sich Schwarz-Gelb bislang eher bedeckt. Erst heute erklärte Kanzlerin Merkel im Bundestag erneut, man könne dahingehend erst nach der Steuerschätzung im Mai 2010 konkretere Angaben machen.
Tatsächlich steckt hinter dieser scheinbar logisch anmutenden Erklärung eine wohldurchdachte Hinhaltetaktik, die Schlimmes ahnen lässt. Denn da müssen Merkel und Westerwelle schon Gravierendes in petto haben, wenn man mit Details unbedingt bis Mai warten will – um die Landtagswahlen in Nordrhein-Westfalen am 9. Mai nicht zu gefährden, nicht etwa wegen der Steuerschätzung.
Gregor Gysi von der Linken bezeichnete ein solches Verhalten mit Recht als “verlogen” und “inakzeptabel dem Bürger gegenüber”.
Was bisher durchblickte, lässt zumindest nichts Gutes hoffen, scheint Schwarz-Gelb doch zu planen, die gesetzliche Krankenversicherung durch ein Kopfpauschalen-System zu ersetzen, bei dem der Schuhverkäufer genauso viel einzahlen würde wie ein Herr Ackermann, wäre der nicht längst privat versichert. Das Rentensystem soll weitgehend kapitalgedeckt stattfinden, was natürlich Mittel freisetzen würde: Wenn jeder selbst für seine Rente aufkommt, spart sich der Staat die Ausgaben. Ob ein derartiges System gerade für die steigende Zahl der Geringverdiener gravierende Nachteile bringen und Altersarmut sozusagen vorprogrammiert würde, steht da momentan noch nicht zur Debatte.
Die Worte des hessischen Ministerpräsidenten Roland Koch im Ohr, dürfte auch Hartz-IV-Empfängern, den Verlierern der Sozialpolitik der vergangenen 5 Jahre, Böses schwanen. Arbeitspflicht solle es für alle ALG-II-Empfänger geben, jeden Job sollten sie annehmen müssen. Eine Unverschämtheit angesichts der Tatsache, dass heute sogar Uni-Absolventen im Niedriglohnsektor landen und auf Hartz IV angewiesen sind, die Herr Koch zwingen möchte, im Falle eines Verlustes ihrer unsicheren Arbeitsverhältnisse Straßen zu kehren oder Schnee zu schippen.
Eine solche Maßnahme würde indirekt die verfehlte Arbeitsmarktpolitik der letzten Jahre absegnen, denn die zunehmende Zahl Derer, die auf Hartz-IV angewiesen sind, steht in unmittelbarem Zusammenhang mit dem politisch geförderten Ausbau des Niedriglohnsektors sowie der Leiharbeit, und die Politik weigert sich nun, die Folgen zu tragen und Fehler einzugestehen. Ausbaden sollen es vielmehr die Betroffenen.
Spätestens hier wird man dann bei der Zornesröte angelangt sein.
Ist Deutschland etwa prädestiniert, auf ewig das Land des “Sonderweges” zu bleiben? Zumindest weigern sich deutsche Regierungen seit Jahren hartnäckig, den Weg der Mehrheit der westlichen Staaten, gerade in Sachen Sozial-, Steuer- und Bildungspolitik, zu gehen. Und wie bereits in der wilhelminischen Ära, sind Bürgertum und Arbeiterschaft in Deutschland schwach und unentschieden, lassen sich Sozial- und Wirtschaftspolitik von wenigen Eliten aus Wirtschaft und Finanz überstülpen, während anderswo – etwa in Frankreich oder Großbritannien – die Menschen aktiv ihre Politik mitgestalten, in dem sie politische Fehltritte ihrer Oberen weitaus konsequenter und tatkräftiger ahnden, als dies hierzulande geschieht. Zumindest gibt es in den vorbenannten Ländern bereits Mindestlöhne, und auch die Finanzkrisenabgabe für Banken und Großunternehmen, die von sogenannten Rettungsschirmen profitierten, wird dort zumindest bereits diskutiert. Am Ende bekommt eben doch jedes Volk die Regierung, die es mehrheitlich verdient.
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Selten habe ich Klamotten erleichterter in die Ecke gefeuert, als nach dem Opernball letzten Freitag. Wieso? Nun, sagen wir mal, das gute Stück roch nicht mehr so ganz angenehm. Um ehrlich zu sein, roch es schlimmer als es ein Abend in der Raucherkneipe hätte hinbekommen können. Nein, ich hab auf dem Opernball nicht zu wild getanzt, in Champagner gebadet oder eine Kollision mit der Häppchen-Dame hingelegt. Völlig falsche Richtung, oder besser: falsche Etage, ja falsches Gebäude. Ich habe unter Deck mit den anderen “Zeitungssklaven” gerudert. Liebe Redakteure, nicht falsch verstehen, ihr wart großartig! Die Wortwahl bezieht sich vielmehr auf die Arbeitsbedingungen: bis zu 20 Personen gleichzeitig in einem 15-qm-Raum ohne Fenster, mit ebenso vielen Rechnern wie Menschen, bei geschätzten 40 Grad Hitze und vermutlich exorbitanten Elektrosmog-Werten.
Derartige Grenzerfahrungen verlangen nach umso größerem Respekt vor dem Berufsstand des Journalisten: Bewundernswert, wie die Damen und Herren Redakteure über Stunden in kneifenden Smokings samt Fliege sowie hautengen Abendkleidern und High Heels in dem brütenden Verlies von einem Raum ausharren konnten, um anschließend dann noch gut gelaunt dem bunten Ball-Treiben zu frönen.
Für mich als Opernball-Newbie war das zunächst mal eine ziemliche Strapaze, aber auch ein hautnah-Erlebnis in Sachen journalistischer Arbeit, man konnte die Arbeit in jener Nacht förmlich riechen. Zitate prominenter Opernballbesucher und der letzte Schrei in Sachen Ballmode umspülten mich, in warme Wogen stickiger Luft gehüllt; der Kollege, der direkt vor mir saß, twitterte stundenlang wie aufgezogen den neuesten Ball-Gossip ins World Wide Web; zu meiner Linken und Rechten türmte sich das Equipment der Fotografen, und Redakteurin G. verdeckte mit ihrem weitausladenden grünen Ballkleid ständig die Sicht auf den Live-Monitor…
Meine erste Reaktion daheim: Nie wieder! Das mit dem Journalisten-Beruf vergessen wir am besten gleich wieder, als Sekretärin warst du doch auch ganz gut…
Und heute? See u next year
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In den vergangenen ersten Tagen des neuen Jahres war in den führenden Gazetten des Landes (hier: Süddeutsche Zeitung und Die Welt) ein interessantes, wenngleich thematisch mehr als durchgelegenes, Streitgespräch zweier Männer zu verfolgen, das in der Art, wie es geführt wurde, beträchtliche Niveauunterschiede aufwies. Zurückzuführen ist dies vermutlich auf den Umstand, dass die Protagonisten unterschiedlicher sowohl in der Wahl ihrer Methoden als auch ihres Vokabulars nicht hätten sein können.
Da wäre zunächst Wolfgang Benz, Historiker und Politikwissenschaftler, Leiter des Zentrums für Antisemitismusforschung an der TU Berlin, Autor zahlreicher wissenschaftlicher Publikationen wie etwa den “Dachauer Heften”; bekannt für seine sachliche, wissenschaftlich fundierte Argumentations- und Herangehensweise.
Wolfgang Benz ist u.a. Verfasser politikwissenschaftlicher Lehrschriften und daher, am Rande bemerkt, einer meiner großen Mentoren, auch wenn ich seine Standpunkte nicht immer teile.
Am 4. Januar erschien nun in der Süddeutschen Zeitung ein Essay des Historikers zum Thema “Antisemiten und Islamfeinde – Hetzer mit Parallelen”. Die Sächsische Zeitung druckte diesen Essay übrigens vergangenen Mittwoch in der Rubrik “Perspektiven” ab. Benz stellt in seinem Aufsatz dem im islamischen Kulturkreis verbreiteten “Feindbild Westen” das in westlichen Breiten sich verstärkt formierende “Feindbild Islam” gegenüber. Am Beispiel der Verfestigung des Antisemitismus Ende des 19. JH erläutert er das Entstehen und das Wesen von Feindbildern, deren innerer Mechanismus immer auf Verallgemeinerung und Reduktion auf negative Charakteristika fuße und deren Motor die Hysterie sei (Vergl. auch Le Bon, Psychologie des Foules, 1895).
Benz beklagt die wachsende Feindseligkeit gegenüber dem Islam (nicht etwa gegenüber realen einzelnen Fanatikern) in Deutschland, die seiner Ansicht nach an die gesellschaftliche Stigmatisierung der Juden in Deutschland zu Zeiten Heinrich von Treitschkes erinnert:
Heinrich von Treitschke (1834 – 1896), renommierter deutscher Historiker und populärer Publizist, sah einst in seiner Überfremdungsangst Deutschland von Feinden umringt und durch mangelnde Bereitschaft der jüdischen Minderheit zur Assimilation im Inneren bedroht. [...] ‘Aus der unerschöpflichen polnischen Wiege’, behauptete der Gelehrte, dränge ‘eine Schar strebsamer, Hosen verkaufender Jünglinge herein, deren Kinder und Kindeskinder dereinst Deutschlands Börsen und Zeitungen beherrschen’ würden. [...] Die Parallele ist unübersehbar, wenn als taktische Waffe im geargwöhnten Kampf um die “Islamisierung Europas” heute das Wochenbett der muslimischen Frau beschworen wird. Treitschkes Angriffe gegen das deutsche Judentum markierten die Aufkündigung des mühsam erkämpften liberalen Konsenses über die Integration.
Als Beipiel für die anscheinend gesellschaftsfähig gewordene Islamophobie nennt Wolfgang Benz den Aktionismus einschlägiger Internetseiten sowie deren Frontreiter, die sich durchaus auch in den gängigen Presseorganen zu Wort melden und ohne Scheu in der Bevölkerung die Angst vor dem Islam schüren. Wenn in einschlägigen Publikationen der Islam mit einer Naturkatastrophe gleichgestellt wird, vor der man berechtigterweise Angst haben sollte, dann ist die Grenze zur Satire, zur berechtigten Kritik und selbst zur Polemik bei Weitem überschritten.
Der Autor des genannten Vergleichs ist kein Geringerer als Henryk M. Broder, Publizist, selbsternannter Islamkritiker und Berufspolemiker (womit der Schärfe seiner Zunge noch schmeichelnd Rechnung getragen wäre). Womit wir zum zweiten Protagonisten des neuesten Antisemitismus-Streits kämen, denn Broders Antwort auf Benz’ Essay folgte prompt am 13. Januar in der “Welt” – zu lesen auch in der Sächsischen Zeitung von heute.
In seinem polemischen Kontrapunkt umgeht Broder gekonnt die eigentliche Problematik der verschleierten Überfremdungs-Doktrin, die der Islamophobie zugrunde liegt, in dem er das Wort buchstäblich wörtlich nimmt: Islamophobie meine “Angst vor Islamisten” – und die ist ja, wie Broder immer wieder betont, völlig berechtigt. Benz’ durch und durch logisch aufgebaute Feindbild-These deutet Broder folgendermaßen um:
Praktisch läuft der Vergleich – ausgesprochen oder insinuiert – darauf hinaus, dass die Muslime die Juden von heute sind und die sogenannte Islamophobie “strukturell” dem Antisemitismus verwandt ist. Was auch nicht ganz falsch ist, wenn man bedenkt, dass ein Nilpferd mit einem Menschen einiges gemeinsam hat: Es isst, schläft, verdaut und pflanzt sich heterosexuell fort.
Nichts dergleichen lese ich aus Benz’ Aufsatz heraus. Benz ging es um die Erklärung eines aktuellen Phänomens am Beispiel artverwandter Erscheinungen, was vielleicht auch eine stumme Mahnung in den Raum stellen soll, diesen Kreislauf aus Diskriminierung und pauschaler gesellschaftlicher Stigmatisierung rechtzeitig zu unterbrechen, weil die Geschichte uns einst zeigte, wohin Derartiges schlimmstenfalls führen kann.
Broder, als einer der feurigsten Frontreiter der islamophoben Strömung in diesem Land, kann sich hierdurch freilich nur auf seinen antiislamischen Schlips getreten fühlen, verständlich also sein überschäumender Zorn auf Benz:
Wenn man den Jargon der akademischen Wichtigtuerei auf seinen Kern reduziert, enthält dieser Absatz zwei Aussagen. Erstens: Nicht der real existierende Islam soll kritisch betrachtet werden, sondern das “Feindbild Islam”, offenbar ein Phantomgebilde, das nur in der Fantasie der Islamkritiker existiert. [...] Professor Benz’ besondere Qualifikation, die ihn zu paradigmatischen Übungen befähigt, ist seine Ahnungslosigkeit. Er hat vom Judentum keine Ahnung, er hat vom Antisemitismus keine Ahnung, und vom Islam hat er auch keine Ahnung. Dafür versteht er was von einem Paradigmenwechsel, den er mit seiner Arbeit befördert.
Henryk M. Broder ist bekannt für seine verbalen Ausfälle, die potenziell jeden treffen können, der in irgendeiner Weise durch öffentliche Stellungnahmen zu den erprobten Reizthemen Broders Ärger auf sich zieht. Und er ist bekannt für seine scharfen verbalen Angriffe gegen den Islam (vergl. auch Broders “Hurra, wir kapitulieren, von der Lust am Einknicken”) sowie seine eher fraternisierende Haltung gegenüber der israelischen Palästina-Politik. Das war nicht immer so. Broders schleichende Hinwendung zum Radikalen begann etwa mit dem 11. September 2001, der für ihn seither den Inbegriff des “teuflischen Islam” markiert.
Und genau an diesem Punkte schreit es doch förmlich nach einem von Vernunft und Differenzierung getragenen Einwurf der Marke Wolfgang Benz, der auf die eklatante und schlicht unzulässige Verallgemeinerung von einigen wenigen Urhebern (deren Identität noch nicht einmal vollumfänglich geklärt ist und deren Motive mit Sicherheit anderswo zu suchen wären, als im Koran) auf “den Islam” und damit potenziell alle seine Anhänger hinwies, die einer solchen Denkweise zugrunde liegt.
Es geht nicht darum, dass man den Islam nicht fundierter Kritik unterziehen soll, wie Broder meint, sondern darum, es differenziert und punktuell zu tun, statt diese Religion als “Geißel der Menschheit” darzustellen, der eine grundsätzliche, nicht durch menschliche Einwirkung behebbare Bösartigkeit innewohne und die man daher erbittert bekämpfen müsse.
Reform ist unmittelbar an Aufklärung und Akzeptanz gekoppelt. Welchen Anreiz, seinen Islam-Begriff an moderne Lebens- und Weltbilder anzulehnen, hat ein Moslem hierzulande, der sich von dieser modernen Gesellschaft ausgegrenzt und rundweg abgelehnt fühlt?
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Bereits vor 3 Tagen gab der Deutsche Wetterdienst Vorwarnungen zur Unwetterwarnung vor starkem Schneefall und Schneeverwehungen heraus. Bis zu 20 cm Neuschnee sollte das Niederschlagstief “Daisy” weiten Teilen des Südens und Ostens Deutschlands bis Samstag bringen, starke Wind- und sogar Sturmböhen sollten zu starken Beeinträchtigungen im Verkehr führen.
Deutschland würde an diesem Wochenende förmlich in “Schneemassen versinken”, peitschten sämtliche Medien das “Daisy-Fieber” an. Sogar, woher “Daisy” ihren Namen bekam, war der Sächsischen Zeitung heute eine Meldung wert, und in der Extra-Ausgabe zum SZ-Neujahrsempfang im Eventwerk Dresden empfahl man für den Fall eines Totalausfalls bei den ÖPNV infolge des angekündigten “Daisy”-Verkehrschaos’ schon den werkseigenen “Shuttle-Service”.
Seit gestern Abend nun lagen konkrete Unwetterwarnungen für beinahe den gesamten Osten sowie Teile der Mitte Deutschlands vor, die immerhin noch vor 10-15 cm Neuschnee innerhalb von 12 Stunden und starken Schneeverwehungen warnten. Halb Deutschland machte sich also auf etwas gefasst.
Püntklich gestern Mittag fing es auch langsam an, sich seichte einzuschneien. Doch schon gegen 17 Uhr abends rissen die Wolken immer wieder auf, und es fielen nur hin und wieder ein paar vereinzelte Flocken.
Bei mir machte sich schon langsam Zweifel am Daisy-Medien-Hype breit. Gegen 20 Uhr dann stand ich am Kongresscenter in dichtem Flockenwirbel und dachte schon: ‘ah, geht’s jetzt doch endlich los’. Ein sanftes Lüftchen wehte.
22 Uhr: Bis auf leichte Griesel ist von Schneefall nichts mehr zu sehen.
10 Uhr heute Morgen: Tatsächlich – leichtes Schneetreiben. Aber der Blick in den gestern frisch geräumten Hof zeigt lediglich eine hauchdünne Neuschneeschicht von vielleicht 2 cm. Draußen ist es fast windstill.
UNWETTER sieht anders aus. Aber, man fasst es nicht: Beim Deutschen Wetterdienst besteht nach wie vor “Daisy-Alarm” in Form einer Unwetterwarnung für Dresden vor starkem Schneefall und Schneeverwehungen durch Windböen mit Neuschneehöhen bis zu 10 cm innerhalb von 6 Stunden, die soeben nochmals bis Mitternacht verlängert wurde, während das Schneegeriesel draußen beinahe völlig zum Erliegen gekommen ist und momentan sogar in eine Art Nieselregen überzugehen scheint. 
Ein Blick auf das Niederschlagsradar verrät: Da kommt auch nicht mehr allzu viel.
Nach so viel künstlich produziertem Hype und dadurch erzeugter Spannung macht sich nun tatsächlich Ernüchterung breit. Haha, “Daisy”. Und, ob ein Wolkenband tatäschlich in der Lage ist, 15 cm Neuschnee in einem bestimmten Zeitraum zu produzieren, oder doch eher nur leichte Niederschläge bringen wird, sollten Meteorologen tatsächlich zeitnah prognostizieren können. Schaut man beim Deutschen Wetterdienst auf das Niederschlagsradar, das seit gestern Abend konstant für die nächsten Stunden lediglich geringe bis leichte Niederschläge aufzeigt, was in etwa auch dem entspricht, was bislang unten ankam, kann man über den Unwetter-Alarm nur noch den Kopf schütteln. Das steht nun wirklich in keinem Verhältnis.
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 Winter im Rosengarten
Endlich mal wieder ein richtig winterlicher Winter, der seinen Namen auch verdient. Ich bin ja sonst nicht gerade ein Fan der dunklen Jahreszeit – es sei denn, es gibt möglichst viel Schnee, das macht die frühe Dunkelheit und auch so manchen grauen Tag um so viel erträglicher. Der Spaziergang durch den tiefverschneiten Rosengarten bei klirrender Kälte und starkem Schneetreiben war daher ein absoluter Genuss.
 Frierende Statue im Rosengarten
Auch Statuen frieren bei solch einem Wetter schon mal. Besorgte Spaziergänger haben daher vorsorglich eine Mütze spendiert, damit sich die Gute nicht erkältet.
 Beeren im Schnee
Weiß wie Schnee, rot wie Blut, schwarz wie Ebenholz… Rote Beeren machen sich im Schnee immer hervorragend. Geknipst an einem Grundstück im Preußischen Viertel, dem man bei Wetter wie dem aktuellen unbedingt mal einen Besuch abstatten sollte.
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Momentan rüste ich ja mein “Büro” von einem 8 Jahre alten Tower auf Notebook um – Platz und Strom sparender, handlicher, geräuschärmer usw. Habe, denke ich, auch einen ganz guten Kauf getätigt und soweit das neue Acer-Teilchen auch schon mit der nötigen Software ausgestattet, um Fotos laden, bearbeiten, drucken, scannen und alles tun zu können, was man sonst am PC so tut. Mit dem Notebook bin ich bislang ja hoch zufrieden und staune nicht schlecht, dass ich das alles bislang als absolute PC-null ganz ohne Hilfe gepackt bekommen habe. Auch wenn ich sagen muss, dass Windows 7 doch ganz schön gewöhnungsbedürftig ist nach XP.
Aber wie es ja kommen musste, ist es nun ausgerechnet mein alter PC, der Probleme macht und mir gründlich den Spaß an der neuen Technik vermiest.
Denn, seit ich den DSL-Router vom alten Tower ab- und am Notebook angekabelt, dasselbe mit dem Drucker gemacht sowie Tastatur und Maus (keine optische) zwischenzeitlich auch vom alten Teil abgekoppelt, dann aber noch mal rangesteckt hatte, funktieren Maus und Tastatur am alten Rechner nicht mehr – und ich kriege meine Daten nicht auf Disc und somit auch nicht auf den neuen Rechner
Ich begreif einfach nicht, wo das Problem liegt – Maus und Keyboard gingen doch vorher auch, die Treiber müssten doch also noch auf dem Rechner sein. Nur, weil ich beides mal kurz abgekoppelt hatte, kann doch nicht auf einmal alles tot sein. Das Blöde ist, dass man ohne funktionsfähige Tastatur nichtmal in den zuletzt als funktionierend bekannten Modus wechseln kann. Mit meinem laienhaften Latein in Sachen Computer bin ich hier momentan so ziemlich in einer Sackgasse gelandet. Weiß vielleicht irgendeiner meiner besser geschulten Blogger-Kollegen vielleicht Rat? Freue mich über jeden Tipp.
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Einige Monate ist es nun schon her, dass ein Artikel des schwedischen Journalisten Donald Boström in der Zeitung “Aftonbladet” über Organdiebstahl-Vorwürfe palästinensischer Familien gegenüber Israel die Welt umrundete und für jede Menge Aufregung sorgte. In Israel selbst und in der Israel-nahen Blogosphäre sorgte die Boström-Affäre sogar für helle Empörung und bisweilen seltsam anmutende Blüten in Sachen Urteilsbildung ohne die Fakten zu kennen.
Ich hatte seinerzeit auf art und wIEse den Fall aufgegriffen und versprochen, an dem Thema dranzubleiben.
Jetzt muss man sagen, dass es in den vergangenen 4 Monaten recht schwierig war, an Informationen zum Thema heranzukommen, um nicht zu sagen, beinahe unmöglich. Es schien fast, als hätten westliche Medien den Fall gänzlich vergessen bzw. für nicht verfolgungswürdig erklärt – für meine Begriffe schon ein reichlich merkwürdiges Verhalten angesichts der Schwere der Vorwürfe.
Aber auch in arabischen Medien schien das Thema lange Zeit tot – von der seinerzeit angekündigten Untersuchung der Palenstinensischen Autonomiebehörde in dem Fall ward bis heute nichts mehr gehört oder gesehen, zumindest ließen sich dazu keinerlei Informationen finden.
Vor einigen Tagen nun wartete Al-Jazeerah mit einer auch für diesen Fall doch recht interessanten Meldung auf.
Der ehemalige Chef des israelischen Forensischen Institutes Abu Kabir, Jehuda Hiss, hat demnach in einem Interview im Jahr 2000 der amerikanischen Anthropologie-Professorin Nancy Scheper-Hughes (u.a. Berkeley) gegenüber erklärt, dass das Institut von den 1980er-Jahren an bis zum Jahr 2000 Organe und Körperteile sowohl von toten Israelis als auch Palästinensern zu Versuchs- und Weiterverwertungszwecken verwendet habe, ohne die Angehörigen zu informieren und um ihr Einverständnis zu bitten.
Laut Hiss wären die “Spender” von Militärangehörigen ins Institut gebracht worden.
Diese Details aus dem Munde des ehemaligen Vorsitzenden des Forensischen Instituts weisen zumindest überwältigende Parallelen zu jenen im Boström-Artikel erhobenen Vorwürfen der palästinensischen Familien auf, und sie belegen klar und deutlich, dass es illegale Organentnahmen auch bei Palästinensern in Israel gegeben hat.
Bereits zur Zeit der Veröffentlichung des Boström-Artikels hatte
Alison Weir die Erkenntnisse Scheper-Hughes’ zum Fall Jehuda Hiss angesprochen und Licht auf eine scheinbar jahrzehntelange israelische Praktik des Organdiebstahls geworfen.
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Fazit:
Organdiebstahl war anscheinend jahrelang gängige Praxis in Israel, die sogar durch die Regierung gefördert wurde. Nicht zuletzt Jehuda Hiss hat dahingehend bereitwillig und scheinbar ohne jegliche Scham Auskunft gegeben, was medial belegt ist.
Sogar israelische Offizielle und die Medien konstatierten, dass ohne Einverständnis Organe und Körperteile auch von Palästinensern entnommen worden seien, vor allem für Forschungszwecke im Forensischen Institut Abu Kabir. Man sah sich genötigt, offizielle Statements abzugeben, weil bis dato vor allem Angehörige toter israelischer Soldaten Beschwerden gegen Hiss’ “Gruselkabinett” vorgebracht hatten, also Landsleute, die mit ihren Vorwürfen auch entsprechend an die israelische Öffentlichkeit gingen.
Im Jahr 2009 nun erhebt erstmals eine westliche Zeitung stellvertretend für Palästinenser Vorwürfe dieser Art gegen das israelische Militär, macht sie einem breiten westlichen Publikum öffentlich – und plötzlich streitet Israel die Vorwürfe ab, nennt Journalisten, Zeitung und sogar das Land Schweden antisemitisch.
Und das Thema als solches verschwindet daraufhin auf beinahe schon unheimliche, geschlossene Weise aus den westlichen Medien.
Donald Boström kann man nach aktuellem Informationsstand allenfalls vorwerfen, die Angelegenheit, dem Anspruch und der Zielgruppe des Aftonbladet angepasst, übermäßig sensationell arrangiert zu haben. In einer Art und Weise, die durchaus so verstanden werden konnte, dass der Artikel dem Staat Israel direkt unterstelle, er würde gezielt Palästinenser zu Zwecken des Organraubes töten bzw. verschleppen. Dem ist augenscheinlich nicht so, dennoch wurden getöteten Palästinensern ohne Kenntnis der Angehörigen Organe entnommen, die dann über den Labortisch von Prof. Jehuda Hiss wanderten.
Jehuda Hiss wurde übrigens 2004 aufgrund jahrelanger Unregelmäßigkeiten bei der Beschaffung und Verwendung von Organen still und heimlich von seinem Posten entfernt, ohne dass er sich wegen der Vorwürfe hätte verantworten müssen.
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