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	<title>art und wIEse. &#187; Skandale</title>
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	<description>Der Weidegrund für Querdenker.</description>
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		<title>Vom Leben in einer Blase &#8211; Der Fall Daniel Heißmann.</title>
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		<pubDate>Sat, 06 Aug 2011 14:04:34 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Jane</dc:creator>
				<category><![CDATA[Menschenrechte]]></category>
		<category><![CDATA[Politik und Gesellschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Skandale]]></category>

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		<description><![CDATA[<p>Deutschland ist heute ein freies und weltoffenes Land, in dem alle seine Bürger gleichermaßen anerkannt sind und über dieselben Rechte, Chancen und Möglichkeiten verfügen. Seine dunkle Vergangenheit hat es erfolgreich überwunden, seine Bewohner haben aus den schrecklichen Folgen von Hass, Fanatismus und ins Extrem degenerierter Intoleranz gegenüber anderen Kulturen gelernt. Kurzum: Deutschland ist heute ein Land, von dem andere Staaten, insbesondere der Dritten Welt, lernen können, wie eine moderne, zivilisierte und demokratische Gesellschaft funktioniert.</p>
<p>Soweit, verehrte Leser, zur Blase, in der wir leben. Eine Blase, die sorgsam gehütet und verteidigt wird gegen jedwede Anwürfe von außen, auf dass sie ja nicht platzen möge. Hin und wieder wagt einer, hineinzustechen. Doch die Haut der Blase ist dick, und wenn man diese kleinen Attacken nur gut genug abwehrt und unter den Teppich kehrt, entweicht höchstens mal ein wenig Luft aus dem Inneren, und schon ist das Loch geflickt.<br />
Was ich damit sagen will? Tatsache ist, dass sich heute in Deutschland alles und jeder hinter dem mühsam gehegten Bild der weltoffenen, toleranten Demokratie verbergen kann, sogar überzeugte Antidemokraten und Menschenverachter wie die Neonazis der NPD oder die rechtskonservativ-fundamentalistische Anti-Islam-Front krauchen unter diese Decke und geben sich nach außen als lupenreine Demokraten. Die landläufige Vorstellung von Demokratie basiert dabei oft auf der Idee von Freiheit, Gleichheit und Rechtsstaatlichkeit &#8211; allerdings nur für Deutsche und jene, die ins Konzept passen. </p>
<p>Der 30-jährige Daniel Heißmann passte nicht ins Konzept. Der gelernte Altenpfleger wurde in Sri Lanka geboren und im Alter von 6 Wochen von einem Münchner Ehepaar adoptiert. Seine Haut hat die Farbe des Südens, sein Haar ist schwarz. Doch Daniel Heißmann ist Deutscher, spricht akzentfrei Deutsch. Den Pflegebedürftigen, um die sich Daniel aufopferungsvoll kümmern, ihnen im Alltag eine Hilfe sein wollte &#8211; nicht wenigen von ihnen war er nicht &#8220;deutsch genug&#8221;. Mit den Worten &#8220;Lass das doch &#8216;den Deutschen&#8217; machen&#8221; machten Sie ihm klar, dass sie von einem &#8220;Schwarzen&#8221; nicht angefasst und schon gar nicht gepflegt werden wollten. Der Gedanke war ihnen so zuwider, dass sie sogar bei dem mobilen Pflegedienst anriefen, bei dem Daniel Heißmann arbeitete. Sie drohten mit der Kündigung ihres Pflegevertrages, &#8220;wenn der Schwarze noch mal käme&#8221;. Sicherlich  waren es nicht alle Patienten des Pflegedienstes, doch es waren immerhin so viele, dass sich die Firma schließlich &#8220;gezwungen sah&#8221;, Daniel Heißmann aus wirtschaftlichen Befürchtungen heraus den Stuhl vor die Tür zu stellen. Gekündigt wegen seiner Hautfarbe, mitten in Deutschland. Wie viele Daniel Heißmanns es in Deutschland wohl gibt, die mit ihren Erlebnissen nicht an die Öffentlichkeit gehen?</p>
<p>Wer nun glaubt, die Episode hätte sich irgendwo in einer ohnehin für ihre Affinität für rechtslastiges Gedankengut berüchtigten Kleinstadt in der Sächsischen Schweiz abgespielt, der irrt. Daniel Heißmann lebt im ach so toleranten und weltoffenen Dresden; der Pflegedienst, bei dem er just von jenen Menschen, denen er helfen wollte, aufgrund seiner Hautfarbe eiskalt rausgemobbt wurde, ist im gutbürgerlichen Stadtteil Striesen zu Hause.<br />
Dass Rassismus in dieser Stadt wie in den meisten anderen Gegenden Deutschlands zumindest latent an der Tagesordnung ist, das belegen Fälle wie dieser. Doch davon wollen viele hier nichts wissen. In Dresden gäbe es keinen Rassismus und keine Ausländerfeindlichkeit, und wenn doch mal was passiert, dann sind das die wenigen Ausnahmen, die Nazis, kaum nennenswerte Randerscheinungen. So oder so ähnlich lautete der Tenor, als der Mord an Marwa El-Sherbini die Blase empfindlich an den Rand des Platzens brachte. Und auch nach Bekanntwerden des Falles Daniel Heißmann (Dresdner Neueste Nachrichten v. 1.8.11) bleiben Stellungnahmen der Politik und klare Bekenntnisse die absolute Ausnahme. Man schweigt lieber oder verweist auf die vielbeschworene &#8220;Ausnahme&#8221;. Wie kann es sein, dass Dresdens Bürgermeister Dirk Hilbert (FDP) es nicht für nötig hält, auf diesen Vorfall zu reagieren und klare Worte für diese ungeheuerlichen Geschehnisse zu finden? Man kann Derartiges doch unmöglich unkommentiert lassen und somit quasi durchwinken!!</p>
<p>Hier waren keine Nazis am Werke, sondern gut situierte Bürger aus der Mitte der Gesellschaft, zudem einer demografischen Gruppe angehörend, die in Dresden wie im Rest des Landes eine Mehrheit darstellt. Statt froh zu sein, dass ein junger Mensch sich zur Aufgabe gemacht hat, ihnen in ihrem beschwerlicher werdenden Alltag der letzten Lebensjahre zu helfen, entwickeln sie ungeahnte Energien, um diesen Menschen wegzumobben.</p>
<p>Problematisch ist an dieser Geschichte für meine Begriffe auch die Reaktion des Pflegedienstes. Ist es so weit schon gekommen, dass man sich von Rassisten erpressen lässt, um diese weiter pflegen zu dürfen und keine Umsätze einzubüßen, und dabei sogar in Kauf nimmt, andere ins Unglück zu stürzen? Hier hätte es einer standhaften und unverrückbar auf demokratischem Boden verankerten Unternehmensführung bedurft, die diesen Patienten klarmacht, dass wir nicht mehr im Nationalsozialismus leben, sondern in einer weltoffenen Demokratie. Solche Abwägungen von Eigennutz und Interessen haben den jahrelangen Fortbestand der nationalsozialistischen Diktatur erst ermöglicht.<br />
Dass solch klare Positionierungen bereits seit Jahrzehnten an allen Ecken und Enden in Deutschland fehlten, zeigt der Umstand, dass es solche Leute überhaupt in so großer Zahl gibt, die meinen, es wäre in Ordnung, einen anderen aufgrund seiner Herkunft oder Hautfarbe zu diskriminieren. Menschen, die meinen, in Zeiten von Pflegekräftemangel und demografischer Krise noch die Frechheit an den Tag legen zu können, gutes Personal aufgrund seiner Hautfarbe abzulehnen, sollten künftig sehen, wie sie zurande kommen. Leute, die niemals öffentlich in Erscheinung treten und die Entrechtung anderer Kulturen fordern würden, aber in ihrem privaten Umfeld alte Stereotype und Vorurteile pflegen und, darauf angesprochen, nichts gegen Ausländer haben wollen.<br />
Solche Leute überhaupt zu pflegen, scheint grotesk. Dass auch heute vielerseits der Mut fehlt, sich dem offen entgegenzustellen, ist einfach nur traurig &#8211; und vor allem erzeugt es die Gewissheit, dass in Deutschland jeder mit seinem täglich gelebten Rassismus durchkommen kann, solange er am längeren Hebel sitzt.</p>
<p>Es ist eine Illusion, zu glauben, wir seien in irgendeiner Weise weltoffener oder toleranter als andere Staaten. Ein Rechtssystem kann noch so auf Gleichberechtigung und Nichtdiskriminierung ausgelegt sein &#8211; es wird wertlos, wenn seine Bürger nicht auch in ihrem Innersten dazu stehen und dies auch täglich so leben. Zurück bleibt eine pseudodemokratische, pseudotolerante Hülle, die nach außen verspricht, was sie von innen her nicht halten kann &#8211; eine ausgerufene Demokratie ohne Bekenntnis.</p>
[...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Deutschland ist heute ein freies und weltoffenes Land, in dem alle seine Bürger gleichermaßen anerkannt sind und über dieselben Rechte, Chancen und Möglichkeiten verfügen. Seine dunkle Vergangenheit hat es erfolgreich überwunden, seine Bewohner haben aus den schrecklichen Folgen von Hass, Fanatismus und ins Extrem degenerierter Intoleranz gegenüber anderen Kulturen gelernt. Kurzum: Deutschland ist heute ein Land, von dem andere Staaten, insbesondere der Dritten Welt, lernen können, wie eine moderne, zivilisierte und demokratische Gesellschaft funktioniert.</p>
<p>Soweit, verehrte Leser, zur Blase, in der wir leben. Eine Blase, die sorgsam gehütet und verteidigt wird gegen jedwede Anwürfe von außen, auf dass sie ja nicht platzen möge. Hin und wieder wagt einer, hineinzustechen. Doch die Haut der Blase ist dick, und wenn man diese kleinen Attacken nur gut genug abwehrt und unter den Teppich kehrt, entweicht höchstens mal ein wenig Luft aus dem Inneren, und schon ist das Loch geflickt.<br />
Was ich damit sagen will? Tatsache ist, dass sich heute in Deutschland alles und jeder hinter dem mühsam gehegten Bild der weltoffenen, toleranten Demokratie verbergen kann, sogar überzeugte Antidemokraten und Menschenverachter wie die Neonazis der NPD oder die rechtskonservativ-fundamentalistische Anti-Islam-Front krauchen unter diese Decke und geben sich nach außen als lupenreine Demokraten. Die landläufige Vorstellung von Demokratie basiert dabei oft auf der Idee von Freiheit, Gleichheit und Rechtsstaatlichkeit &#8211; allerdings nur für Deutsche und jene, die ins Konzept passen. </p>
<p>Der 30-jährige Daniel Heißmann passte nicht ins Konzept. Der gelernte Altenpfleger wurde in Sri Lanka geboren und im Alter von 6 Wochen von einem Münchner Ehepaar adoptiert. Seine Haut hat die Farbe des Südens, sein Haar ist schwarz. Doch Daniel Heißmann ist Deutscher, spricht akzentfrei Deutsch. Den Pflegebedürftigen, um die sich Daniel aufopferungsvoll kümmern, ihnen im Alltag eine Hilfe sein wollte &#8211; nicht wenigen von ihnen war er nicht &#8220;deutsch genug&#8221;. Mit den Worten &#8220;Lass das doch &#8216;den Deutschen&#8217; machen&#8221; machten Sie ihm klar, dass sie von einem &#8220;Schwarzen&#8221; nicht angefasst und schon gar nicht gepflegt werden wollten. Der Gedanke war ihnen so zuwider, dass sie sogar bei dem mobilen Pflegedienst anriefen, bei dem Daniel Heißmann arbeitete. Sie drohten mit der Kündigung ihres Pflegevertrages, &#8220;wenn der Schwarze noch mal käme&#8221;. Sicherlich  waren es nicht alle Patienten des Pflegedienstes, doch es waren immerhin so viele, dass sich die Firma schließlich &#8220;gezwungen sah&#8221;, Daniel Heißmann aus wirtschaftlichen Befürchtungen heraus den Stuhl vor die Tür zu stellen. Gekündigt wegen seiner Hautfarbe, mitten in Deutschland. Wie viele Daniel Heißmanns es in Deutschland wohl gibt, die mit ihren Erlebnissen nicht an die Öffentlichkeit gehen?</p>
<p>Wer nun glaubt, die Episode hätte sich irgendwo in einer ohnehin für ihre Affinität für rechtslastiges Gedankengut berüchtigten Kleinstadt in der Sächsischen Schweiz abgespielt, der irrt. Daniel Heißmann lebt im ach so toleranten und weltoffenen Dresden; der Pflegedienst, bei dem er just von jenen Menschen, denen er helfen wollte, aufgrund seiner Hautfarbe eiskalt rausgemobbt wurde, ist im gutbürgerlichen Stadtteil Striesen zu Hause.<br />
Dass Rassismus in dieser Stadt wie in den meisten anderen Gegenden Deutschlands zumindest latent an der Tagesordnung ist, das belegen Fälle wie dieser. Doch davon wollen viele hier nichts wissen. In Dresden gäbe es keinen Rassismus und keine Ausländerfeindlichkeit, und wenn doch mal was passiert, dann sind das die wenigen Ausnahmen, die Nazis, kaum nennenswerte Randerscheinungen. So oder so ähnlich lautete der Tenor, als der Mord an Marwa El-Sherbini die Blase empfindlich an den Rand des Platzens brachte. Und auch nach Bekanntwerden des Falles Daniel Heißmann (Dresdner Neueste Nachrichten v. 1.8.11) bleiben Stellungnahmen der Politik und klare Bekenntnisse die absolute Ausnahme. Man schweigt lieber oder verweist auf die vielbeschworene &#8220;Ausnahme&#8221;. Wie kann es sein, dass Dresdens Bürgermeister Dirk Hilbert (FDP) es nicht für nötig hält, auf diesen Vorfall zu reagieren und klare Worte für diese ungeheuerlichen Geschehnisse zu finden? Man kann Derartiges doch unmöglich unkommentiert lassen und somit quasi durchwinken!!</p>
<p>Hier waren keine Nazis am Werke, sondern gut situierte Bürger aus der Mitte der Gesellschaft, zudem einer demografischen Gruppe angehörend, die in Dresden wie im Rest des Landes eine Mehrheit darstellt. Statt froh zu sein, dass ein junger Mensch sich zur Aufgabe gemacht hat, ihnen in ihrem beschwerlicher werdenden Alltag der letzten Lebensjahre zu helfen, entwickeln sie ungeahnte Energien, um diesen Menschen wegzumobben.</p>
<p>Problematisch ist an dieser Geschichte für meine Begriffe auch die Reaktion des Pflegedienstes. Ist es so weit schon gekommen, dass man sich von Rassisten erpressen lässt, um diese weiter pflegen zu dürfen und keine Umsätze einzubüßen, und dabei sogar in Kauf nimmt, andere ins Unglück zu stürzen? Hier hätte es einer standhaften und unverrückbar auf demokratischem Boden verankerten Unternehmensführung bedurft, die diesen Patienten klarmacht, dass wir nicht mehr im Nationalsozialismus leben, sondern in einer weltoffenen Demokratie. Solche Abwägungen von Eigennutz und Interessen haben den jahrelangen Fortbestand der nationalsozialistischen Diktatur erst ermöglicht.<br />
Dass solch klare Positionierungen bereits seit Jahrzehnten an allen Ecken und Enden in Deutschland fehlten, zeigt der Umstand, dass es solche Leute überhaupt in so großer Zahl gibt, die meinen, es wäre in Ordnung, einen anderen aufgrund seiner Herkunft oder Hautfarbe zu diskriminieren. Menschen, die meinen, in Zeiten von Pflegekräftemangel und demografischer Krise noch die Frechheit an den Tag legen zu können, gutes Personal aufgrund seiner Hautfarbe abzulehnen, sollten künftig sehen, wie sie zurande kommen. Leute, die niemals öffentlich in Erscheinung treten und die Entrechtung anderer Kulturen fordern würden, aber in ihrem privaten Umfeld alte Stereotype und Vorurteile pflegen und, darauf angesprochen, nichts gegen Ausländer haben wollen.<br />
Solche Leute überhaupt zu pflegen, scheint grotesk. Dass auch heute vielerseits der Mut fehlt, sich dem offen entgegenzustellen, ist einfach nur traurig &#8211; und vor allem erzeugt es die Gewissheit, dass in Deutschland jeder mit seinem täglich gelebten Rassismus durchkommen kann, solange er am längeren Hebel sitzt.</p>
<p>Es ist eine Illusion, zu glauben, wir seien in irgendeiner Weise weltoffener oder toleranter als andere Staaten. Ein Rechtssystem kann noch so auf Gleichberechtigung und Nichtdiskriminierung ausgelegt sein &#8211; es wird wertlos, wenn seine Bürger nicht auch in ihrem Innersten dazu stehen und dies auch täglich so leben. Zurück bleibt eine pseudodemokratische, pseudotolerante Hülle, die nach außen verspricht, was sie von innen her nicht halten kann &#8211; eine ausgerufene Demokratie ohne Bekenntnis.</p>
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		<title>Heil dir, Profit.</title>
		<link>http://djane.momocat.de/2011-07-09-heil-dir-profit/</link>
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		<pubDate>Sat, 09 Jul 2011 13:04:23 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Jane</dc:creator>
				<category><![CDATA[Menschenrechte]]></category>
		<category><![CDATA[Nahost]]></category>
		<category><![CDATA[Politik und Gesellschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Skandale]]></category>
		<category><![CDATA[Wirtschaft]]></category>
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		<category><![CDATA[Wohlstandsgesellschaft]]></category>

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		<description><![CDATA[<p>Gewitterstimmung im Reichstag, Bombenstimmung beim Feudalregime in Riad &#8211; dort freut man sich derzeit nämlich über 200 nigelnagelneue Kampfpanzer des Typs Leopard, bestückt mit allen Rafinessen, die das Herz eines jeden Kriegstreibers höher schlagen lassen würden. Im Reichstag rümpft man derweil politisch korrekt die Nase: Linke, SPD und Grüne sind vergrätzt &#8211; die Koalition hat nicht Bescheid gesagt, als man den Milliardendeal mit Riad ausheckte.<br />
Als ob es nicht schlimm genug wäre, dass unser wohlstandsverwöhntes Land gerade mal wieder den Reibach auf Kosten anderer Menschen macht, die durch diese Panzer sterben werden: Wir machen dicke Geschäfte mit Leuten, die wir an anderer Stelle für ihre Rückständigkeit und Skrupellosigkeit an den Pranger stellen. Und wir tun das, obgleich die Debatten über Waffenlieferungen an den Verrückten Gaddafi in Libyen, der diese momentan gegen sein eigenes nach Freiheit strebendes Volk einsetzt, noch nicht ganz verklungen sind.</p>
<p>Der deutschen Führung ist es schlicht wurst, ob gefährliche Waffen in die Hände von Leuten geraten, die nicht unterstützt, sondern geächtet gehören. Es ist genau so lange wurst, wie diese Leute auf der &#8220;richtigen Seite&#8221; stehen, da wichtig im geostrategischen Sinne &#8211; soll heißen: zur Absicherung der eigenen Vormachtstellung in der Welt. Was interessiert es da, ob man Despoten Mittel in die Hand gibt, die zur Not auch zur Absicherung einer totalitären Diktatur beitragen könnten? Was interessiert es uns schon, ob wir die Fehler, die wir in der Vergangenheit schon x-mal gemacht und die immer wieder zu blutigen Verbrechen geführt haben, noch mal machen? Es lebe der Profit, und es lebe die Weltmacht Deutschland! &#8230; Heil!</p>
<p>Jetzt sollte man aber nicht so naiv sein und ins Träumen geraten. Weltmacht? Hand aufs Herz: Deutschland ist ohne die Zustimmung der USA und ihrer Nahost-Exklave Israel nicht handlungsfähig. Die Erlaubnis für den Panzerdeal mit dem Ölprinzen von Riad mussten wir uns in Washington und Westjerusalem abholen. Heißt im Klartext, dass das eigentliche Geschäft zwischen Washington, Berlin und Westjerusalem ablief: Wir kriegen die Rüstungsaufträge, die uns in den nächsten Jahren Kohle satt bringen werden, die USA mehr Einfluss in Nahost und Israel weiß deutsche Panzer als Rückendeckung für eventuelle militärische Vorstöße gegen den Iran oder andere Staaten der Region</p>
<p>Mir wird übel, wenn ich sehe, in welche Richtung dieses Land treibt. All dieses standhafte Beharren auf der bedingungslosen Unterstützung Israels, vermeintlich aus historischer Verantwortung heraus, kann längst nicht mehr kaschieren, worum es eigentlich geht: Es geht nicht um historische Verantwortung aufgrund des Holocaust, es geht um Macht, um nichts anderes. Wenn Deutschland Israel nicht derart für seine Ziele im Nahen Osten brauchen würde, wäre uns das Existenzrecht dieses durch Verdrängung und Aggression und nicht zuletzt unsere eigenen Verbrechen entstandenen Staates nicht wichtiger als das des Iran oder von Burkina Faso. Und an die liefern wir bekanntlich keine Leopard-Panzer.<br />
Dafür aber an ein Regime, gegen das die Schreckensherrschaft eines Saddam Hussein wie das reinste Zuckerschlecken daherkommt. Ein Mensch zählt dort nichts, von der Situation der Frauen mal gar nicht zu sprechen.</p>
<p>Und die deutsche Öffentlichkeit? Sie übt sich in Schweigen. Natürlich, ja! Schlimm ist diese Geschäftemacherei mit Waffen und dann ausgerechnet auch nicht mit muslimischen Tyrannen. Hätte man die Panzer nicht stattdessen gleich nach Israel schicken können?<br />
Aber letztlich haben wir ja keinen Schaden davon, oder? Im Gegenteil &#8211; bei uns haben Firmen wieder die Auftragsbücher voll und können neue Zeitarbeiter einstellen. Die Kasse klingelt da natürlich bei den Unternehmen, weniger bei den Arbeitern. Aber was soll&#8217;s? Es geht ja ums Prinzip&#8230;<br />
Außerdem haben wir ja ohnehin keine Zeit für Protest und Widerstand: Es gibt andere Felder zu beackern &#8211; die Stuttgarter Innenstadt zum Beispiel, dort soll schließlich ein unterirdischer Bahnhof gebaut werden. Das kostet Zeit, da Zehntausende auf die Straße zu bringen, für Protest gegen Waffengeschäfte mit Despoten bleibt da nix über.<br />
Ja, als Wohlstandskind hat man&#8217;s schon nicht leicht.</p>
[...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Gewitterstimmung im Reichstag, Bombenstimmung beim Feudalregime in Riad &#8211; dort freut man sich derzeit nämlich über 200 nigelnagelneue Kampfpanzer des Typs Leopard, bestückt mit allen Rafinessen, die das Herz eines jeden Kriegstreibers höher schlagen lassen würden. Im Reichstag rümpft man derweil politisch korrekt die Nase: Linke, SPD und Grüne sind vergrätzt &#8211; die Koalition hat nicht Bescheid gesagt, als man den Milliardendeal mit Riad ausheckte.<br />
Als ob es nicht schlimm genug wäre, dass unser wohlstandsverwöhntes Land gerade mal wieder den Reibach auf Kosten anderer Menschen macht, die durch diese Panzer sterben werden: Wir machen dicke Geschäfte mit Leuten, die wir an anderer Stelle für ihre Rückständigkeit und Skrupellosigkeit an den Pranger stellen. Und wir tun das, obgleich die Debatten über Waffenlieferungen an den Verrückten Gaddafi in Libyen, der diese momentan gegen sein eigenes nach Freiheit strebendes Volk einsetzt, noch nicht ganz verklungen sind.</p>
<p>Der deutschen Führung ist es schlicht wurst, ob gefährliche Waffen in die Hände von Leuten geraten, die nicht unterstützt, sondern geächtet gehören. Es ist genau so lange wurst, wie diese Leute auf der &#8220;richtigen Seite&#8221; stehen, da wichtig im geostrategischen Sinne &#8211; soll heißen: zur Absicherung der eigenen Vormachtstellung in der Welt. Was interessiert es da, ob man Despoten Mittel in die Hand gibt, die zur Not auch zur Absicherung einer totalitären Diktatur beitragen könnten? Was interessiert es uns schon, ob wir die Fehler, die wir in der Vergangenheit schon x-mal gemacht und die immer wieder zu blutigen Verbrechen geführt haben, noch mal machen? Es lebe der Profit, und es lebe die Weltmacht Deutschland! &#8230; Heil!</p>
<p>Jetzt sollte man aber nicht so naiv sein und ins Träumen geraten. Weltmacht? Hand aufs Herz: Deutschland ist ohne die Zustimmung der USA und ihrer Nahost-Exklave Israel nicht handlungsfähig. Die Erlaubnis für den Panzerdeal mit dem Ölprinzen von Riad mussten wir uns in Washington und Westjerusalem abholen. Heißt im Klartext, dass das eigentliche Geschäft zwischen Washington, Berlin und Westjerusalem ablief: Wir kriegen die Rüstungsaufträge, die uns in den nächsten Jahren Kohle satt bringen werden, die USA mehr Einfluss in Nahost und Israel weiß deutsche Panzer als Rückendeckung für eventuelle militärische Vorstöße gegen den Iran oder andere Staaten der Region</p>
<p>Mir wird übel, wenn ich sehe, in welche Richtung dieses Land treibt. All dieses standhafte Beharren auf der bedingungslosen Unterstützung Israels, vermeintlich aus historischer Verantwortung heraus, kann längst nicht mehr kaschieren, worum es eigentlich geht: Es geht nicht um historische Verantwortung aufgrund des Holocaust, es geht um Macht, um nichts anderes. Wenn Deutschland Israel nicht derart für seine Ziele im Nahen Osten brauchen würde, wäre uns das Existenzrecht dieses durch Verdrängung und Aggression und nicht zuletzt unsere eigenen Verbrechen entstandenen Staates nicht wichtiger als das des Iran oder von Burkina Faso. Und an die liefern wir bekanntlich keine Leopard-Panzer.<br />
Dafür aber an ein Regime, gegen das die Schreckensherrschaft eines Saddam Hussein wie das reinste Zuckerschlecken daherkommt. Ein Mensch zählt dort nichts, von der Situation der Frauen mal gar nicht zu sprechen.</p>
<p>Und die deutsche Öffentlichkeit? Sie übt sich in Schweigen. Natürlich, ja! Schlimm ist diese Geschäftemacherei mit Waffen und dann ausgerechnet auch nicht mit muslimischen Tyrannen. Hätte man die Panzer nicht stattdessen gleich nach Israel schicken können?<br />
Aber letztlich haben wir ja keinen Schaden davon, oder? Im Gegenteil &#8211; bei uns haben Firmen wieder die Auftragsbücher voll und können neue Zeitarbeiter einstellen. Die Kasse klingelt da natürlich bei den Unternehmen, weniger bei den Arbeitern. Aber was soll&#8217;s? Es geht ja ums Prinzip&#8230;<br />
Außerdem haben wir ja ohnehin keine Zeit für Protest und Widerstand: Es gibt andere Felder zu beackern &#8211; die Stuttgarter Innenstadt zum Beispiel, dort soll schließlich ein unterirdischer Bahnhof gebaut werden. Das kostet Zeit, da Zehntausende auf die Straße zu bringen, für Protest gegen Waffengeschäfte mit Despoten bleibt da nix über.<br />
Ja, als Wohlstandskind hat man&#8217;s schon nicht leicht.</p>
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		<title>Kirchentag &#8211; eine Geschichte voller Missverständnisse.</title>
		<link>http://djane.momocat.de/2011-06-10-kirchentag-eine-geschichte-voller-missverstandnisse/</link>
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		<pubDate>Fri, 10 Jun 2011 13:49:54 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Jane</dc:creator>
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		<description><![CDATA[<p>Lange hatte sich Dresden vorbereitet auf DAS Großereignis des Jahres, den 33. Evangelischen Kirchentag. Der liegt nun bereits längst wieder in der Vergangenheit &#8211; Gott sei dank, kann man fast sagen. Den meisten Kirchentags-Fans dürften die fünf Tage wie im Fluge vergangen sein, aus der Perspektive einer schwer arbeitenden Dresdnerin und Nichtchristin zogen sie sich hingegen wie Gummilitze.<br />
Als bei einer Dresdner Tageszeitung Tätige war ich wie viele meiner Kollegen auch natürlich im Großeinsatz &#8211; alle fünf Tage, und das auch noch krank. Das hieß, man war vorzugsweise dort, wo gerade am meisten los war und stürzte sich mitten ins Getümmel &#8211; und davon gab es zum Kirchentag reichlich bei 300000 Gästen, die die Einwohnerzahl Dresdens mal schlagartig um 50% erhöhten.<br />
Wenn man nun von Termin zu Termin muss, findet man freilich wenig Gefallen an glückstrunkenen Leuten, die Straßen und öffentliche Verkehrsmittel blockieren und die schon bei der leisesten Bitte um Rücksichtnahme eine Spaßbremse wittern. Denn das war die andere Seite des Kirchentages, die dunkle, sozusagen: Nächstenliebe &#8211; von den Kanzeln der zahlreichen Gottesdienste und Bibelarbeiten so häufig gepredigt &#8211; war etwas, das man mit Gleichgesinnten teilte. Wer ausscherte oder es gar wagte, als Einwohner und Berufstätiger ein Stück weit Normalität und Rücksichtnahme für sich einzufordern, der stieß schon mal auf Verständnislosigkeit und Renitenz.<br />
<a href="http://djane.momocat.de/2011-06-10-kirchentag-eine-geschichte-voller-missverstandnisse/kirchentag-2011-in-dresden-129096/" rel="attachment wp-att-2971"><img src="http://djane.momocat.de/wp-content/uploads/2011/06/kirchentag-2011-in-dresden-129096.jpg" alt="" title="kirchentag-2011-in-dresden-129096" width="200" height="200" class="alignright size-full wp-image-2971" /></a></p>
<p>Richard David Precht brachte dieses Verhaltensmuster am Kirchentagssonnabend in der Frauenkirche pointiert auf den Punkt: Nächstenliebe sei etwas, das den gemeinen menschlichen Verstand überfordere, der Mensch könne danach gar nicht handeln, wenn die Forderung allgemein im Raum stünde, so wie es die christliche Lehre ja formuliert. Im Grunde leben Christen also in einer Scheinwelt, in der sie Ziele formulieren, die so nicht umsetzbar sind, Precht nannte es die &#8220;Uneigentlichkeit&#8221; aufgestellter Erwartungshaltungen. Der menschlichen Natur entspreche es vielmehr, seinen Nächsten zu lieben, wenn der mich auch liebt &#8211; und deshalb liebt am Ende kaum einer irgendwen. Aber keine Angst, nicht nur Christen erliegen der Uneigentlichkeit, auch alle anderen sind nicht frei davon.</p>
<p>Als Nichtchrist und somit Kirchen-Laie erstaunt hat mich, dass es in den Kirchen und Gemeinden anscheinend nichts als Blasmusik gibt, so gut wie nie traf man bei Veranstaltungen Streicher oder Piano. Da ich keine Blasmusik mag, war also leider bereits das musikalische Erlebnis megamäßig abtörnend, zumal wenn im Prinzip überall dieselben Lieder erschallen &#8211; hier hauptsächlich der dreifache Bläserruf des Kirchentages, der bis zum Erbrechen hingeschmettert wurde.</p>
<p>Als Nichtchrist und Kirchen-Laie regelrecht erschrocken hat mich, dass ich den Kirchentag zu mehr als 50% mit meinen Steuern mitfinanzieren muss. Wenn man sich vor Augen hält, dass die Kirchen ohnehin bereits mit Mitteln aus dem Steuersäckel vom Staat unterstützt werden (außerhalb der Kirchensteuer), dann fragt man sich wirklich, wie das sein kann. Keine andere Großveranstaltung privater Akteuere erhält staatliche Zuschüsse, die meisten Vereine und Verbände müssen ohnehin zumeist um jeden Cent staatlicher Förderung kämpfen. Aber hier richtet ein Verein sein ganz eigenes Fest aus und bekommt das zu mehr als der Hälfte vom Staat bezahlt. Kein Wunder, dass sich die Kirche da sagt: Jo mei, klasse, da können wir doch richtig auf die Kacke hauen und feiern gleich fünf Tage lang! Frei nach dem Motto des Kirchentages: &#8220;Wo dein Schatz ist, da wird auch dein Herz sein&#8221; (Matth., Bergpredigt). Wenn man also nur genug Geld reingebuttert hat, liebt man den Kirchentag ganz automatisch.<br />
Für meine Begriffe ist die Finanzierung dieses Spektakels in einem Land, das laut Grundgesetz weltanschaulich neutral ist, ein Skandal und nicht wirklich plausibel zu begründen. Künftig sollten solche Veranstaltungen von der Kirche getragen werden &#8211; oder wofür zahlen die Christen ihre Kirchensteuer? Wofür zahlt der Staat jährlich Millionen an die Kirchen?</p>
<p>Zusammenfassend bleibt festzuhalten: Auch Christsein macht noch lange keinen vernünftigen, umsichtigen Menschen, und Bescheidenheit, liebe Kirchen, sieht sowieso anders aus.</p>
[...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Lange hatte sich Dresden vorbereitet auf DAS Großereignis des Jahres, den 33. Evangelischen Kirchentag. Der liegt nun bereits längst wieder in der Vergangenheit &#8211; Gott sei dank, kann man fast sagen. Den meisten Kirchentags-Fans dürften die fünf Tage wie im Fluge vergangen sein, aus der Perspektive einer schwer arbeitenden Dresdnerin und Nichtchristin zogen sie sich hingegen wie Gummilitze.<br />
Als bei einer Dresdner Tageszeitung Tätige war ich wie viele meiner Kollegen auch natürlich im Großeinsatz &#8211; alle fünf Tage, und das auch noch krank. Das hieß, man war vorzugsweise dort, wo gerade am meisten los war und stürzte sich mitten ins Getümmel &#8211; und davon gab es zum Kirchentag reichlich bei 300000 Gästen, die die Einwohnerzahl Dresdens mal schlagartig um 50% erhöhten.<br />
Wenn man nun von Termin zu Termin muss, findet man freilich wenig Gefallen an glückstrunkenen Leuten, die Straßen und öffentliche Verkehrsmittel blockieren und die schon bei der leisesten Bitte um Rücksichtnahme eine Spaßbremse wittern. Denn das war die andere Seite des Kirchentages, die dunkle, sozusagen: Nächstenliebe &#8211; von den Kanzeln der zahlreichen Gottesdienste und Bibelarbeiten so häufig gepredigt &#8211; war etwas, das man mit Gleichgesinnten teilte. Wer ausscherte oder es gar wagte, als Einwohner und Berufstätiger ein Stück weit Normalität und Rücksichtnahme für sich einzufordern, der stieß schon mal auf Verständnislosigkeit und Renitenz.<br />
<a href="http://djane.momocat.de/2011-06-10-kirchentag-eine-geschichte-voller-missverstandnisse/kirchentag-2011-in-dresden-129096/" rel="attachment wp-att-2971"><img src="http://djane.momocat.de/wp-content/uploads/2011/06/kirchentag-2011-in-dresden-129096.jpg" alt="" title="kirchentag-2011-in-dresden-129096" width="200" height="200" class="alignright size-full wp-image-2971" /></a></p>
<p>Richard David Precht brachte dieses Verhaltensmuster am Kirchentagssonnabend in der Frauenkirche pointiert auf den Punkt: Nächstenliebe sei etwas, das den gemeinen menschlichen Verstand überfordere, der Mensch könne danach gar nicht handeln, wenn die Forderung allgemein im Raum stünde, so wie es die christliche Lehre ja formuliert. Im Grunde leben Christen also in einer Scheinwelt, in der sie Ziele formulieren, die so nicht umsetzbar sind, Precht nannte es die &#8220;Uneigentlichkeit&#8221; aufgestellter Erwartungshaltungen. Der menschlichen Natur entspreche es vielmehr, seinen Nächsten zu lieben, wenn der mich auch liebt &#8211; und deshalb liebt am Ende kaum einer irgendwen. Aber keine Angst, nicht nur Christen erliegen der Uneigentlichkeit, auch alle anderen sind nicht frei davon.</p>
<p>Als Nichtchrist und somit Kirchen-Laie erstaunt hat mich, dass es in den Kirchen und Gemeinden anscheinend nichts als Blasmusik gibt, so gut wie nie traf man bei Veranstaltungen Streicher oder Piano. Da ich keine Blasmusik mag, war also leider bereits das musikalische Erlebnis megamäßig abtörnend, zumal wenn im Prinzip überall dieselben Lieder erschallen &#8211; hier hauptsächlich der dreifache Bläserruf des Kirchentages, der bis zum Erbrechen hingeschmettert wurde.</p>
<p>Als Nichtchrist und Kirchen-Laie regelrecht erschrocken hat mich, dass ich den Kirchentag zu mehr als 50% mit meinen Steuern mitfinanzieren muss. Wenn man sich vor Augen hält, dass die Kirchen ohnehin bereits mit Mitteln aus dem Steuersäckel vom Staat unterstützt werden (außerhalb der Kirchensteuer), dann fragt man sich wirklich, wie das sein kann. Keine andere Großveranstaltung privater Akteuere erhält staatliche Zuschüsse, die meisten Vereine und Verbände müssen ohnehin zumeist um jeden Cent staatlicher Förderung kämpfen. Aber hier richtet ein Verein sein ganz eigenes Fest aus und bekommt das zu mehr als der Hälfte vom Staat bezahlt. Kein Wunder, dass sich die Kirche da sagt: Jo mei, klasse, da können wir doch richtig auf die Kacke hauen und feiern gleich fünf Tage lang! Frei nach dem Motto des Kirchentages: &#8220;Wo dein Schatz ist, da wird auch dein Herz sein&#8221; (Matth., Bergpredigt). Wenn man also nur genug Geld reingebuttert hat, liebt man den Kirchentag ganz automatisch.<br />
Für meine Begriffe ist die Finanzierung dieses Spektakels in einem Land, das laut Grundgesetz weltanschaulich neutral ist, ein Skandal und nicht wirklich plausibel zu begründen. Künftig sollten solche Veranstaltungen von der Kirche getragen werden &#8211; oder wofür zahlen die Christen ihre Kirchensteuer? Wofür zahlt der Staat jährlich Millionen an die Kirchen?</p>
<p>Zusammenfassend bleibt festzuhalten: Auch Christsein macht noch lange keinen vernünftigen, umsichtigen Menschen, und Bescheidenheit, liebe Kirchen, sieht sowieso anders aus.</p>
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		<title>Da wiehert der Amtsschimmel.</title>
		<link>http://djane.momocat.de/2010-11-06-da-wiehert-der-amtsschimmel/</link>
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		<pubDate>Sat, 06 Nov 2010 11:06:11 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Jane</dc:creator>
				<category><![CDATA[Politik und Gesellschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Skandale]]></category>
		<category><![CDATA[Sowjetischer Garnisonfriedhof Dresden]]></category>
		<category><![CDATA[Fehlplanungen]]></category>
		<category><![CDATA[Garnisonfriedhof]]></category>
		<category><![CDATA[Nordflügel]]></category>
		<category><![CDATA[Verschwendung]]></category>

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		<description><![CDATA[<p>Bekanntlich sollen ja im Sowjetischen Garnisonfriedhof die Grabsteine abgerissen werden, weil die Pflege, für die ab 2011 übrigens mit dem Amt für Stadtgründ und Abfallwirtschaft die Stadt Dresden zuständig sein soll, dann weniger aufwendig und damit billiger ist. Aber irgendwo muss man schließlich das Geld, das man anderswo ins Blaue pulvert, wieder reinholen &#8211; wieso also nicht bei den verwitterten Gräbern der ehemaligen Besatzer?</p>
<p>Denn: <a href="http://www.sz-online.de/nachrichten/artikel.asp?id=2605997">Abgerissen</a> wurde soeben in unserer schönen Stadt auch etwas ganz anderes: ein guter Teil der gerade erst für teures Geld (200.000 Euro) errichteten Flutschutzmauer in der Dresdner Friedrichstadt. Gut 20.000 Euro einfach zum Fenster rausgeworfen, weil man &#8211; sorry &#8211; schlichtweg zu blöd war, eine ordentliche Planung hinzulegen, die die an dieser Stelle geplante Straßenbahntrasse zum Messegelände berücksichtigt. </p>
<p>Weiteres Beispiel: Das sogenannte <strong>&#8220;Wiener Loch&#8221;</strong> am Dresdner Hauptbahnhof. Seit Mitte der 90er-Jahre dümpelt die riesige Baugrube als Investitionsleiche vor sich hin. Zig Nutzungsmodelle kamen und gingen &#8211; keins wurde bislang verwirklicht. Allein die Sicherung des Lochs verschlingt seit über 15 Jahren monatlich 30.000 Euro an Steuergeldern &#8211; hochgerechnet auf 15 Jahre satte 5,5 Millionen Euro. Millionen wurden bislang zusätzlich investiert &#8211; ohne, dass es zu einem Ergebnis geführt hätte, das zur Refinanzierung taugte. Der Bund der Steuerzahler hat das Millionengrab deshalb in sein <a href="http://schwarzbuch09.steuerzahler.de/schwarzbuch-laender.php?idarticle=227">Schwarzbuch</a> der Verschwendung von Steuergeldern aufgenommen. Die Baugrube erobert sich mittlerweile die Natur zurück &#8211; die wohl teuerste städtisch und staatlich geförderte<a href="http://stefanolix.wordpress.com/2010/10/10/dresdens-schoenstes-biotop-darf-nicht-der-operette-zum-opfer-fallen/"> Renaturierungsmaßnahe</a>, die es in Dresden je gegeben hat.</p>
<p>Beispiel 3: Die <strong>39. Grundschule </strong>auf der Schleiermacherstraße in Dresden-Plauen. 2005/06 wurde das über 130 Jahre alte Gebäude für mehr als eine halbe Million Euro saniert. Allerdings derart schlampig, dass die Schule nur 4 Jahre nach ihrer Wiedereröffnung im April dieses Jahres wegen akuter Einsturzgefahr erneut geschlossen werden musste. Für knapp 1 Million Euro muss die Schule nun erneut und dieses Mal so saniert werden, wie dies bereits 2006 hätte erfolgen sollen. Auf die Idee, die Statik zumindest einmal gründlich zu prüfen, ist man bei der damaligen Instandsetzung anscheinend gar nicht erst gekommen.</p>
<p>Beispiel 4: <strong>Waldschlösschenbrücke.</strong> 120 Millionen Euro sollte sie ursprünglich kosten &#8211; bei Weitem genug, das Land Sachsen wollte die Brücke mit 96 Millionen Euro bezuschussen. Die neuesten Kostenprognosen stehen dank unzähliger Planungspannen und leichtfertiger Versäumnisse der Stadt Dresden mittlerweile bei stolzen knapp 160 Millionen Euro &#8211; 40 Millionen mehr als eingangs veranschlagt. Es würde nicht verwundern, dass bei einer derart dillettantischen Planung und Durchführung der Stadt Dresden der entgültige Kostenpunkt bis zum Jahr der Fertigstellung auf 200 Millionen Euro klettern würde.</p>
<p>So hätte man dann in Dresden in nicht mal 20 Jahren mit nur vier ausgewählten Projekten stattliche knapp 100 Millionen Euro Steuergeld verschwendet, verjubelt, einfach in den Orkus geblasen &#8211; und auf einer historischen Stätte reißt man nun die Grabsteine aus der Erde, um im Jahr einen fünfstelligen Betrag an Pflegeaufwand zu sparen.<br />
Für so viel Dilettantismus stifte ich spontan den Wiehernden Amtsschimmel &#8211; den neuen Bürgerpreis für besonders ineffiziente und bigotte Finanz- und Verteilungspolitik von Kommunen.<br />
<div class="wp-caption aligncenter" style="width: 490px"><img alt="Motiv: Der Amtsschimmel von Eggebek, Karl Goldhamer www.goldhamer.de" src="http://www.zilgrei-eckernfoerde.de/Postershop/Postershop-Fotos/slides/Der%20Amtsschimmel%20von%20Eggebek.jpg" title="Motiv: Der Amtsschimmel von Eggebek, Karl Goldhamer." width="480" height="640" /><p class="wp-caption-text">Motiv: Der Amtsschimmel von Eggebek, Karl Goldhamer www.goldhamer.de</p></div></p>
<p>P. S.: Vielleicht möchte jemand eine entsprechende Büste sponsern? Den organisatorischen Part übernehme ich  <img src='http://djane.momocat.de/wp-includes/images/smilies/icon_twisted.gif' alt=':twisted:' class='wp-smiley' />  </p>
[...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Bekanntlich sollen ja im Sowjetischen Garnisonfriedhof die Grabsteine abgerissen werden, weil die Pflege, für die ab 2011 übrigens mit dem Amt für Stadtgründ und Abfallwirtschaft die Stadt Dresden zuständig sein soll, dann weniger aufwendig und damit billiger ist. Aber irgendwo muss man schließlich das Geld, das man anderswo ins Blaue pulvert, wieder reinholen &#8211; wieso also nicht bei den verwitterten Gräbern der ehemaligen Besatzer?</p>
<p>Denn: <a href="http://www.sz-online.de/nachrichten/artikel.asp?id=2605997">Abgerissen</a> wurde soeben in unserer schönen Stadt auch etwas ganz anderes: ein guter Teil der gerade erst für teures Geld (200.000 Euro) errichteten Flutschutzmauer in der Dresdner Friedrichstadt. Gut 20.000 Euro einfach zum Fenster rausgeworfen, weil man &#8211; sorry &#8211; schlichtweg zu blöd war, eine ordentliche Planung hinzulegen, die die an dieser Stelle geplante Straßenbahntrasse zum Messegelände berücksichtigt. </p>
<p>Weiteres Beispiel: Das sogenannte <strong>&#8220;Wiener Loch&#8221;</strong> am Dresdner Hauptbahnhof. Seit Mitte der 90er-Jahre dümpelt die riesige Baugrube als Investitionsleiche vor sich hin. Zig Nutzungsmodelle kamen und gingen &#8211; keins wurde bislang verwirklicht. Allein die Sicherung des Lochs verschlingt seit über 15 Jahren monatlich 30.000 Euro an Steuergeldern &#8211; hochgerechnet auf 15 Jahre satte 5,5 Millionen Euro. Millionen wurden bislang zusätzlich investiert &#8211; ohne, dass es zu einem Ergebnis geführt hätte, das zur Refinanzierung taugte. Der Bund der Steuerzahler hat das Millionengrab deshalb in sein <a href="http://schwarzbuch09.steuerzahler.de/schwarzbuch-laender.php?idarticle=227">Schwarzbuch</a> der Verschwendung von Steuergeldern aufgenommen. Die Baugrube erobert sich mittlerweile die Natur zurück &#8211; die wohl teuerste städtisch und staatlich geförderte<a href="http://stefanolix.wordpress.com/2010/10/10/dresdens-schoenstes-biotop-darf-nicht-der-operette-zum-opfer-fallen/"> Renaturierungsmaßnahe</a>, die es in Dresden je gegeben hat.</p>
<p>Beispiel 3: Die <strong>39. Grundschule </strong>auf der Schleiermacherstraße in Dresden-Plauen. 2005/06 wurde das über 130 Jahre alte Gebäude für mehr als eine halbe Million Euro saniert. Allerdings derart schlampig, dass die Schule nur 4 Jahre nach ihrer Wiedereröffnung im April dieses Jahres wegen akuter Einsturzgefahr erneut geschlossen werden musste. Für knapp 1 Million Euro muss die Schule nun erneut und dieses Mal so saniert werden, wie dies bereits 2006 hätte erfolgen sollen. Auf die Idee, die Statik zumindest einmal gründlich zu prüfen, ist man bei der damaligen Instandsetzung anscheinend gar nicht erst gekommen.</p>
<p>Beispiel 4: <strong>Waldschlösschenbrücke.</strong> 120 Millionen Euro sollte sie ursprünglich kosten &#8211; bei Weitem genug, das Land Sachsen wollte die Brücke mit 96 Millionen Euro bezuschussen. Die neuesten Kostenprognosen stehen dank unzähliger Planungspannen und leichtfertiger Versäumnisse der Stadt Dresden mittlerweile bei stolzen knapp 160 Millionen Euro &#8211; 40 Millionen mehr als eingangs veranschlagt. Es würde nicht verwundern, dass bei einer derart dillettantischen Planung und Durchführung der Stadt Dresden der entgültige Kostenpunkt bis zum Jahr der Fertigstellung auf 200 Millionen Euro klettern würde.</p>
<p>So hätte man dann in Dresden in nicht mal 20 Jahren mit nur vier ausgewählten Projekten stattliche knapp 100 Millionen Euro Steuergeld verschwendet, verjubelt, einfach in den Orkus geblasen &#8211; und auf einer historischen Stätte reißt man nun die Grabsteine aus der Erde, um im Jahr einen fünfstelligen Betrag an Pflegeaufwand zu sparen.<br />
Für so viel Dilettantismus stifte ich spontan den Wiehernden Amtsschimmel &#8211; den neuen Bürgerpreis für besonders ineffiziente und bigotte Finanz- und Verteilungspolitik von Kommunen.<br />
<div class="wp-caption aligncenter" style="width: 490px"><img alt="Motiv: Der Amtsschimmel von Eggebek, Karl Goldhamer www.goldhamer.de" src="http://www.zilgrei-eckernfoerde.de/Postershop/Postershop-Fotos/slides/Der%20Amtsschimmel%20von%20Eggebek.jpg" title="Motiv: Der Amtsschimmel von Eggebek, Karl Goldhamer." width="480" height="640" /><p class="wp-caption-text">Motiv: Der Amtsschimmel von Eggebek, Karl Goldhamer www.goldhamer.de</p></div></p>
<p>P. S.: Vielleicht möchte jemand eine entsprechende Büste sponsern? Den organisatorischen Part übernehme ich  <img src='http://djane.momocat.de/wp-includes/images/smilies/icon_twisted.gif' alt=':twisted:' class='wp-smiley' />  </p>
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		<title>UPDATE: Schleichendes Vergessen statt gelebter Aufarbeitung</title>
		<link>http://djane.momocat.de/2010-09-14-schleichendes-vergessen-statt-gelebter-aufarbeitung/</link>
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		<pubDate>Tue, 14 Sep 2010 08:40:06 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Jane</dc:creator>
				<category><![CDATA[Kultur und Kunst]]></category>
		<category><![CDATA[Neustadt]]></category>
		<category><![CDATA[Politik und Gesellschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Skandale]]></category>
		<category><![CDATA[Sowjetischer Garnisonfriedhof Dresden]]></category>
		<category><![CDATA[Besatzung]]></category>
		<category><![CDATA[Garnisonfriedhof]]></category>
		<category><![CDATA[Kaserne]]></category>
		<category><![CDATA[Militär]]></category>
		<category><![CDATA[Nordflügel]]></category>

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		<description><![CDATA[<p><strong>UPDATE:</strong>  Zum Thema des verwahrlosten Zustandes des Nordteils des Garnisonfriedhofes bzw. zu den Plänen des Freistaates, die geschichtsträchtigen Gräber zu beräumen und durch eine platz- und kostensparende Alternative zu ersetzen, erschien am 14.09., ein<a href="http://www.dnn-online.de/dresden/citynews/wer-zu-spaet-stirbt-den-bestraft-das-leben--auf-dem-garnisonfriedhof-verwahrlost-der-zivilteil/r-citynews-a-10086.html"> Artikel </a>von mir in den Dresdner Neuesten Nachrichten.</p>
<p><div id="attachment_2186" class="wp-caption aligncenter" style="width: 235px"><a href="http://djane.momocat.de/wp-content/uploads/2010/09/CIMG1081.jpg"><img src="http://djane.momocat.de/wp-content/uploads/2010/09/CIMG1081-225x300.jpg" alt="Kaum mehr als ein brachliegender Acker: Nordflügel des Garnisonfriedhofes." title="Kaum mehr als ein brachliegender Acker: Nordflügel des Garnisonfriedhofes." width="225" height="300" class="size-medium wp-image-2186" /></a><p class="wp-caption-text">Kaum mehr als ein brachliegender Acker: Nordflügel des Garnisonfriedhofes.</p></div><br />
&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;-</p>
<p><strong>Originalbeitrag:</strong></p>
<p>Der Garnisonfriedhof der Sowjetarmee an der Marienallee und die ihn umrankenden Geschichten sind momentan beherrschendes Thema in meinem beruflichen wie mittlerweile auch privaten Alltag. Seit meinem ersten Besuch auf der Anlage vor einigen Monaten (ich <a href="http://djane.momocat.de/2010-05-27-1576/">berichtete</a>) hat sich in mir der Wille gefestigt, ein gewisses Stück des Weges zurückzugehen in eine Welt, ein gesellschaftliches und politisches Klima, die mir als 1979 Geborener unbekannt geblieben sind. Wie sah sie aus, die Welt in den Kasernen der Dresdner Militärgarnison der 50er- bis 70er-Jahre? Jenen Jahren, in denen etwa tausend Sowjetsoldaten und Angehörige &#8211; Frauen und Kinder &#8211; auf dem Garnisonfriedhof an der Marienallee ihre letzte Ruhe fanden.</p>
<p>Ausgangspunkt für mein sich regendes Interesse war eigentlich die Beobachtung, dass lange nach Kriegsende, ab etwa 1951 bis Ende der 60er-Jahre, vor allem junge Soldaten niederer Dienstgrade (Rekruten, Gefreite, Unteroffiziere) zahlreich in den in Dresden und Umgebung stationierten Einheiten verstorben waren. Zu Hunderten (>500) ruhen sie primär im West- und Nordflügel des Friedhofes. Im Schnitt waren die jungen Männer zum Zeitpunkt ihres Ablebens etwa 22 Jahre alt, der jüngste erst 16, wie sich nun herausstellte.  Es drängte mich, zu erfahren, was mit ihnen geschah. Zumal auf diesem Friedhof, der anscheinend ursprünglich hauptsächlich für die Bestattung höherer Dienstgrade vorgesehen war, mit fortschreitender Zeit immer mehr junge Rekruten und immer weniger Offiziere beigesetzt wurden. In den 50er- und 60er-Jahren standen teilweise pro Jahrgang bis zu 50 Rekruten und Gefreiten nur 3 oder 4 Offiziere gegenüber. Die Entdeckung des Nordteils des Friedhofes, der mir bei der ersten Begehung gar nicht aufgefallen war, verstärkte diesen Eindruck noch.</p>
<p>Nun mag mancher argumentieren, dass das alles doch schon so lange her sei, und man die Geschichte auch einfach mal ruhen lassen sollte. Die sowjetische Besatzung und damit die Erinnerung an &#8220;die Russen&#8221; ist eben bei vielen Zeitgenossen hauptsächlich negativ besetzt, und das sicherlich auch nicht vollkommen unberechtigt. Doch ich halte diese Periode für ein Stück Heimatgeschichte, zudem eines, über das wenig bekannt ist &#8211; und sie markiert eine Schnittstelle zwischen deutscher und russischer Geschichte. Sie sollte nicht vergessen, sondern endlich aufgearbeitet werden.</p>
<p>Mehr noch drängt sich die Notwendigkeit historischer und menschlicher Aufarbeitung jener Zeit auf, als der Nordteil des Garnisonfriedhofes &#8211; trotz bestehender Verträge und Gesetze &#8211; seit Jahren der Verwahrlosung preisgegeben wird. Anfang der 2000er-Jahre wurde zwar der Hauptteil, bestehend aus Süd-, Südwest-, West-, Mittel- und Ostflügel mit Sandstein-/Beton-Stelen und den Ehrenmalen, für über 1 Million Euro aufwendig instand gesetzt. Und auch jetzt wird ein Mindestmaß an mehr oder weniger regelmäßiger Pflege gewährleistet.<br />
Doch wenn man an der Nordseite des Hauptfriedhofes am Denkmal für die Kriegsgefangenen, wo man sich eigentlich schon am Ende der Anlage angekommen wähnt, vorbeigeht, wird man gewahr, dass der Friedhof hier eine traurige Fortsetzung findet.</p>
<p><div class="wp-caption alignleft" style="width: 310px"><img  alt="Garnisonfriedhof Marienallee, Blick zum Ost- und Mittelflügel" src="http://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/b/bb/Dresden_Sowjetischer_Friedhof_1.jpg" title="Garnisonfriedhof Marienallee, Blick zum Ost- und Mittelflügel" width="300" height="225"  displayexif=".DISPEXIF_26484" /><p class="wp-caption-text">Garnisonfriedhof Marienallee, Blick zum Ost- und Mittelflügel</p></div><br />
<div id="attachment_1577" class="wp-caption alignright" style="width: 310px"><a href="http://djane.momocat.de/wp-content/uploads/2010/05/016.jpg"><img src="http://djane.momocat.de/wp-content/uploads/2010/05/016-300x225.jpg" alt="Garnisonfriedhof Westflügel mit Blickrichtung zur Mitte" title="Garnisonfriedhof Westflügel mit Blickrichtung zur Mitte" width="300" height="225" class="size-medium wp-image-1577" /></a><p class="wp-caption-text">Garnisonfriedhof Westflügel mit Blickrichtung zur Mitte</p></div></p>
<p>Das nördliche Areal befindet sich in einem absolut unwürdigen, desolaten Zustand. Es beherbergt &#8211; soweit ich sie erfassen konnte &#8211; etwa 400-450 Soldatengräber ausschließlich junger Männer im Alter von 16-26 Jahren in einfachen Dienstgraden sowie etwa 150 Gräber von Frauen und Kindern aller Altersstufen. Hier sucht man aufwendige Stelen aus Beton oder gar Sandstein vergeblich. Stattdessen dominieren aufs zweite, genauere Hinsehen schlichte Platten aus rotem Granit das Bild, mal klein, mal größer, mal stehend, hauptsächlich jedoch flach im Boden liegend. Doch die Einfachheit des Materials geht auch mit ausgesprochener Robustheit einher &#8211; diesem Umstand dürfte es auch gedankt sein, dass die Grabplatten der Verwahrlosung bislang gut standhielten.<br />
Die ältesten Gräber im Nordteil stammen von 1952. Allein im Jahr 1953 wurden über 65 junge Rekruten zwischen 17 und 25 Jahren, die in/um Dresden während ihres Militärdienstes starben, hier begraben, 1954 waren es gar 95, in den 60er-Jahren waren es immerhin noch pro Jahr um die 25. Das jüngste Grab ist von 1987 &#8211; ein kleines Mädchen. Im Nordteil ruhen auch die beiden letzten auf dem Garnisonfriedhof bestatteten Soldaten aus dem Jahr 1973. Was mit jenen geschah, die ein ähnliches Schicksal nach 1973 ereilte, ist nach wie vor ungewiss. Anscheinend wurden viele auf städtischen Friedhöfen oder innerhalb der Kasernenmauern beigesetzt, wie mir aus gut informierten Kreisen zugetragen wurde.</p>
<p>Im Nordteil des Friedhofes liegen die meisten Grabmale mittlerweile halb oder ganz unter Erde und Pflanzen versteckt, manche sind vollkommen von ausufernden Sträuchern umwachsen und gar nicht mehr zugänglich. Auch fehlt ein stabiler Zaun zur Dresdner Heide hin &#8211; die Folge: Schwarzwild hat auf dem gesamten Friedhofsgelände, vor allem jedoch auf dem Nordteil, schwere Schäden in Form aufgewühlter Erde und dadurch verschütteter Grabmale verursacht.<br />
<div id="attachment_2036" class="wp-caption alignleft" style="width: 235px"><a href="http://djane.momocat.de/wp-content/uploads/2010/08/032.jpg"><img src="http://djane.momocat.de/wp-content/uploads/2010/08/032-225x300.jpg" alt="Garnisonfriedhof, Nordflügel in desolatem Zustand" title="Garnisonfriedhof, Nordflügel in desolatem Zustand" width="225" height="300" class="size-medium wp-image-2036" /></a><p class="wp-caption-text">Garnisonfriedhof, Nordflügel in desolatem Zustand</p></div></p>
<p><div id="attachment_2033" class="wp-caption aligncenter" style="width: 235px"><a href="http://djane.momocat.de/wp-content/uploads/2010/08/030.jpg"><img src="http://djane.momocat.de/wp-content/uploads/2010/08/030-225x300.jpg" alt="Garnisonfriedhof Nordflügel in desolatem Zustand" title="Garnisonfriedhof Nordflügel in desolatem Zustand" width="225" height="300" class="size-medium wp-image-2033" /></a><p class="wp-caption-text">Garnisonfriedhof Nordflügel in desolatem Zustand</p></div><br />
<div id="attachment_2036" class="wp-caption alignright" style="width: 235px"><a href="http://djane.momocat.de/wp-content/uploads/2010/08/033.jpg"><img src="http://djane.momocat.de/wp-content/uploads/2010/08/033-225x300.jpg" alt="Nordflügel, Gräber sind teils verschüttet und überwuchert" title="Nordflügel, Gräber sind teils verschüttet und überwuchert" width="225" height="300" class="size-medium wp-image-2036" /></a><p class="wp-caption-text">Nordflügel, Gräber sind teils verschüttet und überwuchert</p></div></p>
<p>Das Land Sachsen, dem die Pflege und der Erhalt der Kriegsgräberstätte bzw. der Ruhestätten von Opfern von Gewalt und Willkürherrschaft obliegen, hat hier seit Jahren nichts getan, um dem schleichenden Verfall und der Verwahrlosung Einhalt zu gebieten. Weder wird das Eindringen von Wild durch Einhegung verhindert, noch werden Büsche und Hecken zurückgeschnitten oder gar Wege freigelegt. Besucher stolpern durch wildes Gestrüpp, kniehohes Gras und ackerähnlichen Boden. Teilweise musste ich dort, wo ich welche vermutete, Grabplatten durch Graben mit den Füßen und einem Schippchen freilegen, um sie erfassen zu können &#8211; ein trauriger Anblick.<br />
Wie müssen Angehörige der Toten empfinden, die nach Jahrzehnten endlich den Weg nach Deutschland finden und einen Besuch am Grab des Angehörigen damit verbinden wollen? Wie haben wohl die Angehörigen des Rekruten Rodin (†19, 1955) empfunden, als sie sein Grab vor Kurzem inmitten unwegsamen, verwilderten Geländes unter Erde und überwuchert von Unkraut vorfanden? Die Grabplatte im Boden wurde liebevoll großflächig von Dreck und Unkraut freigeräumt und mit frischen Blumen geschmückt, während man die benachbarten Platten weiterhin mit der Lupe unter Erde und Wiese suchen muss.</p>
<div id="attachment_2020" class="wp-caption alignleft" style="width: 310px"><a href="http://djane.momocat.de/wp-content/uploads/2010/08/0181.jpg"><img src="http://djane.momocat.de/wp-content/uploads/2010/08/0181-300x225.jpg" alt="Grab Rekrut Rodin (1955), Nordflügel Garnisonfriedhof" title="Grab Rekrut Rodin (1955), Nordflügel Garnisonfriedhof" width="300" height="225" class="size-medium wp-image-2020" /></a><p class="wp-caption-text">Freigeräumt - Liebevolle Erinnerung inmitten des Vergessens.</p></div>
<p>Alles in diesem Friedhofsteil atmet auf fast unerträgliche Art Vergessen. Viele der dort bestatteten sehr jungen Menschen dürften nach bisherigen Erkenntnissen den rauen, teils menschenunwürdigen Lebensumständen innerhalb des sowjetischen Militärs zum Opfer gefallen sein, in dem ein Menschenleben oft nicht viel zählte &#8211; was übrigens noch heute so ist. Sie ereilte ein einsames Ende weit ab von Heimat und Familie. Sollte man ihnen nicht wenigstens im Tod ein Mindestmaß an Respekt entgegenbringen und ihnen die Ehre einer bescheidenen Grabpflege erweisen?<br />
<div id="attachment_2043" class="wp-caption alignright" style="width: 310px"><a href="http://djane.momocat.de/wp-content/uploads/2010/08/019.jpg"><img src="http://djane.momocat.de/wp-content/uploads/2010/08/019-300x225.jpg" alt="Freigelegt: Grab mit Bildnis des Gefreiten Malkin (21)" title="Freigelegt: Grab mit Bildnis des Gefreiten Malkin (21)" width="300" height="225" class="size-medium wp-image-2043" /></a><p class="wp-caption-text">Freigelegt: Grab mit Bildnis des Gefreiten Malkin (21)</p></div></p>
<div class="dispexif_hidden DISPEXIF_26484" style="display: none;" ><div class="dispexif_raw" ><div class="dispexif_title" >Manufacturer</div><div class="dispexif_desc" >EASTMAN KODAK COMPANY</div></div><div class="dispexif_raw" ><div class="dispexif_title" >Model Name</div><div class="dispexif_desc" >KODAK Z740 ZOOM DIGITAL CAMERA</div></div><div class="dispexif_raw" ><div class="dispexif_title" >Exposure Program</div><div class="dispexif_desc" >Normal Program</div></div><div class="dispexif_raw" ><div class="dispexif_title" >Exposure Time</div><div class="dispexif_desc" >1/750</div></div><div class="dispexif_raw" ><div class="dispexif_title" >F Number</div><div class="dispexif_desc" >2.8</div></div><div class="dispexif_raw" ><div class="dispexif_title" >ISO</div><div class="dispexif_desc" >80</div></div><div class="dispexif_raw" ><div class="dispexif_title" >Focal Length</div><div class="dispexif_desc" >6.3mm</div></div><div class="dispexif_raw" ><div class="dispexif_title" >Metering Mode</div><div class="dispexif_desc" >Pattern</div></div><div class="dispexif_raw" ><div class="dispexif_title" >Title</div><div class="dispexif_desc" >Garnisonfriedhof Marienallee, Blick zum Ost- und Mittelflügel</div></div></div>[...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>UPDATE:</strong>  Zum Thema des verwahrlosten Zustandes des Nordteils des Garnisonfriedhofes bzw. zu den Plänen des Freistaates, die geschichtsträchtigen Gräber zu beräumen und durch eine platz- und kostensparende Alternative zu ersetzen, erschien am 14.09., ein<a href="http://www.dnn-online.de/dresden/citynews/wer-zu-spaet-stirbt-den-bestraft-das-leben--auf-dem-garnisonfriedhof-verwahrlost-der-zivilteil/r-citynews-a-10086.html"> Artikel </a>von mir in den Dresdner Neuesten Nachrichten.</p>
<p><div id="attachment_2186" class="wp-caption aligncenter" style="width: 235px"><a href="http://djane.momocat.de/wp-content/uploads/2010/09/CIMG1081.jpg"><img src="http://djane.momocat.de/wp-content/uploads/2010/09/CIMG1081-225x300.jpg" alt="Kaum mehr als ein brachliegender Acker: Nordflügel des Garnisonfriedhofes." title="Kaum mehr als ein brachliegender Acker: Nordflügel des Garnisonfriedhofes." width="225" height="300" class="size-medium wp-image-2186" /></a><p class="wp-caption-text">Kaum mehr als ein brachliegender Acker: Nordflügel des Garnisonfriedhofes.</p></div><br />
&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;-</p>
<p><strong>Originalbeitrag:</strong></p>
<p>Der Garnisonfriedhof der Sowjetarmee an der Marienallee und die ihn umrankenden Geschichten sind momentan beherrschendes Thema in meinem beruflichen wie mittlerweile auch privaten Alltag. Seit meinem ersten Besuch auf der Anlage vor einigen Monaten (ich <a href="http://djane.momocat.de/2010-05-27-1576/">berichtete</a>) hat sich in mir der Wille gefestigt, ein gewisses Stück des Weges zurückzugehen in eine Welt, ein gesellschaftliches und politisches Klima, die mir als 1979 Geborener unbekannt geblieben sind. Wie sah sie aus, die Welt in den Kasernen der Dresdner Militärgarnison der 50er- bis 70er-Jahre? Jenen Jahren, in denen etwa tausend Sowjetsoldaten und Angehörige &#8211; Frauen und Kinder &#8211; auf dem Garnisonfriedhof an der Marienallee ihre letzte Ruhe fanden.</p>
<p>Ausgangspunkt für mein sich regendes Interesse war eigentlich die Beobachtung, dass lange nach Kriegsende, ab etwa 1951 bis Ende der 60er-Jahre, vor allem junge Soldaten niederer Dienstgrade (Rekruten, Gefreite, Unteroffiziere) zahlreich in den in Dresden und Umgebung stationierten Einheiten verstorben waren. Zu Hunderten (>500) ruhen sie primär im West- und Nordflügel des Friedhofes. Im Schnitt waren die jungen Männer zum Zeitpunkt ihres Ablebens etwa 22 Jahre alt, der jüngste erst 16, wie sich nun herausstellte.  Es drängte mich, zu erfahren, was mit ihnen geschah. Zumal auf diesem Friedhof, der anscheinend ursprünglich hauptsächlich für die Bestattung höherer Dienstgrade vorgesehen war, mit fortschreitender Zeit immer mehr junge Rekruten und immer weniger Offiziere beigesetzt wurden. In den 50er- und 60er-Jahren standen teilweise pro Jahrgang bis zu 50 Rekruten und Gefreiten nur 3 oder 4 Offiziere gegenüber. Die Entdeckung des Nordteils des Friedhofes, der mir bei der ersten Begehung gar nicht aufgefallen war, verstärkte diesen Eindruck noch.</p>
<p>Nun mag mancher argumentieren, dass das alles doch schon so lange her sei, und man die Geschichte auch einfach mal ruhen lassen sollte. Die sowjetische Besatzung und damit die Erinnerung an &#8220;die Russen&#8221; ist eben bei vielen Zeitgenossen hauptsächlich negativ besetzt, und das sicherlich auch nicht vollkommen unberechtigt. Doch ich halte diese Periode für ein Stück Heimatgeschichte, zudem eines, über das wenig bekannt ist &#8211; und sie markiert eine Schnittstelle zwischen deutscher und russischer Geschichte. Sie sollte nicht vergessen, sondern endlich aufgearbeitet werden.</p>
<p>Mehr noch drängt sich die Notwendigkeit historischer und menschlicher Aufarbeitung jener Zeit auf, als der Nordteil des Garnisonfriedhofes &#8211; trotz bestehender Verträge und Gesetze &#8211; seit Jahren der Verwahrlosung preisgegeben wird. Anfang der 2000er-Jahre wurde zwar der Hauptteil, bestehend aus Süd-, Südwest-, West-, Mittel- und Ostflügel mit Sandstein-/Beton-Stelen und den Ehrenmalen, für über 1 Million Euro aufwendig instand gesetzt. Und auch jetzt wird ein Mindestmaß an mehr oder weniger regelmäßiger Pflege gewährleistet.<br />
Doch wenn man an der Nordseite des Hauptfriedhofes am Denkmal für die Kriegsgefangenen, wo man sich eigentlich schon am Ende der Anlage angekommen wähnt, vorbeigeht, wird man gewahr, dass der Friedhof hier eine traurige Fortsetzung findet.</p>
<p><div class="wp-caption alignleft" style="width: 310px"><img  alt="Garnisonfriedhof Marienallee, Blick zum Ost- und Mittelflügel" src="http://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/b/bb/Dresden_Sowjetischer_Friedhof_1.jpg" title="Garnisonfriedhof Marienallee, Blick zum Ost- und Mittelflügel" width="300" height="225"  displayexif=".DISPEXIF_84292" /><p class="wp-caption-text">Garnisonfriedhof Marienallee, Blick zum Ost- und Mittelflügel</p></div><br />
<div id="attachment_1577" class="wp-caption alignright" style="width: 310px"><a href="http://djane.momocat.de/wp-content/uploads/2010/05/016.jpg"><img src="http://djane.momocat.de/wp-content/uploads/2010/05/016-300x225.jpg" alt="Garnisonfriedhof Westflügel mit Blickrichtung zur Mitte" title="Garnisonfriedhof Westflügel mit Blickrichtung zur Mitte" width="300" height="225" class="size-medium wp-image-1577" /></a><p class="wp-caption-text">Garnisonfriedhof Westflügel mit Blickrichtung zur Mitte</p></div></p>
<p>Das nördliche Areal befindet sich in einem absolut unwürdigen, desolaten Zustand. Es beherbergt &#8211; soweit ich sie erfassen konnte &#8211; etwa 400-450 Soldatengräber ausschließlich junger Männer im Alter von 16-26 Jahren in einfachen Dienstgraden sowie etwa 150 Gräber von Frauen und Kindern aller Altersstufen. Hier sucht man aufwendige Stelen aus Beton oder gar Sandstein vergeblich. Stattdessen dominieren aufs zweite, genauere Hinsehen schlichte Platten aus rotem Granit das Bild, mal klein, mal größer, mal stehend, hauptsächlich jedoch flach im Boden liegend. Doch die Einfachheit des Materials geht auch mit ausgesprochener Robustheit einher &#8211; diesem Umstand dürfte es auch gedankt sein, dass die Grabplatten der Verwahrlosung bislang gut standhielten.<br />
Die ältesten Gräber im Nordteil stammen von 1952. Allein im Jahr 1953 wurden über 65 junge Rekruten zwischen 17 und 25 Jahren, die in/um Dresden während ihres Militärdienstes starben, hier begraben, 1954 waren es gar 95, in den 60er-Jahren waren es immerhin noch pro Jahr um die 25. Das jüngste Grab ist von 1987 &#8211; ein kleines Mädchen. Im Nordteil ruhen auch die beiden letzten auf dem Garnisonfriedhof bestatteten Soldaten aus dem Jahr 1973. Was mit jenen geschah, die ein ähnliches Schicksal nach 1973 ereilte, ist nach wie vor ungewiss. Anscheinend wurden viele auf städtischen Friedhöfen oder innerhalb der Kasernenmauern beigesetzt, wie mir aus gut informierten Kreisen zugetragen wurde.</p>
<p>Im Nordteil des Friedhofes liegen die meisten Grabmale mittlerweile halb oder ganz unter Erde und Pflanzen versteckt, manche sind vollkommen von ausufernden Sträuchern umwachsen und gar nicht mehr zugänglich. Auch fehlt ein stabiler Zaun zur Dresdner Heide hin &#8211; die Folge: Schwarzwild hat auf dem gesamten Friedhofsgelände, vor allem jedoch auf dem Nordteil, schwere Schäden in Form aufgewühlter Erde und dadurch verschütteter Grabmale verursacht.<br />
<div id="attachment_2036" class="wp-caption alignleft" style="width: 235px"><a href="http://djane.momocat.de/wp-content/uploads/2010/08/032.jpg"><img src="http://djane.momocat.de/wp-content/uploads/2010/08/032-225x300.jpg" alt="Garnisonfriedhof, Nordflügel in desolatem Zustand" title="Garnisonfriedhof, Nordflügel in desolatem Zustand" width="225" height="300" class="size-medium wp-image-2036" /></a><p class="wp-caption-text">Garnisonfriedhof, Nordflügel in desolatem Zustand</p></div></p>
<p><div id="attachment_2033" class="wp-caption aligncenter" style="width: 235px"><a href="http://djane.momocat.de/wp-content/uploads/2010/08/030.jpg"><img src="http://djane.momocat.de/wp-content/uploads/2010/08/030-225x300.jpg" alt="Garnisonfriedhof Nordflügel in desolatem Zustand" title="Garnisonfriedhof Nordflügel in desolatem Zustand" width="225" height="300" class="size-medium wp-image-2033" /></a><p class="wp-caption-text">Garnisonfriedhof Nordflügel in desolatem Zustand</p></div><br />
<div id="attachment_2036" class="wp-caption alignright" style="width: 235px"><a href="http://djane.momocat.de/wp-content/uploads/2010/08/033.jpg"><img src="http://djane.momocat.de/wp-content/uploads/2010/08/033-225x300.jpg" alt="Nordflügel, Gräber sind teils verschüttet und überwuchert" title="Nordflügel, Gräber sind teils verschüttet und überwuchert" width="225" height="300" class="size-medium wp-image-2036" /></a><p class="wp-caption-text">Nordflügel, Gräber sind teils verschüttet und überwuchert</p></div></p>
<p>Das Land Sachsen, dem die Pflege und der Erhalt der Kriegsgräberstätte bzw. der Ruhestätten von Opfern von Gewalt und Willkürherrschaft obliegen, hat hier seit Jahren nichts getan, um dem schleichenden Verfall und der Verwahrlosung Einhalt zu gebieten. Weder wird das Eindringen von Wild durch Einhegung verhindert, noch werden Büsche und Hecken zurückgeschnitten oder gar Wege freigelegt. Besucher stolpern durch wildes Gestrüpp, kniehohes Gras und ackerähnlichen Boden. Teilweise musste ich dort, wo ich welche vermutete, Grabplatten durch Graben mit den Füßen und einem Schippchen freilegen, um sie erfassen zu können &#8211; ein trauriger Anblick.<br />
Wie müssen Angehörige der Toten empfinden, die nach Jahrzehnten endlich den Weg nach Deutschland finden und einen Besuch am Grab des Angehörigen damit verbinden wollen? Wie haben wohl die Angehörigen des Rekruten Rodin (†19, 1955) empfunden, als sie sein Grab vor Kurzem inmitten unwegsamen, verwilderten Geländes unter Erde und überwuchert von Unkraut vorfanden? Die Grabplatte im Boden wurde liebevoll großflächig von Dreck und Unkraut freigeräumt und mit frischen Blumen geschmückt, während man die benachbarten Platten weiterhin mit der Lupe unter Erde und Wiese suchen muss.</p>
<div id="attachment_2020" class="wp-caption alignleft" style="width: 310px"><a href="http://djane.momocat.de/wp-content/uploads/2010/08/0181.jpg"><img src="http://djane.momocat.de/wp-content/uploads/2010/08/0181-300x225.jpg" alt="Grab Rekrut Rodin (1955), Nordflügel Garnisonfriedhof" title="Grab Rekrut Rodin (1955), Nordflügel Garnisonfriedhof" width="300" height="225" class="size-medium wp-image-2020" /></a><p class="wp-caption-text">Freigeräumt - Liebevolle Erinnerung inmitten des Vergessens.</p></div>
<p>Alles in diesem Friedhofsteil atmet auf fast unerträgliche Art Vergessen. Viele der dort bestatteten sehr jungen Menschen dürften nach bisherigen Erkenntnissen den rauen, teils menschenunwürdigen Lebensumständen innerhalb des sowjetischen Militärs zum Opfer gefallen sein, in dem ein Menschenleben oft nicht viel zählte &#8211; was übrigens noch heute so ist. Sie ereilte ein einsames Ende weit ab von Heimat und Familie. Sollte man ihnen nicht wenigstens im Tod ein Mindestmaß an Respekt entgegenbringen und ihnen die Ehre einer bescheidenen Grabpflege erweisen?<br />
<div id="attachment_2043" class="wp-caption alignright" style="width: 310px"><a href="http://djane.momocat.de/wp-content/uploads/2010/08/019.jpg"><img src="http://djane.momocat.de/wp-content/uploads/2010/08/019-300x225.jpg" alt="Freigelegt: Grab mit Bildnis des Gefreiten Malkin (21)" title="Freigelegt: Grab mit Bildnis des Gefreiten Malkin (21)" width="300" height="225" class="size-medium wp-image-2043" /></a><p class="wp-caption-text">Freigelegt: Grab mit Bildnis des Gefreiten Malkin (21)</p></div></p>
<div class="dispexif_hidden DISPEXIF_84292" style="display: none;" ><div class="dispexif_raw" ><div class="dispexif_title" >Manufacturer</div><div class="dispexif_desc" >EASTMAN KODAK COMPANY</div></div><div class="dispexif_raw" ><div class="dispexif_title" >Model Name</div><div class="dispexif_desc" >KODAK Z740 ZOOM DIGITAL CAMERA</div></div><div class="dispexif_raw" ><div class="dispexif_title" >Exposure Program</div><div class="dispexif_desc" >Normal Program</div></div><div class="dispexif_raw" ><div class="dispexif_title" >Exposure Time</div><div class="dispexif_desc" >1/750</div></div><div class="dispexif_raw" ><div class="dispexif_title" >F Number</div><div class="dispexif_desc" >2.8</div></div><div class="dispexif_raw" ><div class="dispexif_title" >ISO</div><div class="dispexif_desc" >80</div></div><div class="dispexif_raw" ><div class="dispexif_title" >Focal Length</div><div class="dispexif_desc" >6.3mm</div></div><div class="dispexif_raw" ><div class="dispexif_title" >Metering Mode</div><div class="dispexif_desc" >Pattern</div></div><div class="dispexif_raw" ><div class="dispexif_title" >Title</div><div class="dispexif_desc" >Garnisonfriedhof Marienallee, Blick zum Ost- und Mittelflügel</div></div></div>]]></content:encoded>
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		<title>Mein Beitrag zur Sarrazin-Kontroverse: kurz und schmerzlos.</title>
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		<pubDate>Sat, 04 Sep 2010 11:04:29 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Jane</dc:creator>
				<category><![CDATA[Menschenrechte]]></category>
		<category><![CDATA[Politik und Gesellschaft]]></category>
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		<description><![CDATA[<p><img alt="" src="http://img1.imagebanana.com/img/u4y11vt6/thilo_sarrazin_608635.jpg" class="aligncenter" width="220" height="350" /></p>
<p>oder&#8230;<br />
Wie kann eigentlich jemand so viele Un- und Halbwahrheiten verbreiten mit der Absicht, Menschen einer bestimmten Kultur zu Untermenschen innerhalb der Gesellschaft zu stempeln,<strong> OHNE</strong> dabei <strong>ROT</strong> zu werden?<br />
Art und wIEse findet, das geht so nicht:<br />
<img alt="" src="http://www.seemoz.de/wp-content/uploads/2010/08/800px-Thilo_Sarrazin030709.jpg" class="aligncenter" width="400" height="250" /></p>
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<p>oder&#8230;<br />
Wie kann eigentlich jemand so viele Un- und Halbwahrheiten verbreiten mit der Absicht, Menschen einer bestimmten Kultur zu Untermenschen innerhalb der Gesellschaft zu stempeln,<strong> OHNE</strong> dabei <strong>ROT</strong> zu werden?<br />
Art und wIEse findet, das geht so nicht:<br />
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		<title>Zwei Anklagen,  zwei völlig unterschiedliche Arten der Strafverfolgung, und am Ende steht die Freiheit.</title>
		<link>http://djane.momocat.de/2010-08-01-zwei-anklagen-zwei-vollig-unterschiedliche-arten-der-strafverfolgung-und-am-ende-steht-die-freiheit/</link>
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		<pubDate>Sun, 01 Aug 2010 14:42:27 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Jane</dc:creator>
				<category><![CDATA[Kultur und Kunst]]></category>
		<category><![CDATA[Politik und Gesellschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Skandale]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://djane.momocat.de/?p=1954</guid>
		<description><![CDATA[<p>Im Juli kamen zwei Männer nach gleich lautender Anklage frei &#8211; wenn auch die Fälle aus völlig verschiedenen Zeiten datieren und die Geschichte, insbesondere der Strafverfolgung, der beiden Angeklagten unterschiedlicher nicht hätte sein können. Die Rede ist von Roman Polanski, millionenschwerer Hollywood-Regisseur, vielgefeierter Star, und Jörg Kachelmann, ARD-Wetterkönig und Riverboat-Moderator.</p>
<p>Beide waren wegen desselben Verbrechens angeklagt: Vergewaltigung. Bei Kachelmann sogar im besonders schweren Fall in Tateinheit mit schwerer Körperverletzung. Beide sind nunmehr auf freiem Fuß &#8211; mit unterschiedlichem Werdegang.</p>
<p>Rückblick. Roman Polanski vergewaltigte im Jahr 1977 in der Villa des Hollywood-Schauspielers Jack Nicholson ein erst 13-jähriges Mädchen, nachdem er es zuvor mit Drogen und Alkohol gefügig gemacht hatte. Ein klarer<a href="http://djane.momocat.de/2009-09-30-460/"> Fall</a> von Kindesmissbrauch und Vergewaltigung. Eine niederträchtige Tat zur Befriedigung des Sexualtriebes. Polanski hatte die Tat gestanden, um die Chancen auf einen Deal zu erhöhen, der ihn mit einem kürzeren Aufenthalt in einer psychiatrischen Klinik hätte davonkommen lassen. Als er kurz vor Prozessauftakt davon Wind bekam, dass der Deal wohl platzen würde, nutzte er die Gelegenheit zur Flucht nach Frankreich. Niemand hinderte ihn, niemand lieferte ihn aus, mehr als 30 Jahre lang. 30 Jahre, in denen Polanski Karriere machte, Oscars gewann, zum weltweiten Star avancierte. 30 Jahre, in denen er dem damaligen Opfer höchstwahrscheinlich großzügige Entschädigungsgelder zahlte, denn Samantha Gailey setzte sich in der Vergangenheit sogar öffentlich in den Medien für eine Verschonung Polanskis ein &#8211; ein mehr als untypisches Verhalten für Vergewaltigungsopfer, die in den meisten Fällen von Hass- und Ekelgefühlen ihren Peinigern gegenüber geschlagen sind.</p>
<p><div class="wp-caption alignleft" style="width: 135px"><img alt="Roman Polanski 1975" src="http://www.wga.org/uploadedImages/writtenby/RomanPolanski_1975.jpg" title="Roman Polanski 1975" width="125" height="171" /><p class="wp-caption-text">Roman Polanski 1975. Quelle: written by.</p></div><br />
Trotz des offensichtlichen Verbrechens und seiner Schwere konnte Polanski über 30 Jahre lang unbehelligt von Strafverfolgung im französischen Exil leben, nahm sogar die französische Staatsbürgerschaft an. Bis die Falle im September 2009 in der Schweiz zuschnappte. Doch wer geglaubt hätte, der Vergewaltiger eines Kindes würde nun endlich seiner gerechten Strafe zugeführt, der irrte. Nach einigen Wochen im Gefängnis erlaubte man dem Weltstar gegen eine saftige Kaution, die Gefängniszelle mit seinem Schweizer Chalet zu tauschen. Ist das die Behandlung, die einem jahrzehntelang flüchtigen Sexualverbrecher von Rechts wegen gebührt? Die Auslieferung Polanskis lehnte die Schweiz offiziell wegen angeblich fehlender Papiere ab.<br />
Seit Mitte Juli ist Polanski nun offiziell wieder ein freier Mann &#8211; ein nachweislicher Sexualstraftäter, der eine Minderjährige vergewaltigte und dafür nie eine Strafe gesehen hat, wird einfach in die Freiheit entlassen. Gründe? Die Schweizer Justizministerin Widmer-Schlumpf sagte zum Fall Polanski:</p>
<blockquote><p>Ich beurteile nicht Schuld oder Unschuld von Herrn Polanski.</p></blockquote>
<p>Dieser Satz brachte viele Befürworter einer gerechten Strafzuführung auf die Palme, denn über Schuld oder Unschuld von Polanski war längst befunden worden, es ging seinerzeit in den USA nur noch um die Höhe des Strafmaßes. So hat die Schweiz vor wenigen Wochen wohlwissentlich einen flüchtigen Sexualstraftäter in die Freiheit entlassen &#8211; ein Skandal ohne Gleichen. Auch wenn der Täter schon 76 Jahre alt ist: Das gute Leben, das ihm in den letzten 30 Jahren vergönnt war, hat wesentlich dazu beigetragen, dass Polanski sich in einer außergewöhnlich guten körperlichen Konstitution für einen Mitte-70-Jährigen befindet. Umso unbegreiflicher, zumal Polanski sich bis heute vielmehr selbst als Opfer von antisemitischen und Neid-Kampagnen seitens der US-Justiz und der Medien begreift, statt irgendein Schuldbewusstsein und Einsicht in die Schwere seiner Tat entwickelt zu haben. Dass solch ein Mann über Jahrzehnte ein Leben in völliger Öffentlichkeit und in Saus und Braus führen konnte, ohne von irgendwelchen international verbindlichen Haftbefehlen beeinträchtigt zu werden, und nun &#8211; wo er doch einmal gefasst war &#8211; vorsätzlich wieder in Freiheit entlassen wurde, verdient meiner Ansicht nach das Prädikat &#8220;Justizskandal des 19. Jahrhunderts&#8221;. Vielleicht sollte die Schweiz erwägen, allen ihren verurteilten Sexverbrechern ein derartiges Privileg der Straffreiheit zuteil werden zu lassen.</p>
<p>Ganz anders gelagert, wenn auch mit ähnlichen Anklagepunkten ausgestattet: der Fall Jörg Kachelmann in Deutschland. Der allseits (anscheinend vor allem auch bei der Damenwelt) beliebte Wettermoderator wurde im März nach seiner Rückkehr von den Olympischen Spielen in Vancouver noch am Flughafen festgenommen. Der Vorwurf: Kachelmann sollte im Februar seine damalige Lebensgefährtin nach einem Streit über vermeintliche Affären des TV-Stars vergewaltigt und ihr dabei ein Messer an die Kehle gehalten haben. Jörg Kachelmann kam umgehend in Untersuchungshaft. Anders als im Fall Polanski etwa wurde er aus dieser auch nicht gegen Zahlung einer Kaution oder Ähnlichem vorzeitig entlassen, Begründung: Fluchtgefahr. </p>
<p><img alt="Jörg Kachelmann am Tag seiner Freilassung. Quelle: Süddeutsche Zeitung." src="http://polpix.sueddeutsche.com/polopoly_fs/1.981511.1280409791!/image/image.jpg_gen/derivatives/536x200/image.jpg" title="Jörg Kachelmann am Tag seiner Freilassung. " class="aligncenter" width="536" height="200" /><br />
Hätte man Polanski nicht vorzeitig aus der Psychiatrie entlassen bzw. ihn stattdessen umgehend in Untersuchungshaft überführt, hätte er niemals fliehen und sich so seiner Strafe entziehen können. Wäre der Täter ein gewöhnlicher Arbeiter oder gar ein Schwarzer gewesen, er wäre auch nie auf freien Fuß gekommen. so viel darf man wohl mit Blick auf die gängige Praxis der US-Strafjustiz feststellen. Stattdessen wurden Polanski offensichtlich schon damals aufgrund seiner Prominenz Privilegien eingeräumt.</p>
<p>Weit gefehlt im Fall Kachelmann. Der Wetterfrosch saß insgesamt mehr als vier Monate lang in Untersuchungshaft und das, nachdem sich im Grunde bereits im April Zweifel hinsichtlich der Aussagen und Vorwürfe des vorgeblichen Opfers zum Tathergang ergaben. Im Gegensatz zum Fall Polanski war hier also zu keinem Zeitpunkt einwandfrei von einer Schuld Kachelmanns auszugehen &#8211; dennoch blieb der durchaus der Prominenz Zuzuordnende in Haft. Und dennoch: Diese Art der Strafverfolgung ist konsequent, neutral und den Vorwürfen absolut angemessen.<br />
Frei kam Kachelmann nun letzte Woche schließlich doch noch &#8211; nicht, weil er einwandfrei unschuldig wäre, sondern schlicht und ergreifend, weil sich die Vorwürfe der Anklage als widerspruchsbehaftet und teils unglaubwürdig erwiesen hatten.</p>
<p>Im Fall Polanski dagegen stand zu keiner Zeit nach dem Ermittlungsprozess vor über 30 Jahren die Frage, ob der Regisseur schuldig oder unschuldig sei, denn diese Frage war einwandfrei geklärt worden. Dennoch führte der Mann 30 Jahre lang und wie es scheint wohl bis an sein Lebensende ein Leben in Freiheit, ohne jemals für seine Tat bestraft worden zu sein, die eventuell nur die Spitze eines Eisberges sein könnte.<br />
Denn nach der Freilassung Polanskis kamen <a href="http://www.welt.de/die-welt/vermischtes/article8703570/Neue-Vorwuerfe-gegen-Regisseur-Roman-Polanski.html">neue Vorwürfe</a> gegen den Hollywood-Star auf. Mit 21 sei das ehemalige Model Edith Vogelhut (57) von Polanski nach einer Party abermals in der Villa von Jack Nicholson vergewaltigt worden. Sie hätte sogar eindeutig Sex mit Polanski erwartet, sei aber in der Villa dann gegen ihren Willen brutal gefesselt und vergewaltigt worden. Die Schauspielerin Charlotte Lewis (42) <a href="http://www.huffingtonpost.com/2010/05/14/charlotte-lewis-polanski-_n_576800.html">will</a> mit 16 Jahren von Polanski missbraucht worden sein. Kein Mensch weiß bislang, ob diese Vorwürfe stimmen und es wird sich mit Sicherheit auch nicht mehr feststellen lassen. Allerdings lassen sie die Freilassung dieses Menschen auch vor dem Hintergrund, dass Sexualstraftäter selten Einmaltäter sind, noch grotesker erscheinen.</p>
[...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Im Juli kamen zwei Männer nach gleich lautender Anklage frei &#8211; wenn auch die Fälle aus völlig verschiedenen Zeiten datieren und die Geschichte, insbesondere der Strafverfolgung, der beiden Angeklagten unterschiedlicher nicht hätte sein können. Die Rede ist von Roman Polanski, millionenschwerer Hollywood-Regisseur, vielgefeierter Star, und Jörg Kachelmann, ARD-Wetterkönig und Riverboat-Moderator.</p>
<p>Beide waren wegen desselben Verbrechens angeklagt: Vergewaltigung. Bei Kachelmann sogar im besonders schweren Fall in Tateinheit mit schwerer Körperverletzung. Beide sind nunmehr auf freiem Fuß &#8211; mit unterschiedlichem Werdegang.</p>
<p>Rückblick. Roman Polanski vergewaltigte im Jahr 1977 in der Villa des Hollywood-Schauspielers Jack Nicholson ein erst 13-jähriges Mädchen, nachdem er es zuvor mit Drogen und Alkohol gefügig gemacht hatte. Ein klarer<a href="http://djane.momocat.de/2009-09-30-460/"> Fall</a> von Kindesmissbrauch und Vergewaltigung. Eine niederträchtige Tat zur Befriedigung des Sexualtriebes. Polanski hatte die Tat gestanden, um die Chancen auf einen Deal zu erhöhen, der ihn mit einem kürzeren Aufenthalt in einer psychiatrischen Klinik hätte davonkommen lassen. Als er kurz vor Prozessauftakt davon Wind bekam, dass der Deal wohl platzen würde, nutzte er die Gelegenheit zur Flucht nach Frankreich. Niemand hinderte ihn, niemand lieferte ihn aus, mehr als 30 Jahre lang. 30 Jahre, in denen Polanski Karriere machte, Oscars gewann, zum weltweiten Star avancierte. 30 Jahre, in denen er dem damaligen Opfer höchstwahrscheinlich großzügige Entschädigungsgelder zahlte, denn Samantha Gailey setzte sich in der Vergangenheit sogar öffentlich in den Medien für eine Verschonung Polanskis ein &#8211; ein mehr als untypisches Verhalten für Vergewaltigungsopfer, die in den meisten Fällen von Hass- und Ekelgefühlen ihren Peinigern gegenüber geschlagen sind.</p>
<p><div class="wp-caption alignleft" style="width: 135px"><img alt="Roman Polanski 1975" src="http://www.wga.org/uploadedImages/writtenby/RomanPolanski_1975.jpg" title="Roman Polanski 1975" width="125" height="171" /><p class="wp-caption-text">Roman Polanski 1975. Quelle: written by.</p></div><br />
Trotz des offensichtlichen Verbrechens und seiner Schwere konnte Polanski über 30 Jahre lang unbehelligt von Strafverfolgung im französischen Exil leben, nahm sogar die französische Staatsbürgerschaft an. Bis die Falle im September 2009 in der Schweiz zuschnappte. Doch wer geglaubt hätte, der Vergewaltiger eines Kindes würde nun endlich seiner gerechten Strafe zugeführt, der irrte. Nach einigen Wochen im Gefängnis erlaubte man dem Weltstar gegen eine saftige Kaution, die Gefängniszelle mit seinem Schweizer Chalet zu tauschen. Ist das die Behandlung, die einem jahrzehntelang flüchtigen Sexualverbrecher von Rechts wegen gebührt? Die Auslieferung Polanskis lehnte die Schweiz offiziell wegen angeblich fehlender Papiere ab.<br />
Seit Mitte Juli ist Polanski nun offiziell wieder ein freier Mann &#8211; ein nachweislicher Sexualstraftäter, der eine Minderjährige vergewaltigte und dafür nie eine Strafe gesehen hat, wird einfach in die Freiheit entlassen. Gründe? Die Schweizer Justizministerin Widmer-Schlumpf sagte zum Fall Polanski:</p>
<blockquote><p>Ich beurteile nicht Schuld oder Unschuld von Herrn Polanski.</p></blockquote>
<p>Dieser Satz brachte viele Befürworter einer gerechten Strafzuführung auf die Palme, denn über Schuld oder Unschuld von Polanski war längst befunden worden, es ging seinerzeit in den USA nur noch um die Höhe des Strafmaßes. So hat die Schweiz vor wenigen Wochen wohlwissentlich einen flüchtigen Sexualstraftäter in die Freiheit entlassen &#8211; ein Skandal ohne Gleichen. Auch wenn der Täter schon 76 Jahre alt ist: Das gute Leben, das ihm in den letzten 30 Jahren vergönnt war, hat wesentlich dazu beigetragen, dass Polanski sich in einer außergewöhnlich guten körperlichen Konstitution für einen Mitte-70-Jährigen befindet. Umso unbegreiflicher, zumal Polanski sich bis heute vielmehr selbst als Opfer von antisemitischen und Neid-Kampagnen seitens der US-Justiz und der Medien begreift, statt irgendein Schuldbewusstsein und Einsicht in die Schwere seiner Tat entwickelt zu haben. Dass solch ein Mann über Jahrzehnte ein Leben in völliger Öffentlichkeit und in Saus und Braus führen konnte, ohne von irgendwelchen international verbindlichen Haftbefehlen beeinträchtigt zu werden, und nun &#8211; wo er doch einmal gefasst war &#8211; vorsätzlich wieder in Freiheit entlassen wurde, verdient meiner Ansicht nach das Prädikat &#8220;Justizskandal des 19. Jahrhunderts&#8221;. Vielleicht sollte die Schweiz erwägen, allen ihren verurteilten Sexverbrechern ein derartiges Privileg der Straffreiheit zuteil werden zu lassen.</p>
<p>Ganz anders gelagert, wenn auch mit ähnlichen Anklagepunkten ausgestattet: der Fall Jörg Kachelmann in Deutschland. Der allseits (anscheinend vor allem auch bei der Damenwelt) beliebte Wettermoderator wurde im März nach seiner Rückkehr von den Olympischen Spielen in Vancouver noch am Flughafen festgenommen. Der Vorwurf: Kachelmann sollte im Februar seine damalige Lebensgefährtin nach einem Streit über vermeintliche Affären des TV-Stars vergewaltigt und ihr dabei ein Messer an die Kehle gehalten haben. Jörg Kachelmann kam umgehend in Untersuchungshaft. Anders als im Fall Polanski etwa wurde er aus dieser auch nicht gegen Zahlung einer Kaution oder Ähnlichem vorzeitig entlassen, Begründung: Fluchtgefahr. </p>
<p><img alt="Jörg Kachelmann am Tag seiner Freilassung. Quelle: Süddeutsche Zeitung." src="http://polpix.sueddeutsche.com/polopoly_fs/1.981511.1280409791!/image/image.jpg_gen/derivatives/536x200/image.jpg" title="Jörg Kachelmann am Tag seiner Freilassung. " class="aligncenter" width="536" height="200" /><br />
Hätte man Polanski nicht vorzeitig aus der Psychiatrie entlassen bzw. ihn stattdessen umgehend in Untersuchungshaft überführt, hätte er niemals fliehen und sich so seiner Strafe entziehen können. Wäre der Täter ein gewöhnlicher Arbeiter oder gar ein Schwarzer gewesen, er wäre auch nie auf freien Fuß gekommen. so viel darf man wohl mit Blick auf die gängige Praxis der US-Strafjustiz feststellen. Stattdessen wurden Polanski offensichtlich schon damals aufgrund seiner Prominenz Privilegien eingeräumt.</p>
<p>Weit gefehlt im Fall Kachelmann. Der Wetterfrosch saß insgesamt mehr als vier Monate lang in Untersuchungshaft und das, nachdem sich im Grunde bereits im April Zweifel hinsichtlich der Aussagen und Vorwürfe des vorgeblichen Opfers zum Tathergang ergaben. Im Gegensatz zum Fall Polanski war hier also zu keinem Zeitpunkt einwandfrei von einer Schuld Kachelmanns auszugehen &#8211; dennoch blieb der durchaus der Prominenz Zuzuordnende in Haft. Und dennoch: Diese Art der Strafverfolgung ist konsequent, neutral und den Vorwürfen absolut angemessen.<br />
Frei kam Kachelmann nun letzte Woche schließlich doch noch &#8211; nicht, weil er einwandfrei unschuldig wäre, sondern schlicht und ergreifend, weil sich die Vorwürfe der Anklage als widerspruchsbehaftet und teils unglaubwürdig erwiesen hatten.</p>
<p>Im Fall Polanski dagegen stand zu keiner Zeit nach dem Ermittlungsprozess vor über 30 Jahren die Frage, ob der Regisseur schuldig oder unschuldig sei, denn diese Frage war einwandfrei geklärt worden. Dennoch führte der Mann 30 Jahre lang und wie es scheint wohl bis an sein Lebensende ein Leben in Freiheit, ohne jemals für seine Tat bestraft worden zu sein, die eventuell nur die Spitze eines Eisberges sein könnte.<br />
Denn nach der Freilassung Polanskis kamen <a href="http://www.welt.de/die-welt/vermischtes/article8703570/Neue-Vorwuerfe-gegen-Regisseur-Roman-Polanski.html">neue Vorwürfe</a> gegen den Hollywood-Star auf. Mit 21 sei das ehemalige Model Edith Vogelhut (57) von Polanski nach einer Party abermals in der Villa von Jack Nicholson vergewaltigt worden. Sie hätte sogar eindeutig Sex mit Polanski erwartet, sei aber in der Villa dann gegen ihren Willen brutal gefesselt und vergewaltigt worden. Die Schauspielerin Charlotte Lewis (42) <a href="http://www.huffingtonpost.com/2010/05/14/charlotte-lewis-polanski-_n_576800.html">will</a> mit 16 Jahren von Polanski missbraucht worden sein. Kein Mensch weiß bislang, ob diese Vorwürfe stimmen und es wird sich mit Sicherheit auch nicht mehr feststellen lassen. Allerdings lassen sie die Freilassung dieses Menschen auch vor dem Hintergrund, dass Sexualstraftäter selten Einmaltäter sind, noch grotesker erscheinen.</p>
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		</item>
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		<title>Wie konnte das passieren?</title>
		<link>http://djane.momocat.de/2010-07-25-wie-konnte-das-passieren/</link>
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		<pubDate>Sun, 25 Jul 2010 08:34:59 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Jane</dc:creator>
				<category><![CDATA[Kultur und Kunst]]></category>
		<category><![CDATA[Skandale]]></category>

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		<description><![CDATA[<p>Die diesjährige Loveparade ist gestern in einer unbeschreiblichen Katastrophe geendet. Das Techno-Festival, das 2010 erstmalig auf dem Gelände eines ehemaligen Güterbahnhofes in Duisburg stattfand, sollte ein friedlicher Rave werden, circa 1 Million Menschen waren erwartet worden. EINE MILLION. Mindestens 19 von ihnen sind nun tot, über 100 verletzt, mehr als 40 davon schwer.<br />
Fragen über Fragen tun sich auf. Wie konnte das geschehen?</p>
<p><strong>Das Konzept</strong></p>
<p>Wieso erschließt man den Zugang zum Festivalgelände durch einen engen, langen Tunnel?? Hat man denn aus den Schreckensszenarien des Mont-Blanc-Brandes vor 11 Jahren gar nichts gelernt? In Tunneln wird mangels Frischluftzufuhr die Luft in der Regel besonders schnell stickig, die Röhre zwingt Personen darin zudem, sich lediglich in eine bestimmte Richtung fortzubewegen.<br />
Millionen Menschen sollten, sowohl in Richtung Festgelände, als auch von dort kommend, durch den wenige Meter breiten Tunnel geschleust werden. Dass dieser unweigerlich zu einer Falle werden würde, sobald irgendetwas außer Kontrolle gerät, hätte man doch ahnen MÜSSEN. Daran ändern für meine Begriffe auch die Verteidigungsversuche des Panikforschers Michael Schreckenberg nichts, der genau dieses Konzept nun verteidigt. Nach seiner Ansicht sei der Tunnel groß genug gewesen für mehr als 1 Million Leute. Die Schuld sieht Schreckenberg vielmehr bei den Jugendlichen, die versuchten, sich aus ihrer schlimmen Lage per Kletteraktion über eine nicht gesicherte Treppe zu befreien, von der einige von ihnen dann aus ungeklärten Gründen auf die Masse unter ihnen stürzten. Zur Panik sei es deswegen gekommen, so Schreckenberg. Ich glaube, diese ignoranten, unverbesserlichen Aussagen überraschen niemanden mehr, wenn man erfährt, dass Schreckenberg das Sicherheitskonzept für die Loveparade selbst mit ausgearbeitet hatte und jetzt vermutlich um seinen Kopf fürchtet.</p>
<p><strong><br />
Das Vorgehen der Sicherheitskräfte</strong></p>
<p>Wieso öffnete das Sicherheitspersonal die Tore zum Festivalgelände nicht, als es von einigen der wie Sardinen in einer Büchse gedrängt im Tunnel Gefangenen die ersten Hilferufe gab, bzw. <a href="http://www.bz-berlin.de/aktuell/deutschland/wie-kam-es-zu-der-katastrophe-article930914.html">Warnungen </a>von Leuten, die es gerade so aus dem Tunnel rausgeschafft hatten? Letztere gab es NACHWEISLICH. Auch dies ein Beleg dafür, dass eben nicht nur die Treppenstürze einiger Verzweifelter für das Ausbrechen der Panik verantwortlich waren, sondern dass schon zuvor eine panische Stimmung im Tunnel geherrscht hatte.<br />
Das Festivalgelände war zudem längst nicht voll, und die Massen hätten sich dort in jedem Fall besser verlaufen können als in dem Tunnel, in dem es weder Vor noch Zurück gab &#8211; selbst wenn es zwischenzeitlich auf dem Gelände etwas enger geworden wäre. Für meine Begriffe ein schier unverantwortliches Vorgehen des Sicherheitspersonals.</p>
<p><strong>Der Faktor Mensch</strong></p>
<p>Ich kenne ihn selbst aus unzähligen Großkonzert- und Festivalerfahrungen, den Faktor Mensch. Einmal in Euphorie oder gar Hysterie geraten, gibt es für viele oft kein Halten, keine Vernunft mehr. Rücksichtslos wird nach vorne gedrängelt, um gute Plätze zu ergattern, oder einfach nur, weil man Spaß an der Rangelei auf Kosten anderer hat. Bei der Loveparade waren zudem auch schon immer diverse aufputschende Mittelchen im Einsatz, um stundenlang durchhotten zu können und in die  richtige &#8220;love-sex-rave&#8221;-Stimmung zu kommen. Diesmal dürfen sich einige Unverbesserliche gewiss sein: Sie haben den Tod von rund 20 jungen Menschen mitzuverantworten. Denn nach Zeugenaussagen drängten immer mehr Menschen von hinten in den Tunnel, obgleich ersichtlich war, dass es vorne nicht voranging, teilweise liefen nach Augenzeugenberichten die Nachfolgenden rücksichtslos über bereits am Boden liegende Menschen hinweg in Richtung Festival. Unklar. Warum macht man so was? Warum kann man nicht vernünftig sein und warten? Zumal das alles andere als Zeichen eines natürlichen Verhaltens bei Panik ist, denn da läuft man normalerweise schnellstens vom Ort der Gefahr weg, statt geradewegs hinein.</p>
<p>Ich kann mich an Konzerte erinnern wie HIM oder Reamonn, wo kreischende Teenies mir die Tasche aus der Hand rissen und wie eine Welle über mir zusammenschlugen, als ich mich bückte, um sie aufzuheben. Hätten vier Freundinnen nicht eine eiserne Mauer um mich gebildet und die außer Rand und Band Geratenen zurückgedrängt, ich wäre schlicht und ergreifend nicht mehr hochgekommen, weil einige schon damit begonnen hatten, sich mit den Händen auf meinem Kopf und Schultern abzustützen, um sich in dem Gedränge einen besseren Halt zu verschaffen.<br />
Massenereignisse wie Großkonzerte oder die Loveparade erfordern vor allem eines: Ein großes Maß an Verantwortungsbewusstsein, auch wenn viele das nicht wahrhaben wollen. Es geht eben nicht nur um Spaß und das eigene Vergnügen. Wer sich auf die Veranstalter und das Sicherheitspersonal verlässt, ist im Notfall selbst verlassen. Im schlimmsten Fall sterben Menschen.</p>
<p><strong>Draußen Panik und Tod, drinnen Party ohne Ende</strong></p>
<p>Was ich absolut nicht nachvollziehen kann: WIE kann es sein, dass draußen Dutzende Menschen zu Tode kommen und drinnen wird munter weitergefeiert??? DAS ist für meine Begriffe die Krönung der Abgebrühtheit, eine unglaubliche Ignoranz!<br />
Die Erklärung, man hätte eine neuerliche Panik auf dem Festivalgelände vermeiden wollen, ist die mieseste Ausrede, die mir in meinem Leben bislang untergekommen ist. Man hätte die Veranstaltung sehr kontrolliert abbrechen können, warum hätte jemand in Panik ausbrechen sollen? Drinnen war doch genug Platz, und irgendwann war die Party doch sowieso zu Ende, da ist doch auch niemand in Panik geraten.<br />
Ich als parade-Besucher hätte wissen wollen, wenn draußen eine Katastrophe geschehen ist &#8211; und ganz sicher hätte ich NICHT weiterfeiern wollen, während draußen Menschen um ihr Leben kämpfen! Ich hätte mich nicht blümchenschwenkend und lachend in den Sondernachrichten neben in Tücher gehüllten Leichen sehen wollen &#8211; welch eine Groteske. Noch Stunden später, als das Festivalgelände sich auf &#8220;natürlichem Wege&#8221; bereits erheblich geleert hatte, soll die Party bis zum bitteren Ende weitergelaufen sein.</p>
<p>Was ist bloß aus den Menschen geworden? Ein Schelm, wer hier die Besorgnis der Veranstalter und Sponsoren klingeln hört, dass die Umsätze an Getränken, Essen und anderen Bezahlangeboten hinter den Erwartungen hätten zurückbleiben können, wäre das Festival vorzeitig abgebrochen worden.</p>
<p>In letzter Konsequenz hat heute der Veranstalter der loveparade, Rainer Schaller, das endgültige Ende der Großveranstaltung <a href="http://www.bz-berlin.de/aktuell/deutschland/veranstalter-erklaert-aus-fuer-loveparade-article931201.html">bekannt gegeben.</a> Für meine Begriffe gehört der Mann vor Gericht, denn ihm oblag die letztendige Entscheidung hinsichtlich des Sicherheitskonzeptes, ebenso die Entscheidung, die Party nach dem Tod von 19 Menschen und Hunderten Verletzten weiterlaufen zu lassen.</p>
<p>Aus Anstand und Pietät verzichte ich darauf, an dieser Stelle eines der schrecklichen Videos zu veröffentlichen, die derzeit im Internet grassieren, und die unmissverständlich das ganze Ausmaß der chaotischen Zustände im Tunnel zeigen. </p>
[...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Die diesjährige Loveparade ist gestern in einer unbeschreiblichen Katastrophe geendet. Das Techno-Festival, das 2010 erstmalig auf dem Gelände eines ehemaligen Güterbahnhofes in Duisburg stattfand, sollte ein friedlicher Rave werden, circa 1 Million Menschen waren erwartet worden. EINE MILLION. Mindestens 19 von ihnen sind nun tot, über 100 verletzt, mehr als 40 davon schwer.<br />
Fragen über Fragen tun sich auf. Wie konnte das geschehen?</p>
<p><strong>Das Konzept</strong></p>
<p>Wieso erschließt man den Zugang zum Festivalgelände durch einen engen, langen Tunnel?? Hat man denn aus den Schreckensszenarien des Mont-Blanc-Brandes vor 11 Jahren gar nichts gelernt? In Tunneln wird mangels Frischluftzufuhr die Luft in der Regel besonders schnell stickig, die Röhre zwingt Personen darin zudem, sich lediglich in eine bestimmte Richtung fortzubewegen.<br />
Millionen Menschen sollten, sowohl in Richtung Festgelände, als auch von dort kommend, durch den wenige Meter breiten Tunnel geschleust werden. Dass dieser unweigerlich zu einer Falle werden würde, sobald irgendetwas außer Kontrolle gerät, hätte man doch ahnen MÜSSEN. Daran ändern für meine Begriffe auch die Verteidigungsversuche des Panikforschers Michael Schreckenberg nichts, der genau dieses Konzept nun verteidigt. Nach seiner Ansicht sei der Tunnel groß genug gewesen für mehr als 1 Million Leute. Die Schuld sieht Schreckenberg vielmehr bei den Jugendlichen, die versuchten, sich aus ihrer schlimmen Lage per Kletteraktion über eine nicht gesicherte Treppe zu befreien, von der einige von ihnen dann aus ungeklärten Gründen auf die Masse unter ihnen stürzten. Zur Panik sei es deswegen gekommen, so Schreckenberg. Ich glaube, diese ignoranten, unverbesserlichen Aussagen überraschen niemanden mehr, wenn man erfährt, dass Schreckenberg das Sicherheitskonzept für die Loveparade selbst mit ausgearbeitet hatte und jetzt vermutlich um seinen Kopf fürchtet.</p>
<p><strong><br />
Das Vorgehen der Sicherheitskräfte</strong></p>
<p>Wieso öffnete das Sicherheitspersonal die Tore zum Festivalgelände nicht, als es von einigen der wie Sardinen in einer Büchse gedrängt im Tunnel Gefangenen die ersten Hilferufe gab, bzw. <a href="http://www.bz-berlin.de/aktuell/deutschland/wie-kam-es-zu-der-katastrophe-article930914.html">Warnungen </a>von Leuten, die es gerade so aus dem Tunnel rausgeschafft hatten? Letztere gab es NACHWEISLICH. Auch dies ein Beleg dafür, dass eben nicht nur die Treppenstürze einiger Verzweifelter für das Ausbrechen der Panik verantwortlich waren, sondern dass schon zuvor eine panische Stimmung im Tunnel geherrscht hatte.<br />
Das Festivalgelände war zudem längst nicht voll, und die Massen hätten sich dort in jedem Fall besser verlaufen können als in dem Tunnel, in dem es weder Vor noch Zurück gab &#8211; selbst wenn es zwischenzeitlich auf dem Gelände etwas enger geworden wäre. Für meine Begriffe ein schier unverantwortliches Vorgehen des Sicherheitspersonals.</p>
<p><strong>Der Faktor Mensch</strong></p>
<p>Ich kenne ihn selbst aus unzähligen Großkonzert- und Festivalerfahrungen, den Faktor Mensch. Einmal in Euphorie oder gar Hysterie geraten, gibt es für viele oft kein Halten, keine Vernunft mehr. Rücksichtslos wird nach vorne gedrängelt, um gute Plätze zu ergattern, oder einfach nur, weil man Spaß an der Rangelei auf Kosten anderer hat. Bei der Loveparade waren zudem auch schon immer diverse aufputschende Mittelchen im Einsatz, um stundenlang durchhotten zu können und in die  richtige &#8220;love-sex-rave&#8221;-Stimmung zu kommen. Diesmal dürfen sich einige Unverbesserliche gewiss sein: Sie haben den Tod von rund 20 jungen Menschen mitzuverantworten. Denn nach Zeugenaussagen drängten immer mehr Menschen von hinten in den Tunnel, obgleich ersichtlich war, dass es vorne nicht voranging, teilweise liefen nach Augenzeugenberichten die Nachfolgenden rücksichtslos über bereits am Boden liegende Menschen hinweg in Richtung Festival. Unklar. Warum macht man so was? Warum kann man nicht vernünftig sein und warten? Zumal das alles andere als Zeichen eines natürlichen Verhaltens bei Panik ist, denn da läuft man normalerweise schnellstens vom Ort der Gefahr weg, statt geradewegs hinein.</p>
<p>Ich kann mich an Konzerte erinnern wie HIM oder Reamonn, wo kreischende Teenies mir die Tasche aus der Hand rissen und wie eine Welle über mir zusammenschlugen, als ich mich bückte, um sie aufzuheben. Hätten vier Freundinnen nicht eine eiserne Mauer um mich gebildet und die außer Rand und Band Geratenen zurückgedrängt, ich wäre schlicht und ergreifend nicht mehr hochgekommen, weil einige schon damit begonnen hatten, sich mit den Händen auf meinem Kopf und Schultern abzustützen, um sich in dem Gedränge einen besseren Halt zu verschaffen.<br />
Massenereignisse wie Großkonzerte oder die Loveparade erfordern vor allem eines: Ein großes Maß an Verantwortungsbewusstsein, auch wenn viele das nicht wahrhaben wollen. Es geht eben nicht nur um Spaß und das eigene Vergnügen. Wer sich auf die Veranstalter und das Sicherheitspersonal verlässt, ist im Notfall selbst verlassen. Im schlimmsten Fall sterben Menschen.</p>
<p><strong>Draußen Panik und Tod, drinnen Party ohne Ende</strong></p>
<p>Was ich absolut nicht nachvollziehen kann: WIE kann es sein, dass draußen Dutzende Menschen zu Tode kommen und drinnen wird munter weitergefeiert??? DAS ist für meine Begriffe die Krönung der Abgebrühtheit, eine unglaubliche Ignoranz!<br />
Die Erklärung, man hätte eine neuerliche Panik auf dem Festivalgelände vermeiden wollen, ist die mieseste Ausrede, die mir in meinem Leben bislang untergekommen ist. Man hätte die Veranstaltung sehr kontrolliert abbrechen können, warum hätte jemand in Panik ausbrechen sollen? Drinnen war doch genug Platz, und irgendwann war die Party doch sowieso zu Ende, da ist doch auch niemand in Panik geraten.<br />
Ich als parade-Besucher hätte wissen wollen, wenn draußen eine Katastrophe geschehen ist &#8211; und ganz sicher hätte ich NICHT weiterfeiern wollen, während draußen Menschen um ihr Leben kämpfen! Ich hätte mich nicht blümchenschwenkend und lachend in den Sondernachrichten neben in Tücher gehüllten Leichen sehen wollen &#8211; welch eine Groteske. Noch Stunden später, als das Festivalgelände sich auf &#8220;natürlichem Wege&#8221; bereits erheblich geleert hatte, soll die Party bis zum bitteren Ende weitergelaufen sein.</p>
<p>Was ist bloß aus den Menschen geworden? Ein Schelm, wer hier die Besorgnis der Veranstalter und Sponsoren klingeln hört, dass die Umsätze an Getränken, Essen und anderen Bezahlangeboten hinter den Erwartungen hätten zurückbleiben können, wäre das Festival vorzeitig abgebrochen worden.</p>
<p>In letzter Konsequenz hat heute der Veranstalter der loveparade, Rainer Schaller, das endgültige Ende der Großveranstaltung <a href="http://www.bz-berlin.de/aktuell/deutschland/veranstalter-erklaert-aus-fuer-loveparade-article931201.html">bekannt gegeben.</a> Für meine Begriffe gehört der Mann vor Gericht, denn ihm oblag die letztendige Entscheidung hinsichtlich des Sicherheitskonzeptes, ebenso die Entscheidung, die Party nach dem Tod von 19 Menschen und Hunderten Verletzten weiterlaufen zu lassen.</p>
<p>Aus Anstand und Pietät verzichte ich darauf, an dieser Stelle eines der schrecklichen Videos zu veröffentlichen, die derzeit im Internet grassieren, und die unmissverständlich das ganze Ausmaß der chaotischen Zustände im Tunnel zeigen. </p>
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		<item>
		<title>Ware Kind?</title>
		<link>http://djane.momocat.de/2010-07-19-ware-kind/</link>
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		<pubDate>Mon, 19 Jul 2010 07:39:10 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Jane</dc:creator>
				<category><![CDATA[Skandale]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://djane.momocat.de/?p=1906</guid>
		<description><![CDATA[<p>Wie aus dem Nichts wurde Fußball-Superstar Cristiano Ronaldo kürzlich Vater, von einer &#8220;einfachen Kellnerin&#8221; aus den USA, wie gmx es ziemlich platt<a href="http://de.eurosport.yahoo.com/18072010/73/buntes-ronaldo-millionen-baby-mutter.html"> formulierte</a> &#8211; als läge der Skandal an dieser Geschichte darin, dass ein Mann von Rang und Namen wie Cristiano Ronaldo sich ein Kind von einer Unterschichtlerin andrehen lässt. Dabei stellte der &#8220;Stern&#8221; korrekt fest, dass der 25-jährige teuerste Fußballer der Welt oft selbst noch wie ein Kleinkind wirkt mit seinen Bockanfällen auf dem Platz und seinem divenhaften Auftreten.</p>
<p>Und kaum hatte die Welt von seiner Vaterwerdung erfahren, war das Kind auch schon für (je nach Quelle wechselnd) 12 bis 17 Millionen Euro &#8220;Schweigegeld&#8221; zum Papa nach Spanien verfrachtet worden &#8211; im Alter von gerademal drei Wochen. Selbst junge Welpen werden länger bei der leiblichen Mutter gelassen&#8230; Um Cristiano junior kümmert sich nun nach Auskunft des Fußballprofis eine eigens organisierte Pflegemutter &#8211; toll.</p>
<p><img alt="" src="http://imstars.aufeminin.com/stars/fan/cristiano-ronaldo/cristiano-ronaldo-20051222-92905.jpg" class="alignleft" width="350" height="263" /></p>
<p>Da drängen sich doch gleich eine Reihe von Fragen auf.<br />
Zunächst natürlich: Wie kann eine Mutter ihr eigenes Kind einfach so verkaufen? Unbegreiflich. Es sei denn, alles war vorab bereits genau so ausgemacht. Gerüchte machen entsprechend die Runde, Cristiano Ronaldo hätte gar keine Affäre mit der jungen Frau gehabt, sondern es handele sich um eine Leihmutterschaft, auch Gerüchte um eine eventuelle Homosexualität des Fußballprofis flauen nicht ab &#8211; erst letzte Woche soll er seinen jungen Sohn in Spanien bei der Pflegemutter zurückgelassen haben, um mit dem homosexuellen Musiker Lance Bass die New Yorker Schwulen-Szene unsicher zu machen, wollen diverse Klatsch-Blätter <a href="http://www.pinkclusive.de/cristiano-ronaldo-party-in-new-yorks-schwulenviertel-3771/">wissen</a>.</p>
<p>Doch abgesehen davon: Wie kann das eigentlich sein, dass Väter nur allzu oft ewig um ein Sorgerecht für ihre leiblichen Kinder streiten müssen, während solch unreife kleine Früchtchen wie Cristiano Ronaldo sich ihres einfach kaufen können? Paare, die keine eigenen Kinder bekommen können, müssen oft jahrelang um eine Adoption kämpfen, unsägliche Schikane seitens der Behörden über sich ergehen lassen &#8211; unter Umständen, bis sie irgendwann &#8220;zu alt&#8221; sind &#8211; während Promis zu ihren Kindern kommen wie andere zu einem neuen Fernseher?<br />
Des Weiteren: Warum werden die Lebensverhältnisse der &#8220;Kinderkäufer&#8221; von keiner Instanz überprüft? Wo bleibt da das vielbeschworene Kindeswohl? In manchen Fällen wohl leidlich auf der Strecke, wie  zu befürchten ist.</p>
<p>Eins dürfte jedenfalls feststehen: Ein Durchschnittsmann, der sich kein 12-Millionen-Kind hätte leisten können, hätte bei einem Fulltime-Job, bei dem er immer unterwegs ist, bei einem Lebenswandel, der von ständig wechselnden Affären und fragwürdigen Auftritten geprägt ist, nie das Sorgerecht für ein Kind zugesprochen bekommen.</p>
[...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Wie aus dem Nichts wurde Fußball-Superstar Cristiano Ronaldo kürzlich Vater, von einer &#8220;einfachen Kellnerin&#8221; aus den USA, wie gmx es ziemlich platt<a href="http://de.eurosport.yahoo.com/18072010/73/buntes-ronaldo-millionen-baby-mutter.html"> formulierte</a> &#8211; als läge der Skandal an dieser Geschichte darin, dass ein Mann von Rang und Namen wie Cristiano Ronaldo sich ein Kind von einer Unterschichtlerin andrehen lässt. Dabei stellte der &#8220;Stern&#8221; korrekt fest, dass der 25-jährige teuerste Fußballer der Welt oft selbst noch wie ein Kleinkind wirkt mit seinen Bockanfällen auf dem Platz und seinem divenhaften Auftreten.</p>
<p>Und kaum hatte die Welt von seiner Vaterwerdung erfahren, war das Kind auch schon für (je nach Quelle wechselnd) 12 bis 17 Millionen Euro &#8220;Schweigegeld&#8221; zum Papa nach Spanien verfrachtet worden &#8211; im Alter von gerademal drei Wochen. Selbst junge Welpen werden länger bei der leiblichen Mutter gelassen&#8230; Um Cristiano junior kümmert sich nun nach Auskunft des Fußballprofis eine eigens organisierte Pflegemutter &#8211; toll.</p>
<p><img alt="" src="http://imstars.aufeminin.com/stars/fan/cristiano-ronaldo/cristiano-ronaldo-20051222-92905.jpg" class="alignleft" width="350" height="263" /></p>
<p>Da drängen sich doch gleich eine Reihe von Fragen auf.<br />
Zunächst natürlich: Wie kann eine Mutter ihr eigenes Kind einfach so verkaufen? Unbegreiflich. Es sei denn, alles war vorab bereits genau so ausgemacht. Gerüchte machen entsprechend die Runde, Cristiano Ronaldo hätte gar keine Affäre mit der jungen Frau gehabt, sondern es handele sich um eine Leihmutterschaft, auch Gerüchte um eine eventuelle Homosexualität des Fußballprofis flauen nicht ab &#8211; erst letzte Woche soll er seinen jungen Sohn in Spanien bei der Pflegemutter zurückgelassen haben, um mit dem homosexuellen Musiker Lance Bass die New Yorker Schwulen-Szene unsicher zu machen, wollen diverse Klatsch-Blätter <a href="http://www.pinkclusive.de/cristiano-ronaldo-party-in-new-yorks-schwulenviertel-3771/">wissen</a>.</p>
<p>Doch abgesehen davon: Wie kann das eigentlich sein, dass Väter nur allzu oft ewig um ein Sorgerecht für ihre leiblichen Kinder streiten müssen, während solch unreife kleine Früchtchen wie Cristiano Ronaldo sich ihres einfach kaufen können? Paare, die keine eigenen Kinder bekommen können, müssen oft jahrelang um eine Adoption kämpfen, unsägliche Schikane seitens der Behörden über sich ergehen lassen &#8211; unter Umständen, bis sie irgendwann &#8220;zu alt&#8221; sind &#8211; während Promis zu ihren Kindern kommen wie andere zu einem neuen Fernseher?<br />
Des Weiteren: Warum werden die Lebensverhältnisse der &#8220;Kinderkäufer&#8221; von keiner Instanz überprüft? Wo bleibt da das vielbeschworene Kindeswohl? In manchen Fällen wohl leidlich auf der Strecke, wie  zu befürchten ist.</p>
<p>Eins dürfte jedenfalls feststehen: Ein Durchschnittsmann, der sich kein 12-Millionen-Kind hätte leisten können, hätte bei einem Fulltime-Job, bei dem er immer unterwegs ist, bei einem Lebenswandel, der von ständig wechselnden Affären und fragwürdigen Auftritten geprägt ist, nie das Sorgerecht für ein Kind zugesprochen bekommen.</p>
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		<title>Papst Benedikt soll hinter Gitter&#8230;</title>
		<link>http://djane.momocat.de/2010-04-12-papst-benedikt-soll-hinter-gitter/</link>
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		<pubDate>Mon, 12 Apr 2010 15:43:15 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Jane</dc:creator>
				<category><![CDATA[Politik und Gesellschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Skandale]]></category>

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		<description><![CDATA[<p>&#8230;, zumindest wenn es nach dem Willen zweier Briten geht. Konkret <a href="http://www.welt.de/die-welt/politik/article7144999/Zwei-Briten-wollen-den-Papst-verhaften-lassen.html">werfen</a> ihm der Oxford-Professor Richard Dawkins und der Publizist Christopher Hitchens jahrelange Vertuschung zahlloser Vorfälle von sexuellem Kindesmissbrauch durch katholische Priester &#8211; unter anderem auch in Großbritannien &#8211; während seiner Zeit als Kardinal und Präfekt der vatikanischen Glaubenskongregation vor.<br />
Die Behörden prüfen momentan einen Haftbefehl, ähnlich wie er vor einigen Jahren auch gegen die damalige israelische Außenministerin Zipi Livni ergangen war; während eines geplanten Großbritannien-Besuches des Papstes sollen dann die Handschellen klicken, wenn es nach Hitchens und Dawkins und sicherlich einer nicht zu verachtenden Zahl von Opfern, Angehörigen und schlichtweg wütenden Briten geht. Das Verschweigen von Kindesmissbrauch sei ein Verbrechen, und der Papst stehe weder über noch außerhalb des geltenden Rechtes.</p>
<p>Nun mag man den beiden im Prinzip ja Recht geben: Auch ein Papst darf weder Straftaten begehen noch solche decken oder vertuschen in der Absicht, dem Ruf der Institution Kirche nicht zu schaden. Doch riecht die ganze Aktion der beiden bekennenden Atheisten, die mit ihren kirchenkritischen Attitüden zudem omnipräsent sind auf dem publizistischen Markt, doch auch nach einer gehörigen Portion Populismus und Eigenwerbung. Gewinner der ganzen Aktion dürften deshalb nicht zuletzt Dawkins und Hitchens selbst sein, eine bessere PR-Kampagne für die eigenen Veröffentlichungen kann es kaum gebebn.</p>
<p>Dennoch steht die Frage: Darf der Papst straflos über Jahre ihm bekannte Fälle von sexuellem Kindesmissbrauch verschweigen, die Täter aus der Schusslinie nehmen, indem er sie einfach in andere Diözesen versetzt, wieder mit Kindern arbeiten lässt, sodass es zu neuerlichen Missbrauchsfällen kommt, wie beispielsweise in den USA <a href="http://www.focus.de/panorama/welt/missbrauchsskandal/vertuschung-von-missbrauch-us-zeitung-erhebt-vorwuerfe-gegen-papst_aid_492936.html">geschehen</a>?<br />
Zumindest schafft auch ein <a href="http://www.sueddeutsche.de/politik/399/506568/text/">Hirtenbrief</a> diese schwere Schuld nicht aus der Welt, in dem von &#8220;Scham und Reue&#8221; gesprochen wird. Da wurden über Jahrzehnte mit Wissen der Kirche Leben zerstört &#8211; ich kenne kein Gericht dieser Welt, das derartige Schuld mit einem simplen &#8220;ich bereue&#8221; für gesühnt erachtet.</p>
[...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>&#8230;, zumindest wenn es nach dem Willen zweier Briten geht. Konkret <a href="http://www.welt.de/die-welt/politik/article7144999/Zwei-Briten-wollen-den-Papst-verhaften-lassen.html">werfen</a> ihm der Oxford-Professor Richard Dawkins und der Publizist Christopher Hitchens jahrelange Vertuschung zahlloser Vorfälle von sexuellem Kindesmissbrauch durch katholische Priester &#8211; unter anderem auch in Großbritannien &#8211; während seiner Zeit als Kardinal und Präfekt der vatikanischen Glaubenskongregation vor.<br />
Die Behörden prüfen momentan einen Haftbefehl, ähnlich wie er vor einigen Jahren auch gegen die damalige israelische Außenministerin Zipi Livni ergangen war; während eines geplanten Großbritannien-Besuches des Papstes sollen dann die Handschellen klicken, wenn es nach Hitchens und Dawkins und sicherlich einer nicht zu verachtenden Zahl von Opfern, Angehörigen und schlichtweg wütenden Briten geht. Das Verschweigen von Kindesmissbrauch sei ein Verbrechen, und der Papst stehe weder über noch außerhalb des geltenden Rechtes.</p>
<p>Nun mag man den beiden im Prinzip ja Recht geben: Auch ein Papst darf weder Straftaten begehen noch solche decken oder vertuschen in der Absicht, dem Ruf der Institution Kirche nicht zu schaden. Doch riecht die ganze Aktion der beiden bekennenden Atheisten, die mit ihren kirchenkritischen Attitüden zudem omnipräsent sind auf dem publizistischen Markt, doch auch nach einer gehörigen Portion Populismus und Eigenwerbung. Gewinner der ganzen Aktion dürften deshalb nicht zuletzt Dawkins und Hitchens selbst sein, eine bessere PR-Kampagne für die eigenen Veröffentlichungen kann es kaum gebebn.</p>
<p>Dennoch steht die Frage: Darf der Papst straflos über Jahre ihm bekannte Fälle von sexuellem Kindesmissbrauch verschweigen, die Täter aus der Schusslinie nehmen, indem er sie einfach in andere Diözesen versetzt, wieder mit Kindern arbeiten lässt, sodass es zu neuerlichen Missbrauchsfällen kommt, wie beispielsweise in den USA <a href="http://www.focus.de/panorama/welt/missbrauchsskandal/vertuschung-von-missbrauch-us-zeitung-erhebt-vorwuerfe-gegen-papst_aid_492936.html">geschehen</a>?<br />
Zumindest schafft auch ein <a href="http://www.sueddeutsche.de/politik/399/506568/text/">Hirtenbrief</a> diese schwere Schuld nicht aus der Welt, in dem von &#8220;Scham und Reue&#8221; gesprochen wird. Da wurden über Jahrzehnte mit Wissen der Kirche Leben zerstört &#8211; ich kenne kein Gericht dieser Welt, das derartige Schuld mit einem simplen &#8220;ich bereue&#8221; für gesühnt erachtet.</p>
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