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Neustädter Hochhaus-Streit schlägt Wellen - und offenbart menschliche Abgründe.

Seit Wochen ist die Diskussion um die Sanierung und vor allem die Nutzung des seit 15 Jahren vor sich hinmodernden ehemaligen DVB-Hochhauses am Albertplatz neu entbrannt. Stein des Anstoßes sind Pläne der Architektin Regine Töberich, das Hochhaus-Areal mit einem Mischkonzept aus Wohn-, Geschäftshaus sowie Gastronomie neu zu gestalten.
In einer lebhaften Diskussion zum Thema im Neustadt-Ticker wurden denn auch schnell Zweifel am Töberich’schen Konzept laut:

Zu behaupten, dass ein Riesen-Einkaufszentrum nicht in Konkurrenz zu der kleinteiligen Händlerstruktur in der Neustadt stehen würde, ist ja schon ein wenig frech – und dieser Argumentation zu glauben, mehr als naiv. Die Rechnung ist ganz einfach: Kein großer Einkaufspark in der Neustadt = viele kaufen öfter in kleineren Läden. Großer Einkaufspark mit billigeren Lebensmitteln und größerem Sortiment = viele kaufen dort, die kleinen Läden haben das Nachsehen. Dass alle Leute bisher für ihren Wocheneinkauf immer in den Elbepark oder die Altstadt fahren, ist ja tendenziell Käse.

schrieb ein Diskutant mit dem Pseudonym “Information”.

In der Tat verweist Regine Töberich in ihren Plänen darauf, dass bei der Gestaltung der Händlerstruktur des neuen Einkaufstempels besonderes Augenmerk darauf gelegt werden soll, die kleinteilige, gewachsene Einzelhändlerstruktur der Neustadt nicht zu bedrohen. Und so sind denn laut Hochhaus-Blog auch primär die “üblichen Verdächtigen” vorgesehen: Ein Supermarkt, ein Drogeriemarkt, ein Fleischer, ein Bäcker und einige andere.

Ohne nun ein ausgesprochener Freund des Einkaufstempel-Konzeptes zu sein, nahm ich den oben genannten Einwand als Anlass zum Widerspruch, denn ich bin nicht der Ansicht, dass die vielen kleinen Schmuck-, Kleidungs-, Schuh- und Lebensmittelgeschäfte in der Neustadt nun durch einen weiteren Supermarkt, einen weiteren Bäcker und einen weiteren Fleischer zugrunde gehen werden. Gerade an Drogeriemärkten und Fleischern gibt es – wie ich finde – in der Neustadt einen ziemlichen Mangel. Ganze 6 Fleischereien sowie 2 Drogerien gibt es zwischen Loschwitz und Königsbrücker.
Zudem glaube ich nicht, dass Leute, die bislang zufrieden beim zwar etwas teuren, aber qualitativ hochwertigen Neustädter Einzelhandel kauften, statt etwa an den Fleischtheken in den Supermärkten, dies nun auf einmal nicht mehr tun, weil es einen weiteren Supermarkt gibt. Das widerspräche der Logik des Konsumverhaltens. Ebenso haben Leute, die sich den teuren Einzelhandel einfach nicht oder nur ganz selten leisten können, bislang wohl kaum nennenswert zum Kundenstamm der Einzelhändler gehört – können demzufolge von diesen auch nicht an ein Einkaufszentrum verloren werden:

Ich kann nur von mir selbst ausgehen. Ich studiere noch und habe nicht gerade viel Geld zum Leben. Ich schaue also schon, dass ich so gut es geht sparen kann. Und bei manchen Dingen – z.b. Tierfutter, Einrichtungsbedarf oder Kleidung – ist es mir einfach nicht möglich, im speziellen, aber teuren Neustädter Einzelhandel zu kaufen, zumindest ist das nicht die Regel.
Für solche Zwecke fahre ich momentan bis raus zum Elbepark einkaufen, lasse mein Geld also auch ohne Einkaufszentrum am Albertplatz nicht oder nur sehr begrenzt im Neustädter Einzelhandel.Nicht jeder kann sich den teuren Einzelhandel leisten, wer sich das aber leisten kann, der wird wohl kaum Individualität und Qualität gegen Billigware aus dem Kaufhaus eintauschen, nur weil da plötzlich ein neuer Einkaufstempel steht.

Bis hier hin handelte es sich um einen kontrovers geführten, aber dennoch regen und sachlichen Austausch von Argumenten und Standpunkten. Wie gesagt, ich persönlich fände eine ausgeprägte soziale Nutzung in Form einer Bibliothek, einer Kita, Gastronomie oder etwa einem Theater weitaus schöner, als einen weiteren Einkaufstempel, mein Einwand sollte also keine Parteinahme für den Töberich’schen Entwurf, sondern nur punktuelle Kritik darstellen.

Doch leider gibt es bei kontrovers geführten Diskussionen um verschiedene Nutzungskonzepte anscheinend auch immer jene, die über eine militant und unsachlich geführte Argumentationsweise nicht hinauskommen. So war der pure Verweis auf die Existenz von Menschen in diesem Viertel, die sich den teuren Einzelhandel nicht leisten können, Anlass für den Poster “Rudi”, mit an sozialdarwinistische Tendenzen der aktuellen Stunde grenzenden Einlässen zu glänzen:

Ist schon traurig, wie ignorant du hier gegenüber deinen Nachbarn argumentierst. Warum ziehst du nicht nach Mickten, wenn du so gern in den Elbepark gehst? Wärst du mal in einen kleinen Laden um die Ecke gegangen, hättest du übrigens gesehen, dass gerade die Leute mit dem kleinen Geldbeutel auf Geschäfte in unmittelbarer Nähe angewiesen sind, die brauchen keinen Elbe-oder Albertpark. [...] Es sollte eher um das generelle Einkaufskonzept in diesem Viertel gehen und da bin ich schon erschrocken, wenn Bewohner so ignorant mit dem Geschäft nebenan umgehen, nur weil sie denken, dass sie in irgendeiner Shoppingmall richtig sparen.

1. Gehe ich noch häufig genug in die “kleinen Läden um die Ecke” – etwa zum Wochenmarkt oder in die lokalen Gründzeug-Läden, oder einfach, weil ich es schön finde, mir all die tollen Sachen anzuschauen, auch, wenn ich sie nicht kaufen kann, mir zudem dort Ideen und Inspiration hole -, um zu wissen, dass gerade in den Schmuck-, Interieurs- und Kleinkunstläden vor allem Liebhaber des Besonderen mit entsprechendem Geldbeutel und Menschen mit offensichtlich nicht-Dresdner Wurzeln einkaufen, die sich am Rande der Neustadt niedergelassen haben.

2. Dürften ein Supermarkt, ein Fleischer und eine Drogerie (die ja für das Einkaufszentrum geplant sind) kaum in irgendeiner Weise Konkurrenz für oben genannte Art von Einzelhandel darstellen.

3. Hätte gewiss kein derartiger Protest stattgefunden, würden der Supermarkt, der Fleischer oder der Bäcker, statt in einem möglichen Albert-Park, an der Brache Bautzner-Prießnitzstraße, Ecke Lousie/Pulsnitzer oder in einem neu gebauten Pavillon auf dem Alaunplatz aufgemachen. Der Konkurrenzfaktor für den lokalen Einzelhandel wäre dann zwar noch derselbe gewesen, nur hätte in diesem Fall das Buzzword “Einkaufszentrum” niemanden zum erregten Protest anstacheln können.

4. Finde ich es schlichtweg inakzeptabel, dass jemand derart anmaßend Gericht über Leute hält, die sich – unabhängig von ihren Wünschen und Ansichten – den regelmäßigen Einkauf in solchen privaten Lädchen einfach nicht leisten KÖNNEN und daher auf preiswerte Discount-Nahversorger und preiswerten Großhandel schlicht und ergreifend angewiesen sind. Eine derartige Arroganz erinnert mich an den sozialdarwinistischen Duktus eines Guido Westerwelle, der anscheinend auf fruchtbareren Boden im Volke fällt, als diesem Land lieb sein kann.

Man kann hinsichtlich des besseren Nutzungskonzepts für das Hochhaus-Areal verschiedener Ansicht sein, man kann hinsichtlich persönlicher Prioritäten verschiedener Ansicht sein – gebe ich nun lieber mehr Geld für die Miete in der Neustadt aus und muss dann als Student eventuell verstärkt auf Discounter oder Großhandel zurückgreifen, oder ziehe ich nach Leuben und kann dann dafür den Leubener/Prohliser Einzelhandel regelmäßiger nutzen. Was aber gar nicht geht, ist sich zum Richter über Andersdenkde oder Unterprivilegierte aufzuschwingen, indem man anderen seine eigenen Ansichten und das eigene Lebensmodell überstülpt, ohne Rücksicht auf deren persönliche Möglichkeiten und finanzielle Situation zu nehmen.
Das ist ein negativer Individualismus, der zunehmend das soziale Gefüge und den verbindenden Kitt zwischen den so verschiedenen Menschengruppen hier in der Neustadt gefährdet, indem man den Stadtteil möglichst nur für Gleichgesinnte (und -gestellte?) reservieren möchte – bei Stefanolix auch “Stadtteil-Protektionismus” genannt.

Moritzburg on the rocks.

Gestern beim Sonntagsspaziergang im Frühlingssturm aufgenommen: Der noch immer mit einer (wenn auch brüchigen) Eisschicht überzogene Schlossteich in atemberaubender Beleuchtung, Schloss Moritzburg dezent im Hintergrund erkennbar.

Happy Valentine.

An diesem ganz speziellen Tag,
Dem einen gewidmet
den man von Herzen mag…

…. braucht so manches Herz einfach einen besonders dicken Pullover.

Kein Bock auf Kritik - update: Flower Power Dresden ist dicht!

Das Flower Power Dresden war dereinst in meinen jungen, wilden Jahren ein wahres Mekka für all jene, denen Vielseitigkeit, Toleranz, Multikulturalität sowie ein alternatives und familiäres Ambiente, umrahmt von fliegenden Kühen und lächerlich großen Papp-Blumen, am Herzen lag.
So habe ich das Flower in Erinnerung: offenherzig und kitschig, klein und gemütlich, exhaltiert und provokant, musikalisch die ganze Bandbreite alternativer Musik sowohl der 50er, 60er, 70er als auch der 80er und 90er Jahre anbietend.
Die DJs hatten noch keine Vorgaben hinsichtlich der aufzulegenden Musik seitens des Eigentümers und spielten alles, was ihnen so gefiel. Als Stammgast mit Draht zum DJ durfte man schon mal eigene Scheiben mitbringen, von denen dann mal auf Wunsch ein Song gespielt wurde. Die legendären Zettelblöcke für die Song-Wunschlisten lagen immer über das ganze DJ-Pult verstreut.
Mit Schlaghosen und Filzjacke war man ebenso akzeptiert wie in Lack und Leder, auf dem Ledersofa neben der hinteren Bar tanzte immer der Opa im Stringtanga, und auf der durchgesessenen Couch an der Tanzfläche liebten sich Pärchen ganz ungeniert in aller Öffentlichkeit – ohne, dass das irgendwen irgendwie sonderlich gekümmert hätte.

Das war 1999, wohl auch noch 2000 und 2001 – bis der Eigentümer wechselte, umbaute und im ehemaligen “Diebels” das “Nubeatzz” unterbrachte, das von nun an direkt mit dem Flower Power verbunden war. Im Nubeatzz wurde nun verstärkt Wert auf Mainstream und Chartsmusic gesetzt, was zunehmend die Fun-Lollipop- und DaFa-Klientel anlockte – junge, overdressedte, viel zu stark gebräunte junge Menschen in zunehmend glitzernder und viel zu knapper Kleidung stürmten nun auch das Flower, tranken viel zu viel und machten ständig Ärger. Schlägereien auf der Tanzfläche nahmen zu, und als Goth- oder Metal-Freak musste man sich von aufgetakelten Schicksen im Glitzer-Mini sagen lassen, wie scheiße man rumlief.
Als eine der Letzten “von früher” hielt ich noch ein paar Jährchen tapfer durch und besuchte meine Stammkneipe hin und wieder, bis ich – es muss so gegen 2004 gewesen sein – ihr entgültig und schweren Herzens den Rücken kehrte, als meine Freundin beim Tanzen von einer volltrunkenen Magda einen 1 cm langen künstlichen Fingernagel mit Wucht in die Nase geschoben bekam und auch noch gewürgt wurde, als sie sich darüber mit blutender Nase beschweren wollte.

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Uptdate: Wie von der Homepage des Flower Power zu erfahren ist, hat das Flower Power Dresden seit gestern komplett geschlossen! Von einem Umzug in eine andere Location, der gerüchteweise die Runde machte, war zunächst nichts zu erfahren, vielmehr deutet die Wortwahl (“goodbye Dresden”) eher auf einen dauerhaften Rückzug aus Dresden hin.
Sollte dem so sein, ginge eine fast 12-jährige Ära zu Ende – auf ziemlich unrühmliche Weise. Es bleibt abzuwarten, ob es irgendwann ein neues “Flower” in Dresden geben wird.
So schnell kann jedenfalls aus einer Kritik, die der obige Artikel eigentlich sein sollte, ein Nachruf werden.

Gala, Gossip und Grenzwerte.

Selten habe ich Klamotten erleichterter in die Ecke gefeuert, als nach dem Opernball letzten Freitag. Wieso? Nun, sagen wir mal, das gute Stück roch nicht mehr so ganz angenehm. Um ehrlich zu sein, roch es schlimmer als es ein Abend in der Raucherkneipe hätte hinbekommen können. Nein, ich hab auf dem Opernball nicht zu wild getanzt, in Champagner gebadet oder eine Kollision mit der Häppchen-Dame hingelegt. Völlig falsche Richtung, oder besser: falsche Etage, ja falsches Gebäude. Ich habe unter Deck mit den anderen “Zeitungssklaven” gerudert. Liebe Redakteure, nicht falsch verstehen, ihr wart großartig! Die Wortwahl bezieht sich vielmehr auf die Arbeitsbedingungen: bis zu 20 Personen gleichzeitig in einem 15-qm-Raum ohne Fenster, mit ebenso vielen Rechnern wie Menschen, bei geschätzten 40 Grad Hitze und vermutlich exorbitanten Elektrosmog-Werten.

Derartige Grenzerfahrungen verlangen nach umso größerem Respekt vor dem Berufsstand des Journalisten: Bewundernswert, wie die Damen und Herren Redakteure über Stunden in kneifenden Smokings samt Fliege sowie hautengen Abendkleidern und High Heels in dem brütenden Verlies von einem Raum ausharren konnten, um anschließend dann noch gut gelaunt dem bunten Ball-Treiben zu frönen.
Für mich als Opernball-Newbie war das zunächst mal eine ziemliche Strapaze, aber auch ein hautnah-Erlebnis in Sachen journalistischer Arbeit, man konnte die Arbeit in jener Nacht förmlich riechen. Zitate prominenter Opernballbesucher und der letzte Schrei in Sachen Ballmode umspülten mich, in warme Wogen stickiger Luft gehüllt; der Kollege, der direkt vor mir saß, twitterte stundenlang wie aufgezogen den neuesten Ball-Gossip ins World Wide Web; zu meiner Linken und Rechten türmte sich das Equipment der Fotografen, und Redakteurin G. verdeckte mit ihrem weitausladenden grünen Ballkleid ständig die Sicht auf den Live-Monitor…

Meine erste Reaktion daheim: Nie wieder! Das mit dem Journalisten-Beruf vergessen wir am besten gleich wieder, als Sekretärin warst du doch auch ganz gut…
Und heute? See u next year :twisted:

Technische Probleme – mal wieder.

Momentan rüste ich ja mein “Büro” von einem 8 Jahre alten Tower auf Notebook um – Platz und Strom sparender, handlicher, geräuschärmer usw. Habe, denke ich, auch einen ganz guten Kauf getätigt und soweit das neue Acer-Teilchen auch schon mit der nötigen Software ausgestattet, um Fotos laden, bearbeiten, drucken, scannen und alles tun zu können, was man sonst am PC so tut. Mit dem Notebook bin ich bislang ja hoch zufrieden und staune nicht schlecht, dass ich das alles bislang als absolute PC-null ganz ohne Hilfe gepackt bekommen habe. Auch wenn ich sagen muss, dass Windows 7 doch ganz schön gewöhnungsbedürftig ist nach XP.

Aber wie es ja kommen musste, ist es nun ausgerechnet mein alter PC, der Probleme macht und mir gründlich den Spaß an der neuen Technik vermiest.
Denn, seit ich den DSL-Router vom alten Tower ab- und am Notebook angekabelt, dasselbe mit dem Drucker gemacht sowie Tastatur und Maus (keine optische) zwischenzeitlich auch vom alten Teil abgekoppelt, dann aber noch mal rangesteckt hatte, funktieren Maus und Tastatur am alten Rechner nicht mehr – und ich kriege meine Daten nicht auf Disc und somit auch nicht auf den neuen Rechner :sad:

Ich begreif einfach nicht, wo das Problem liegt – Maus und Keyboard gingen doch vorher auch, die Treiber müssten doch also noch auf dem Rechner sein. Nur, weil ich beides mal kurz abgekoppelt hatte, kann doch nicht auf einmal alles tot sein. Das Blöde ist, dass man ohne funktionsfähige Tastatur nichtmal in den zuletzt als funktionierend bekannten Modus wechseln kann. Mit meinem laienhaften Latein in Sachen Computer bin ich hier momentan so ziemlich in einer Sackgasse gelandet. Weiß vielleicht irgendeiner meiner besser geschulten Blogger-Kollegen vielleicht Rat? Freue mich über jeden Tipp.

Weihnachten in der DDR - eine

So jedenfalls wird es heute gern ziemlich pauschal dargestellt, z. B. gestern in der ARD. Weihnachten sei in der DDR ja eine “ziemlich knifflige Angelegenheit” gewesen und zwar, weil die DDR-Führung die Kirchen und den christlichen Glauben nicht gerade schätzte und ein Großteil der DDR-Bürger das Fest daher nicht in christlicher Tradition begingen, so Kirchenvertreter in der ARD.
So weit ja so richtig.
Aber – warum macht allein der Umstand, dass Weihnachten in der DDR weitgehend entchristlicht wurde und (zumindest offiziell) als Jahresend-Familien-Fest galt, zu einer “kniffligen Angelegenheit”?
Auch Stimmen, die behaupten, in der DDR hätte es an Weihnachten “nichts” gegeben, weil es ja immer “nichts” gab, werden um diese Jahreszeit mit schöner Regelmäßigkeit lauter.

Hm, aber gab es wirklich “nichts”, und war Weihnachten in der DDR wirklich so “knifflig” und trostlos?
Eine kleine Rückschau:

Weihnachten war für mich und meine Familie immer ein Fest der Besinnlichkeit, der Familie, des Beisammenseins und der kleinen Überraschungen und Gaben, die man sich gegenseitig bescherte. Und im Prinzip halten wir das bis heute so. Auch bei uns in der DDR war Heiligabend offiziell Arbeitstag, der 1. und 2. Weihnachtstag hingegegen gesetzlicher Feiertag. In der Vorweihnachtszeit gab es Betriebsweihnachtsfeiern, die besonders im Betrieb meiner Mutter immer richtig schön waren: Jedes Jahr gab es dort Märchenaufführungen der Betriebstheatergruppe für Mitarbeiter und deren Kinder, dazu Kaffee, Punsch und Gebäck.

Vor dem Heiligen Abend hatte meine Mutter die Stube immer blitzblank gewienert, der Vater hatte einen riesigen Weihnachtsbaum besorgt und aufgestellt, und am Vorabend des Heiligen Abends wurde der von der ganzen Familie traditionsgemäß angeputzt, mit bunten Lichtern, uralten Kugeln aus Familienbesitz und reichlich Lametta. Also eigentlich so, wie man das heute auch noch macht. “Knifflig” war es nie, einen Weihnachtsbaum oder Baumschmuck zu bekommen, höchstens das Aufsetzen der Weihnachtsbaumspitze auf den 2 Meter hohen Baum war manchmal eine etwas knifflige Angelegenheit.

An Heiligabend gab es traditionell mittags eine Geflügelsuppe und abends Kartoffelsalat und Würstchen oder Buletten – auch das ist heute noch so bei meinen Eltern. Beim Metzger unseres Vertrauens (damals: Seifert, Görlitzer/Ecke Sebnitzer Straße) bereits bestellt, brauchte man Würstchen und Gehacktes am Vortag lediglich noch abzuholen, und am nächsten Abend stand alles, dank Muttis Kochkünsten, lecker auf dem festlich mit dem besten Porzellan gedeckten Wohnzimmertisch. Mit dem Weihnachtsbraten für die Festtage verhielt sich das ganz ähnlich. Gab es mal keine Gans, dann eben Pute, Kaninchen oder Rouladen mit Rotkohl und Klößen, wobei Letztere in jeder Kaufhalle erhältlich waren. Klar musste man lange vorbestellen und so eine Gans konnte schon mal tief im 2-stelligen Mark-Betrag enden, aber “knifflig”? Höchstens für Mutti, die alles zubereiten musste und am 23. bis Mitternacht in der Küche stand :razz:

Und selbst wenn es zum rein kommerziellen Teil – der Bescherung – überging, konnten zumindest wir uns nicht über irgendeinen Mangel beschweren. Mal gab es eine Ski-Ausrüstung, dann einen Puppenwagen, Kleidung ein Puppenbett, Bücher, jede Menge Süßigkeiten – und natürlich die obligatorischen Dinge von “drüben” aus den Westpaketen: ein Monchichi, Kinderschokolade, Stabilo-Neon-Liner, Mickey-Mouse-Hefte, Parfümerie-Artikel und Kaffee für die Eltern usw.

Fazit:
Weihnachten in der DDR war für gewöhnlich eine schöne, besinnliche Angelegenheit, die weder trostlos noch “knifflig” war, sondern einfach nur – und gerade für die Kinder – herrlich festlich und etwas ganz Besonderes, genau, wie es das für die Menschen in der BRD damals auch gewesen sein wird. Und es wurde höchstwahrscheinlich auch ganz genau so gefeiert wie in der BRD, ob nun christlich oder weltlich, nur vielleicht etwas weniger luxuriös.
Auch, lieber Herr Ulbrich, wenn der Strom mal flackerte oder wie im Jahrhundertwinter 78/79 mal ganz ausfiel und Weihnachten bei Kerzenschein verbracht wurde – meine Eltern fanden es romantisch, nicht etwa trostlos.
Ich kenne zudem keine einzige Person aus jener Zeit, die Weihnachten technokratisch als “Jahresabschlussfest” angesehen und begangen hätte, wie es im ARD-Beitrag dargestellt wurde. Für alle war es – wie auch heute – eine Zeit der Besinnung, der Familie und der Freude. Schon in der Vorweihnachtszeit wurde das Besondere der Zeit zelebriert: Plätzchenbacken, Gedichte schreiben, Weihnachtslieder wurden einstudiert, mit dem Chor auf Weihnachtskonzerten aufgetreten.

Was besonders schön war: Nach der Bescherung klingelte man meist bei den Nachbarn oder anderen Hausbewohnern, wir Kinder stürmten zu den befreundeten Nachbarskindern, und man tauschte sich über Geschenke, Dekorationen und Traditionen aus. Heute wird wohl in den meisten Fällen im stillen Eckchen die neue Playstation ausprobiert, oder die Familie versammelt sich andächtig vor dem neuen XXL-Plasma-Bildschirm. Diese Entwicklung ist meines Erachtens nach nicht mehr nur “knifflig”, sondern bedenklich.
Heutzutage verkommt Weihnachten – trotz freier Kirchen und Meinungsfreiheit – immer mehr zur reinen Kommerzschlacht. Wer hingegen Weihnachten in der DDR in christlicher Tradition feiern wollte, der konnte das auch, wie zahlreiche christliche Nachbarn in der Neustadt jedes Jahr unter Beweis stellten, denn alle Kirchen waren Gläubigen und Nichtgläubigen auch damals an Weihnachten offen.

Alles in allem war es damals sicherlich nicht “kniffliger”, ein gelungenes Weihnachtsfest samt Braten, Geschenken und festlicher Atmosphäre zu organisieren als heute für eine Hartz-IV-Familie oder Niedriglohnbeschäftigte. Schlimmer: heute müssen Menschen aufgrund ihrer Armut wieder ernüchtert an all dem Glanz und der Gloria der Weihnachtsmärkte und Konsumtempel vorbeigehen, und Kinder drücken sich traurig die Nasen an Schaufenstern platt, weil sie all die schönen Dinge zwar sehen, sie sich aber eben nicht leisten können.
Das gabs früher so nicht. Da gabs eben allgemein nicht viel, aber das, was es gab, das konnten sich die meisten Menschen wenigstens einmal im Jahr leisten.

Insgesamt wird man das Gefühl nicht los, als würde es besonders im Interesse der Kirchen liegen, alles über Gebühr schwarz zu malen, was mit der DDR zu tun hat. Zu einem gewissen Teil sicherlich verständlich, hält man sich vor Augen, unter welchem Druck die Kirche in der DDR stand. Aber so?
Es ist ja auch nicht so, dass nur das “ungläubige DDR-Regime” Weihnachten entchristlichte und zu einem weltlichen, bürgerlichen Fest umstrickte – es gibt auch so einige weihnachtliche Traditionen, die heute u.a. in jedem Christenhause an Weihnachten Anwendung finden, die aber so gar nichts mit der christlichen Überlieferung zu tun haben: Den Weihnachtsbaum zum Beispiel – eine alte heidnisch-nordische Tradition zum Wintersonnenwend-Fest, die erst im Mittelalter so langsam im christlichen Europa Einzug fand und heute weitverbreitet zum “Christbaum” verchristlich worden ist. Und auch das ganze Weihnachtsfest, wie wir es heute im Dezember feiern, war ursprünglich keine christliche Angelegenheit, sondern datiert vielmehr auf das nordische Wintersonnenwend-Fest um den 25. Dezember herum zurück.
Die ersten Festlichkeiten zu Ehren Christi Geburt fanden vielmehr ab Mitte des 1. Jahrtausends nach Chr. um den 6. Januar statt, an Heilige Drei Könige, wie es die Orthodoxen Christen auch heute noch halten.

Also, liebe Kirchen-Vetreter: bitte lasst die Kirche doch im Dorf in Sachen DDR-Kritik. Sei sie in vielen Bereichen selbstverständlich auch noch so berechtigt – und ich will mich hier ganz sicher nicht zu Lobesarien auf die untergegagene Diktatur aufschwingen -, aber auf Weihnachten in der DDR muss doch nun wahrlich nicht herumgehackt werden. Es zieht nur abermals schöne bisweilen auch urkomische Erinnerungen in den Schmutz.

Es ist Weihnachten - Zeit für gute Vorsätze und Entschlüsse.

Und so habe ich für mich gleich Mehreres beschlossen.

1. eine neue Frisur (jaaa, typisch Mädchen…)
2. endlich mal meine Freundin in London besuchen (und dafür meine Flugangst anpacken)

Drittens ist etwas längerfristig angelegt und würde die Verwirklichung eines Lebenstraumes bedeuten.
Um das näher zu erklären, muss ich etwas weiter ausholen.

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Mein Vater hat zu DDR-Zeiten jahrelang in der damaligen Sowjetunion an der Erdgastrasse gearbeitet und war deshalb für mich als Vater über eine lange Phase meiner Kindheit nicht wirklich präsent, da er nur für wenige Wochen im Jahr nach Hause kam.

Zunächst war er in der Ukraine stationiert, später am Fuße des Ural an der Grenze zu Sibirien.
Wenn er heimkam, zeigte er uns wackelige Schwarz-Weiß-Fotoaufnahmen vom Arbeitercamp, von den umliegenden Dörfern, von feucht-fröhlichen Feiern mit den gastfreundlichen Einheimischen, sehr freundliche Menschen, sehr bescheiden. Und er erzählte von den rauen Wintern, den glühend heißen Sommern (in Südsibirien kann es im Winter bis zu -40 Grad kalt und im Sommer bis über 30 Grad heiß werden), vom harten Alltag in den Trassen-Camps und dem noch härteren Leben in den abgeschiedenen Bergdörfern des Ural und der Karpaten.

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Wir Kinder hörten immer voll Spannung und Begeisterung zu, für mich war es immer, als ob mein Vater den überwiegenden Teil des Jahres ein Leben wie aus einem russischen Märchenbuch führte – mit tiefen, dunklen, verschneiten Wäldern, mit Wölfen, Luchsen und windschiefen Katen mit altmodischen Kachelöfen darin. Ich malte mir mein ganz eigenes Bild von diesem wilden, weiten Land – ein Bild in Schwarz-Weiß.

Und so habe ich nun für mich beschlossen, dieses Bild in Bälde farbig und real werden zu lassen, indem ich jene Region bereisen werde – per Zug, 1. Klasse in der TransSib (Transsibirische Eisenbahn).
Zunächst aber solls in die Ukraine gehen, die Karpaten, vielleicht sogar bis ans Schwarze Meer. Anschließend dann nach Moskau und von dort mit der TransSib über Sibirien bis nach China.
Unter anderem werde ich dann in genau jener Stadt am Fuße des Ural Halt machen, in der mein Vater vor gut 20 Jahren oft einkaufen ging – in Perm. Es wird durch Burjatien nördlich der Mongolei und Jakutien gehen.

Sobald das Geld für dieses größte Abenteuer meines Lebens verdient, die richtige Reisebegleitung gefunden ist, wird organisiert, durchgeplant und Tickets besorgt werden.
Bei diesem Projekt ist es mir besonders wichtig, einen Einblick in die Kulturen der verschiedenen Völker zu erhalten, die wir hier im Westen für gewöhnlich unter dem ignoranten Sammelbegriff “Russland bzw. die Russen” zusammenfassen: die Mari, die Burjaten, die Jakuten, die Ukrainer, die Chakassen, die Tuwiner, die Russen, die Tataren, die Baschkiren und andere.

Und wenn ich diese unglaubliche Reise tatsächlich realisiert und durchlebt habe, dann werde ich ein Buch darüber schreiben.
Ich kann die einsam-schöne Wildheit der Birken-Ebenen und Bergwälder schon förmlich vor mir sehen…

Advent, Advent, ein Lichtlein brennt...

Advent chez Jane

… oder im Falle dieses heute morgen aufgenommenen Bildes sogar schon zwei. Bei mir gibt’s nur Advent-Wochenenden, und die fangen eben samstags an ;)

Mal was anderes als die üblichen Tannenkränze, hab ich mir so gedacht…
Und weil Advent ja bekanntermaßen die Zeit für allerlei Weihnachtsbäckerei ist, hier ein uraltes Plätzchenrezept meiner Großmutter selig:

Butterherzen

Man nehme:
200 g Zucker
1 Päckchen Vanillezucker
1 Pr. Salz
200 g weiche Butter
11/2 Eier (den Rest aufheben zum Bestreichen der Plätzchen)
500 g Mehl
2 TL Pottasche (wahlweise auch Backpulver)
geriebene Schale von 1 Zitrone
2-3 EL Weinbrand und/oder Rum

So wird’s gemacht:

1. Zucker, Salz, Butter, Eier und Zitronenschale schaumig rühren.
2. Mehl und Pottasche unterrühren.
3. Weinbrand/Rum untermischen und mit der Hand zu einem homogenen Teig verkneten.
4. 6-8 Stunden im Kühlschrank ruhen lassen (wegen der Aromen)
5. Teig 3 mm dick ausrollen und Formen ausstechen.
6. Plätzchenrohlinge auf ein mit Backpapier ausgelegtes Blech geben und mit verquirltem Ei bestreichen – wahlweise können jetzt auch schon Rosinen oder Orangeat/Zitronat draufgelegt werden (leicht andrücken).
7. Plätzchen bei ca. 175 Grad 10-15 Minuten goldgelb backen und nach Wunsch glasieren und belegen.
Tipp: Schöne Glasuren stellt man selbst aus etwa 150 g Puderzucker, je nach Geschmack etwas Kakao-Pulver sowie etwas Wasser bzw. Zitronensaft her, bis die gewünschte Konsistenz erreicht ist.

Allen Blogger-Kollegen und Lesern einen leckeren Advent!

Matt Good Cover direkt von der Waschmaschine herunter.

Soeben auf Youtube entdeckt und sofort verliebt – nicht in den Typen, sondern in dieses wirklich wunderschöne, sozusagen im Rhythmus der Waschmaschine aus dem Stegreif performte Cover eines meiner Lieblingssongs meines absoluten Lieblingskünstlers Matthew Good.
Es versöhnte mich sozusagen ein wenig mit der momentan auf dem neuesten Matthew-Good-Album “Vancouver” veröffentlichten Version dieses im Original rein akustisch konzipierten Songs, die doch – wie das gesamte Album – für den Harcore-Fan einigermaßen enttäuschend ausfiel.
Ich bin ja der Ansicht, dass dieser so tiefschürfende Song über die Leichtigkeit, mit der die Menschen oft über das größtmögliche Gut hinweggehen: das Leben, ganz einfach akustisch gespielt werden muss, mit so wenig technischem und instrumentellem Putz wie möglich. Und unser youtube-Matthew oben im Video hat da voll meinen wunden Nerv getroffen :grin:

Lyrics:

What will you find, where will you be
When you’ve got to trade for company
Those plastic guns and infantry
For a silent army in the trees
Well this ain’t the woods behind the house
There ain’t nobody screaming out
For you to come inside and eat
You’re just holding your friends and watching them bleed
Wore camouflage on Halloween
A plastic bag, an M-16
Door to door and house to house
But there ain’t nobody handing it out
Ya nothing’s even what it seems
When you’re kicking in teeth and wishing it dreams
Just plastic guns and infantry
For a silent army in the trees

Well baby don’t you let me down
A world away and still somehow
Can’t shake the feeling that you’re out
With another man’s arms wrapped tight around you
At night it’s cold, we sit and freeze
Running red lights in our Humvees
Never thought I’d live to see the day I’d be
Afraid of little kids playing in the streets
Well this ain’t the woods behind the house
There ain’t nobody screaming out
For you to come inside and eat
You’re just holding your friends and watching them bleed

I’m on fire
But all ice on the outside
That old man in the sky
Well he’s all ice on the outside

A muted whale out in the streets
You watch the stage but burn the seats
Two metal legs to get along
You ain’t got much without one to stand on
Sometimes at night I hear it roll
A hundred cars long pulling out slow
Like the engineer’s inside my head
Cold and dark like your side of the bed
Ya nothing’s ever what it seems
And even if it is ends justify means
With plastic guns and infantry
For a silent army in the trees

I’m on fire
But all ice on the outside
That old man in the sky
Well he’s all ice on the outside