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Zeitreise mit Hindernissen.

Es ist der 50. Jahrestag des Baus der Berliner Mauer. Was macht man an einem solchen Tag, an dem sich mal wieder Ausstellungen, Gedenkrunden und Vorträge die Klinke in die Hand geben? Jane, dacht ich mir, machst du mal wieder eine “Zeitreise” in die gute alte DDR, die du (im Großen und Ganzen gottseidank) gegen die tolle BRD eintauschen durftest, als du 12 Jahre alt warst.
Also auf nach Radebeul in das DDR-Museum “Zeitreise”, das ich das letzte Mal im September 2007 besucht hatte, als es noch so ziemlich im Aufbau war. Einfach mal sehen, was sich so getan hat, wie viele Exponate dazugekommen sind und sich mal ganz bewusst wieder erinnern und mit der heutigen Realität abgleichen. Ich gebe zu: Ganz uneigennützig war der Besuch nicht, arbeite ich doch gerade an einem Schrieb, der ziemlich viel mit dieser Zeit zu tun hat. So ganz nebenbei wollte ich auch ein paar ganz natürlich bedingte, der Gnade der späten Geburt geschuldete Wissenslücken schließen.

Bildzeitung vom 15. August 1961.

Bildzeitung vom 15. August 1961.

Die erste Überraschung gab’s bereits an der Kasse: Nee, keine Journalistenkonditionen, ok, meinetwegen. Wieso auch Extrawürste für die Journaille braten? Auch die zweite gab’s an der Kasse: Der ermäßigten-Obolus, den Kinder, Schüler, Studenten und Rentner für das Visum berappen müssen, das zum eintägigen Aufenthalt in der DDR berechtigt, kostet mittlerweile sechs Euro, statt wie früher 5 (normal 7,50 Euro). Von “Ermäßigung” kann somit kaum noch eine Rede sein. Tja, auch in der DDR wird anscheinend langsam alles teurer…

Die zweite Überraschung war dann durchaus positiver Natur. Die Zahl der Exponate hatte sich im Vergleich zu vor vier Jahren vor allem um ein paar sehr informative Schautafeln erweitert. Das Problem daran war nur: Gerade im Erdgeschoss waren viele Tafeln offensichtlich einfach nur dort aufgehängt worden, wo gerade noch ein freier Platz war. So fanden sich Zeitungsausschnitte und Originaldokumente zum Todesstreifen zwischen Trabis und Wartburgs. Der Zeitstrahl durch die Geschichte der DDR, der von 1945 bis 1990 mittels beschrifteter Pfeile durch das gesamte Haus (vier Etagen) führt, ist zwar gut gemeint, aber in seiner Überdimensioniertheit ziemlich unübersichtlich. Immer wieder verliert man während des Beschauens der vielen anderen Objekte auf den Etagen den Faden. Besser wäre es gewesen, hätte man dem Zeitstrahl einen eigenen Bereich im Haus zugedacht und ihn kleiner, aber dafür übersichtlicher gestaltet, sodass er in einem Aufwasch einsehbar wäre.

Die Vielfalt der Ausstellungsobjekte ist ein absolutes Plus des Museums. Ich glaube nicht, dass es eine ähnlich umfangreiche Sammlung irgendwo anders gibt. Allerdings stellt speziell im Fall der “Zeitreise” diese Vielfalt die Betreiber vor Probleme, die anscheinend nicht zu bewältigen sind. So wirken viele Ausstellungsbereiche total überladen, indem einfach alles, was man zu greifen bekam, auch ausgestellt wurde – um den Preis der Übersichtlichkeit und vor allem der Informativität. Infotafeln, die den ausgestellten Gegenstand erklären, sucht man an den allermeisten Exponaten vergebens. Das betrifft vor allem die Themenbereiche wie Sport, Musik, Wohnen, Spielen usw. Bei so vielen Ausstellungsobjekten hätte man auch ein ganzes Unternehmen nur damit beschäftigen können, alles mit Erklärschildern zu versehen. Und so erinnert die Ausstellung an vielen Stellen eher an das Großlager des Rumpelmännchens, denn an ein Museum. Es wäre insgesamt wohl ratsamer gewesen, die Ausstellung nicht mit all zu vielen Exemplaren zu überfrachten, stattdessen sorgsam auszuwählen und dafür größeres Augenmerk auf Erklärungen zu legen. Man rühmt sich auf seiner Homepage, die größte Ausstellung zum Leben in der DDR zu sein, doch eine Ausstellung lässt sich nicht nur an der Masse der Exponate, sondern auch an Qualität, Umfang und Präsentation der vermittelten Informationen bemessen. Eine Puppe oder ein Plastik-Teller erzählen mir noch nichts über das Leben in der DDR. Schön wären zu solch persönlichen, da gebrauchten, Exponanten kleine Anekdoten aus dem Alltag gewesen.

Auch in Punkto Arrangement der Ausstellungsobjekte gibt es noch ziemlich viel Nachholebedarf. Das meiste wurde einfach nur ziemlich lieblos auf den Boden gelegt. Und oft (z.B. in der Kaufhalle) waren die Absperrungen so ungünstig angebracht, dass man viele kleinere Exponate nur aus ziemlicher Entfernung mit der Lupe suchen muss. Es fehlt des Öfteren die Möglichkeit, nahe heranzugehen.
Im Gegensatz dazu wiederum sehr hübsch und zum Teil ziemlich realistisch sind die originalgetreu nachgebildeten Kaderbüros, Werkstatträume und Wohnstuben, die einen beim Eintreten schlagartig wieder im alten Wohnzimmer oder Büro von damals stehen lassen. Die “Zeitreise”-Kaufhalle protzt mit einem Überfluss an (Original-!)Waren, über den sich früher wahrscheinlich jeder Kunde unbändig gefreut hätte.

Besonders herauszuheben aber ist die beachtliche Sammlung an Originaldokumenten wie Urkunden, Briefwechsel, “Verschlusssachen”, Zeitungsartikel, klassische DDR-Literatur und dergleichen mehr. So kann man sich in einen alten Sessel (natürlich aus DDR-Produktion) setzen und endlich einmal in jenem “Der Sinn meines Lebens”-Buch schmökern, das jungen FDJler bei ihrer – na ich nenns einfach mal Vereidigung – mit auf den weiteren Lebensweg gegeben wurde, was mir ja knapp erspart blieb. Da sträuben sich einem die Haare, wenn man liest, was man damals 14-Jährigen alles eingetrichtert und als Fakt verkauft hat. Was der Quellensammlung für meinen Geschmack noch ein wenig fehlt, ist ein größeres Angebot an alten Originalzeitungen, die man noch lesen kann. Ein paar wenige (darunter auch eine “Union” vom Oktober 1980) lagen da verführerisch hinter der Absperrung.

Und weil beim Lesen die Zeit so schnell vergeht, wird man in der 3. Etage auch schon mal vom Schließkommando überrascht. Das kam allerdings schon um 25 vor sechs in Gestalt eines sehr jungen Mannes daher, der einfach anfing, die Lichter auszuschalten. Als ich ihn daraufhin ansprach und meinte, dass ich für mein Eintrittsgeld schon auch bis sechs Uhr die Ausstellung besichtigen möchte, wie es die offiziellen Öffnungszeiten versprechen, meinte er etwas verwirrt, er könne ja das Ganglicht noch mal einschalten. Statt mich aber wenigstens noch bis sechs in Ruhe durch den Gang schlendern zu lassen, verfolgte er mich nun auf Schritt und Tritt: Machte ich einen Schritt, machte er auch einen. Und während der ganzen Prozedur hatte ich seinen bohrenden Blick im Rücken.
Sorry, aber so was geht einfach mal gar nicht. Wenn bis sechs Uhr offen ist, muss der Besucher auch bis sechs Uhr besichtigen können. Auch wenn Samstag ist, kann ich nicht einfach um 17.35 Uhr das Licht ausmachen und noch anwesende Gäste rausekeln. Überhaupt ist das Personal für mich ein Kritikpunkt. Statt sich wie in herkömmlichen Museen dezent im Hintergrund zu halten, sind die zudem recht ungepflegt wirkenden Herrschaften in der “Zeitreise” omnipräsent und quasi auch kaum zu übersehen und zu überhören. So stehen sie mal hier, mal da rum, fletzen sich auf Ausstellungsobjekte, die eigentlich hinter der Absperrung liegen, gießen zwischendurch die Blumen und unterhalten sich lautstark in platter Art und Weise, sodass es beim Lesen von Dokumenten und Literatur unheimlich stört – oder sie stellen einem eben quasi den Stuhl vor die Tür.

Fazit: Empfehlenswert, wenn man möglichst viele Dinge des täglichen Gebrauchs aus der DDR sehen will und sich nebenbei noch ein wenig Hintergrundwissen zu politischen und historischen Themen anlesen will und dabei nicht allzu viel Wert auf Ambiente und Übersichtlichkeit legt. Kritik: zu wenig Detailinformation zu den Exponaten und teilweise chaotisches Arrangement. Ungepflegtes Personal und überpünktliche Schließzeiten.

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Familientrip in die Servicewüste – oder was eine Heiße Zitrone über Kundenorientierung zu erzählen weiß.

Gestern, Pfingstmontag. Hastig hatte ich mit der Familie eine Verabredung in der Dresdner Innenstadt getroffen, um die wenigen Sonnenstrahlen des frühen Nachmittags zu erhaschen. Allerdings fing das Unterfangen schon ziemlich blöd an, da die Neustadt just in dem Moment, in dem ich mich aufs Rad schwingen wollte, von den Ausläufern der Gewitterfront getroffen wurde, die im Großenhainer Land eine Schneise der Verwüstung hinterließ. Aufgrund des starken Windes und prasselnden Regens musste ich warten, bis das Gröbste vorüber war – während meine Family 20 Minuten am Treffpunkt auf mich warten musste.

Als ich am Haus der Presse ankam, hatte sich der Himmel zwischenzeitlich auch hier in ein bedrohliches Dunkelgrau gefärbt, Wind peitschte nun auch durch die Gassen der Innenstadt, doch das tat der Stimmung keinen Abbruch. Munter starteten wir in Richtung Landtag und Theaterplatz.
Doch schon, als wir am Fürstenzug ankamen, öffneten sich sämtliche Schleusen, die Straßen verwandelten sich binnen Kürze in eine Seenlandschaft, und während ich mit der einen Hand den Schirm umklammerte und mit der anderen abwechselnd versuchte, die wirren Haarsträhnen zu bändigen, die mir der Sturm um Mund und Augen jagte, und die etwas zu lang geratenen Hosenbeine vor den Pfützen zu retten, flüchteten die anderen bereits kurzentschlossen in eines der Restaurants am Neumarkt. Ich stolperte etwas irritiert hinterher.
Drinnen brach zunächst ein Kampf derjenigen, die aufgrund des Unwetters die gleiche Idee hatten, um die letzten freien Plätze aus. Giftige Blicke und genervtes Zungenschnalzen taten den Ärger derjenigen kund, die keinen Platz mehr ergattern konnten. Beherzt sprang ich durch eine Gruppe verdutzt dreinguckender Touristen zu einem frei werdenden Tisch und rief die anderen heran – im Nachhinein bin ich eingermaßen froh, dass ich mich in diesem Moment nicht selbst im Spiegel beobachten musste: eine aufgeplusterte Henne, die gackernd und flügelschlagend ihren Nistplatz markiert und gegen Konkurrenten verteidigt… brrrr.

Nun ja, nach all den unerwarteten Strapazen, die der Nachmittag parat gehalten hatte, stimmte die Aussicht auf Kaffee und Kuchen in gehobenem Ambiente direkt unterhalb der Frauenkirche etwas versöhnlich. Der Kellner, der kam, um uns zu bedienen, erinnerte mich ein klein wenig an eine uralte Geschichte des Blogger-Kollegen Anton Launer zu einem ehemaligen Kellner eines ehemaligen Neustädter Inn-Lokals, der heute überdies ein geschätzter Kollege ist.
Mit unverkennbarer Flamboyance näselte er ein: “Was kann ich Ihnen bringen?”
Doch weit kam meine Mutter mit der Bestellung nicht, denn gerade, als sie sich anschickte, der bestellten Schwarzwälder Kirschtorte noch meine Eierschecke hinzuzufügen, wandte der junge Ober sich bereits einigermaßen ungeduldig zum Gehen, schnappte wie von einem Gummiband gehalten wieder zurück, als er bemerkte, dass die Bestellung noch nicht beendet war, wiederholte herablassend “…und ein Stück Eierschecke…” – und wandte sich abermals zum Gehen, als mein Vater mit einem gefährlichen Stirnrunzeln und mit Nachdruck noch ein Kännchen Kaffee mit 2 Tassen und die heiße Zitrone folgen ließ, die ich ausgewählt hatte. Zwischendurch traf mich ein Blick, der zwischen Neugier und Verachtung schwankte.
Nachdem wir die gesamte Bestellung schließlich hatten unterbringen können, rauschte unser Oberlein davon, als hätte man ihn zwischenzeitlich an unseren Tisch gekettet und gegen seinen Willen dort festgehalten.

Wir sahen uns an: Meine Mutter schnappte empört nach Luft, mein Vater sah immer noch aus, als würde er jeden Moment explodieren – und ich bekam einen Lachanfall, mit dem ich schließlich meine Mutter ansteckte. Wir flüchteten aufs WC.
Als wir zum Tisch zurückkehrten, hatte unser Ober den ersten Teil der Bestellung gebracht: für die Eltern ein Kännchen Kaffee und zwei Tassen – ähm, mit Kaffee. Keine leeren, wie es Sinn gemacht hätte und wie bestellt worden war. Wir nahmen es mit Humor: “Da hätta wohl eenfach mal n bissjen oofmerksamer die Löffel uffsperrn solln, als wa bestellt hattn, statt hier so arrojant rumzuhampeln”, witzelte meine Mutter in feinstem Berlinerisch.
Der Kuchen kam, ich war zufrieden, aber meine Mutter war jetzt richtig in Fahrt: Die Kirschfüllung bestand aus zu viel Gelee statt richtigen Kirschen, die Creme war zu fettig und überhaupt schmeckte das Teil “wie Diätkuchen”. Als Nächstes fing mein Vater an, am Kaffee herumzumosern – “ni de Welt, viel zu dinne”. Den ungekrönten Höhepunkt aber bildete die Ankunft meiner “heißen Zitrone”. Für die 2,30 €, die ich für das kleine Glas bezahlen sollte, bekam ich ein Instant-Zitronengetränk, wie es aus jedem Uni-Getränkeautomaten läuft, statt einer frisch zubereiteten heißen Zitrone, wie man sie etwa im Scheune-Cafe oder der Planwirtschaft serviert.

Der Bogen war überspannt. “Unmöglich!”, entwich es mir, während ich noch mit dem grauenhaften Geschmack nach lauem Pippi kämpfte. Ein solches Gebräu hätte ich noch nicht mal meinen beiden erkälteten Kollegen angeboten, wie ich später in Gedanken notierte. Immerhin, heiß war es, das Gemisch aus Aromen, Farbstoffen und Vitaminpräparaten.
Mom und Paps schlürften derweil mit angwidertem Gesicht ihren Bohnenkaffee: “Frechheet! Da wird mer ja bei McDonalds besser bedient”, gollte Paps, der als Fernfahrer sonst eher robusten Raststätten-Charme gewohnt ist. Und auch im Pinguin-Eiscafe mit Kantinen-Feeling beim Zoobesuch mit klein-Jack neulich war der Kaffee hundertmal besser – und billiger natürlich.
“Keen Trinkjeld, Lutz, ditt fehlte ja noch”, schnaubte meine Mutter mit tiefbeleidigtem Seitenblick in Richtung Thresen.
Und während mir mein Bauchgefühl empfahl, diesen wenig service- und kundenorientierten Ort so bald als möglich zu verlassen, versprach ein Blick nach draußen in den immer noch vom Himmel herabströmenden Regen wenig Gutes.

Abkassieren kam dann gottseidank nicht unser zappeliger Kellner, sondern eine Kollegin. Bei der einstudierten, beiläufig wirkenden Frage “Und, war alles zu Ihrer Zufriedenheit?” hielt es mich nur mit Mühe auf meinem Stuhl. ‘Immer schön ruhig bleiben’, dachte ich mir, ‘hier kommst du eh nicht wieder her’.
Zu meiner Überraschung entgegnete mein Vater mit unverhohlener Ironie: “Also, wenn Se schon so dirrekt frachen, de weld war das hier nich.” Wie vom Blitz getroffen war die Kellnerin aus ihrer höflichen Gleichgültigkeit erwacht, Kritik hatte es hier anscheinend noch nicht allzu oft gehagelt. Nun wurde auch ich etwas mutiger und mahnte freundlich aber bestimmt an, dass ich laut Karte eine “heiße Zitrone” und kein Instant-Zitronengetränk bestellt hatte.
Mit einiger Belustigung vernahm ich die anschließenden Tipps in Sachen Dosierung der Kaffeemaschine, die mein Vater der sichtlich peinlich berührten Bedienung gab. Meine Mutter warf mir von der Seite einen Blick zu, der Genugtuung verriet. Der Aufruhr war mir unangenehm, ‘nur raus hier’, dachte ich.

Keine fünf Minuten später standen wir wieder auf der Straße, meine Mutter immer noch tief gekränkt ob der “miesen Bedienung” und permanent am Schimpfen über den “unterirdischen Service”, während ich eigentlich die ganze Zeit nur lachen musste. Was soll man sich auch aufregen über die wenig überraschende Entdeckung, dass die Servicewüste ihre öden, sandigen Ausläufer nun sogar schon in die Nobelviertel der Stadt einsickern lässt: Schwarzwälder Kirschtorte von K-Classic, frisch aus dem Tiefkühler, Zitronenpulver zum Aufgießen aus der Drogerie, Kaffee in maximaler Spardosierung und das alles in einem Lokal in exquisiter Lage – das wird die Zukunft sein in einer Welt, die sich noch mal totsparen wird, um konkurrenzfähig zu bleiben.
Im strömenden Regen kämpften wir uns zurück zum Haus der Presse. ‘Na hoffentlich werden die Tweed-Hosen nicht schrumpelig’, dachte ich besorgt beim Anblick meiner schon leicht angefeuchteten, hochgekrämpelten Hosenbeine – immerhin musste ich anschließend noch zur Arbeit.

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Neustädter Gemüsehändler in der Kritik.

Anlass für diesen kleinen Beitrag war ein Erlebnis der weniger schönen Art heute Nachmittag beim Grünzeug-Shoppen. Zunächst steuerte ich – wie üblich – den Wochenmarkt auf dem Alaunplatz an, machte aber genervt wieder kehrt, als ich sah, dass der gesamte Marktplatz aufgrund des massiven Tauwetters einer Seenlandschaft glich und mein Stamm-Händler nicht da war. Wo also hin?

Ich stattete dem Asia-Gemüse-Blumen-Laden gleich gegenüber an der Haltestelle Alaunplatz, neben der Bäckerei Rissmann, einen Besuch ab. Die Tür stand offen, aber drinnen war es dunkel und muffig. Der vietnamesische Verkäufer schaute mich an, als wäre ich ein unerwarteter Gast, auf mein freundliches “Hallo” bekam ich keine Antwort. “Ok”, dachte ich, “schaust du dir das Grünzeug trotzdem mal an”, schießlich brauchte ich dringend Tomaten. Was hatten wir denn da: Verschrumpelte Paprika, ebensolche Cocktail-Tomaten, welke Kräuter, wabbelige Möhren. “Nee”, dachte ich angeekelt und wollte mich gerade dem Obst zuwenden, als mich der Verkäufer plötzlich in gebrochenem Deutsch unfreundlich von der Seite anfuhr:

“Sie jetzt gehen, ich zuschließen, weil Kind abholen”.

Es war wohlgemerkt nachmittags 15:30 Uhr, und laut Öffnungszeiten sollte der Laden bis abends geöffnet sein. Ich war einigermaßen baff, verließ mit einem zugegeben etwas zynischen “Ok, ok, ich geh ja schon” den Laden und machte mich auf den Weg zum nächsten Grünzeughändler.
Noch nie ist es mir passiert, dass ich derart unhöflich aus einem Geschäft hinauskomplimentiert worden bin. Auf zufriedene Kundschaft, die auch wiederkommt, scheint dieser Laden keinen Wert zu legen – kein Wunder, dass Obst und Gemüse dort im Regal vergammeln, statt gekauft und verzehrt zu werden. Von mir eine glatte 6 – nicht zu empfehlen.

Nächste Station war dann Schlüters Fruit-Shop und Käse-Eck auf der Rothenburger Straße 44. Ein Unterschied wie Tag und Nacht: Zwar lagen auch hier die Preise für Tomaten utopisch hoch, aber zaubern können eben auch Schlüters nicht, denn momentan ist einfach mal keine Saison beim Paradiesapfel. Bei Schlüters fühlt man sich immer willkommen und wird freundlich bedient, egal, wie lange man überlegt. Man wird gut beraten, und ein kleines Pläuschchen übers Wetter, Saison-Gemüse und die Preise ist immer drin. Nachdem ich schon zu zweifeln begonnen hatte, überhaupt noch zu meinen Tomaten zu kommen, verließ ich Schlüters zufrieden und mit dem Reinfall beim Asia-Markt versöhnt. Schlüters verkörpern ein in der Neustadt fast einmaliges Mischkonzept aus Alimentari- und Feinkostladen mit erlesenen Käse- und Wurstprodukten aus aller Welt. Mutter und Sohn Schlüter sind dabei immer freundlich, mit ihrer Stammkundschaft verbindet sie eine familiäre Atmosphäre, kompetent wird über Herkunft und Herstellung der Produkte Auskunft gegeben. Einziger kleiner Kritikpunkt: Der Laden ist doch arg klein und die Produkte manchmal etwas unübersichtlich angeordnet. Von mir gibts hier die Note 1-.

Nun soll hier nicht der Eindruck entstehen, ich würde keine Asia-Gemüsehändler mögen. Im Gegenteil, bin ich beim Händler auf der Alaunstraße neben dem Konsum (nicht der schräg gegenüber) Stammgast. Die Behandlung ist auch hier zwar immer sehr unterkühlt, aber höflich, und Gemüse und Obst sind hier immer von einer geradezu erstaunlichen Frische, der Laden blitzt vor Sauberkeit. Auch die Vielfalt des Angebotes von Obst und Gemüse bis hin zu Eiern, exotisch-asiatischen Lebensmitteln und Getränken ist wahrhaft phänomenal. Zudem darf auch mal probiert werden (z.B. bei Wein oder Beeren). Abzug gibts für die oft sehr gelangweilt und abweisend wirkende Kassiererin sowie die doch im Vergleich recht hohen Preise. Note 2-.

Auch nicht von schlechten Eltern ist der Asia-Gemüsemarkt auf der Bautzner Straße gleich neben dem Bäcker Ecke Alaunstraße (Note 3+) bzw. jener neben der Apotheke Bautzner-/Ecke Löwenstraße (Note 2-). Beide haben ein vielfältiges Angebot, das meistens auch frisch ist. In letzterem Laden ist zudem die Bedienung sehr freundlich.

Weniger zu empfehlen ist hingegen der Asia-Gemüsemarkt schräg gegenüber dem Konsum auf der Alaunstraße (der mit den grellen Scheinwerfern abends). Das Angebot ist zwar auch hier meistens sehr vielfältig und auch frisch, aber wenn man probieren möchte, wird man unfreundlich angeblafft, und mit Ausreden ala “die Beeren sind abgezählt” wird sich die Kostprobe energisch verbeten. Auch sonst fühlt man sich nicht wirklich erwünscht in diesem Laden, der Umgangston ist meist sehr unterkühlt und abweisend. Daher Note 4 und lieber bei der Konkurrenz vorbeischauen.

Weitere Gemüse-Händler in der Kurzeinschätzung:

Asia-Markt Lousienstraße Höhe Martin-Luther-Straße: sehr freundliche Bedienung, Obst und Gemüse vom Frischegrad gut, Lebensmittelabteilung mit utopischen Preisen – Note 3+.

Asia-Markt Louisenstraße/Ecke Alaunstraße: Lethargisches Personal, Obst und Gemüse vom Frischegrad meistens befriedigend bis ausreichend, Ambiente eher ungepflegt – Note 4-.

Asia-Markt Alaunstraße (kurz vor der Einmündung Bautzner Straße, linke Straßenseite): Personal befriedigend, Zustand der Waren (Grünzeug) meistens ungenügend, Ambiente eher ungepflegt und unhygienisch – Note 5.

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Advent, Advent, ein Lichtlein brennt…

Advent chez Jane

… oder im Falle dieses heute morgen aufgenommenen Bildes sogar schon zwei. Bei mir gibt’s nur Advent-Wochenenden, und die fangen eben samstags an ;)
Mal was anderes als die üblichen Tannenkränze, hab ich mir so gedacht…
Und weil Advent ja bekanntermaßen die Zeit für allerlei Weihnachtsbäckerei ist, hier ein uraltes Plätzchenrezept meiner Großmutter selig:

Butterherzen

Man nehme:
200 g Zucker
1 Päckchen Vanillezucker
1 Pr. Salz
200 g weiche Butter
11/2 Eier (den Rest aufheben zum Bestreichen der Plätzchen)
500 g Mehl
2 TL Pottasche (wahlweise auch Backpulver)
geriebene Schale von 1 Zitrone
2-3 EL Weinbrand und/oder Rum

So wird’s gemacht:

1. Zucker, Salz, Butter, Eier und Zitronenschale schaumig rühren.
2. Mehl und Pottasche unterrühren.
3. Weinbrand/Rum untermischen und mit der Hand zu einem homogenen Teig verkneten.
4. 6-8 Stunden im Kühlschrank ruhen lassen (wegen der Aromen)
5. Teig 3 mm dick ausrollen und Formen ausstechen.
6. Plätzchenrohlinge auf ein mit Backpapier ausgelegtes Blech geben und mit verquirltem Ei bestreichen – wahlweise können jetzt auch schon Rosinen oder Orangeat/Zitronat draufgelegt werden (leicht andrücken).
7. Plätzchen bei ca. 175 Grad 10-15 Minuten goldgelb backen und nach Wunsch glasieren und belegen.
Tipp: Schöne Glasuren stellt man selbst aus etwa 150 g Puderzucker, je nach Geschmack etwas Kakao-Pulver sowie etwas Wasser bzw. Zitronensaft her, bis die gewünschte Konsistenz erreicht ist.

Allen Blogger-Kollegen und Lesern einen leckeren Advent!

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Rezeptvorschlag für wenn’s schnell gehen muss.

Soeben wiederentdeckt und ausprobiert:

Tagliatelle Verdi mit Schinken, Erbsen und Zwiebel-Sahne-Sauce

Man nehme (für 1-2 Portionen):
Tagliatelle Verdi (grüne Nudeln)
4-6 Scheiben Jagd- oder Schinkenwurst
1 mittelgroße Zwiebel oder 3 Schalotten
1 Handvoll grüner Schoten
1 Becher Saure Sahne
1 Esslöffel Frischkäse
100 ml Milch
Salz, Pfeffer, Butter, Ölivenöl, geriebenen Käse.

Zubereitung:
In einem Topf ca. 250 ml gesalzenes Wasser und etwas Olivenöl zum Kochen bringen, Tagliatelle hineingeben und unter reduzierter Hitze garen lassen, bis sie al dente sind (ca. 9-12 Minuten).
Parallel Zwiebel/Schalotten schälen und kleinhacken, Wurst in kleine Stückchen schneiden. Beides anschließend in einer Pfanne in etwas Butter und Olivenöl anbraten. Anschließend mit Saurer Sahne ablöschen und gut verrühren. Die Milch und den Frischkäse unterrühren, das bindet die Sauce schön. Schoten hinzufügen und bei niedriger Hitze etwas köcheln lassen. Mit Salz und Pfeffer abschmecken.
Nudeln mit Sauce auf Teller anrichten und etwas geriebenen Käse drübersteuen. Et voila, bon Appetit!

Foto kann ich leider keins hochladen, schmeckt aber sehr sehr lecker ;)

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