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Vom Niedergang der Ära der Online-Auktionshäuser.

Vor knapp 15 Jahren begann sie im kalifornischen San Diego, die Erfolgsgeschichte des Online-Auktionshauses eBay. Gegründet vom US-Amerikaner Pierre Omidyar, revolutionierte die Auktionsplattform in den Folgejahren die Shoppingwelt, indem sie auf stressfreies Einkaufen ohne Feierabend-Rushhour, Wochenendansturm und Schlangestehen an Umkleidekabinen, teils zu echten Schnäppchenpreisen, als Konzept setzte.
Das System war denkbar einfach: Irgendwo in der Welt möchte eine Person einen Artikel an den Mann/die Frau bringen. Er richtet sich bei ebay ein Mitgliedskonto ein und stellt den Artikel zu den von ihm gewünschten Konditionen ein. Das Besondere: das Auktionsformat. Ein bestimmter Startpreis (mindestens 1 Euro) wird vom Verkäufer vorgegeben, den Rest bestimmen Nachfrage und Geldbeutel der Kaufinteressenten, die mit ihren Geboten den Endpreis bestimmen. Jene Kaufinteressenten bilden das 2. Standbein des Auktionshauses. Auch sie richten sich ein Mitgliedskonto ein und können von nun an grenzenlos auf Schnäppchenjagd gehen und dem Auktionsfieber erliegen.
Seither wurde in ebay-Auktionen so ziemlich alles vertickt: Von der Toastscheibe, die angeblich ein Bildnis des Papstes zeigen sollte, über Körperteile als Werbeflächen, das Auto, das Papst Benedikt vor seiner Ernennung fuhr, bis hin zum bislang teuersten verkauften Artikel – einem Düsenjet für 4,9 Millionen Dollar.
Finanziert wird das Ganze über die Angebotsgebühren, die sich nach der Höhe des Startpreises und den ausgewählten kostenpflichtigen Features berechnen, sowie über Verkaufsprovisionen.

Ähnlich angelegte Projekte sprossen in den Folgejahren aus dem Boden, ohne dass ihnen jedoch ein ähnlicher Erfolg beschieden war. Der deutsche ebay-Vorläufer Alando wurde nach nur einem halben Jahr von eBay geschluckt, was den Beginn der deutschen Erfolgsgeschichte des Unternehmens markierte.
Auch wenn der Kitt zwischenzeitlich etwas zu bröckeln begann, steht unterm Strich jene Erfolgsgeschichte. Verkaufs- und Umsatzzahlen weltweit konnten stetig gesteigert werden, selbst die Krisenjahre 2007 und 2008 blieben davon nicht ausgenommen.
Doch zu welchem Preis?

Als ich selbst 2001 dem eBay-Fieber erlag – übrigens heute auf den Tag genau vor 9 Jahren -, war das Angebot noch einigermaßen überschaubar. Alle Angebote waren ausnahmslos im Auktionsformat eingestellt, wenige zusätzlich mit einer Festpreisoption ausgestattet. Kurzum, eBay präsentierte sich damals just als das, was es für sich reklamierte: nämlich, ein Online-Auktionshaus zu sein, dessen Geschäftsidee das entspannte Einkaufen samt Nervenkitzel des Gebotskrieges am heimischen PC war – Wer hat es nicht schon mal erlebt, das Kribbeln in den Fingern, die Schweißperlen auf der Stirn, während man darauf wartet, bis die letzten Sekunden runtergetickt sind, und hofft, den begehrten Artikel bald in Händen halten zu können? 3…2…1…meins…

Das war einmal. Wenn man sich eBay heute anschaut, ist festzustellen, dass die Angebotszahlen zwar im Vergleich zu vor 5 oder 10 Jahren exorbitant gestiegen sind. Jedoch hat sich das Erscheinungsbild der Plattform stark gewandelt. Von beispielsweise 1,6 Millionen bei eBay Deutschland eingestellten Artikeln in der Kategorie Computer stehen noch gerade 100.000 im Auktionsformat zum Verkauf – also kaum mehr als 6%. Dagegen stehen mehr als 1,5 Millionen Angebote zum Festkaufpreis.
Traditionell, aufgrund der hohen Gebrauchtwarenrate, etwas entspannter, aber insgesamt auch nicht viel besser sieht es in der angebotsstärksten Rubrik Kleidung & Accessoires aus. Von den rund 8 Millionen eingestellten Artikeln werden etwa 7 Millionen zum Festpreis verkauft, viele davon in Dauerangeboten, verschiedenen Größen und größerer Auflagenzahl. Nur etwa 12% der Angebote stehen zur Auktion.
Insgesamt ist ein starker Trend zur Neuware hin zu erkennen, die von gewerblichen Anbietern und Shops mehrheitlich als Festpreisangebot verkauft wird, während die Zahl der früher überpräsenten privaten Anbieter von gebrauchter Ware oder Fehlkäufen immer weiter zurückgeht.

Über diese überproportionale Hinwendung zu sogenannten Powersellern – meist gewerbliche Verkäufer, die langfristig auf der Plattform aktiv sind und überdies große Mengen an Waren zu relativ hohen Festpreisen verkaufen – lässt sich die Erfolgsgeschichte eBay zumindest in Zahlen fortschreiben. Denn die hohen Festpreise werfen für eBay auch hohe Verkaufsprovisionen ab, die oft professionell gestalteten Angebote unter Verwendung spezieller Bezahlangebote wie Hitlistenoptimierung etc. bringen zusätzlich hohe Angebotsgebühren. Privatleute, die nur mal schell das Service von Oma oder das verfehlte Weihnachtsgeschenk verkaufen wollen, können da nicht mithalten.
Die Verdrängung der kleinen privaten Verkäufer nimmt eBay anscheinend gerne in Kauf – mit der Folge, dass der ursprüngliche Auktionshaus-Charakter heute fast völlig verloren gegangen ist. Stattdessen gleicht der einstige Online-Auktionator mittlerweile einem simplen Online-Warenhaus, vergleichbar etwa mit Amazon.
Kann man also davon ausgehen, dass das Konzept Online-Auktionshaus gescheitert ist? Und wenn ja, woran?

Die Krise hatte ohne Zweifel dem Konzern schwer zugesetzt – 2007 brach der Gewinn von zuvor über 1 Milliarde Doller auf nur noch 350 Millionen ein. Bei trotz allem in diesem Jahr stark steigenden Umsätzen ist man geneigt, zu fragen: Woran lag’s?
Es muss zudem erwähnt werden, dass die Entwicklung bei eBay Deutschland nicht der des Gesamtkonzerns entsprach. Im Jahr 2006 verzeichnete man bis zu 16,5% Rückgang bei den eingestellten Artikeln, nachdem zuvor über Jahre Gebühren und Provisionen immer weiter angehoben worden waren. Als Reaktion darauf senkte eBay 2007 drastisch die Angebotsgebühren – mit Erfolg.
Zu Beginn des Jahres 2008 strukturierte eBay dann kräftig um, schaffte Vergünstigungen für Powerseller, führte die “Endlos-Angebote” zum Festpreis ein, erhöhte aber gleichzeitig gerade für Angebote im Niedrigpreissegment die Verkäuferprovision kräftig. Jemand, der einen Artikel für 5 Euro verkauft, bezahlt seither 8% Verkaufsprovision; jemand der einen Artikel für 500 Euro verkauft, zahlt hingegen nur 5% + 4 Euro, für einen Verkauf von 5000 Euro sogar nur 2% + 26,50 Euro.
Seither kann man zuschauen, wie der Anteil privater und kleingewerblicher Verkäufer zurückgeht, während die Shopangebote die Plattform dominieren. EBay aber gelang es, sich über diesen Kurs wieder zu sanieren und fährt seither Rekordgewinne ein – knapp 2,4 Milliarden Doller im Jahr 2009.
Aus Sicht des Unternehmens ein voller Erfolg, aus Sicht des kleinen Verbrauchers hingegen sowie aus marktkreativer Sicht ein riesen Verlust.

Facebook, StudiVZ & Co. - die Debatte über Internetsicherheit x.0.

Eigentlich ist sie so alt wie das Medium Internet bzw. im Speziellen wie das Phänomen Social Networking: Die Angst vor dem Missbrauch von online sorglos preisgegebenen personenbezogenen Daten und Informationen durch windige Geschäftemacher sowie vor Mobbing und Stalking.
Das führt dazu, dass die dazugehörige, ebenso alte Debatte um Datenschutz und Internetsicherheit bisweilen ermüdet, die Leute ihr gegenüber abstumpfen, das Thema selbst somit mal mehr, mal weniger wieder in der Versenkung verschwindet und von Zeit zu Zeit wieder angefacht wird – z.B. durch die neuliche Initiative unserer Verbraucherschutzministerin Ilse Aigner (CSU).
Anlass war hierfür konkret die von facebook geplante neue Datenschutzbestimmung, die wesentliche Verbraucherrechte aushebeln würde, indem sie Datentransfers zu anderen Plattformen ermöglichen würde, ohne dass der Nutzer davon wesentlich etwas mitbekommen würde oder dazu auch nur sein Einverständnis geben müsste.

Und doch sind solche Konflikte im grenzenlosen World Wide Web vorprogrammiert, treffen doch dort Menschen aus aller Herren Länder mit ebenso verschiedenen Rechtssystemen und Ethikbegriffen aufeinander, ein Auseinanderhalten ist quasi nicht möglich, wie auch der verstörende Kampf gegen Kinderpornografie im Netz zeigt. Gegeninitiativen, wie etwa die unlängst anlässlich der Bundestagswahl 2009 gegründete Piratenpartei, die sich ein “freies Internet” ohne Regulierung und Eingriffe von außen seitens des Staates auf die Fahnen geschrieben hat, erschweren den Schutz vor Internetmissbrauch zusätzlich – und finden gerade bei der Jugend Zustimmung: Wollen die Menschen sich nicht schützen lassen?

Nicht zuletzt weiß heute jeder: Die Nutzung des Internet ist nicht unproblematisch, einmal veröffentlichte Daten und Äußerungen sind unter Umständen noch Jahre für jedermann einsehbar. Sogenannte Personensuchmaschinen wie etwa Yasni fügen die diffus im Netz verstreuten Datenspuren einzelner Personen sogar auf Wunsch gekonnt zu ganzen Personenprofilen zusammen, die es ermöglichen, auf einen Klick fast die gesamte Internetpräsenz und Veröffentlichungshistorie einer Person auf dem Silbertablett serviert zu bekommen – selbstverständlich ohne zuvor das Einverständnis des Betroffenen einzuholen.

Gerade Unerfahrene übertreten schnell und unbewusst eine Grenze, geben zu viel von sich preis, verwechseln virtuelle Identitäten mit Menschen aus Fleisch und Blut, die man wirklich kennenlernen und einschätzen kann. Schlimme Geschichten von jungen Mädchen machten die Runde, die statt einen Internet-”Freund” zu treffen, ihrem Mörder in die Arme liefen, oder von verschmähten Liebhabern, die über facebook herausfanden, dass die Ex mittlerweile einen Neuen hatte und sie daraufhin umbrachten. Auch Mobbing ist im Zeitalter des Social Networking an der Tagesordnung – mitunter mit fatalen Folgen.

Für meine Begriffe kommen hier mehrere ungünstige Faktoren zusammen:
1. Das Internet ist für nahezu jedermann zugänglich – auch für Personen mit geringem Reifegrad und noch instabiler Persönlichkeit, also Kinder und Jugendliche, oder Internet-Laien.
2. Die weitgehende Anonymität bietet im Zusammenhang mit 1. einen idealen Tummelplatz für Kriminelle auf der Suche nach leichter Beute ohne zwingend mit Konsequenzen rechnen zu müssen.
3. Daten sind schnell veröffentlicht – aber nur schwer oder unter Umständen gar nicht zu löschen.
4. Es fehlen allgemein (also international) verbindliche Richtlinien, die den Umgang im Internet zumindest ansatzweise reglementieren.

Doch wie vorgehen? Wie kann man den Moloch Internet mit all seinen Gefahren sicherer machen? Ich muss gestehen, ich habe keine Ahnung. Meine Ideen, das Problem zu adressieren, erschöpfen sich an den Grenzen nationalen Rechts. Wie will man von Deutschland aus die Nutzer einer amerikanischen Internetplattform schützen?
Die Sächsische Zeitung hat am Wochenende auf ihren Perspektiven-Seiten die Etablierung eines sogenannten “IT-Ministeriums” vorgeschlagen. Eine Idee, die auch – allerdings in einem gänzlich anderen Ideenzusammenhang – schon vonseiten der Piratenpartei zu vernehmen war. So fragt der Autor in seinem Essay u.a.:

Warum sollte aus ihnen nicht ein IT-Ministerium hervorgehen, das Erkenntnisse bündelt und international anwendbare Gesetzesvorschläge erarbeitet? Warum sollten nicht alle Schulen künftig einen Internet-Kompetenz-Beauftragten haben, der aufklärt und sensibilisiert? Warum sollte der Datenschutz nicht zentral organisiert werden? Die digitale Welt ist grenzenlos, zuständig für den Netzwerkgoliath Facebook aber ist im föderalen Deutschland der Hamburger Datenschutzbeauftragte.

Die Idee ist an sich löblich, die weiterführenden Gedanken dazu kann ich – selbst Nutzerin des “Netzwerkgoliath Facebook” und oft genervt von den vielen kleinen Tretminen, die einen immer wieder versuchen zu verleiten, mehr Daten preiszugeben – nahezu ausnahmslos gutheißen. Scheitern wird das Ganze an den institutionellen Hindernissen. So müssen etwa für die Einrichtung eines neuen Ministeriums Haushaltsmittel bereit gestellt werden, die dann wieder anderen Ministerien fehlen werden. Zu Zeiten ohnehin knapper Kassen und hoher Staatsverschuldung ein gewagter Stoß – ins für meine Begriffe richtige Horn.

Frustige Weihnachten für freenet-Kunden.

Als freenet-Kunde traf mich – wie vermutlich auch viele andere freenetter – zu Beginn des Monats eine Nachricht wie aus heiterem Himmel:
freenet geht in der 1&1 Internet AG auf, und ich war somit ab
1. Dezember nicht mehr freenet-, sondern 1&1-Kunde. Zack. Einfach so, ohne dass ich vorab informiert und um meine Zustimmung zu Anbieterwechsel und Datenweitergabe gebeten worden wäre.

Dazu muss erwähnt werden, dass ich vor einigen Jahren schon einmal 1&1-Kunde war – und nach nicht einmal einem Jahr entnervt vorzeitig gekündigt hatte, weil unsinnige Sondergebühren erhoben worden waren und der Kundenservice schon chronisch nicht erreichbar oder aber nicht sonderlich hilfreich war.
Nie wieder, so hatte ich mir damals geschworen, würde ich zu diesem Anbieter wechseln.
Denkste, Puppe! 1&1 hat sich sozusagen durch die Hintertür reingeschlichen und pocht jetzt auf Vertragserfüllung.

Der Hammer dabei ist ja: 1&1 pocht also auf Vertragserfüllung, andersrum hingegen kann überhaupt keine Rede mehr von den gewohnten Service-Qualitäten von freenet sein, die mir dort vertraglich zugesichert waren.
Der Kundenservice bei 1&1 ist schon seit Tagen nicht erreichbar, ich hing schon x-mal bis zu 20 Minuten in Warteschleifen, die automatische Anrufannahme schafft es nicht einmal, die über Telefon-Tastatur eingegebene Kundennummer korrekt zu erfassen – und das alles, um einen simplen Tarifwechsel in Auftrag zu geben.
:evil:

Bei 1&1 hat sich also trotz des neuerdings aufgrund der notorisch hohen Kundenunzufriedenheit eingeführten Postens eines “Leiters Kundenzufriedenheit” nichts an den unmöglichen Service-Bedingungen geändert.

Für mich schlichtweg ein Skandal, dass Leute, die mit einem Unternehmen ihrer freien Wahl einen Versorgungsvertrag abgeschlossen haben, gezwungen werden sollen, Servicestrukturen eines Konkurrenzanbieters zu akzeptieren (Rechtsnachfolge hin oder her), die unter alle Würde sind und die sie aus freien Stücken niemals gewählt hätten, zumal 1&1 diesbezüglich ja bereits ein mehr als desolater Ruf vorauseilte. Von freier Anbieterwahl kann da eigentlich keine Rede mehr sein.
Toll habt’s das hingekriegt, liebe freenet-Leute. :roll: