Willkommen in der Buchengalerie!
Auf dieser Seite entsteht eine Galerie der besonderen Art. Sie zeigt ausnahmslos Fotos von unzähligen Bauminschriften, die sowjetische Soldaten und deren Angehörige während der Zeit der Besatzung vornehmlich in den glatten Stämmen der Buchen entlang des Dresdner Prießnitzgrundes bzw. in der Dresdner Heide hinterlassen haben. Die meisten “Kunstwerke” zeigen Initialen, volle Namen oder Heimatstädte der jungen Künstler, die zum Herstellungszeitpunkt kaum älter als 20-25 Jahre alt gewesen sein dürften. Einige zeigen jedoch auch richtige kleine Bilder oder gar Porträts.
Die noch in der Entstehung begriffene Galerie dürfte wohl mittlerweile eine der umfangreichsten Sammlungen solcher kleinen Holzkunstwerke bilden, die teils um die 60 Jahre, vereinzelt auch noch älter, sind.
Zum Vergrößern bitte auf das jeweilige Bild klicken.
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Diese Insignien in kyrillischer Schrift wurden Ende der 50er-Jahre in die stattliche Buche geschnitzt und sind dafür, dass sie bereits ein halbes Jahrhundert alt sind, sehr gut erhalten. Sie zeigen die Initialen “K.S.I.” sowie die Dauer der Stationierung des Urhebers in der Dresdner Garnison: “1956-1959 god”.
Russische Namen bestehen immer aus drei Teilen: Dem Vornamen, dem Vatersnamen und dem Familiennamen (z.B.: Ivan Nikolajewitsch Antonow). Oft bestehen die Insignien daher aus drei Buchstaben, häufig jedoch auch nur aus zweien, wenn entweder Vaters- oder Familienname weggelassen wurden.
Darunter einige schwer zu entziffernde Worte, deren spezielle Darstellungsform auf eine Dienstbezeichnung bzw. einen militärischen Grad schließen lässt. Das vorgesetzte kyrillische “L-” könnte darauf hinweisen, dass es sich um einen Leutnant (“Lejtenant”) handelte.
Der Baum befindet sich zwischen 1. und 2. Prießnitzbrücke im Dresdner Prießnitzgrund, links des Hauptweges in unmittelbarer Wegnähe. Gefunden von mir am 9. Oktober 2010.
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Diese Insignien entdeckte ich zwischen sich langsam lichtendem Gestrüpp auf einer in derart steiler Hanglage befindlichen Buche, dass ich es vorzog, mit meiner Kamera einfacher Machart so nah es geht ranzuzoomen – daher auch die etwas unscharfe Bildqualität.
Im oberen Bereich ist eine Inschrift zu sehen, verfasst vermutlich von einem Soldaten der Mannschaftsdienstgrade, also höchstwahrscheinlich einem Wehrpflichtigen.
Die Stationierungsdauer der Wehrpflichtigen wurde 1967 von drei auf zwei Jahre reduziert, Berufssoldaten (Offiziere) waren meist länger stationiert, etwa drei bis fünf Jahre.
Neben seinen Initialen “Ch.M.A.” hat der Schreiber die Dauer seiner Stationierung eingraviert: “1974-1976″, neben den Initialen ist eine 75 erkennbar, daher schließe ich darauf, dass die Inschrift aus dem Jahr 1975 datiert.
Etwas weiter unten hat jemand einfach nur das aktuelle Jahr hinterlassen: 1958.
In diesem Jahr wurden knapp 30 junge Wehrdienstleistende auf dem Dresdner Garnisonfriedhof beerdigt.
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Diese Inschrift befindet sich auf einem wahren Prachtexemplar einer Buche – riesig und doppelstämmig ragt sie in einem wahren Buchenhain an der Weggabelung an der 2. Prießnitzbrücke, links des Hauptweges, empor.
An der Südostseite des Stamms wächst weichstes Moos.
Gefunden am 9. Oktober 2010.
Der Schreiber hat hier wohl seinen eigenen Kosenamen “zu Buche” gebracht: “Mitja!” oder ähnlich muss der Künstler geheißen haben. Kosenamen enden im Russischen fast immer auf “-a oder -ja” – etwa “Wassja”, “Mitja” oder “Kolja”, wobei Mitja eine Koseform von “Dmitri” darstellt.
Darunter das Jahr der Verewigung: 1964 (g., für “god”). “Mitja” diente also irgendwann zwischen 1961 und 1966 in der Dresdner Garnison.
Zu beachten auch ganz rechts der kleine Sowjetstern neben einer Reihe anderer Inschriften, ein Zeichen, das sich immer wieder in diversen Bauminsignien finden lässt.
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Auf einer Buche in demselben Buchenhain, in dem schon die zuvor abgebildete Baumschnitzerei entdeckt wurde, befindet sich dieses kleine pittoreske Kunstwerk.
Es zeigt einen mit Akuratesse ins Buchenholz geschnitzten Sowjetstern in ordentlicher Größe. Darunter ist ein Totenschädel zu erkennen. Mit etwas blutrünstiger Fantasie könnte man fast meinen, der gerade Schnitzer und die tropfenartig ausschauenden, senkrecht fallenden Punkte darunter deuteten darauf hin, dass dieser Kopf soeben seinem Besitzer abhanden gekommen sei.
Eingebrannte Erinnerungen aus den in Kindertagen erlebten Schlachten in der Heimat? Geäußerte Gefühlslagen und Erlebnisse aus dem Militäralltag?
Über dem Piktogramm das Datum seiner Entstehung: der 4., 7. oder 9. November 1955.
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Das schaurige Kunstwerk hat stolze 55 Jahre nahezu schadlos überstanden, der Grad seiner Erhaltung ist wahrlich sensationell zu nennen. Etwas schwammig sind lediglich die Initialen des Künstlers, vorsichtig vermutet: N. A. R. oder I. A. R.
Die Inschrift ist eines der größten und besterhaltensten Einzelwerke, die ich bislang zu finden vermochte.
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Dieses Bild hat einen ganz besonderen Wert für mich, hatte es doch für einigen Aufruhr in meinem Forscherherzen gesorgt. Zunächst sieht es eigentlich ganz harmlos aus, man könnte meinen: “da hatten wir hier schon Besseres”. Im Prinzip zeigt es lediglich das Signum eines Soldaten namens Usik. Etwas weiter oben findet sich eine Ortsbezeichnung, “Rostow” (am Don), eine Stadt in Südrussland, in der Nähe des Asowschen Meeres. Sollten beide Inschriften zusammengehören, war also 1974 ein junger Mann namens Usik aus Rostow am Don hier in Dresden stationiert. Da Ortsmarke und Jahreszahl aber recht weit weg vom Namen stehen und zudem auch von der Schriftart her einigermaßen anders aussehen, stellte ich da zunächst nicht zwingend einen Zusammenhang her.
Spannend wurde das Ganze dann, als mir auf dem Foto bei genauerem Hinsehen direkt über dem Namenszug (oberhalb der Lücke zwischen dem “S” und dem “I”) eine kaum wahrzunehmende Zeichnung in der Baumrinde ins Auge stach, die mit viel gutem Willen auch eine nicht sehr tief eingeritzte und heute stark verwitterte “63″ hätte sein können. Aha. Und?
Das Interessante war, dass dieser Name – Usik – in Verbindung mit der Jahreszahl 1963 mit einer tragischen Personalie auf dem Sowjetischen Garnisonfriedhof kollidiert hätte, denn dort wurde im Juni 1964 ein 19-/20-jähriger Rekrut namens Aleksandr Semenovich Usik beerdigt. Da der Name Usik im russischen Sprachraum nicht wirklich zu den “Müllers, Meyers oder Schmidts” zählt, sondern vielmehr zu den kurioseren Familiennamen – im Deutschen bedeutet er etwa so viel wie Ranke oder Büschel -, wäre eine solche Parallele schon ein riesen Zufall gewesen, hätte es zeitgleich einen zweiten Rekruten namens Usik in der Dresdner Garnison gegeben haben müssen – oder aber unser junger Künstler wäre wenige Monate nach seiner Verewigung in der Buche hier ums Leben gekommen.
Doch die gesehen geglaubte Jahreszahl “63″ bestätigte sich bei einem zweiten Besuch vor Ort nicht wirklich, vielmehr dürfte die Rindenzeichnung auf dem Foto zufällig diese Form angenommen haben.
Deshalb gehe ich derzeit davon aus, dass einige Jahre nach dem unglücklichen Aleksander Semenovic ein weiterer junger Soldat namens Usik von Rostow am Don nach Dresden geschickt wurde, der sich 1974 in dieser Buche verewigte.
Der Baum befindet sich in der Nähe der 2. Prießnitzbrücke. Aus der Neustadt kommend, steigt rechter Hand, entgegen der bisherigen Laufrichtung, steil ein Weg zum Kannenhenkel bzw. zur Marienallee an. Nach etwa 100 Metern Anstieg befindet sich die Buche links des Weges, ein Stück den Hang hinauf.
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Die Hinterlassenschaften in diesem Buchenstamm sind insofern eine echte Seltenheit, alsdass sie zu den ältesten bislang aufgefundenen Bauminschriften eines sowjetischen Soldaten auf ostdeutschem Boden gehören, die noch einigermaßen als solche zu identifizieren sind.
Dreh- und Angelpunkt der Inschrift ist das Datum, von dem vor allem die Jahreszahl noch deutlich zu erkennen ist: vermutlich Juni 1946 (“??-06-46 g.”).
Als Datum gibt sich der Schriftzug vor allem durch die klassische nummerische Schreibweise sowie das angehängte kyrillische “g.” als Abkürzung für “Goda” (“Jahr”) zu erkennen, welches in russischer Sprache Datumsangaben immer anhängig ist.
Darunter vermutlich der Name des Soldaten – “Mitka”, eine Koseform von Dmitri, ähnlich “Mitja”. Ob beides zusammengehört, lässt sich nicht genau sagen.
Wer immer sich 1946 in diesem Baum verewigt hat – er hat höchstwahrscheinlich die Schlachten der letzten Kriegstage mit- und überlebt, zog als Sieger triumphierend in das am Boden liegende Dresden ein, das nur ein Jahr zuvor von alliierten Bomberverbänden dem Erdboden gleichgemacht worden war. Hunderte seiner Kameraden starben noch in jenen Tagen, über ein Jahr nach Kriegsende, im Dresdner Lazarett in der Marienallee an Spätfolgen ihrer Kriegsverletzungen und Mangelversorgung.
Ihre Gräber finden sich heute auf dem Garnisonfriedhof, wenige hundert Meter weiter, der im selben Jahr (1946) angelegt wurde.
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Da die meisten Bauminschriften oft nur aus Namen und Daten bestehen, lösen Funde wie dieser bei Interessierten helle Begeisterung aus.
Die Piktogramme zeigen das Porträt eines Menschen, vermutlich der Künstler selbst oder aber eine ihm nahestehende Person. Typisch für die Zeit – die “Pilzkopf”-Frisur des Porträtierten.
Die darunter erkennbare Jahreszahl 1970 markiert den Zeitpunkt der Enstehung.
Verschiedene Initialen lassen darauf schließen, dass hier eine ganze Gruppe von Menschen am Werke war.
Aufzeichnungen ehemaliger Schüler der seinerzeit auf dem Gelände des heutigen Staatsarchives in der Stauffenbergallee 2 befindlichen 15. Sowjetischen Schule liefern etwa Erkenntnisse darüber, dass gerade in den 70er-Jahren der Prießnitzgrund Lieblingsplatz und Rückzugsort vieler Jugendlicher war, deren Eltern hier beim Militär angestellt waren oder dienten.
Links unten ein fast noch interessanterer Fund:
In das glatte Buchenholz eingeschnitzt wurde ein Messer der Art, wie es zur Ausrüstung eines jeden Sowjetsoldaten gehörte.
Im Kasernenalltag, der zumeist aus harter körperlicher Arbeit in Arbeitsuniformen bestand, trugen Soldaten diese Messer zumeist am Gurt. Vermutlich sind eine Vielzahl an Bauminschriften der Soldaten mithilfe solcher Messer entstanden.
Die Buche, die dieses kleine Kunstwerk trägt, befindet sich ebenfalls am Weg hinauf zum Kannenhenkel, der von der 2. Prießnitzbrücke in südliche Richtung aus dem Prießnitzgrund herausführt.
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Die beiden Bilder zeigen ein und denselben Buchenstamm. Darauf befinden sich in außergewöhnlicher Häufung Reminiszenzen an die Heimatstädte hier stationierter Sowjetsoldaten, die über das gesamte Gebiet der ehemaligen Sowjetunion verstreut lagen, und von denen die meisten heute in unterschiedlichen Staaten liegen.
So ist auf dem linken Bild links oben eine Inschrift zu sehen, die vermutlich die heute zu Russland gehörende Stadt Brjansk erwähnt – während des 2. Weltkrieges war sie zwei Jahre lang von deutschen Truppen besetzt. Die Gegend um Brjansk war eine Hochburg der Partisanenbewegung. Es kam zu Greueln der Wehrmacht an der Zivilbevölkerung, Tausende wurden nach Deutschland zur Zwangsarbeit verschleppt. 1943 wurde die Stadt von der Roten Armee befreit. 2010 wurde sie von Dmitri Medwedjew zur “Stadt des militärischen Ruhmes” erklärt.
In der Mitte könnte eine nur teilweise zu entziffernde Inschrift auf die ukrainische Stadt Poltawa hindeuten, während des Zweiten Weltkrieges befand sich hier nach der Wende im deutschen Russlandfeldzug zugunsten der Roten Armee ein Kriegsgefangenenlager für Wehrmachtssoldaten, in dem unter anderem auch der Generalfeldmarschall Friedrich Paulus einige Zeit einsaß.
Auf dem rechten Bild ebenfalls mehrere verewigte Heimatstädte bzw. -regionen, unter anderem zu erkennen die russische Stadt Kursk, nahe der Grenze zur Ukraine, sowie ganz oben “Kawkaz” für den Kaukasus oder eventuell als Abkürzung für die zu Russland gehörende nordossetische Hauptstadt Wladikawkaz, nahe der georgischen Grenze. Ganz unten zu “Buche” gebracht: die westrussische Stadt Pensa – eine Stadt, die übrigens rekordverdächtig viele prominente russische Eishockey-Spieler hervorgebracht hat und etwa genauso viele Einwohner wie Dresden hat.
Neben den Ortsmarken befinden sich verschiedene Jahreszahlen: 1952, 1957 und eventuell auch 1961.
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Ljoscha und Lena waren hier. Wann, das verraten sie uns allerdings nicht. Interessant macht diese Inschrift die Tatsache, dass noch gut erkennbar zwei volle Namen eingraviert wurden, wo sonst häufig nur Initalen stehen.
Das Schönste an den Bauminschriften ist, dass sie jede Menge Raum für Fantasie und Interpretation lassen, der Betrachter kann sich aus den einzelnen Fragmenten seinen eigenen Reim auf Persönlichkeit, Herkunft, Schicksal oder Absichten der Schnitzkünstler machen.
Selbst solch simpel anmutende Insignien können durchaus anspruchsvoll werden. So stellt sich natürlich die Frage: War waren Ljoscha und Lena? Waren es zwei gute Freunde, die irgendwann vermutlich in den 60er- oder 70er-Jahren albernd oder sinnend an dieser Buche am Rande des Weges zum Kannenhenkel vorbeikamen und spontan beschlossen, sich hier zu verewigen? Waren sie ein Paar?
Oder handelte es sich um das Bekenntnis lediglich eines von beiden?
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Diese Inschrift ist erwähnenswert aufgrunddessen, dass sie eine der wenigen erhaltenen und gut zu identifizierenden Abbildungen von militärischen Dienstgraden zeigt.
Irgendwann 1961 hat sich in dieser Buche im Prießnitzgrund ein hier stationierter ein Stabsunteroffizier – verewigt. Die 1 hinter der 6 ist auf dem Bild nicht zu erkennen, da der Stamm sich an dieser Stelle stark wölbt.
Im sowjetischen Militär sind die Unteroffiziersränge unterteilt in “mladshiy serzhant” (Unteroffizier), “serzhant” (Stabsunteroffizier), “starshiy serzhant” (Hauptfeldwebel) sowie “starshina” (Oberfeldwebel).
Die Sergeanten waren im sowjetischen Militär zahlenmäßig überdurchschnittlich häufig vertreten. Der Grad ihrer Fähigkeiten und Kompetenzen lag jedoch aufgrund der eher mangelhaften Ausbildung hinter dem vergleichbarer militärischer Ränge in westlichen Heeren zurück.
Ein “tüchtiger” Wehrdienstleistender konnte bis zum Ende seines Dienstes bis in die Feldwebelränge aufsteigen, oft besorgten diese Längerdienenden die Disziplinierung der Mannschaften für die Offiziere. Die Unteroffiziere mit Befehlsgewalt standen oft im Range eines Zugführers.
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Auch in dieser auf den ersten Blick zunächst etwas verschwommen und wirr scheinenden weisen Buche schlummern Grüße an die sowjetische Heimat hier stationierter Soldaten.
Relativ weit oben zum Beispiel ist deutlich der Name der heute zu Russland gehörenden Stadt Ufa, der Hauptstadt der zwischen Moskau und Nischniy Nowgorod gelegenen Teilrepublik Baschkortostan, zu erkennen.
Etwas weiter unten findet sich eine weitere Inschrift aus dem Jahr 1950.
Diesmal kam die ukrainische Stadt Charkiv zu Ehren, die damals noch – brav nach sowjetischer Schule – in der russischen Version, also “Charkow”, in den Buchenstamm gebannt wurde.
Charkiv war im Zweiten Weltkrieg Schauplatz einiger der schwersten und verlustreichsten Schlachten des Russlandsfeldzuges. Bei der Schlacht im Mai 1942, bei der die 6. und 17. deutsche Armee den sowjetischen Truppen schwere Verluste zufügten, gingen 240000 Rotarmisten in deutsche Kriegsgefangenschaft – und damit oft in den sicheren Tod.
Ob eher Heimatstolz oder klassisches Heimweh die oft jungen Schreiber zu ihren Schriften inspiriert hat, bleibt wohl ihr Geheimnis.
Der Kamerad aus Charkiv, der seine Spuren im Jahr 1950 hier hinterließ, könnte seines bereits mit ins Grab genommen haben, legt man die heutige Lebenserwartung russischer Männer zugrunde, die bei gerade einmal 59 Jahren liegt, und damit unter der so manchen Entwicklungslandes.
Zwischen den beiden Jahrezahlen 1957 und 1950 findet sich auch noch ein kleiner, drolliger Sowjetstern. Zu welcher Inschrift er gehört, das wissen nur die Buche und die Burschen von damals.
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Als ich diese Buche fand, war ich einigermaßen erfreut über einen bis dato rekordverdächtigen Fund – was meine bisherige Spurensuche betrifft.
Denn, fand ich zuvor fast ausschließlich Baumkunst aus den 50er-, 60er- und 70er-Jahren, stieß ich hier – nahe der 3. Prießnitzbrücke bzw. des Steinernen Tisches – auf die bislang jüngste gefundene Inschrift.
Sie stammt aus dem Jahr 1987 und zeigt eine weitere Reminiszenz an heimatliche Gefilde: “Nowosib. !” ist zu erkennen, eine Abkürzung für die zu Russland gehörende Stadt Nowosibirsk im kalten Herzen des Landes, in Sibirien. Im Zweiten Weltkrieg befand sich hier ein Kriegsgefangenenlager für deutsche Soldaten sowie ein Friedhof, auf dem Tausende von ihnen beerdigt worden waren.
Nowosibirsk ist die drittgrößte Stadt Russlands, sie ist Station der Transsibirischen Eisenbahn, mit der man durch ganz Russland bis an die chinesische Grenze fahren kann. Einer meiner Träume ist es, einmal diese Reise durch dieses weite, wilde Land zu machen.
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Die obige Bauminschrift ist in mehrerer Hinsicht besonders.
Zum einen stellt sie ein pittoreskes kleines Kunstwerk dar, der Künstler hat sich dafür viel Zeit und Raum genommen, die Gestaltung erfolgte ganz bewusst und durchaus nach ästhetischen Maßstäben.
Zentrales Moment ist der Sowjetstern, um den herum die anderen Elemente gruppiert sind. Unterhalb des Sterns der Name des Soldaten: Pjotr bzw. Petr, sorgfältig unterstrichen.
Zur Linken und Rechten des Sterns befinden sich jeweils zwei wehende Fahnen – Petr muss ein aufrechter Sowjet gewesen sein, der seinen Dienst mit Stolz tat.
Tatsächlich bedeutete der Umstand, seinen Wehrdienst in der DDR ableisten zu dürfen, zumeist eine Auszeichnung für die jungen Männer. Nur, wer aus als “loyal” eingestuften Familien stammte oder sich bereits als junger Mensch besonders um die sowjetische Sache verdient gemacht hatte, wurde in den “Westen” geschickt.
Doch auch das bewahrte viele dieser jungen Burschen nicht davor, beim Militär das Leben eines Rechtlosen zu führen.
Eine weitere Besonderheit ist das Jahr, in dem sich Petr hier so kunstvoll verewig hat. Das Jahr 1954 gibt dem, der sich mit der Zeit der Besatzung in Dresden beschäftigt, Rätsel auf. Mit seiner quasi exorbitant zu nennenden Zahl an Todesopfern fast ausschließlich unter jungen Wehrpflichtigen markiert es einen traurigen Rekord: etwa 100 junge Männer zwischen 16 und 25 starben nachweislich in diesem Jahr alleine in der Dresdner Garnison, dem gegenüber standen etwa 15 Offiziere. 1955 hatte sich diese Zahl bereits wieder auf etwa 40 reduziert, und auch in den übrigen 50er-Jahren lag der Schnitt etwa bei 50 Todesopfern pro Jahr, die hier in Dresden bestattet wurden.
Petrs Inschrift ist zudem bislang die einzige, die ich aus diesem Jahr zu finden vermochte. Da kann man nur hoffen, dass der Künstler dieses schwierige Jahr gut überstanden hat.
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Auf dieser Buche finden sich viele verschiedene Insignien – unter anderem treffen sich hier anscheinend deutsche und sowjetische Schnitzereien. Am linken Rand meine ich, den Namen “Görner” zu erkennen, die Jahrezahl daneben ist allerdings schon wieder in Kyrillisch verfasst: 1952 – da war noch nicht einmal mein Vater geboren.
Aufmerksamkeit zieht allerdings eine ganz besonders auf sich:
In der Mitte des Bildes ist der Schriftzug “Kukuschka” zu erkennen – das bedeutet auf Deutsch “Kuckuck”. Da es recht unwahrscheinlich ist, dass es sich dabei um einen Familiennahmen handelt, schreit das Wort geradezu nach einer Erklärung, was sich der Schreiber wohl gedacht haben mag, als er sich hier vermutlich im Jahre 1965 verewigte – so deutet es zumindest die unterhalb des rätselhaften Schriftzuges sichtbare Jahreszahl an.
Aus Erzählungen ehemaliger Sowjetsoldaten ist mir zugetragen worden, dass Tiernamen manchmal als Spitz- oder Tarnnamen für Militärangehörige oder bestimmte Projekte/Manöver usw. benutzt wurden. Nach dem Motto: “Ara an Kukuschka: melde, die Luft ist rein”… andererseits wurde das Wort “Kukuschka” im Finnlandkrieg der Sowjetunion im Rahmen des 2. Weltkrieges auch als Bezeichnung für finnische Partisanen benutzt.
Vielleicht gibt es aber auch einfach nur irgendwo in den Weiten Russlands oder der ehemaligen Sowjetrepubliken ein kleines verschlafenes Nest namens Kukuschka, das nun für immer auf einer Buche im Dresdner Prießnitzgrund prangt.
Und auch hier darf natürlich der obligatorische Sowjetstern nicht fehlen, zu finden ganz unten im Bild.
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Diese Bauminschrift könnte eine echte Rarität sein, so sie tatsächlich eine echte Jahreszahl zeigt. Deutlich zu erkennen, wenn auch reichlich verwittert, sind die Initialen I. N. und darunter die Zahl 1908. Nun sollen sich sicherlich auch zu früheren Zeiten Menschen in Bäumen verewigt haben, so ungewöhnlich ist dieser Fund also nicht. Selten dürfte er dennoch sein, da es sich bei Bauminschriften schlicht um vergängliche Kunstwerke handelt: Der Künstler muss qualitativ hochwertig schnitzen und auf günstige Witterungs- und Wachstumsbedingungen für den Baum hoffen, soll sein Werk nach über 100 Jahren, die das obige Schnitzerium dann bereits auf dem Buckel hätte, noch sichtbar sein.
Sollte diese Inschrift aus dem Jahr 1908 stammen, so wäre sie sehr gut erhalten und die älteste, die ich persönlich irgendwo in Dresden auf einem Baum habe finden können.
In diesem Falle sollte sie allerdings von einem Deutschen stammen, denn Anfang des 20. Jahrhunderts gab es hier freilich noch keine stationierten Sowjets.
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