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1 Jahr Weidegrund - eine kleine Bilanz.

Seit etwas über einem Jahr gibt es den Weidegrund nun schon. Seit Juli 2009 habe ich insgsamt 146 Artikel verfasst, das entspricht in etwa einem Schnitt von einem Artikel alle 21/2 Tage. Von den 17 Kategorien war erwartungsgemäß mit 68 Artikeln “Politik und Gesellschaft” die am häufigsten verwendete, gefolgt von “Nahost” (31) und “Menschenrechte” (29).
Dem Anspruch, ein primär gesellschaftskritisches, politisches Blog zu sein, ist art und wIEse also fraglos gerecht geworden.

Nach dem 500. Kommentar am 29.03.2010 konnte nun vorgestern der 1000. verbucht werden.
Insgesamt entfielen auf besagte 146 Beiträge bis heute 1022 Kommentare, das entspricht einem Schnitt von 7 Kommentaren pro Beitrag. Der Artikel mit den meisten Kommentaren war “Kolumne: Standardisierte Inkorrektness” vom 10. Juli 2010 mit bislang 52 Kommentaren, gefolgt von “Nachmittagsärgernisse” vom 06. April 2010 mit 49 Kommentaren und “Blockade-Aktionen vom 13. Februar haben Nachspiel” vom 19. März 2010 mit 44 Kommentaren.

Es wurden viele tolle Diskussionen geführt, mit sehr unterschiedlichen Leuten, deren Ansichten sich erfreulicherweise selten mit meinen eigenen deckten. Neben den vielen netten Begegnungen gab es allerdings auch einige der weniger schönen Art. So wurde ich zeitweise mit Hassmails bombardiert, musste ebenso feindselige Kommentare entfernen, jemand postete unter meinem Namen unschöne Dinge in anderen Foren. Das Leben als politischer Blogger ist nicht immer ein Zuckerschlecken, doch man reift ungemein, man erfährt vieles über Menschen und Charaktere, bisweilen verändert sich sogar die eigene Wahrnehmung hinsichtlich bestimmter Sachverhalte.
Vielen Dank an alle, die sich hier rege beteiligt haben – ich hoffe, ihr bleibt mir treu ;-)

Ein Hoch dem Pluralismus, der Freiheit und der Gleichheit!

Intelli-Kater.

…Lasst euch gesagt sein, das stetige Streben nach Horizonterweiterung und einer möglichst vollumfänglichen Durchdringung der Komplexität unserer Welt kann bisweilen schon recht ermüdend sein. Schon Nietzsche und Freud dürften diese verdriesliche Erfahrung gemacht haben…

Schaffenskraftliches Sommerloch.

Also, nicht dass jemand denkt, hier ginge es nicht weiter. Momentan fehlt dem Weidegrund-Leitschaf lediglich die Zeit, um Produktives auch an dieser Stelle zu fabrizieren.
So vieles schwirrt mir im Kopf herum: zum Beispiel, warum ich Joachim Gauck zwar für einen gestandenen Bürgerrechtler und DDR-Vergangenheit-Aufarbeiter halte, als Bundespräsident aber für eine Fehlbesetzung (ebenso wie übrigens Christian Wulff), was ich über die vonseiten einiger ewig Gestriger aus der Union geforderten Intelligenztests für Migranten denke und was über die “Lockerung” der Gaza-Blockade durch Israel und dessen einseitige, interne “Untersuchung” des Überfalls auf eine Hilfsflotte von Ende Mai (der Weidegrund berichtete dazu ausführlich).

Allein, die Zeit fehlt. Meine schreiberischen Qualitäten sind momentan anderweitig voll in Beschlag genommen – was mich ausfüllt und zufrieden und glücklich macht. Fürs Schreiben bin ich halt doch irgendwie geschaffen – es ist wohl eines der wenigen Dinge, die ich wirklich gern tue und auch gut kann (hab ich mir zumindest sagen lassen).
Eine Sommergrippe hat mich zudem jüngst aus den Flip-Flops gehauen – just zum Start der Schönwetter- und der heißen Phase der Fußball-WM. Halsauspinseln statt lecker Caipis im Biergarten vorm Großbildfernseher ist angesagt.
Dann bleibt mir mal alle schön heiter und genießt den Sommer und die spannenden WM-Tage.
Euer Oberschaf (eigentlich klingt Schäfchen ja viel schöner, und passt auch besser…)

Weil ich gefragt wurde, will ich antworten.

Weil ich gestern gefragt wurde, wie ich eigentlich zum Rücktritt unseres Herrn Bundespräsidenten stehe und diesem “einschneidenden Erlebnis” doch ein paar Zeilen hätte widmen sollen, hier nun meine Antwort:

Ich habe von gestern Nachmittag an keinen Radio- und keinen Fernsehsender einschalten sowie kaum ein Nachrichtenportal oder Blogspot aufrufen können, ohne dass es deftig “Geköhlert” hätte, wie es ein Kollege von mir ausdrückte. Vom Ersten bis zum Zweiundvierzigsten, von Ost nach West, vom Nachmittag bis Mitternacht menschelte es “Bestürzung”, “Bewegung” und Kritik – Köhler als vorbildlicher Bundespräsident, der “immer nahe bei den Menschen” gewesen sei, Köhler als Weichling, der “nicht kritikfähig” sei und sich aus seiner Verantwortung stehle, sobald es kritisch würde; es hagelte von allen Seiten bis tief in die Nacht Porträts, Kommentare und Nachrufe – bis ich mir irgendwann nicht mehr sicher war, ob Horst Köhler nicht vielleicht doch verstorben war.
Das ist er natürlich glücklicherweise nicht. Was ich aber damit sagen will, ist, dass ich das Ausmaß des Aufrisses um seine sicherlich taktische Entscheidung nicht recht begreifen kann. Es wird einen Nachfolger geben, der das naturgemäß blasse Amt des Bundespräsidenten ebenso wenig über die Verfassungsgrenzen hinaus mit Leben und Farbe wird füllen können wie Köhler und seine Vorgänger. Deshalb werde ich mich zum Thema auch ganz bewusst kurz halten.

Mir fehlt einfach die Portion gekünsteltes Pathos, in einem Bundespräsidenten etwas Besonderes zu erblicken, der im Grunde nur das wiederholt, was alle anderen Politiker seit eh und je praktizieren: Wirtschafts- und strategische Interessen rechtfertigen eben manchmal auch todbringende Kriegseinsätze, na klar! Manche mögen darin Courage erblicken, ich dagegen empfinde es als Kapitulation vor Macht- und Herrschaftsstreben.

Ein Ort, an dem jeder Stein eine Geschichte erzählt.

Schon oft war ich am Rande von Radtouren oder Spaziergängen hier vorbeigekommen. Und immer – wie so oft, wenn ich an Friedhöfen vorbeigehe – hat mich ein leichtes Schaudern dabei ergriffen. Und jedes Mal hatte ich mir vorgenommen, mir diese Stätte einmal genau anzusehen. Jahrelang war sie für die Öffentlichkeit nicht zugänglich. Dann, ab 2007, konnte man sie wieder betreten, nachdem sie halbwegs wieder in Schuss gebracht worden war.
Die Rede ist vom Garnisonfriedhof der Roten Armee an der Marienallee, oberhalb des Prießnitzgrundes. Von 1945 bis 1987 bestatteten die nach dem Sieg über Hitler-Deutschland hier stationierten Sowjettruppen hier ihre Toten, darunter auch Frauen und Kinder.

Doch immer wieder zögerte ich seither, das gusseiserne Tor zu öffnen und jenen Platz zu betreten, an dem auf pi mal Daumen zwei Hektar verstreut mehr als tausend steinerne Grabmale in einschüchternder Gleichförmigkeit stehen, die sich erst auf den zweiten blick in Form und Gestaltung voneinander unterscheiden.
Als ich gestern das schwere Tor endlich aufstemmte, gesellte sich zu dem leichten Prickeln entlang der Wirbelsäule ein Gefühl der Ehrfurcht, der Bedrückung, aber schnell auch eine Art stille Heiterkeit und innerer Frieden.
Ich bin nicht allein. Inmitten der Gräber hat sich eine ganze Familie mitsamt Baby auf Bänken in einem kreisförmig angelegten Ruhebereich niedergelassen. Ich nicke freundlich und wende mich den Gräbern zu.

Still ist es hier und unglaublich grün, die Vögel zwitschern und die Sonne lässt den hellen Sandstein der Grabmale leuchten, die auf wildgewachsener Wiese in Reih und Glied stehen, Wildblumen und Kienäpfel bilden einen seltsam schönen Schmuck für fast jedes Grab.

Ingenieur-Major Georgiy Moissejewitsch, Grab mit Marmorplatte und Wildblumenpracht.

Ingenieur-Major Georgiy M. Kisseljew, Grab mit Marmorplatte und Wildblumenpracht.

Rhododendren und Hecken umsäumen rote Kieswege, Nadelgehölze und übermannshohe Büsche teilen das Gelände in verschiedene Bereiche. Erstaunt stelle ich fest, dass der Friedhof viel größer ist, als er von außen wirkt: Hinter hohem Gebüsch schließen sich an die endlosen Reihen der Stelen im Nordbereich versteckte Ecken an, wo im Schatten der Bäume kleine, einfache Grabsteine und halb überwucherte Bodenplatten mit Inschriften ruhen. Gräber von Kindern und Jugendlichen hauptsächlich.
Insgesamt vier verschiedene Monumente zähle ich, alle noch aus DDR-Zeiten und alle mit flammenden Hymnen auf Ruhm und Ehre der hier Bestatteten sowie einschlägigen Symbolen, vom tapferen Soldaten mit Waffe, über die rote Fahne bis hin zum unermüdlichen Arbeiter, besetzt. Unkontrolliert zuckt eine Augebraue nach oben und ein ironisches Grinsen huscht über mein Gesicht, um gleich darauf wie ertappt wieder zu erlöschen.

Sinnend laufe ich durch die Reihen der Grabmale. Namen und letzte Grüße in kyrillischer Schrift, Geburts- und Sterbedaten ziehen an mir vorbei – bedrückend: Die allermeisten hier Begrabenen haben kaum das 45. Lebensjahr erreicht. An einigen wenigen Stelen sind sogar noch die Keramiktafeln mit den Abbildern der Toten erhalten; die Gesichter der zumeist jungen Soldaten blicken stolz und ernst – entschlossene, mutige junge Männer, wie man sie in der Sowjetarmee gerne sah.
Und mit einem Male, so scheint es mir, bin ich von Geschichten umgeben, nicht mehr von Gräbern. Geschichten, die ich lediglich noch nicht zu entschlüsseln vermag.

Grenadier P. D. Koschelnik starb im Mai 1958 mit nur 21 Jahren.

Grenadier P. D. Koschelnik starb im Mai 1958 mit nur 21 Jahren.


Leutnant P. J. Komarov starb 1947 mit nur 26 Jahren.

Oberleutnant P. J. Komarov starb 1947 mit nur 26 Jahren.

Am Westende des Friedhofs finden sich ganze Reihen von Gräbern, in denen junge Soldaten ruhen, die kaum älter als 20 wurden. Was geschah mit ihnen? Anfangs dürften noch die desaströse Lage betreffs Versorgung und Hygiene der Nachkriegsjahre sowie alte Kriegsverletzungen eine Rolle gespielt haben. Doch woran starben Ende der 50er- bis Mitte der 60er-Jahre in Dresden reihenweise junger russischer Soldaten Anfang 20? Diese Frage lässt mir seither keine Ruhe, mein Forscherdrang ist geweckt.

N. I. Duboviy war erst 14 Jahre alt, als er bei der Schlacht um Dresden im Mai 1945 fiel.

Unteroffiziersanwärter N. I. Duboviy war erst 14 Jahre alt, als er bei der Schlacht um Dresden im Mai 1945 fiel.


Erschüttert stelle ich zudem fest, dass bei der Einnahme der Stadt Dresden im Mai 1945 sogar halbe Kinder kämpften – und fielen: Das Schicksal des erst 14-jährigen Unteroffiziersanwärters (Kursant) N. I. Duboviy war beileibe kein einzelnes in jenen entmenschlichten Tagen der Schlacht. Bei dem Gedanken daran, Kindern ein Gewehr in die Hand zu drücken und sie in einen so mörderischen Krieg zu schicken, befällt mich ein Gruseln.

Und selbst nach all der Zeit, nach bis zu 65 Jahren, liegen hier und da an Grabsteinen kleine Blumengrüße, an einer Stele steht ein Topf mit weiß-gelben Margeriten aus Plastik, sie leuchten weithin zwischen den schmucklosen Grabsteinen. Angehörige, die nach wie vor hier leben? Auf jeden Fall eine unermüdliche, vielleicht sogar über große Distanzen aufrechterhaltene Kultur des Erinnerns an geliebte Menschen, die viel zu früh ihr Leben lassen mussten.
Ab und zu knie ich vor einem der Grabsteine im weichen Gras nieder, lese genauer, betrachte Gesichter. Erst da fällt mir auf, dass die Grabsteine durchaus unterschiedlich aussehen, die Gravuren und Ornamente der höheren Dienstgrade sind zumeist aufwendiger und kunstvoller gestaltet, als bei einfachen Gefreiten. Geburtsdaten werden hier teils voll ausgeschrieben, die Inschriften befinden sich auf Mamorplatten, oder Grußworte der Angehörigen sind zu lesen, während bei niederen Dienstgraden nur Name, Geburtsjahr und Sterbedatum in einfachem Sandstein eingraviert sind und die Stelen nur ein einfaches Ornament in Form eines Sterns aufweisen.
Auch sind es oft die niederen Dienstränge, die in Mehrfachgräbern bestattet wurden (siehe Foto links).
Während ich fotografiere, komme ich mir irgendwie vor, wie ein Voyeur. Doch längst hat mich der Ort mit seiner irgendwie magischen Atmosphäre gefangen genommen, und ich will darüber berichten.

Oberstleutnant A. M. Kirejew - Grab mit Marmorfront.

Oberstleutnant A. M. Kirejew - Grab mit Marmorfront.

So wild-romantisch der weitestgehend der Natur überlassene Ort auch wirkt – die mangelnde Pflege und Aufsicht haben auch ihre negativen Seiten: Am Mahnmal im Südteil des Friedhofes liegen verwelkte Blumen und Gebinde, viele noch mitsamt der Kunststoffverpackung. An den Inschriften der verblichenen Bänder ist zu erkennen – sie liegen bereits seit dem 8. Mai hier, dem Tag der Befreiung – unansehnlich, von Wind und Wetter zerzaust. Von den umliegenden Gräbern klaube ich verstreutes Blumenpapier, gieße Blumen, die in Töpfen am Mahnmal stehen und die Köpfe hängen lassen.
Aufgeräumt und gepflegt wird hier ganz sicher nicht. Im Papierkorb in der Sitzecke finden sich haufenweise leere Flaschen diverser Alkoholika und andere Reste für meinen Geschmack und den Ort zu geselligen Beisammenseins. Als ich mich vom hinteren Teil des Friedhofes wieder in Richtung Tor bewegen will, sehe ich gerade noch einen jungen Mann in Radlerdress den Hosenstall schließen, sein Rad lehnt an dem Denkmal, hinter dem er gerade seine Notdurft verrichtet hatte. Darauf angesprochen, wie er es fände, wenn später mal jemand neben seinen Grabstein pinkeln würde, winkt er feixend ab und sucht das Weite.

Es scheint, als wäre der abgelegene Ort so ein wenig in Vergessenheit geraten. Die Kriegsgräberfürsorge sorgt zwar für ein Mindestmaß an Ordnung und legt einmal im Jahr zum 8. Mai Blumen nieder. Doch an den Gräbern selbst wird nichts gemacht, sie sind der Verwitterung und auch Vandalismus preisgegeben. Auch aufgrunddessen sind mittlerweile nur noch wenige der Keramikfbildertafeln an den Stelen erhalten – dabei sind sie es gerade, die dem Friedhof etwas Menschliches, Persönliches verleihen. Ich erinnere mich an Spaziergänge zu Kinderzeiten, bei denen von den Grabmalen noch zahlreiche Gesichter, teils in Farbe, durch die Gitterstäbe blickten. Heute haben selbst die vereinzelt noch erhaltenen zum Teil schon Risse.

Grab von Hauptmann D. P.  Mazakov mit fast zerstörtem Keramikbildnis.

Grab von Hauptmann D. P. Mazakov mit fast zerstörtem Keramikbildnis.

Familientrip in die Servicewüste - oder was eine Heiße Zitrone über Kundenorientierung zu erzählen weiß.

Gestern, Pfingstmontag. Hastig hatte ich mit der Familie eine Verabredung in der Dresdner Innenstadt getroffen, um die wenigen Sonnenstrahlen des frühen Nachmittags zu erhaschen. Allerdings fing das Unterfangen schon ziemlich blöd an, da die Neustadt just in dem Moment, in dem ich mich aufs Rad schwingen wollte, von den Ausläufern der Gewitterfront getroffen wurde, die im Großenhainer Land eine Schneise der Verwüstung hinterließ. Aufgrund des starken Windes und prasselnden Regens musste ich warten, bis das Gröbste vorüber war – während meine Family 20 Minuten am Treffpunkt auf mich warten musste.

Als ich am Haus der Presse ankam, hatte sich der Himmel zwischenzeitlich auch hier in ein bedrohliches Dunkelgrau gefärbt, Wind peitschte nun auch durch die Gassen der Innenstadt, doch das tat der Stimmung keinen Abbruch. Munter starteten wir in Richtung Landtag und Theaterplatz.
Doch schon, als wir am Fürstenzug ankamen, öffneten sich sämtliche Schleusen, die Straßen verwandelten sich binnen Kürze in eine Seenlandschaft, und während ich mit der einen Hand den Schirm umklammerte und mit der anderen abwechselnd versuchte, die wirren Haarsträhnen zu bändigen, die mir der Sturm um Mund und Augen jagte, und die etwas zu lang geratenen Hosenbeine vor den Pfützen zu retten, flüchteten die anderen bereits kurzentschlossen in eines der Restaurants am Neumarkt. Ich stolperte etwas irritiert hinterher.
Drinnen brach zunächst ein Kampf derjenigen, die aufgrund des Unwetters die gleiche Idee hatten, um die letzten freien Plätze aus. Giftige Blicke und genervtes Zungenschnalzen taten den Ärger derjenigen kund, die keinen Platz mehr ergattern konnten. Beherzt sprang ich durch eine Gruppe verdutzt dreinguckender Touristen zu einem frei werdenden Tisch und rief die anderen heran – im Nachhinein bin ich eingermaßen froh, dass ich mich in diesem Moment nicht selbst im Spiegel beobachten musste: eine aufgeplusterte Henne, die gackernd und flügelschlagend ihren Nistplatz markiert und gegen Konkurrenten verteidigt… brrrr.

Nun ja, nach all den unerwarteten Strapazen, die der Nachmittag parat gehalten hatte, stimmte die Aussicht auf Kaffee und Kuchen in gehobenem Ambiente direkt unterhalb der Frauenkirche etwas versöhnlich. Der Kellner, der kam, um uns zu bedienen, erinnerte mich ein klein wenig an eine uralte Geschichte des Blogger-Kollegen Anton Launer zu einem ehemaligen Kellner eines ehemaligen Neustädter Inn-Lokals, der heute überdies ein geschätzter Kollege ist.
Mit unverkennbarer Flamboyance näselte er ein: “Was kann ich Ihnen bringen?”
Doch weit kam meine Mutter mit der Bestellung nicht, denn gerade, als sie sich anschickte, der bestellten Schwarzwälder Kirschtorte noch meine Eierschecke hinzuzufügen, wandte der junge Ober sich bereits einigermaßen ungeduldig zum Gehen, schnappte wie von einem Gummiband gehalten wieder zurück, als er bemerkte, dass die Bestellung noch nicht beendet war, wiederholte herablassend “…und ein Stück Eierschecke…” – und wandte sich abermals zum Gehen, als mein Vater mit einem gefährlichen Stirnrunzeln und mit Nachdruck noch ein Kännchen Kaffee mit 2 Tassen und die heiße Zitrone folgen ließ, die ich ausgewählt hatte. Zwischendurch traf mich ein Blick, der zwischen Neugier und Verachtung schwankte.
Nachdem wir die gesamte Bestellung schließlich hatten unterbringen können, rauschte unser Oberlein davon, als hätte man ihn zwischenzeitlich an unseren Tisch gekettet und gegen seinen Willen dort festgehalten.

Wir sahen uns an: Meine Mutter schnappte empört nach Luft, mein Vater sah immer noch aus, als würde er jeden Moment explodieren – und ich bekam einen Lachanfall, mit dem ich schließlich meine Mutter ansteckte. Wir flüchteten aufs WC.
Als wir zum Tisch zurückkehrten, hatte unser Ober den ersten Teil der Bestellung gebracht: für die Eltern ein Kännchen Kaffee und zwei Tassen – ähm, mit Kaffee. Keine leeren, wie es Sinn gemacht hätte und wie bestellt worden war. Wir nahmen es mit Humor: “Da hätta wohl eenfach mal n bissjen oofmerksamer die Löffel uffsperrn solln, als wa bestellt hattn, statt hier so arrojant rumzuhampeln”, witzelte meine Mutter in feinstem Berlinerisch.
Der Kuchen kam, ich war zufrieden, aber meine Mutter war jetzt richtig in Fahrt: Die Kirschfüllung bestand aus zu viel Gelee statt richtigen Kirschen, die Creme war zu fettig und überhaupt schmeckte das Teil “wie Diätkuchen”. Als Nächstes fing mein Vater an, am Kaffee herumzumosern – “ni de Welt, viel zu dinne”. Den ungekrönten Höhepunkt aber bildete die Ankunft meiner “heißen Zitrone”. Für die 2,30 €, die ich für das kleine Glas bezahlen sollte, bekam ich ein Instant-Zitronengetränk, wie es aus jedem Uni-Getränkeautomaten läuft, statt einer frisch zubereiteten heißen Zitrone, wie man sie etwa im Scheune-Cafe oder der Planwirtschaft serviert.

Der Bogen war überspannt. “Unmöglich!”, entwich es mir, während ich noch mit dem grauenhaften Geschmack nach lauem Pippi kämpfte. Ein solches Gebräu hätte ich noch nicht mal meinen beiden erkälteten Kollegen angeboten, wie ich später in Gedanken notierte. Immerhin, heiß war es, das Gemisch aus Aromen, Farbstoffen und Vitaminpräparaten.
Mom und Paps schlürften derweil mit angwidertem Gesicht ihren Bohnenkaffee: “Frechheet! Da wird mer ja bei McDonalds besser bedient”, gollte Paps, der als Fernfahrer sonst eher robusten Raststätten-Charme gewohnt ist. Und auch im Pinguin-Eiscafe mit Kantinen-Feeling beim Zoobesuch mit klein-Jack neulich war der Kaffee hundertmal besser – und billiger natürlich.
“Keen Trinkjeld, Lutz, ditt fehlte ja noch”, schnaubte meine Mutter mit tiefbeleidigtem Seitenblick in Richtung Thresen.
Und während mir mein Bauchgefühl empfahl, diesen wenig service- und kundenorientierten Ort so bald als möglich zu verlassen, versprach ein Blick nach draußen in den immer noch vom Himmel herabströmenden Regen wenig Gutes.

Abkassieren kam dann gottseidank nicht unser zappeliger Kellner, sondern eine Kollegin. Bei der einstudierten, beiläufig wirkenden Frage “Und, war alles zu Ihrer Zufriedenheit?” hielt es mich nur mit Mühe auf meinem Stuhl. ‘Immer schön ruhig bleiben’, dachte ich mir, ‘hier kommst du eh nicht wieder her’.
Zu meiner Überraschung entgegnete mein Vater mit unverhohlener Ironie: “Also, wenn Se schon so dirrekt frachen, de weld war das hier nich.” Wie vom Blitz getroffen war die Kellnerin aus ihrer höflichen Gleichgültigkeit erwacht, Kritik hatte es hier anscheinend noch nicht allzu oft gehagelt. Nun wurde auch ich etwas mutiger und mahnte freundlich aber bestimmt an, dass ich laut Karte eine “heiße Zitrone” und kein Instant-Zitronengetränk bestellt hatte.
Mit einiger Belustigung vernahm ich die anschließenden Tipps in Sachen Dosierung der Kaffeemaschine, die mein Vater der sichtlich peinlich berührten Bedienung gab. Meine Mutter warf mir von der Seite einen Blick zu, der Genugtuung verriet. Der Aufruhr war mir unangenehm, ‘nur raus hier’, dachte ich.

Keine fünf Minuten später standen wir wieder auf der Straße, meine Mutter immer noch tief gekränkt ob der “miesen Bedienung” und permanent am Schimpfen über den “unterirdischen Service”, während ich eigentlich die ganze Zeit nur lachen musste. Was soll man sich auch aufregen über die wenig überraschende Entdeckung, dass die Servicewüste ihre öden, sandigen Ausläufer nun sogar schon in die Nobelviertel der Stadt einsickern lässt: Schwarzwälder Kirschtorte von K-Classic, frisch aus dem Tiefkühler, Zitronenpulver zum Aufgießen aus der Drogerie, Kaffee in maximaler Spardosierung und das alles in einem Lokal in exquisiter Lage – das wird die Zukunft sein in einer Welt, die sich noch mal totsparen wird, um konkurrenzfähig zu bleiben.
Im strömenden Regen kämpften wir uns zurück zum Haus der Presse. ‘Na hoffentlich werden die Tweed-Hosen nicht schrumpelig’, dachte ich besorgt beim Anblick meiner schon leicht angefeuchteten, hochgekrämpelten Hosenbeine – immerhin musste ich anschließend noch zur Arbeit.

Update: Gewissenlose Abzocke der Stromanbieter - wem kann man eigentlich noch trauen?

Der globalisierte, freie Markt hat zusehends ein Klima des Gewinnstrebens und des Überlebenskampfes zwischen den einzelnen Marktteilnehmern geschaffen, das den Grundsatz des “Ehrbaren Kaufmannes” in die Bedeutungslosigkeit verdrängt hat.

Nach der Zwangsübernahme der freenet-Telekommunikations-Kunden durch 1&1, von der ich betroffen war und durch die man zum 1&1-Bestandskunden 2. Klasse mutierte, ohne dagegen etwas unternehmen zu können, ist es nun der Stromanbieter TelDaFax, der einem mit inakzeptablem Geschäftsgebaren den letzten Nerv raubt.
Seit 1. Mai letzten Jahres bin ich nun Kunde bei TelDaFax, denn der alljährliche Stromanbieterwechsel ist aufgrund der unerträglichen Preispolitik der meisten Anbieter fast schon zur Routine geworden. Ich wählte seinerzeit den Tarif 1508, mit 7,04 € Grundpreis (richtet sich nach dem Grundpreis des lokalen Grundversorgers – hier die DREWAG) und 17,71 Cent/Kwh Arbeitspreis. Zudem bot der Tarif ein Jahr lang eine Preisgarantie an, bestand allerdings auch auf einer Mindestlaufzeit von 1 Jahr mit Kündigungsfrist von 6 Wochen zum Laufzeitende. Bei nicht rechtzeitig erfolgter Kündigung verlängert sich die Laufzeit um ein weiteres Jahr.
Es muss dazugesagt werden, dass ich aufgrund struktureller Gegebenheiten (Durchlauferhitzer für Küche und Bad, EBK mit alten Geräten) außerordentlich hohe Stromkosten habe, bislang zahlte ich immer einen Abschlag von 56 € pro Monat bei etwa 3000 kwh Jahresverbrauch.

Nun erhielt ich pünktlich zum Ende der einjährigen Mindestlaufzeit Ende April ein Schreiben von TelDaFax mit der Aufforderung, den Zählerstand abzulesen und dem Konzern online mitzuteilen, damit die Endabrechnung erstellt werden könne. Und – welch Freude: Es stellte sich heraus, dass ich aufgrund des Einbaus eines moderneren Durchlauferhitzers sowie eines neuen Einbauherdes gegen Ende des letzten Jahres meinen Stromverbrauch erheblich hatte reduzieren können – immerhin auf nunmehr moderate 2600 kwh. Es winkt also eine schöne Rückzahlung. Doch die Freude währte nicht lange, denn ein paar Tage später stellte ich fest, dass TelDaFax, statt wie bisher einen Abschlag von 56 Euro, mit einem Mal 63 Euro von meinem Konto abgebucht hatte – einfach so.

Ein Anruf bei der Service-Hotline brachte es ans Licht: TelDaFax hatte mirnichtsdirnichts nach Ablauf der Preisgarantie die Strompreise erhöht und mich in den teuersten TelDaFax-Tarif eingestuft – mit saftigen 20,20 Cent pro Kwh, 2,5 Cent mehr als bisher!
Man behauptete, die Kunden Ende Februar über die bevorstehende Strompreiserhöhung schriftlich informiert zu haben – allein, ein solches Schreiben, welches selbstverständlich unmittelbar Anlass zur Kündigung für mich geboten hätte, hat mich nie erreicht. Folglich sah ich auch keine Veranlassung, meinen Vertrag fristgerecht zu kündigen, was jetzt selbstverständlich nicht mehr möglich ist.
Ich sitze nun also zunächst einmal bis Ende April nächsten Jahres auf einem sauteuren Stromtarif fest, den ich freiwillig niemals akzeptiert hätte. Der Widerspruch ist schon so gut wie geschrieben.

Die Frage, die mich nun umtreibt, ist natürlich: Steckt da System hinter? Werden die Kunden absichtlich von TelDaFax im Dunkeln über bevorstehende Strompreiserhöhungen gehalten, damit nicht vom Kündigungsrecht Gebrauch gemacht wird, um so die lästige Informationspflicht zu umgehen, die der Gesetzgeber vorschreibt?
Und welche Möglichkeiten habe ich nun als Betroffener in diesem Fall? Zum einen stehe ich hier als Stromkunde, der sich um sein Kündigungsrecht geprellt sieht, da er – aus welchen Gründen auch immer – nicht über die bevorstehende Preiserhöhung informiert wurde. Warum macht man so etwas nicht per email, um später einen einwandfreien Nachweis zu haben?

In jedem anderen Fall, in dem ich als Verbraucher in der Informationspflicht stehe (z.B. Kündigungen, Widersprüche usw.), habe ich auch automatisch die Nachweispflicht, sprich, ich muss nachweisen, dass ich den Vermieter, die Versicherung, das Amt oder wen auch immer rechtzeitig und fristgerecht über einen Sachverhalt in Kenntnis gesetzt habe. Deshalb verschicke ich meine Kündigungen oder Widersprüche für gewöhnlich per Einschreiben oder per email. Für meine Begriffe muss TelDaFax nachweisen, dass es ein entsprechendes Schreiben an mich versandt hat. Davon will man dort allerdings nichts wissen.
Und wie bei so vielen Dienstleistungsunternehmen im Call-Center-Zeitalter sind die Strippenzieher im Hintergrund für den gemeinen Verbraucher nicht zu sprechen, muss die Auseinandersetzung über quälend-lange und teure Briefkorrespondenzen sowie eine Service-Hotline ausgetragen werden, bei der der Anruf 20 Cent kostet.

Vielleicht erreicht dieser Artikel ja den einen oder anderen TelDaFax-Kunden, den ich auf diesem Wege bitten möchte, mir Informationen dahingehend zukommen zu lassen, ob er über die letzte Strompreiserhöhung schriftlich informiert wurde, bzw. ob er von einer allgemeinen Strompreiserhöhung bei TelDaFax zum 1.5.2010 weiß.

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Update:

Ich erhielt mit Datum von heute vom TelDaFax-Kundenservice eine Email. Man habe mein Kündigungsgesuch erhalten und nach Rücksprache mit dem zuständigen Fachbereich beschlossen, von der zum 01.05.2010 erhobenen Preiserhöhung auf 20,20 Cent/Kwh Abstand zu nehmen. Stattdessen würde mein Arbeitspreis “weiterhin wie bisher” 17,91 Cent/kwh betragen, ebenso bliebe der Grundpreis in Höhe von 7,04 Euro pro Monat gleich.
Ganz abgesehen davon, dass mein bisheriger Arbeitspreis bislang 17,71 Cent/Kwh betrug, bin ich einigermaßen positiv überrascht vom Entgegenkommen des Stromanbieters, zumal die Reaktion sehr zeitnah erfolgte und ich meinen alten Strompreis praktisch weiterbehalten darf. Da kann man über den kleinen 0,2-Cent-Lapsus gut und gerne mit einem Schmunzeln hinweggehen.

Tipp also an alle ähnlich Betroffenen: Außerordentlich kündigen und auf einem Nachweis der erfolgreichen *Zustellung* der Preiserhöhungsankündigung innerhalb der Fristen bestehen.

Damit stimmt der Haushalt für den Rest des Jahres nun erstmal wieder, und Jane ist zufrieden.
Man kann nur hoffen, dass der Kundenservice weiter in ähnlicher Qualität gewährleistet bleiben bzw. an entscheidender Stelle ausgebaut wird. Dazu zählt für meine Begriffe, die Stromkunden per email und damit relativ zuverlässig über Strompreiserhöhungen zu informieren.

Allgemeine Gedanken zur Netzkultur.

Ich blogge nun bald ein Jahr und mache mir zurzeit verstärkt Gedanken über die charakter- und wesensverändernden Einflüsse der weitgehenden Anonymität, die das Internet den Surfern weltweit im Umgang mit ihren Mitmenschen bietet.

Diese Anonymität, so scheint es, verleitet einerseits dazu, Grenzen zu überschreiten, Dinge zu tun oder zu sagen, die man von Angesicht zu Angesicht mit anderen wahrscheinlich vermeiden würde – aus Unsicherheit oder gar Angst ob der Reaktion des anderen, die mir schaden könnte, aus Anstand, aus anerzogener Normenkonformität.
Im Internet sieht man die Reaktionen des anderen nicht, ja in den meisten Fällen kennt man das Gegenüber nicht einmal. Man muss allerhöchstens verbale Wutausbrüche fürchten, während die eigene physische Unversehrtheit garantiert bleibt, wie sehr so mancher vielleicht auch provoziert und über die Stränge schlägt.
Man sieht aber auch nicht, was man unter Umständen in einem sensiblen Menschen auslöst, erfährt nichts über dessen Gedanken, Ängste oder Frustrationen. Das Internet bietet jedem, der es braucht, weitestgehend konsequenzlosen Release – es erleichtert das Aufbauen gesichtsloser Freund- oder Feindbilder, an denen man Frustrationen, Hassgefühle oder auch Sehnsüchte abarbeiten kann, ohne schlechtes Gewissen, ohne Verantwortung tragen zu müssen.

Andererseits fördert das Internet somit aber auch das Entwickeln von äußerst unsozialen Wesenszügen: Wer regelmäßig die unendlichen Weiten virtueller “Liebe” durchstreift, sich in den unpersönlichen, namenlosen, auf bloße Befriedigung von Trieben ausgerichteten Porn-Clips verirrt, der wird unter Umständen Probleme bekommen, im real life eine Partnerschaft zu führen, zu der eben weit mehr gehört, als der bloße Akt – so sensationell er auch immer sein mag.
Wer regelmäßig im Internet mit Freude verbal Unbekannte aufmischt – sei es als Stalker in sozialen Netzwerken oder als Troll in Chat- und Diskussionsforen, der nur darauf bedacht ist, zu stören und andere zu verletzen -, der wird unter Umständen Schwierigkeiten bekommen, anderen Menschen im real life rücksichtsvoll, höflich und tolerant zu begegnen. Denn was bleibt, ist die mangelnde Sensibilität für das, was man in anderen durch sein Tun auslöst. Ich glaube einfach nicht, dass man Sensibilität ein- und ausschalten kann, wie eine Lampe. Feinfühligkeit ist etwas, das man entweder erlernt und weiterentwickelt, erlernt und wieder verlernt oder aber niemals erlernt.

Wie kommt es zu diesen Reflektionen über das Internet und seine Auswirkungen auf das Wesen eines Menschen? Offen gestanden habe ich mich aus aktuellem Anlass gefragt, was Menschen dazu bewegt, sich destruktiv an Diskussionen zu beteiligen, die andere mühsam und mit viel Arbeit versuchen, aufzubauen.
Ich habe mich des Weiteren gefragt, warum ausgerechnet jene Menschen zumeist gerne ein Maximum an Anonymität wahren wollen – z.b., indem sie sich unter Mehrfach-Accounts oder mit gefaketen email-Adressen in Diskussionsforen und Blogs anmelden: Feigheit? Kriminelle Energie? Oder vielleicht ein Nicht-Wahrhaben-Wollen der eigenen dunklen Charakterzüge, ein sich als Privatmensch – liebevolle(r) FreundIn, Ehemann/-frau, Vater/Mutter – abspalten-Wollen vom 2. Ich, das anderen gerne Schaden zufügt, um irgendetwas zu kompensieren?
Zumindest durfte ich da in den letzten Monaten einen unmittelbaren Zusammenhang beobachten. Es sind zumeist jene Poster, die sich hier mit verschiedenen Pseudonymen und ungültigen email-Adressen anmelden, die ein umso farbenfroheres im negativen Sinne und direkt gegen die Person gerichtetes Vokabular benutzen, die pöbeln, beleidigen und einem ihre Verachtung für den anderslautenden Standpunkt entgegenschreien. Oft frage ich mich, ob sie zum gleichen Thema ihrem Chef ebenso gegenübertreten würden.

Angesichts der Entwicklung des Stellenwertes, den das Internet im Leben der Menschen zunehmend einnimmt, bin ich geneigt, zu warnen. Davor, zu vergessen, dass man es auch im Internet immer mit Menschen zu tun hat, mit Menschen aus Fleisch und Blut, mit Gefühlen und Emotionen. Und auch, wenn man die Menschen nicht kennt, denen man im Netz über den Weg läuft, man trägt eine Verantwortung für sein Tun ihnen gegenüber. Und letztlich hat man auch eine Verantwortung sich selbst gegenüber – wer möchte schon gern ein Ignorant sein, der unfähig ist, Respekt und Toleranz gegenüber seinesgleichen zu empfinden und immun gegen die Verletzlichkeit anderer? Ein wahrlich armer Wicht, wem das egal.

Walpurgis.

Gestern war Walpurgis-Nacht, und im ganzen Lande dürften bei herrlich mildem Wetter die Maifeuer gelodert haben, also hab auch ich mich an ein solches begeben und mit Bekannten gemütlich in den Mai gefeiert.
Alles neu macht der Mai, sagt man ja auch. Und nachdem ich Hexen und böse Geister gestern also gründlich ausgetrieben habe, hoffe ich, dass sich der Rest des Jahres gewogen zeigen wird.

Erinnert sich vielleicht noch jemand an die alte ungarische Volksweise, die wir früher immer an den Lagerfeuern der sozialistischen Jugendfreizeiten gesungen haben? Über den Link kann man eine Audio-Version des Liedes downloaden, die zwar etwas gewöhnungsbedürftig klingt, nach mehrerem Hören – wie ich fand – aber irgendwie sehr schön.

Flackerndes Feuer, Zelte, die träumen
ruhloser Nachtwind fern in den Bäumen.
Schür die Glut
und laß das Feuer nicht verwehen!
Übers Jahr erst werden wir ein neues sehen.

Hoch loht die Flamme, stumm wird die Runde,
Abschied zu nehmen, mahnt uns die Stunde.
Steig’ ein letztes Lied empor,
mein Freund, nun singe,
daß es in die abendstille Weite dringe…

Noch heute kommt mir immer dieses Lied mit seiner seltsam wehmütigen Melodie in den Sinn, wenn ich an einem Lagerfeuer sitze. Interessant ist, dass es im Grunde gar kein sozialistisches Lied ist, sondern ein Volkslied mit Melodie nach Bela Bartok. Und dennoch ist es heute fast vergessen.

Persischer Abend mit antikem Charme.

Ein Bekannter lud neulich zum ausgelassenen Abend zu sich nach Hause. Gezaubert hatten er und die Mitstreiterinnen eine Mischung aus allerlei persisch-orientalisch anmutenden Köstlichkeiten wie Falafel, Kichererbsen-Püree mit schwarzen Oliven und viel Knoblauch, frischem Fladenbrot aus der Fladenbrotbäckerei und einem Yoghurt-Dip mit Dill und Kreuzkümmel. Die Mädels hatten dazu einen Paprika-Birnen-Salat kredenzt, der herrlich mild und fruchtig schmeckte. Lieber ****, ich hoffe immer noch auf die Rezepte :razz:

Was mich aber eigentlich dazu bewogen hat, dieses zugegebenermaßen laienhafte Foto zu veröffentlichen, das ist der herrliche, uralte Massivholztisch an dem alle Anwesenden auf einer Länge von ca. 3 Metern locker Platz fanden. Ich bin ja ein echter Fan dieser alten Möbelstücke, aber ein derartiges Prachtstück sieht man wahrlich nicht so häufig, zumal in diesen schon fast herrschaftlichen Ausmaßen.