Das ist die neueste Zahl der Todesopfer unter deutschen Bundeswehrangehörigen in Afghanistan, die sich heute um 3 weitere, noch namenlose junge Menschen erhöhte.
Sie starben, als eine Bundeswehr-Patrouille beim Minensuchen von einer größeren Truppe von Taliban-Kämpfern angegriffen wurde.
Sie starben, wie ihre Kameraden zuvor, einen sinnlosen Tod, der hätte vermieden werden können. Denn dass die Verhältnisse in Afghanistan himmelweit davon entfernt sind, dass man mit Aufbauarbeiten und Entwicklungshilfe hätte beginnen können, wie sie ja eigentlich den Zweck der deutschen Präsenz vor Ort darstellen, weiß man bereits seit Jahren.
Es ist, als hätten die Briten Wiederaufbau-Truppen ins Deutsche Reich geschickt, noch ehe die Nationalsozialisten besiegt und die politischen Fronten geklärt gewesen wären, um einen extrem überzogenen Vergleich zu wählen.
Man wird die Toten mit allen militärischen Ehren beerdigen und weitermachen, in einem Konflikt, den man so nicht gewinnen kann, den nur die Afghanen unter sich entscheiden und beilegen können. Und jenen 39 Toten, die bereits jetzt die größten Verluste in der Geschichte deutscher Bundeswehreinsätze markieren, werden wohl noch weitere folgen.
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Update: Bricht jetzt das Chaos aus?
Als wären 3 tote deutsche Soldaten am gestrigen Tag nicht genug, dreht sich das Karussell der beunruhigenden Nachrichten aus Afghanistan auch gleich weiter. Heute wurde nun bekannt, dass ebenfalls gestern 6 afghanische Soldaten von Bundeswehr-Truppen bei einem Artillerie-Angriff getötet wurden. Es handelt sich wohlgemerkt abermals nicht um Taliban, sondern um Angehörige eben jener afghanischen Streitkräfte, die aufzubauen und auszubilden eine der Aufgaben der deutschen Truppen vor Ort ist.
Die Begründung der Bundeswehr-Offiziellen für die Attacke: Es hätten sich “zivile Fahrzeuge” der Bundeswehr-Einheit genähert, ohne auf Geheiß anzuhalten. Die Bundeswehr eröffnete daraufhin das Feuer. Es stellte sich bei näherem Hinsehen heraus, dass die “zivilen Fahrzeuge” Fahrzeuge der afghanischen Armee waren.
Frage: Wie kann es sein, dass deutsche Truppen sich seit 10 Jahren in Afghanistan befinden und noch immer so erschreckend wenig Kenntnisse hinsichtlich der afghanischen Strukturen wie z.B. des militärischen Fuhrparks und diesen entsprechend ausweisender Kennzeichnungen haben, dass sie sie – trotz moderner Weitsichttechnik – nicht von einer der zivilen Schrottmühlen zu unterscheiden vermochten, die in Afghnistans Straßen so unterwegs sind?
Das Absurde an der Angelegenheit ist ja, dass afghanische Soldaten in ihrem eigenen Land auf Befehl einer fremden Macht anhalten müssen, oder aber Gefahr für Leib und Leben riskieren. Das kann meiner Ansicht nach einfach nicht angehen und geht gänzlich an der gebetsmühlenartig formulierten “humanitären Intervention” vorbei.
Sicherlich stand man noch unter Schock nach den Verlusten auf eigener Seite Stunden zuvor. Sicherlich fürchtet die Bundeswehr mittlerweile verstärkt selbst um Leib und Leben da unten. Doch kann das doch nur ein Alarmzeichen sein dafür, dass die Lage außer Kontrolle gerät. Dass nicht mehr die Interessen des afghanischen Volkes Vorrang haben, sondern die kriegsstrategischen Belange einer Besatzungsmacht, zu der die Bundeswehr immer mehr mutiert, wenn zunehmend Zivilisten und einheimische Soldaten Opfer der Aktionen werden.
Ich glaube nicht, dass die Afghanen momentan jemanden brauchen, der Minen räumt und Schulen baut, wenn der Preis dafür der Verlust von noch mehr Menschenleben ist, weil die Präsenz der “Entwicklungshelfer” vorrangig auch militärische Züge trägt, ohne an der bürgerkriegsähnlichen Situation im Lande etwas ändern zu können – im Gegenteil, den militärischen Konflikt noch anheizt, sodass eine Lösung im Land durch Dialog immer unwahrscheinlicher wird.
Und wenn sich unser geschniegelter Herr Karl-Theodor angesichts dieser Horror-Meldungen lediglich zu einem gestelzten Kommentar der Marke
Mit großer Betroffenheit habe ich heute von den gefallenen und verwundeten deutschen Soldaten in Afghanistan erfahren müssen. Angesichts von Gefechten dieses Ausmaßes wird deutlich, wie gefährlich der gleichwohl *notwendige Einsatz* in Afghanistan ist.
durchringen kann, dann finde ich das – sorry – einfach nur erbärmlich. Zu den 6 getöteten afghanischen Soldaten wurde übrigens noch kein Kommentar des Verteidigungsministers bekannt.
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Update:
Der jüngste Vorfall, bei dem 6 afghanische Soldaten durch einen Artillerie-Angriff der Bundeswehr starben, wird immer mysteriöser. Wie nun vonseiten der afghanischen Militärführung bekannt wurde, sollen die angegriffenen Fahrzeuge durchaus als Militärfahrzeuge erkennbar gewesen sein und zudem von den deutschen Streitkräften zuvor angefordert worden sein. Auch seien weder Warnzeichen noch Warnschüsse seitens der Deutschen abgegeben worden.
Anscheinend ist hier vollkommen unkoordiniert vorgegangen worden, ANA-Sprecher konstatieren, dass die deutschen Truppen aufgrund der zuvor stattgefundenen Gefechte “sehr nervös” gewesen seien.
Da frage ich mich doch: Wozu schicken wir unsere Leute da runter, wenn die anscheinend so schlecht auf den Ernstfall vorbereitet sind, dass sie sich in eine Horde aufgescheuchter Hühner verwandeln, sobald es brenzlig wird? Es muss doch möglich sein, Nerven und Ruhe zu bewahren, auch wenn eine Attacke erfolgt ist, die zwar Verluste brachte, jedoch den Posten insgesamt nicht nennenswert in Bedrängnis gebracht hat. Das kann doch nicht dazu führen, dass anschließend auf alles geballert wird, was sich bewegt, und das auch noch, obwohl ich zuvor Unterstützung angefordert hatte.
Ein ähnlich unüberlegtes, unverhältnismäßiges Vorgehen hatte ja auch zur Kundus-Katastrophe im September 2009 geführt. Und schon findet sich die Bundeswehr im nächsten NATO-Untersuchungsausschuss für zweifelhafte Vorfälle in Afghanistan wieder. Und ähnlich wie beim Vorfall in Kundus wiegelten NATO- und Bundeswehrsprecher zunächst ab, indem sie von “unmarkierten Zivilfahrzeugen” sprachen, aus denen nun schrittweise leicht zu identifizierende ANA-Armeefahrzeuge (Range-Rover mit montierten Waffensystemen) werden.
So langsam habe ich meine Zweifel, ob sich die Bundeswehr tatsächlich für die militärische Ausbildung eignet.
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