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Augen zu und durch - kein Platz für die Opfer.

Sie steht nicht erst seit dem verheerenden Luftschlag der deutschen Streitkräfte nahe Kundus im vergangenen September in der Kritik, bei dem mehr als 90 Zivilisten umkamen: die deutsche Afghanistan-Politik.
Ein ranghoher Verantwortlicher nach dem anderen hat seither seinen Hut genommen, und die Forderungen nach einem möglichst baldigen Abzug deutscher Truppen, mindestens aber nach einem generellen Umdenken hinsichtlich der deutschen Aufgaben in dem krisengeschüttelten Land wurden unüberhörbar laut.

Bekanntlich ist die Linkspartei ein vehementer Verfechter eines schnellstmöglichen Abzuges deutscher Truppen aus Afghanistan. Es sei nicht nachvollziehbar, Terrorismus und Gewalt bzw. deren Überschwappen nach Deutschland ausgerechnet mit deutscher Militärpräsenz und deutschen Gewaltakten bekämpfen zu wollen, Gewalt erzeuge nur neue Wut, neue Ohnmacht und somit neuen Terrorismus.
Bei der heute stattfindenen Bundestagsdebatte verlieh die Bundestagsfraktion der Linken ihrem Anliegen im Anschluss an die Rede der Parteikollegin Christine Buchholz mit einer stummen Gedenkaktion Nachdruck: Die Fraktionsmitglieder hielten Plakate mit den Namen der Opfer des Kundus-Luftschlages vom September hoch.

Die Aktion verlief ohne viel Aufhebens und dauerte wenige Sekunden. Der Aufforderung des Bundestagspäsidenten Norbert Lammert (CDU), die “Spruchbänder”(!) unverzüglich herunterzunehmen, wurde in den 2 Sekunden, die der Linken Fraktion von ihm dazu eingeräumt wurden, nicht nachgekommen. Dies nahm der Bundestagspäsident zum Anlass, die gesamte Fraktion der Linkspartei des Plenarsaales zu verweisen und zunächst auch von der im Anschluss stattfindenden Abstimmung über die Erhöhung des Afghanistan-Etats auszuschließen.
Dies dürfte sicherlich nicht nur die Linksfraktion, die nach mehrmaliger Aufforderung schließlich empört den Plenarsaal verließ, als völlig übertriebene Reaktion wahrgenommen haben – immerhin hat es im deutschen Bundestag mit Sicherheit schon unschönere Vorfälle, ja sogar peinliche Aussetzer, gegeben, die keine solchen Konsequenzen nach sich zogen. Lammert hingegen bezeichnete seine Entscheidung als “alternativlos” und verwies auf das “Demonstrationsverbot im Bundestag”. So wurde aus einer Gedenkaktion eine “Demonstration”. Wenn hingegen im Parlament verstorbenen Parlamentariern oder anderen Staatspersonen mit Gedenk- und Schweigeminuten gedacht wird, dann ist das anscheinend etwas anderes.
Für das Gedenken an die Opfer des Holocaust etwa werden ganze Sondersitzungen anberaumt, dann spielt im Bundestag auch schon mal ein prominenter Geiger. Der Opfer des Amoklaufes von Winnenden wurde im Bundestag gedacht, der Opfer des RAF-Terrors und sogar der Opfer des 11. September.
Nur der Opfer eines Kriegseinsatzes, für den soeben sogar noch eine Verlängerung verabschiedet werden soll, darf nicht gedacht werden – noch nicht einmal stumm.
Dass es jedoch durchaus anders geht, zeigen zudem ähnliche Aktionen der Linken im vergangenen Jahr, die nicht mit Ausschluss geahndet wurden.

An der Abstimmung, die mit 429 zu 111 Stimmen klar für die Verlängerung des Afghanistan-Einsatzes ausfiel, durften die Linken dann auf Wunsch der anderen Fraktionen doch noch teilnehmen.

Mit Genugtuung reagierten Afghanistan-Hardliner wie Jürgen Hardt (CDU) auf den Ausschluss der Linken – Jürgen Hardt ist wohlgemerkt der Ansicht, dass man in Afghanistan mittels gezielter Tötungen von Taliban-Mitgeliedern besonders effizient zum Ziel kommen könne.

Als einzige Partei redet die Linkspartei offen über die tatsächlichen Motivationen und Ziele, die hinter dem Afghanistan-Einsatz stehen und prangert sie gleichzeitig an. Keineswegs geht es darum, den Menschen Freiheit und Demokratie zu bringen, denn das kann unmöglich mittels Gewalt funktionieren, sondern muss immer aus der Mitte der Gesellschaft heraus eingefordert und durchgsetzt werden, um auch nachhaltig stabil zu sein. Die Situation der Menschen in Afghanistan zu verbessern, kann höchstens als positiver Nebeneffekt von Bedeutung sein für diejenigen, die diesen Menschen zur Not auch ohne zu zögern Tod und Verderben schicken würden.

Tatsächlich bedeuten Kriege Milliarden-Aufträge für die Rüstungsindustrie, die im Falle Afghanistan vor allem langfristig gesichert sind, sie bedeuten die Ausweitung von Einfluss und Macht, sie bedeuten zudem Unterstützung von Patronen wie den USA, deren Schutz und Wohlwollen in der Hierarchie der Interessen weit oben rangieren.
Dass Kriege auch immer den Tod von unschuldigen Menschen fordern, passt da ganz einfach nicht ins Bild, eine unschöne Notwendigkeit, die im Gesamtkonzept des Ausbaus der deutschen Stellung in der Welt einfach stört.
So erklärt sich auch die harte Reaktion gegen das stumme Gedenken der Linken.

Bloßer Populismus oder gefährliches Brandstiftertum?

Junge und gesunde Hartz-IV-Empfänger sollten zu zumutbarer Arbeit verpflichtet werden – etwa zum Schneeschippen. In Berlin liegt beispielsweise seit Wochen Eis und Schnee auf den Bürgersteigen. Da könnte die Stadt doch junge Sozialempfänger zum Räumen der Bürgersteige einsetzen. So praktisch ist das Leben. Wer sich dem verweigert, dem müssen die Mittel gekürzt werden.

Guido Westerwelle heute in der BILDzeitung.

Frustige Weihnachten für freenet-Kunden.

Als freenet-Kunde traf mich – wie vermutlich auch viele andere freenetter – zu Beginn des Monats eine Nachricht wie aus heiterem Himmel:
freenet geht in der 1&1 Internet AG auf, und ich war somit ab
1. Dezember nicht mehr freenet-, sondern 1&1-Kunde. Zack. Einfach so, ohne dass ich vorab informiert und um meine Zustimmung zu Anbieterwechsel und Datenweitergabe gebeten worden wäre.

Dazu muss erwähnt werden, dass ich vor einigen Jahren schon einmal 1&1-Kunde war – und nach nicht einmal einem Jahr entnervt vorzeitig gekündigt hatte, weil unsinnige Sondergebühren erhoben worden waren und der Kundenservice schon chronisch nicht erreichbar oder aber nicht sonderlich hilfreich war.
Nie wieder, so hatte ich mir damals geschworen, würde ich zu diesem Anbieter wechseln.
Denkste, Puppe! 1&1 hat sich sozusagen durch die Hintertür reingeschlichen und pocht jetzt auf Vertragserfüllung.

Der Hammer dabei ist ja: 1&1 pocht also auf Vertragserfüllung, andersrum hingegen kann überhaupt keine Rede mehr von den gewohnten Service-Qualitäten von freenet sein, die mir dort vertraglich zugesichert waren.
Der Kundenservice bei 1&1 ist schon seit Tagen nicht erreichbar, ich hing schon x-mal bis zu 20 Minuten in Warteschleifen, die automatische Anrufannahme schafft es nicht einmal, die über Telefon-Tastatur eingegebene Kundennummer korrekt zu erfassen – und das alles, um einen simplen Tarifwechsel in Auftrag zu geben.
:evil:

Bei 1&1 hat sich also trotz des neuerdings aufgrund der notorisch hohen Kundenunzufriedenheit eingeführten Postens eines “Leiters Kundenzufriedenheit” nichts an den unmöglichen Service-Bedingungen geändert.

Für mich schlichtweg ein Skandal, dass Leute, die mit einem Unternehmen ihrer freien Wahl einen Versorgungsvertrag abgeschlossen haben, gezwungen werden sollen, Servicestrukturen eines Konkurrenzanbieters zu akzeptieren (Rechtsnachfolge hin oder her), die unter alle Würde sind und die sie aus freien Stücken niemals gewählt hätten, zumal 1&1 diesbezüglich ja bereits ein mehr als desolater Ruf vorauseilte. Von freier Anbieterwahl kann da eigentlich keine Rede mehr sein.
Toll habt’s das hingekriegt, liebe freenet-Leute. :roll:

Klatsch und Tratsch: Flop der Woche.

Der Vatikan soll den homosexuellen Star-Coiffeur Udo Walz von einer zunächst zugesagten Audienz bei Papst Benedikt XVI. wieder ausgeladen haben. Anlass sei nach Angaben Walz’, der “zuverlässige Quellen” zitierte, der Umstand, dass Walz in einer sogenannten eingetragenen Lebenspartnerschaft mit einem Mann lebt.
Eine ganze Woche lang soll demnach im Vatikan über der hochpikanten Angelegenheit gebrütet worden sein, bis man sich dazu entschloss, doch besser davon abzusehen, Walz zu empfangen.

Hier wäre nun eine, wenn nicht DIE Gelegenheit für die katholische Kirche gewesen, sich einmal als vorwärtsgewandte Institution zu präsentieren, die sich langsam aber sicher vom staubigen Mief der vergangenen tausend Jahre verabschiedet hat und den modernen Menschen von heute einen mit so neudmodischen Errungenschaften wie Gleichberechtigung und Freitheit der persönlichen Lebensgestaltung zu vereinbarenden Lebensentwurf zu bieten in der Lage ist.
Dafür ist die Zeit im Vatikan anscheinendn noch nicht reif – und man ist geneigt, zu fragen, wie das jemals der Fall sein soll in einem Stadtstaat, der beinahe ausschließlich von Männern über 60 gesteuert wird.
Für so viel Intoleranz, Weltfremdheit und Rückwärtsgewandtheit gibts alle zehn Daumen runter :twisted:

Sind wir wirklich wieder reif für eine neue “Zeitenwende”?

Ich frage mich das zumindest immer öfter, und ganz besonders dann, wenn ich in unseren freien Medien wiederholt Kommentare wie den oben verlinkten aus einer Folge von Stefan Raabs “TV Total” vom 14.10. erblicke.

Ist es tatsächlich wieder so weit, dass in Deutschland ohne Scham, ohne moralische Bedenken Menschen aufgrund ihrer Herkunft und ihres Glaubens zu Zielscheiben öffentlichen Spotts und gewollt verletzender Häme werden?

Die Mohammed-Karikaturen machten es vor 31/2 Jahren vor, wie Meinungs- und Pressefreiheit – an sich löbliche und erhaltenswerte Errungenschaften der modernen Demokratien – blitzschnell zu Instrumenten öffentlicher Diskreditierung und Bloßstellung einer bestimmten gesellschaftlichen Gruppe entfremdet werden können.
Hassprediger-Blogs wie “Politically Incorrect” wurzelten in diesem nahrhaften Boden und entwickelten sich im Schatten von 9/11 und des Global War on Terror zu wahren Portalen gemeinschaftlicher Hetze gegen den Islam und seine Anhänger.

Von der “Islamisierung Europas” lesen wir da oder aber glorifizierende Laudationes auf Leute wie Theo van Gogh, für den Muslime nach einem berühmten Zitat “Ziegenficker” waren, was schon eine Menge dahingehend aussagt, wie viel Wertschätzung van Gogh diesen Menschen grundsätzlich entgegenbrachte (oder eben auch nicht).

Schon seit einiger Zeit ist im Lande eine wachsende Tendenz zu verzeichnen, die infolge von Nationalsozialismus und Judenmord angeeigente Scheu abzulegen, sich öffentlich abfällig oder diskriminierend über Menschen anderen kulturellen Einschlags zu äußern bis hin zu offener Hetze.

Die Äußerungen Thilo Sarrazins über Muslime “ohne produktiven Nutzen außer für den Gemüsehandel, die ständig neue kleine Kopftuchmädchen produzierten und die man daher nicht anerkennen müsse” kürzlich in einem Interview mit dem “Lettre International” etwa können in diesen Beobachtungszusammenhang gestellt werden.
Ein von mir aufgrund seiner umfangreichen und bissigen Informationsarbeit mittlerweile sehr geschätztes Blog hat dazu einen (sogar mehrere) interessante(n) Artikel verfasst.

Daran, dass Sarrazin in unsäglicher Manier pauschalierende Halbwahrheiten über die muslimische Minderheit ausposaunt hat, mindestens aber Phänomene, die im Vergleich zur großen Masse als marginal bezeichnet werden können und die es ebenso am gesellschaftlichen Rande der Deutschstämmigen zu beobachten gibt, zur “muslimischen Realität in Deutschland” aufblies, mit dem Ziel, die Muslime zum Abfallprodukt unserer Gesellschaft zu stempeln, kann meines Erachtens nach überhaupt kein Zweifel bestehen.
Zum Dank darf Sarrazin weiter die IT-Abteilung der Deutschen Bundesbank leiten und auch die Verfahren wegen Volksverhetzung, die gegen ihn eingeleitet wurden, dürften kaum irgendwelche Folgen für Sarrazin haben.

Das Kategorisieren von Menschen in “ökonomisch wertvolle” und “ökonomisch unbrauchbare” deutet zudem ein Menschenbild Sarrazins an, das den Menschen als solchen als wirtschaftliche Kennzahl begreift und dessen Recht auf Anerkennung vom Grade seiner produktiven Wertschöpfung abhängig macht. Inwieweit Muslimen hierzulande mehr oder weniger bewusst die Teilnahme am produktiven Wertschöpfungsprozess versagt wird, darüber geben Zahlen Auskunft, die Herrn Sarrazin entweder nicht bekannt waren oder die er bewusst verdrängt hat.

Stefan Raab hat dem ganzen antiislamischen Wind, der durch unser Land geht, nun noch eine gehörige Portion Vorstadtgassen-Niveaulosigkeit beigemischt, als es um die an sich sachliche Frage ging, ob denn ein muslimischer Feiertag eingeführt werden sollte.
Man wird das Gefühl nicht los, als würde jeder Versuch, jeder Vorschlag der islamischen Gemeinde hierzulande, den Islam ein Stückchen mehr ins Bewusstsein und in die Nähe der deutschstämmigen Mehrheit zu rücken, von dieser als Versuch gewertet, Mission zu betreiben, Deutschland zu “islamisieren”, ja als Angriff auf deutsche Kultur und Tradition begriffen.

Mit so einer Mehrheitsgesellschaft braucht man sich dann auch nicht zu wundern, wenn Migranten sich in Parallelgesellschaften zu ihresgleichen zurückziehen, wo sie wenigstens anerkannt und respektiert sind, und Integration nicht oder nur sehr schwer funktionieren kann. Denn erfolgreiche Integration braucht immernoch zwei: einen zur Einfügung in die neue Gesellschaft willigen zu Integrierenden und eine zur Integration eines Menschen mit fremder Kultur bereite Mehrheitsgesellschaft.

Zum Fall Roman Polanski

Die Nachricht schlug ja wie ein Blitz aus dem heiteren Altweibersommerhimmel ein, als Starregisseur Roman Polanski (“Rosemary’s Baby”, “Der Pianist”) am vergangenen Samstag am Züricher Flughafen verhaftet wurde.
Der Umstand, dass sich Polanski auf dem Weg zum Zürich Film Festival befand, wo ihm ein Ehrenpreis für sein Lebenswerk verliehen werden sollte, wozu es aufgrund seiner Verhaftung dann aber nicht mehr kam, war der eigentliche Gestaltungsrahmen für einen förmlichen Aufschrei der Empörung, der scharfe Kritik an der Festnahme Polanskis formulierte, und bisweilen sogar in Rufe nach seiner Freilassung ausartete.

Dazu muss erwähnt werden, warum Polanski dieses Schicksal im Alter von 76 Jahren ereilte. Keine Verschwörung, keine falschen Verdächtigungen irrer Fans oder gescheiterter Konkurrenten brachten ihn ins Gefängnis, nein.
Polanski hatte 32 Jahre zuvor, immerhin im – so möchte man doch meinen – reifen und geläuterten Alter von 44 Jahren, ein Verbrechen begangen. Er hatte ein 13-jähriges Mädchen, ein Kind also, zunächst mit Alkohol, dann mit Drogen gefügig gemacht, es in schlüpfriger Pose fotografiert (oben ohne) und es anschließend vergewaltigt. Dieser Tatbestand ist eine Tatsache, darüber bestanden nie Zweifel und sie bestehen auch nach wie vor nicht.
Polanski baute damals zunächst auf einen “Deal”, der ihm ein halbwegs glimpfliches Davonkommen bescheren sollte, indem er sich zwar schuldig bekennen, aber für psychisch angeschlagen erklärt werden sollte.
Dieser Deal platzte jedoch, und statt sich seiner Verantwortung zu stellen und seine gerechte Strafe anzunehmen, floh Polanski nach Frankreich. Ein Verbrecher, ein Kinderschänder auf der Flucht. 32 Jahre lang, in denen ihm ein weitgehend von gezielter Strafverfolgung unbehelligtes Leben in Glanz und Gloria beschieden war, in denen er ungestört Filme drehen und dafür die Meriten einstreichen konnte, während sein damaliges Opfer die Folgen dieser Tat zu bewältigen hatte.

Schon allein diese Tatsache, dass ein allen als Vergewaltiger bekannter Regisseur 30 Jahre lang ungestraft ein Leben in aller Öffentlichkeit führen kann, ist meiner Ansicht nach ein Skandal. Und vor diesem Hintergrund erscheinen mir die Rufe nach seiner Freilassung und das damit einhergehende Herunterspielen der Tat in Form von Verweisen darauf, wie lange das alles schon her sei, und dass sein damaliges Opfer ihm doch “längst verziehen” hätte, wie ein Schlag ins Gesicht all jener Vergewaltigungsopfer, die auch 30 Jahre nach der Tat noch kein normales Leben führen können. Und wie genau das Leben von Samantha Gailey (Polanskis Opfer) bis heute verlaufen ist, weiß kaum einer von denen, die nach Straffreihei für ihren Peiniger rufen, und es scheint diese Leute auch nicht wirklich zu interessieren.

Des Weiteren ringt mir schon der Umgang Polanskis höchst selbst mit der Tat nicht den Hauch von Mitgefühl mit dem Täter ab. Völlig uneinsichtig und scheinbar absolut nicht die Tragweite seiner Taten erfassend, stellte er sich als Opfer einer Kampagne der “stockpuritanischen amerikanischen Öffentlichkeit” dar und forderte öffentlich “Vergebung” von Opfer, Justiz und Menschheit. Da möchte man sich fragen, ob der Mann überhaupt begriffen hat, dass nicht er, sondern ein Kind Opfer eines Verbrechens wurde, begangen von ihm und niemand anderem. Auf Vergebung kann ein Mensch in seiner Situation allenfalls *hoffen*, nicht aber sie einfordern. Und Vergebung für eine Tat erfahren, die man ehrlich bereut und für die man auch bereit ist, Verantwortung zu übernehmen, ist eine völlig andere Sache, als sich mit Verweis auf sein leidensreiches Leben als Opfer zu präsentieren und Vergebung mit Straffreiheit gleichzusetzen.
Auch eine schreckliche Kindheit und ein Leben voller Tragödien, die im Fall Polanski zweifellos unbestritten sind, rechtfertigen keine solche Tat und schon gar nicht rechtfertigen sie den Ruf nach Straffreiheit für einen Kinderschänder.

Der eigentliche Skandal ist, dass Polanski erst heute, mit Mitte 70, seiner gerechten Strafe zugeführt wird. Das ändert jedoch nichts daran, dass seine Verhaftung, auch wenn sie spät kam, selbstverständlich gerecht und richtig ist. Niemand, auch kein Starregisseur, sollte ungestraft mit so einem schändlichen Verbrechen davonkommen können, auch dann nicht, wenn sein Opfer 30 Jahre danach mit dem Verbrechen abgeschlossen hat und sich aus mir persönlich schleierhaften Gründen sogar für ihn einsetzt.
Nicht jedes Vergewaltigungsopfer kommt mit einer solchen Tat so gut klar, dass es seinem Peiniger irgendwann verzeihen kann. Eine Strafverschonung Polanskis wäre also ein völlig falsches Zeichen und liefe zudem sämtlichen gängigen Rechtsauffassungen eines modernen Rechtsstaates zuwider.
Und ich bin mir überdies ziemlich sicher, dass es keine solche Kampagne des Mitgefühls und der emotionalen Appelle gegeben hätte, hätte der Täter nicht Roman Polanski, sondern Thomas Meier geheißen und wäre kein weltberühmter Künstler, sondern Gas-Wasser-Installateur aus Wanne-Eickel gewesen.

Update Israel-Schweden Organhandel

Vor einigen Tagen hatte ich einen Beitrag zu dem Artikel des schwedischen Autors Donald Boström in der Tageszeitung Aftonbladet verfasst, in dem er den Verdacht äußert, palästinensischen Jugendlichen könnten während der 1. Intifada nach Beschuss durch israelisches Militär Organe entnommen worden sein.
Seither habe ich mich den auffindbaren Quellen zur Thematik gewidmet. Hier eine Zusammenfassung der bisherigen Kenntnisstände.

In seinem Artikel vom 17.08.09 hatte Boström behauptet, unter anderen die Eltern des 1992 getöteten Bilal Ghanem hätten ihm persönlich in einem Interview erzählt, ihrem Sohn wären Organe entnommen worden, bevor man ihn zurückgebracht hätte. Boström war seinerzeit persönlich zugegen gewesen, als Ghanem von israelischen Soldaten gezielt getötet worden war. Israelische Militärs hatten nach Aussage Boströms als auch der anwesenden Dorfbewohner den Getroffenen fortgebracht, der Bruder Bilals konstatierte später, er war der Ansicht, dass sein Bruder noch lebte, als er abtransportiert wurde. 5 Tage später erhielten die Ghanems den Leichnam ihres Sohnes zurück – mit einer Autopsienarbe, die von der Leiste bis zum Kinn reichte, ohne Zähne und mit der Order der Militärs, den Leichnam noch in der selben Nacht beizusetzen.

In der Jerusalem Post erschein eine Woche nach Boströms Beitrag ein Artikel, der die Familie Ghanem mit den Worten zitierte, sie hätten dem Journalisten nie gesagt, dass sie Organdiebstahl vermuteten und dass sie Boström nur einmal gesehen hätten, als er ein Foto von der Leiche machte.

Verwirrend, denn seither hat sich die Familie in mehreren Statements in einer Art zu Wort gemeldet, die eher die Thesen des Donald Boström zu stützen scheinen. Denn vor 3 Tagen meldet u.a. China View, dass die Familie Ghanem jetzt sogar behauptet, der Körper ihres Sohnes sei ihnen ohne Organe zurückgegeben worden, und nun offizielle Ermittlungen zur Klärung der Vorkommnisse fordere. Auch Al Jazeera wartet mit neuen Äußerungen der Familie Ghanem zu dem Vorfall auf. Demnach geben die Ghanems an, dass der Bauchraum des jungen Bilal den Eindruck erweckt hatte, “leer” zu sein.
Der Palestine Telegraph meldete nun gestern, dass eine Untersuchungskommission zur restlosen Aufklärung der Vorwürfe unter Mitwirkung u.a. des Außenministers sowie des Gesundheits- und Innenministers der palästinensischen Autonomiebehörde ihre Arbeit aufgenommen habe. Auch sei nach Angaben des Bruders von Bilal Ghanem eine schwedische Delegation nach Palästina gereist, um die betreffenden Familien erneut zu befragen. Diese hätten laut Auskunft des Palestine Telegraph ihre Vorwürfe erneut bestätigt.

Es ist mit der Bildung einer Kommission zur Aufklärung der Vorwürfe auf jeden Fall ein Schritt in die richtige Richtung unternommen worden. Schon deshalb hat der Artikel Boströms für meine Begriffe seinen Zweck erfüllt.

Noch ist also weiterhin unklar, ob die erhobenen Vorwürfe stimmen und falls nicht, was dann mit den Opfern geschah.
Der ausführliche, mit Quellenmaterial gestützte Bericht von Counterpunchs Alison Weir über Fälle von Organdiebstahl innerhalb Israels in der Vergangenheit gibt eher Anlass zur Sorge. Die Verdachtsmomente bezüglich eines möglichen organisiserten Handels mit Organen getöteter Palästinenser sind demnach keinesfalls plötzlich einer antiisraelischen oder gar antisemitischen Laune Boströms entsprungen, sondern bereits seit Anfang der 90er-Jahre immer wieder von palästinensischen Ärzten und israelischen Menschenrechtlern thematisiert worden. Boström hat ihnen nun lediglich weltweite Aufmerksamkeit verschafft.

Israel würde meines Erachtens nach ein Zeichen setzen, wenn es anböte, sich an den Untersuchungen zu beteiligen. Dies wäre ein erstes klares Indiz dafür, dass zumindest die Regierung in Bezug auf den Fall nichts zu verbergen hat und gewillt ist, die Vorwürfe und Sorgen der betroffenen Familien ernst zu nehmen und sie möglichst auszuräumen.
To be continued.

“Our sons are plundered of their organs” – Treibt Israel Handel mit Organen getöteter Palästinenser?

Auf Counterpunch – America’s best political newsletter – habe ich diesen Artikel gefunden:

Bouthaina Shaaban: Israeli Bodysnatchers.

Allen Anscheins nach hat mit Wissen der obersten Behörden Israels in den letzten knapp 20 Jahren ein unbeschreibliches Verbrechen in den besetzten palästinensischen Gebieten stattgefunden: Palästinenser, vor allem junge solche, wurden gezielt mit dem Vorsatz getötet und anschließend in israelische Militärkrankenhäuser verbracht, in den Besitz ihrer Organe zu gelangen, die dann zu horrenden Preisen unter anderem auf dem amerikanischen Schwarzmarkt verkauft worden sein sollen.
Die Informationen Counterpunchs beruhen auf den Ermittlungen und Recherchen eines schwedischen Journalisten, der darüber in der schwedischen Tageszeitung “Aftonbladet” einen Artikel verfasste. Demnach sollen seit 1992 immer wieder junge Palästinenser von israelischen Militärs in den besetzten Gebieten getötet, verschleppt und einige Zeit später tot zurückverbracht worden sein – mit Operationsnarben von der Leiste bis zum Kinn.
Der schwedische Journalist wird seither bedrängt, seine Behauptungen zurückzuziehen und erhält sogar Todesdrohungen.

In Anbetracht dessen, dass der Fall eine regelrechte Krise zwischen Schweden und Israel hervorgebracht hat, ist es doch erstaunlich, dass das riesige Land keine 100 km südlich von Schweden, namentlich Deutschland, es geschafft hat, in der öffentlichen Berichterstattung vollständig darüber hinwegzugehen. Und Wunder was, neben den bereits erwähnten Morddrohungen muss sich der Verfasser und Ermittler in dieser Angelegenheit – Donald Boström – auch gegen die üblichen Antisemitismus- und Nazi-Verdächtigungen wehren.

Hier der Artikel in englischer Übersetzung.

8 Jahre danach - Was wissen wir wirklich?

In knapp 2 Wochen jähren sich die Terroranschläge auf World Trade Center und Pentagon in den USA zum 8. Mal. Doch was geschah tatsächlich? Namhafte Forscher und Historiker befassen sich seither unermüdlich mit der Aufklärung der Ereignisse von vor 8 Jahren und wurden bezeichnenderweise von denselben Leuten herabwürdigend in das Reiche der "Verschwörungstheorien" geschoben, die im selben Maße nicht müde wurden, den Irak- und auch den Afghanistankrieg schönzureden. Dabei provoziert eines der am mangelhaftesten aufgeklärten Verbrechen der jüngeren Vergangenheit geradezu Zweifel, Forscherdrang und alternative Ansätze.

Die Dokumentation “Unter falscher Flagge” gräbt unnachgiebig in Dokumenten, Vorkommnissen und Begebenheiten, die der breiten Öffentlichkeit sorgsam verschwiegen wurden und wirft Fragen auf, deren Beantwortung direkt in einen der größten Polit-Skandale unseres noch jungen Jahrhunderts führen könnte.

Danke an Matt Good, der mich durch seinen Blog-Eintrag auf diesen Film aufmerksam gemacht hat und den ich hiermit auch an deutsche Leser weiterreichen möchte.

Trauer-Business wird zur Groteske.

Tausende von Menschen, die in ein Fußballstadion gekarrt werden. Cola- und Hotdog-Stände, an den Stadionflanken Werbebanden von Party-Veranstaltern. Verstreut über das gesamte Areal stehen Buden wie auf dem Jahrmarkt, wo der “echte Fan” noch schnell seinen Vorrat an Memorabilia aller Art ergänzen kann – angefangen bei gerahmten Jacko-Postern mit passend schwarzem Trauer-Passepartout bis hin zum T-Shirt oder der verstaubten Thriller-CD, die aus Restbeständen hervorgekramt wurde. Allgemeine Volksfeststimmung, fröhliche Gesichter – und auf Knopfdruck: Trauerstimmung und kollektive Trance.
So wird dieser Tage in unzähligen Veranstaltungen ähnlicher Art in ganz Amerika der Tod eines Musik-Idols verarbeitet – man ist geneigt, zu sagen, ‘gefeiert’.
Die Trauer um Michael Jackson ist vielerorts in ein regelrechtes Trauer-Business entartet, dessen Hauptziel es ist, mit den Emotionen der Menschen Geschäfte zu machen. Was den Gemeinden, die solche Festivitäten ausrichten, an Aufwendungen entsteht, kommt zigfach durch die Einnahmen der Händler und auch der Gemeinde selbst wieder rein, für die zigtausende spendierhosenbetuchte Jacko-Trauergäste gerne sorgen werden.
Eigentlich ja nichts Neues. Man kennt Ähnliches bereits etwa vom Tode Lady Dianas oder Papst Johannes Paul II., als ein ähnliches Trauer-Business zu verzeichnen war. Vom Porzellanteller mit Di-Bildnis bis hin zum Papst-Toast ließ sich plötzlich alles zu Geld machen.
Angesichts solch grotesken Rummels um den Tod eines

Menschen, fragt man sich, wie es so weit hatte kommen können mit der Menschheit. Der eigentliche Moment des Verlustes, der vor allem die nächsten Angehörigen betreffen dürfte, tritt dabei völlig in den Hintergrund.